Claudia Neumann

Bereichsleiterin Kinder- und Jugendbeteiligung

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Wir haben etwas zu feiern!

10 Jahre Bündnis Recht auf Spiel und Weltspieltag

Im Jahr 2008 hat das Deutsche Kinderhilfswerk das Bündnis Recht auf Spiel ins Leben gerufen. Das Ziel dabei war, das Kinderrecht auf Spiel und Ruhe gemeinsam mit Partnern bekannt zu machen und zu stärken. Es blieb nicht dabei: Auch der Weltspieltag fand im Jahr 2008 das erste Mal statt und wird seitdem vom Deutschen Kinderhilfswerk koordiniert und so zu einem deutschlandweiten Event gemacht.

Anlässlich dieser beiden 10-jährigen Jubiläen finden Sie hier über das Jahr 2017 hinweg Fragen von uns und Antworten von prominenten Persönlichkeiten zum Wert des freien Spiels.

Interview mit Prof. Dr. Lothar Krappmann

Der Soziologe und Pädagoge Prof. Dr. Lothar Krappmann ist ein international anerkannter Forscher im Bereich Kindheit und Kinderpolitik. Er ist Vorsitzender der Sachverständigenkommission im Vorhaben "Kinderfreundliche Kommunen" und war unter anderem Vorsitzender der Sachverständigenkommission zur Erarbeitung des 10. Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung. Als Kind galt für ihn die Devise: Schularbeiten fertig und raus!

Eine unserer Bündnisbotschaften lautet: Spielen bildet! Als ehemaliges Mitglied im UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes haben Sie sich in besonderem Maße für das Recht auf Spiel eingesetzt. Wieso liegt Ihnen vor allem das freie, möglichst selbstbestimmte Draußenspiel so am Herzen? Was bringt es den Kindern, was lernen sie im Spiel?

Im Spiel denken, handeln und urteilen Kinder selbständig. Auch wenn Spielregeln vorgeschrieben sind, müssen sie oft erst aushandeln, wie sie Regeln verstehen und anwenden wollen und wie sie mit Verstößen umgehen. 

Oft gibt es wilde Diskussionen; spielgefährdende Probleme tauchen auf: Was ist fair, was ist ge-recht? War es Absicht oder ein Versehen? Wie werden neue Vorschläge integriert? Wie geht man mit Störern um? Spiel ist intensives Sozialleben voller Anstrengung und Vergnügen, mit Misslingen und Erfolg. Kinder spielen nicht, um zu lernen. Aber sie entwickeln sich zu kompetenten Mitmen-schen. Denn es kommt so gut wie alles in Spielen vor, was Menschenleben auszeichnet: Spontanei-tät, Kreativität, Strategie, Risiko, Tricks, Moral, Empörung, Spaß, geteilte Verantwortlichkeit. Was kann ich, was mag ich, was traue ich mir zu – hier im Spiel und überhaupt? Das Draußenspiel, ein Stück weit weg von dominierenden Erwachsenen, begünstigt solche Erfahrungen.

Was haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt und wieso haben Sie das in so guter Erinnerung behalten?

Mit meinen Freunden habe ich ganz überwiegend draußen gespielt, denn wir wohnten nach dem Krieg sehr beengt. Schularbeiten fertig und raus! Da warteten schon die anderen. Wir spielten die uralten Spiele in kleineren und größeren Gruppen: Verstecken, Abschlagen, Hüpf- und Hinkespie-le, Ratespiele, Spottgesänge, Ballspiele, Wettkämpfe, meist hier die Jungen, da die Mädchen, aber auch gemeinsam. Es gab Rivalität, Streit, Gemeinheiten, Klopperei, Begeisterung, Triumphgeheul. Die Eltern taten ihre Arbeit, aber schauten ab und an nach uns. Wenn sie eingriffen, gab es eher Ärger, vor allem wenn sie für ihr Kind intervenierten. Daher einigten wir uns lieber vorher selber. Ich glaube, die Spielzeit bleibt so unvergesslich, weil wir Kinder bei uns selber waren.

Wann kommt es heute noch vor, dass Sie spielen, kreativ werden oder sich im spielerischen Wett-bewerb mit anderen messen?

Viel zu selten und kaum mit anderen, seit die Kinder aus dem Haus sind. Im Haus liegen aber immer noch Puzzles herum, Spielkarten, eine Kugelbahn, ein Gerät für simple Computerspiele. Wenn ich mich am Schreibtisch in irgendwelchen Sätzen verheddere, greife ich gern danach für kleine Spiele-reien zwischenhinein. Neugierig sein, neue Antworten finden, sich an ein ungewohntes Thema wagen, das sind für mich spielerische Momente auch im Reden und Schreiben, die dafür sorgen, dass mir der Spaß an Arbeiten erhalten bleibt, die ich immer noch übernehme.

Warum finden Sie Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Viele Spiele verlangen, dass wir uns mit Risiken und Ungewissheit auseinandersetzen. Bei Risiken können wir kalkulieren, was passieren könnte; bei Ungewissheit wissen wir überhaupt nicht, was geschehen wird. Unser Leben ist voller unvermeidbarer Risiken und Ungewissheiten, die hand-lungsunfähig machen können, aber auch Anstoß für neue Lösungen bieten können. Insbesondere Spiele fördern Haltungen, sich von Ungewissheit nicht ängstigen zu lassen, sondern Offenheit, Vieldeutigkeit, Unbestimmtheit zu nutzen, um neue Wege und bessere Lösungen zu finden. Zwar funktioniert die globale soziale, wirtschaftliche und technische Welt sicher anders als Blindekuh in der KiTa (wirklich?). Aber die nötigen kreativen Fähigkeiten wachsen auf demselben Ast der Entfal-tung menschlicher Potentiale. Viel Druck lastet auf Kindern und Erwachsenen, Gegebenes hinzu-nehmen und sich einzufügen. Spiele sind ein Gegengewicht: Wenn sie nicht für Leistung und Kon-sum verzweckt werden, wecken sie Freiheitslust, Mut und Zutrauen, die wir für viele Probleme dringend brauchen.

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Interview mit Regina Hallmich

Die frühere Boxweltmeisterin Regina Halmich setzt sich seit 2014 als Botschafterin für das Deutsche Kinderhilfswerk ein, um Kinderinteressen in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken. So hat sie uns zum Beispiel beim Weltkindertagsfest und der Verleihung der Goldenen Göre unterstützt. Als Kind war sie eigentlich immer draußen unterwegs.

Eine unserer Bündnisbotschaften lautet: Kinder, die rückwärts balancieren, können auch rückwärts rechnen! Du als Sportlerin weiß nur zu gut, dass Kinder mit den körperlichen Fähigkeiten, die sie im Spiel erwerben, auch geistigen Anforderungen besser gewachsen sind. Wie beurteilst du den häufig zu beobachtenden Bewegungsmangel bei Kindern?

Mich erschreckt, wie viel Zeit Kinder heutzutage im Sitzen verbringen – ob vor dem Fernseher oder PC, bei der Nachhilfe oder auf dem Rücksitz des Elterntaxis. Aber auch in der Schule sind sie vielfach zum stundenlangen Rumsitzen verdonnert, durch den Ganztag wird das sicher nicht besser.

Bewegte Unterrichtskonzepte könnten da Abhilfe schaffen, sind aber noch viel zu wenig verbreitet. Das führt nicht nur zu Haltungsschäden und Gewichtsproblemen, die Kinder können sich auch im Unterricht schlechter konzentrieren und werden dadurch schlicht benachteiligt. Das bereitet mir große Sorgen.

Was hast du in deiner Kindheit am liebsten gespielt und wieso hast du das in so guter Erinnerung behalten?

Bevor ich den Sport (es begann mit Judo) für mich entdeckt habe, war ich als Kind eigentlich immer draußen unterwegs. Ich habe mich spontan mit Freuden zum Spielen getroffen oder war mit meiner Schwester unterwegs. Ab und zu waren wir auf Spielplätzen, aber am schönsten war es einfach, durch die Gegend zu streunen und eigenständig die Stadt und die Natur zu erkunden. Ich hatte immer unheimlich viel Energie und die musste einfach raus – sobald die Schule endete, war ich eigentlich immer in Bewegung.

Wann kommt es heute noch vor, dass du spielst, kreativ wirst oder dich im spielerischen Wettbewerb mit anderen misst?

Ich habe in meinem Leben schon unzählige Wettbewerbe bestritten, das habe ich ehrlich gesagt hinter mir gelassen – auch wenn es mir schon noch ab und zu in den Fäusten juckt. Aber ich arbeite noch immer sehr viel und treibe jede Menge Sport. Da kann ich meine Ruhepausen umso mehr genießen. Dann tolle ich gern mit dem Hund rum oder lass die Seele baumeln und die Gedanken schweifen. Einfach mal zur Ruhe kommen und auch mal Langeweile zulassen – das kann auch sehr inspirierend sein.

Warum findest du Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Für Kinder ist Spielen lebensnotwendig, denn so entdecken sie die Welt. Beim Balancieren auf einem Baumstamm lernen zum Beispiel, wie ihr Körper funktioniert und erkunden ganz nebenbei – spielerisch eben – die Gesetzmäßigkeiten der Physik, erfinden neue Spielmöglichkeiten und erproben sich immer wieder neu. Das kindliche Spiel ist also quasi die Urform der Kreativität. Wenn Erwachsene das Kind in sich zulassen und spielerisch durchs Leben gehen, bleiben sie kreativ und können damit besser auf all die Probleme in Job und Alltag reagieren, sie erfinden einfach neue Lösungen. Zudem sind sie meiner Meinung nach einfach die glücklicheren Menschen und reagieren positiver auf ihre Umwelt. Das kann doch eigentlich nur jeder wollen!

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Interview mit Dietmar Hopp

Dietmar Hopp ist Mitbegründer der SAP SE. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er als Mäzen des Profifußballvereins TSG 1899 Hoffenheim bekannt. Mit der Dietmar Hopp Stiftung setzt der Unternehmer gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Sport, Medizin, Soziales und Bildung um. alla hopp! heißt die jüngste und bisher größte Förderaktion der Dietmar Hopp Stiftung. Sie will Jung und Alt für Bewegung begeistern.

Eine unserer Bündnisbotschaften lautet: Fallen lernt man nur durch Fallen. Auf den von Ihrer Stiftung geförderten alla hopp!-Anlagen werden auch ganz bewusst solche Möglichkeiten geschaffen, z.B. auf einem langen, sehr wackligen Balancierbalken oder einem riesigen bekletterbaren Findling. Bieten klassische Spielplätze Ihrer Ansicht nach genug Anreize zum Erwerb von Risikokompetenzen?

Alles, was sich unter freiem Himmel und in der sozialen Interaktion abspielt, trägt meiner Meinung nach zum Erwerb von Kompetenzen im Allgemeinen bei. Ein Spielplatz – sei es nun ein klassischer oder ein moderner – ist so ein Ort, an dem spielerische Elemente auf soziale treffen.

Das fängt beim Klettergerüst und der Schaukel an und hört bei der Wippe, der Rutsche oder dem Balancierbalken noch nicht auf. Wie verhalte ich mich, wenn andere Kinder sich vordrängeln, mich durch ihr Handeln in Gefahr bringen, welche Schlüsse ziehe ich aus Fehlern bzw. schmerzhaften Erfahrungen, wie etwa Verbrennungen auf der Rutsche, dem Sturz vom Klettergerüst usw.? Den Umgang mit Risikosituationen kann man lernen, wenn man sich ihnen aussetzt. Auf Spielplätzen kommen diese Risikosituationen durch das Zusammentreffen der Komponenten Kinder und Bewegung sehr häufig vor.

Was haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt und wieso haben Sie das in so guter Erinnerung behalten?

Kicken auf der Straße! Dabei war der Ball nicht immer rund, manchmal hatten wir sogar gar keinen Ball, sondern etwas, das aus Fahrradschläuchen zusammengeflickt nur so aussah. Wir haben mit allem gekickt, was uns zwischen die Füße kam. Aber das war uns egal. Wir hatten viel Spaß und das Fußballspielen auf der Straße hat uns Abwechslung vom harten Alltag nach dem Krieg verschafft.

Wann kommt es heute noch vor, dass Sie spielen, kreativ werden oder sich im spielerischen Wettbewerb mit anderen messen?

Ich spiele gerne mit meinen zwei Enkelsöhnen. Da bin ich manchmal auch wirklich kreativ. Der spielerische Wettbewerb konzentriert sich darüber hinaus auf das eine oder andere Duell auf dem Golfplatz mit Freunden. Gerne würde ich ja noch Fußballspielen, aber das lassen meine Knochen leider nicht mehr zu.

Warum finden Sie Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Spielen liegt in der Natur des Menschen. Das können wir bei Kleinkindern am besten ablesen. Im Alter lässt der Spieldrang aufgrund äußerer Einflüsse gezwungenermaßen nach, aber er wird nur verdrängt, er verschwindet nicht. Ich denke, dass das Spiel eine Form der seelischen, aber auch körperlichen Entspannung ist und darum auch und gerade für Erwachsene für den Stressabbau sehr wichtig ist und eine große Bedeutung hat.

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Interview mit Enie van de Meiklokjes

TV-Star, Autorin, passionierte Bäckerin – und engagierte Botschafterin für die Kinderrechte! Enie van de Meiklokjes unterstützt das Deutsche Kinderhilfswerk als Moderatorin und Workshopleiterin und hat sich schon vielfach für unser Thema Spielräume eingesetzt.

Eine unserer Bündnisbotschaften lautet: Kinder brauchen Freiräume! Du setzt dich seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk dafür ein, dass Kinder ausreichend Raum und Zeit zum Spielen erhalten. Wieso ist das so wichtig?

Kinder brauchen Freiräume zum Spielen und Toben, um sich zu entfalten und auch soziale Kontakte mit anderen Kindern zu knüpfen und auch mal laut sein zu dürfen. Wer nur im Zimmer hockt und keine anderen Kinder trifft, wird einsam.

Was hast du in deiner Kindheit am liebsten gespielt und wieso hast du das in so guter Erinnerung behalten?

Ich habe es geliebt draußen zu spielen, und da war im Sommer die Gummihopse oder aber auch Verstecken und Fangen ein Muss. Da wo ich wohnte gab es viele Kinder und eine tolle Spielstraße, wir hatten jede Menge Platz und konnten uns da richtig schön austoben.

Wann kommt es heute noch vor, dass du spielst, kreativ wirst oder dich im spielerischen Wettbewerb mit anderen misst?

Ich bin großer Fan von Ausmalbüchern, da kann man noch mal wie ein Kind seine Gedanken schweifen lassen und Elefanten blau anmalen :-) und es gibt immer ein kleines Reisebattle auf langen Autofahrten. Da muss man aufmerksam sein und gelbe Autos zählen, die sind nämlich selten. Ansonsten bin ich schon auch sehr gerne kreativ wenn es um‘s Basteln und Werkeln für die Wohnung geht. Da habe ich mir mein "Alice-im-Wunderland-Auge" bewahrt.

Warum findest du Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Spielen ist wichtig, gerade auch für Erwachsene, da kann man mal für einen Moment den Alltag vergessen und einfach mal abschalten. Gerade Brettspiele mit Freunden können so lustig sein! Ich bin auch der Meinung, würden mehr Erwachsene noch spielen und manchmal auch mit den Augen von Kindern in die Welt gucken, sie wären entspannter und würden mehr lächeln.

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Interview mit André Stern

André Stern ist Musiker, Gitarrenbaumeister und Autor, unter anderem des Bestsellers "... und ich war nie in der Schule".  Darin berichtet der in Paris geborene Komponist, wie er sich in aller Freiheit ebenso eingehend mit Mathematik und Technik beschäftigte wie mit Tanz, Literatur, Gitarrenbau und Sprachen.

Eine unserer Bündnisbotschaften lautet: Manche Dinge lernen Kinder nur ohne Erwachsene. Sie selbst sind das beste Beispiel dafür, dass Kinder über eine angeborene Neugierde verfügen und ihre Potentiale am besten entfalten können, wenn sie ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen. Was hätten Ihnen Erwachsene niemals so gut beibringen können?

André Stern: Diese Frage kann ich nicht wirklich beantworten, weil mir der Vergleich fehlt, was mir Erwachsene hätten beibringen können. Aber: Lernen ist doch nur die Ablage vom dem, was übrig bleibt, wenn wir gespielt haben.

Es ist sonst nichts als die Nebenwirkung des Spielens, wir lernen beim Spielen! Dabei weiß das Kind selbst am besten, was es gerade zum Spielen braucht. Man kann niemanden zwingen, etwas beigebracht zu bekommen, was er gerade nicht braucht und interessiert, was ihn nicht berührt oder betrifft.

Was haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt und wieso haben Sie das in so guter Erinnerung behalten?

Als älteres Kind habe ich sehr sehr viel mit Lego gespielt – das erlaubte und lieferte mir die Materialien für all die Dinge, die ich bauen wollte. Zudem habe ich als Kind jeden Sommer bei den Großeltern auf dem Land in der Provence verbracht und war dort monatelang den ganzen Tag mit meiner Schwester und meinen Cousinen frei draußen spielen. Wir haben zum Beispiel einen Ziegelofen gebaut, in dem man Feuer entfachen und Kartoffeln backen konnte.

Wann kommt es heute noch vor, dass Sie spielen, kreativ werden oder sich im spielerischen Wettbewerb mit anderen messen?

Ich habe eigentlich nie aufgehört zu spielen und habe mir die uns allen angeborene Kreativität beibehalten. Ehrlich gesagt kenne ich gar keinen Unterschied zwischen Spielen und Arbeiten, die Grenzen zwischen Spielen und Arbeiten sind fließend. Ich war gleichermaßen ein "arbeitendes Kind" (in all seiner Ernsthaftigkeit beim Vertiefen ins Spiel) wie ich jetzt spielender Erwachsener bin.

Warum finden Sie Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Das Erste, was ein freies Kind macht: es spielt! Und es würde das ganze Leben lang weiterspielen, wenn man es nicht für angeblich Wichtigeres unterbräche. Daher muss man das spielende Kind ernst nehmen, das ist etwas Heiliges! Erwachsene spielen, um dem Alltag zu entfliehen – Kinder spielen, um sich mit ihrem Alltag zu verbinden. Von Erwachsenen wünschen wir uns solche Qualitäten wie Konzentrationsfähigkeit, Ernsthaftigkeit, Ausdauer, Freiheit, Kreativität – und die Fähigkeit, über sich hinauszuwachsen und vermeintlich Unerreichbares zu erreichen – diesen Mut und diese Qualitäten haben jedoch nur spielende Kinder. Wir träumen also davon, dass unsere Kinder als Erwachsene über jene Qualitäten verfügen, die sie im Spiel natürlich ausleben – reißen sie aber absurderweise aus dieser ihrer Welt heraus, um sie auf diese Qualitäten vorzubereiten! Ich wünschte, wir würden uns wenigstens einen Bruchteil der Eigenschaften spielender Kinder beibehalten!

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Interview mit Ralph Caspers

Der Moderator, Schauspieler und Autor Ralph Caspers ist Botschafter des Weltspieltages 2017. Der dreifacher Vater moderiert unter anderem das Kinder-Wissensmagazin "Wissen macht Ah!", für das er teilweise auch die Drehbücher verfasst.

Sie sind Botschafter des Weltspieltages – wieso setzen Sie sich für das Recht auf Spiel ein?

Ralph Caspers: Spielen macht das Leben schöner.

Was haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt und wieso haben Sie das in so guter Erinnerung behalten?

Mir haben die richtig langen Monopoly-Partien immer ganz gut gefallen. Die, die über zwei Tage gingen. Ich fand aber auch die Wochenenden toll, die meine Freunde und ich spielend vorm C46 verbracht haben. Wer es ganz ernst meinte, wurde mit einer Sehnenscheidenentzündung geadelt. Gut gefallen hat mir aber auch, wenn wir mit Kreide auf der Straße unsere eigenen Straßen aufgemalt haben und da dann mit unseren Rädern und Tretautos langgefahren sind.

Wann kommt es heute noch vor, dass Sie spielen, kreativ werden oder sich im spielerischen Wettbewerb mit anderen messen?

Eigentlich besteht ein Großteil meiner Arbeit aus Spielen. Oder zumindest tu ich so als ob. Und lustigerweise ist das so-tun-als-on ja auch wieder Spielen. Ich komme da einfach nicht raus.

Warum finden Sie Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Unsere Gehirne sind zum Spielen gemacht. Und das meine ich nicht im Frankenstein-Sinn, dass wir uns Gehirne besorgen und mit denen experimentieren. Spielen und experimentieren und den Gedanken freien Lauf lassen sind genau die Eigenschaften, die uns als Menschheit bis hierhin gebracht haben. Es wäre doof, das als kindisch abzutun.

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Interview mit Beate Walter-Rosenheimer

Die Grünen-Politikerin Beate Walter-Rosenheimer ist seit 2012 Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Kinderkommission. Die Kinderkommission unterstützt das Deutsche Kinderhilfswerk seit Jahren als Schirmherrin des Weltspieltags.

Eine unserer Bündnisbotschaften lautet: Kinder brauchen Freiräume. Dieses Thema werden wir auch beim diesjährigen Weltspieltag ansprechen, für den Sie seit vielen Jahren die Schirmherrschaft übernehmen. Was verbinden Sie mit dieser Forderung?

Beate Walter-Rosenheimer: Ich hab so gern draußen mit anderen Kindern gespielt, weil das das Gefühl von "Eroberung der Welt" hatte. Der Phantasie freien Raum lassen, alles war möglich.

Als Kind war es vor allem dieses komplette Eintauchen in eine eigene Welt, das alles andere vergessen und ganz konzentriert sich diesem Spiel widmen, das mir in so guter Erinnerung geblieben ist.

Was haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt und wieso haben Sie das in so guter Erinnerung behalten?

Am liebsten habe ich draußen gespielt, immer mit anderen Kindern und da am liebsten Cowboy und Indianer, sich verstecken, ausspähen, Lager und Zelte bauen. Zu Hause mochte ich es sehr mit meiner Schwester Puppen oder mich Gummi-Twist zu spielen. Später dann als Jugendliche war ich in der Schul-Handball-Mannschaft.

Wann kommt es heute noch vor, dass Sie spielen, kreativ werden oder sich im spielerischen Wettbewerb mit anderen messen?

Richtig aufgehört zu spielen habe ich nie. Als junge Erwachsene haben wir mit Freundinnen und Freunden ziemlich oft Spieleabende veranstaltet, das war sehr lustig und gemütlich. Später dann jahrelang mit meinen fünf Kindern, draußen im Sand, Fangen spielen, Verstecken, aber natürlich auch Brettspiele. Und auch heute noch mag ich Brettspiele, am allerliebsten schon immer "Mühle", aber auch "Halma" oder "Rommee" mit meiner Mutter oder "Tabu" und Quizspiele mit meinen Kindern.

Warum finden Sie Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Spielen ist aus verschiedenen Gründen wichtig: für Kinder ist es "leben lernen", für Heranwachsende eine Auszeit vom Alltag, eine fröhliche oder spannende Auszeit, ein miteinander Planen, Ausführen, Ringen im positiven Sinn. Warum man nie aufhören sollte zu spielen: weil spielerisch vieles leichter fällt. Weil es Phantasie fördert, Ausdauer trainiert, Kontakt zu Mitmenschen pflegt, Auszeit vom Alltag gibt, die Möglichkeit für eine gewisse Zeit aus allem auszusteigen, Sorgen zu vergessen, das Gedächtnis trainieren, flexibel zu bleiben.

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Interview mit Tiger & Bär

JANOSCHs Kleiner Tiger und Kleiner Bär wohnen in einem gemütlichen Haus an einem ruhigen Fluss. So richtig ins Rampenlicht sind sie durch ihre Reise nach Panama gekommen. Die kennt fast jedes Kind.

Das Deutsche Kinderhilfswerk haben sie 2016 beim Weltspieltag unterstützt und in einem Video zum Motto "Spielen überwindet Grenzen" für den weltweiten Aktionstag geworben.

Eine unserer Bündnisbotschaften lautet: Spielen überwindet Grenzen. Dieses Thema liegt euch auch am Herzen, ihr habt den Weltspieltag 2016 bei der Verbreitung dieser Botschaft unterstützt – wieso setzt ihr euch dafür ein?

Tiger & Bär: Das Leben ist unheimlich UND schön. Beim Spielen können wir es entdecken.

Was habt ihr in Eurer Kindheit am liebsten gespielt und wieso habt ihr das in so guter Erinnerung behalten?

Mit dem Gartenschlauchtelefon telefonieren. Dann war keiner mehr einsam.

Wann kommt es heute noch vor, dass ihr spielt, kreativ werdet oder euch im spielerischen Wettbewerb mit anderen messt?

Immer, wenn wir Neues entdecken wollen, spielen wir los.

Warum findet ihr Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen? 

Weil man mit Spielen seinem „Traumland“ immer näher kommt. „Komm, wir finden einen Schatz“

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Interview mit Prof. Dr. Gerald Hüther

Prof. Dr. Gerald Hüther ist Professor für Neurobiologie und leitet die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Einem breiten Publikum wurde er vor allem durch zahlreiche Veröffentlichungen (u.a. "Etwas mehr Hirn, bitte: Eine Einladung zur Wiederentdeckung der Freude am eigenen Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten") als Hirnforscher bekannt. Prof. Dr. Hüther setzt sich immer wieder für das freie Spiel von Kindern ein.

Sie fordern in Ihrem aktuellen Buch „Rettet das Spiel!“ – wieso ist es denn in Gefahr?

Prof. Dr. Gerald Hüther: In einer Welt, in der alles, was wir tun immer effizienter, wirtschaftlicher und zweckdienlicher sein muss, bleibt kein Raum mehr für das, was uns als Mensch ausmacht und was unsere Kinder mehr als alles andere für die Entfaltung der in ihnen angelegten Potentiale brauchen: das spielerische, kreative und phantasievolle Ausprobieren all dessen, was möglich ist und wie es funktioniert.

Was haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt und warum haben Sie das in so guter Erinnerung behalten?

"Mensch ärgere Dich nicht“ habe ich am liebsten gespielt, weil ich dabei so wunderbar erleben konnte, wie meine Mitspieler – und ich selbst – reagierten, wenn etwas nicht so lief, wie sie sich das wünschten.

Wann kommt es heute noch vor, dass Sie spielen, kreativ werden oder sich im spielerischen Wettbewerb mit anderen messen?

Schon immer nutze ich jede Gelegenheit, um spielerisch auszuprobieren, was geht. Während meiner Tätigkeit als Universitätsprofessor ging das leider nicht immer so gut. Da musste ich allzuoft das machen, was andere von mir erwarteten.

Warum finden Sie Spielen so wichtig und warum sollten auch Erwachsene noch spielen?

Spielen ist das beste Training für Kreativität und Phantasie. Wer beides nicht braucht, der braucht auch nicht zu spielen, egal, wie alt sie oder er dann schon geworden ist.

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