Zeichen setzen für Kinder!

1.000 Zeichen für Kinder in Deutschland

Zwei Jahre lang war der Mittwoch unser Serientag: Von 2013 bis 2015 äußerten sich jeden Mittwoch um 12 Uhr Expertinnen und Experten der Kinder- und Jugendhilfe sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens mit 1.000 Zeichen zu einem kinderpolitischen Thema. Ziel dieser Rubrik war es, die Öffentlichkeit verstärkt auf die Belange von Kindern aufmerksam zu machen. Lesen Sie hier alle Statements:

Kinderrechte liegen mir am Herzen!

14.10.2015

Seit mehr als 25 Jahren gibt es die UN-Kinderrechtskonvention und damit verbriefte Rechte für alle Kinder und Jugendlichen dieser Welt. Diese Kinderrechte liegen mir sehr am Herzen – aber es gibt leider auch viele, die davon gar nichts wissen, auch bei uns in Deutschland. Es ist wichtig, darüber zu reden, wie Kinderrechte in Deutschland umgesetzt werden und wo es noch nicht so gut läuft. Wo sind unsere Rechte auf Privatsphäre, auf Mitbestimmung oder auf Freizeit? Wo bleiben Maßnahmen der Bundesregierung, um die Kinderarmut in Deutschland wirkungsvoll zu bekämpfen? Und vor allem: Wann werden die Kinderrechte endlich ins Grundgesetz aufgenommen? Wir brauchen in Deutschland eine Politik, die Kinder und Jugendliche mehr einbezieht und darauf hört, was wir zu sagen haben. Es muss Schluss sein mit den Ausreden und dem Weggucken, wenn es um Kinderrechte geht. Wir sind die Zukunft unseres Landes, aber vor allem auch die Gegenwart. Lasst uns teilhaben, lasst uns erwünscht sein, lasst uns ins Grundgesetz! Das fordern wir Kinder und Jugendlichen mit vereinter Stimme.

Lara Lippert
Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes

Wo Magie entsteht und Zauber bleibt ...

07.10.2015

Im Alter von etwa drei bis fünf Jahren spricht Piaget bei Kindern von der magischen Phase. Stimmen die Umstände und wird sie vertrauensvoll zugelassen und gefördert, entstehen irgendwo zwischen Fabelwesen, Weihnachtsmann, Osterhase, Zauberern, Hexen und Superhelden wunderbar magische Realitäten, die sogar stärker sind als persönliche Erfahrungswerte und uns schon sehr früh Sozialverhalten lehren, moralische Werte vermitteln und starke Vorbilder schaffen.Einmal enttarnt, werden sie in der Regel nicht als Lüge wahrgenommen. Es bleibt etwas zurück von der Magie: Der Zauber. Und immer wenn wir im Geiste eine kleine Zeitreise antreten, spürt man ihn wieder den Zauber. Er steckt in den Erinnerungen. Bleiben wir doch den Kindern gegenüber Märchenerzähler, Legendenbeschützer und Magier und fördern früh ihre Phantasie und Vorstellungskraft. Diese Mission vermag einen sogar selbst gern aufs Neue zu verzaubern. Und man muss dafür kein Schauspieler sein. Das haben wir alle in besagter Zeit gelernt.

Raphaël Vogt
Schauspieler

Sport stärkt das Selbstbewusstsein

30.09.2015

Kinder sind unsere Zukunft. Wir sollten alles versuchen, ihnen einen optimalen Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen! Dabei spielt Bildung eine große Rolle. Ich bin allerdings überzeugt, dass auch der Sport einiges dazu beitragen kann, dass sie zu zufriedenen, selbstbewussten und aufgeklärten Jugendlichen heranwachsen. Im Sport gelten gleiche Regeln für alle, unabhängig von gesellschaftlicher Stellung, Religion oder Hautfarbe. So ist es kein Zufall, dass besonders in Sportvereinen interkultureller Austausch und Toleranz selbstverständlich sind. Beim sportlichen Miteinander lernen Kinder zudem, sich in die Gruppe zu integrieren, Kompromisse einzugehen, mit Frust und Druck umzugehen. Sport stärkt auch das Selbstbewusstsein, jeder Fortschritt erfüllt die Kinder mit Stolz. Man muss nicht Weltmeister werden, um bei sportlichen Aktivitäten Erfüllung zu finden. Abgesehen von gesundheitlichen Vorteilen und vom Spaß bereitet so der Sport ganz nebenher auf das Leben vor und erweitert den Horizont. Kinder zu ermutigen und ihnen zu ermöglichen, Sport zu treiben, verdient jede Anstrengung der Eltern und auch der Gesellschaft!

Britta Heidemann
Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin Fechten

U 18 macht Spaß

23.09.2015

Demokratie ist wie Sex: Es gibt unzählige Bücher und Filme zu dem Thema, alle Leute reden darüber und trotzdem fragt sich jeder Mensch früher oder später: „Was soll eigentlich die ganze Aufregung?“ Das ist eine gute Frage. Und damit beim ersten Mal jeder weiß, wo was reingesteckt wird – nämlich die Wahlkarte in die Urne –, gibt es die U18-Wahl. Nicht nur verschafft dieses Projekt jungen Menschen eine Stimme in unserer Gesellschaft, es führt sie auch spielerisch an Politik heran und an die Funktionsweisen der Demokratie. Hört sich geheimnisvoll an, macht aber sehr viel Spaß. Denn Demokratie ist anders als die Familie, da gibt es meistens zwei Herrscher, Mutter und Vater, und was die sagen ist Gesetz. In der Demokratie braucht es ein paar Leute mehr, ehe irgendwas Gesetz wird, nämlich eigentlich den ganzen Rest der Familie auch. Deshalb wünsche ich mir, dass bei U 18 auch weiterhin viele mitmachen, und dass jüngere Menschen dadurch ihr Interesse an Politik entdecken, dass es Sinn macht sich zu engagieren, auch wenn „nur wählen“ ist.

Ralph Caspers
Fernsehmoderator

Kinder haben was zu sagen!

16.09.2015

Alle Kinder in Deutschland müssen die Chance bekommen, ihr Leben und ihre Zukunft positiv zu gestalten. Egal, aus welchem Land oder aus welchen sozialen Verhältnissen sie kommen. Deshalb dürfen wir uns nicht an Kinderarmut und ungleiche Bildungschancen in unserem Land gewöhnen, sondern müssen mit allen Mitteln, die wir haben, dagegen angehen. Und wir müssen Kinder endlich ernster nehmen. Ihre Interessen werden bei politischen Entscheidungen noch immer zu wenig berücksichtigt. Hier sollten wir auch auf das hören, was Kinder zu sagen haben und sie an Problemlösungen in ihrem Umfeld beteiligen. Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland engagieren sich, in Jugendverbänden, in sozialen Projekten oder in der Schule. Sie treten hier für ihre eigenen Rechte oder für die Rechte anderer Kinder ein. Das machen sie aber nur so lange mit Freude an der Sache, wie wir Erwachsenen uns zurücknehmen und das Vertrauen in Kinder setzen, das sie verdient haben. Also lassen wir Kinder endlich das sagen, was sie zu sagen haben!

Regina Halmich
Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes

Bedeutende Lernorte

09.09.2015

„Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, sagt ein afrikanisches Sprichwort, und um heutzutage ein selbstbestimmter Erwachsener zu werden, bedarf es einer ganzen Bildungslandschaft mit vielfältigen Lerngelegenheiten und Orten, die eine umfassende Entwicklung verschiedener Kompetenzen ermöglichen und zum Lernen einladen. Eine solche Landschaft ist bunt und reizt die Lust zu entdecken. Sie hat Gärten, Wald, Wiesen, freie Flächen und Nischen, wo Kinder sich selbst organisieren und ihre eigenen Spiele entwickeln und sich neue Welten erschließen können. Orte in denen sich Naturerlebnisse mit selbstverantwortlichem Handeln verbinden, wie auf einer Kinder- und Jugendfarm oder auf einem Aktivspielplatz. Ich wünsche mir, dass durch eine interprofessionelle Zusammenarbeit von Schulen und anderen Bildungsorten im Sozialraum sichergestellt wird, dass jedes Kind von einer maximalen örtlichen Vielfalt und damit einer ganzheitlichen Bildung profitieren kann.

Hans-Jörg Lange
Geschäftsführer des Bundes der Jugendfarmen und Aktivspielplätze e.V.

Kinder sind der größte Schatz

02.09.2015

Kinder sind die Zukunft unserer Gattung, also sollten wir alles tun, um ihr Heranreifen und ihre Entwicklung zu unterstützen! Das fängt für mich in den Kindergärten an, wo Erzieherinnen viel zu schlecht bezahlt werden. Unser reiches Land müsste viel, viel mehr Geld in die Betreuung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen investieren. Die Lehrpläne in den Schulen sollten sich eben nicht an Pisa und irgendwelchen Bedürfnissen der Wirtschaft orientieren, sondern junge Menschen möglichst nachhaltig zu einem Grundverständnis der sie umgebenden Welt anleiten. So etwas wie mit fünf Jahren schon in die Schule müssen und dann das Turboabitur (G8) sind absurde Auswüchse eines Systems, das unbedingt reformiert gehört! Kinder brauchen keine Noten, sie brauchen viel Zuwendung, Zeit, um eigene Leidenschaften zu entwickeln, aber auch Zeit zum Spielen... Und wir Erwachsenen können von Kindern lernen, was bei uns oft durch Erziehung und Berufsalltag verloren gegangen ist, nämlich die Unmittelbarkeit und die unglaubliche völlig vorurteilsfreie Offenheit, mit der Kinder der Welt begegnen. Kinder sind der größte Schatz, den wir Menschen haben, lasst uns alles daran setzen, auf sie aufzupassen!

Martin Brambach
Schauspieler

Aus Fehlern lernt man

26.08.2015

Aus Fehlern lernt man, sagt der Volksmund. Unsere Leistungsgesellschaft verlangt aber inzwischen schon von Kindern diese möglichst zu vermeiden. Kinder werden früh mit einem System konfrontiert, das ihnen vorgefertigte Fragen vorgibt, die sie entweder richtig oder falsch beantworten können. Das Leistungsprinzip verlangt, dass alle in der gleichen Zeit dasselbe lernen und gibt vor, wie das Ergebnis auszusehen hat. Das generiert pflichterfüllende Einzelkämpfer, statt soziale, kreative, selbstverantwortliche Menschen. Kinder geraten unter Druck und verlieren ihre Gestaltungsfreude, die zum effektiven Lernen und Entwickeln eigener Handlungskompetenzen unerlässlich ist. Dort wo man neues ausprobiert, gibt es verschiedene Herangehensweisen. Einige führen zum Erfolg, andere lassen uns scheitern. Weil das Scheitern absolut vermieden werden soll, wagt auch niemand etwas. Fehler gehören aber zum Leben dazu! Die Herausforderung liegt darin, Kindern zu vermitteln, darin keine persönliche Katastrophe, sondern eine Chance zu sehen. Lehrinstitutionen und Eltern sollten sich gegenseitig und den Kindern die Angst nehmen, dass sie für mutiges Ausprobieren, respektive für das Scheitern Häme ernten, sondern dafür anerkannt werden. Damit Kinder zu selbstbewussten Persönlichkeiten mit emotionaler Kompetenz heranreifen, die mit eigenem Engagement und gemeinsam mit anderen Menschen die herausfordernden Situationen der Zukunft bewältigen können.

Eva-Maria Grein von Friedl
Schauspielerin

Ein Zuhause für Kinder

19.08.2015

Wenn sich Kinder ihr Zuhause malen könnten, so die Ergebnisse eines von uns schon vor Jahren initiierten Malwettbewerbs, dann zeichnen sie Burgen, Mühlen, Bauernhöfe, Häuser mit Strohdach, große Gärten, Seen, Bäume, Blumen, Spielplätze und - ganz wichtig - für sich ein eigenes Zimmer, das größte Zimmer im Haus. Kinder malen sich ihre Traumwohnung, ihr Traumhaus weit weg von der Wirklichkeit. Denn die sieht häufig anders aus. Natürlich haben Kinder eine Wohnung, ein Dach über dem Kopf, aber ein Zuhause, in dem sie sich wohl fühlen, haben sie nicht immer. Viele Familien mit Kindern müssen in Wohnungen leben, die zu klein sind, in denen es kein eigenes Kinderzimmer gibt, weil eine größere Wohnung nicht bezahlbar ist. Die kindgerechte, familienfreundliche Wohnung gibt es zwar auf dem Papier, in der Wirklichkeit aber viel zu selten. Wir brauchen mehr bezahlbare Wohnungen, gerade auch in den Städten, ggf. finanzielle Unterstützung für junge Familien und ein kindgerechtes Umfeld sowie natürlich freundliche Nachbarn, die sich nicht bei jedem Geräusch beschweren, damit Kinder sich in ihrer Wohnung zu Hause fühlen können.

Dr. Franz-Georg Rips
Präsident des Deutschen Mieterbundes

„Damit du es später einmal besser hast“

12.08.2015

Für eine lange Zeit galt der Wunsch, dass Kinder auf das aufbauen sollten, was die Elterngeneration erreicht hatte. Der Satz: „Du sollst es später mal besser haben“ war so zwar auch Entbehrungen, aber vor allem der Hoffnung geschuldet, das Dasein der eigenen Kinder verbessern zu können. Heute müssen wir uns die Frage stellen, ob unser Handeln und Denken nicht mehr und mehr auf die Versorgungssicherheit und Bequemlichkeit der Gegenwart ausgerichtet ist. Fördern wir genügend die Visionsfähigkeit unserer Kinder? Kinder müssen ermutigt werden, dass Unmögliche, das „Unvernünftige“ zu träumen. Sie brauchen Liebe, Zuspruch und Anerkennung, um ihren Mut und ihr Selbstbewusstsein widerstandsfähig gegen Krisen und Anfeindungen ausbilden zu können. Und sie brauchen Raum und Zeit, um ihre Phantasien aufblühen zu lassen. Kinder sind der entscheidende Baustein für unsere Entwicklungsfähigkeit. Sie sind die möglichen Lösungen für heutige Probleme und Konflikte. Wo wir scheitern, können sie einen Weg finden. Wenn wir ihre Phantasie respektieren und fördern und nicht ihre Flügel stutzen und sie einsperren in den Mainstream unseres Anpassungswahns. In unserem Gesellschaftssystem spielen Kinder die zweite Geige. Sie müssen den Plänen der Erwachsenen folgen und sind die ersten Opfer von Armut. Wenn wir wirklich etwas verbessern wollen, müssen wir das verändern.

Stefan Jürgens
Schauspieler und Musiker

Minderjährige Flüchtlinge brauchen Schutz und Förderung

05.08.2015

Nichts rührt uns mehr, als die Bilder von verängstigten und weinenden Kindern in Krisen- und Kriegsgebieten. Der automatische Reflex: Da können wir nicht tatenlos zusehen! Wir müssen helfen!! Auf der Suche nach Asyl gelingt tatsächlich einigen dieser Kinder mit ihren Familien, aber oft auch allein, die Flucht. Sind sie erst einmal hier, ist das Interesse der Medien eher verhalten und die Öffentlichkeit nimmt die jungen Menschen allzu oft als unwillkommene Eindringlinge wahr. Und wie geht unser Gemeinwesen mit ihnen um? Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist stark erschwert, schulische Bildung nicht vorgesehen. Die Unterkünfte sind meist nicht kindgerecht, es gibt weder Raum noch Möglichkeit für sinnvolle Beschäftigung, und über allen schwebt das Damoklesschwert der Ausweisung. Auch um deutlich zu machen, dass die minderjährigen Flüchtlinge zu Deutschland gehören, werden wir in unserer diesjährigen Themenwoche ‚Heimat‘ ihren Alltag beschreiben und die Frage nach ihren Perspektiven stellen.

Volker Herres
Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen

Frühkindliche Karies bekämpfen

29.07.2015

Eine gute Mundgesundheit bei Kindern ist die Basis für eine gesunde körperliche Entwicklung und für gesunde Zähne im Erwachsenenalter. Leider ist die sogenannte Frühkindliche Karies bei Kindern unter drei Jahren ein wachsendes Problem – obwohl Karies in der Allgemeinbevölkerung immer mehr zurückgeht. Die Zahnärzte wollen deshalb Vorsorge und Therapie bei Kleinkindern verbessern. Damit Karies frühzeitig erkannt wird und am besten gar nicht erst entsteht, sollten Eltern schon früh über richtige Mundhygiene und zahngesunde Ernährung aufgeklärt werden. Unserer Meinung nach funktioniert das am besten mit neu eingeführten zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen für Kleinkinder zwischen sechs und 30 Monaten – analog zu den ärztlichen Kinder-Untersuchungen. Eine gute Mundgesundheit beginnt nämlich schon mit dem ersten Milchzahn.

Dr. Peter Engel
Präsident der Bundeszahnärztekammer

Das deutsche Schulsystem ist nicht gerecht

22.07.2015

Nico, Klaus und Benny starten gemeinsam in der kleinen Vorschulklasse im Berliner Südwesten. Die Jungs wechseln zum Schulstart ins Hauptgebäude. Fast alle Eltern treffen sich zum Streichen des Klassenzimmers. Als die erste größere Klassenreise bevorsteht, können einige Eltern nicht mithalten. Die Klassenlehrerin bittet um Spenden der anderen Eltern. Die Reise findet statt und alle Kinder sind dabei. Das alles ist lange her und die drei Jungs sind inzwischen Welten voneinander entfernt. Nico machte Abitur und studiert. Klaus hat die Schule abgebrochen und jobbt in einem Baumarkt. Benny scheiterte in der Realschule und hat irgendwann den Hauptschul-Abschluss nachgeholt. Klaus und Benny sind unter ihren Möglichkeiten geblieben. Die Eltern konnten beide nicht fördern, die Lehrer haben ihr Scheitern in der Schule nicht verhindert. Es war niemand da, der Geduld und Unterstützung für beide aufbrachte. Das deutsche Schulsystem ist nicht gerecht, die Chancen sind nicht gleich verteilt und diese Ungerechtigkeit wird erkannt, aber nicht verändert. Das ist der eigentliche Skandal und wir alle sollten nicht mehr bereit sein, ihn hinzunehmen.

Birgit Wentzien
Chefredakteurin des Deutschlandfunk

Kinder zu selbstdenkenden und selbstbewussten Menschen erziehen

15.07.2015

Was gibt es schöneres, als Kinder aufwachsen zu sehen. Diese Leidenschaft, sich in kleinsten Details zu verlieren, die unbeschwerte Kreativität, Dinge auszuprobieren, die Welt zu entdecken, Fehler zu machen und geduldig wieder von vorn anzufangen. Wir sollten Kinder mehr stärken, diese Fähigkeiten nicht zu verlieren. Gerade in dieser von immer mehr Medien geprägten Welt brauchen sie unser Engagement, damit all dies nicht verloren geht.In meinem Umfeld haben die Kinder oft schon mit 10 Jahren einen Laptop, Tablet oder mindestens ein Smartphone – und sie können damit besser umgehen, als mit der Laubsäge. Es wird Kindern immer weniger vorgelesen und die Kreativarbeit oft der Schule überlassen. Welten werden nicht mit Bausteinen, sondern virtuell im Netz erschaffen – allein. Wir dürfen unsere Kinder nicht allein lassen, es uns einfach machen! Es wird sich auszahlen, wenn wir ihre Kreativität ständig fördern und sie so zu selbstdenkenden und selbstbewussten Menschen erziehen. Denn – das ist nicht neu, stimmt aber: Unsere Kinder sind unsere Zukunft! 

Fabian Busch
Schauspieler und Regisseur

Kinder sollen toben dürfen

08.07.2015

Ich finde es schön, Kinder zu sehen, die spielen, aktiv sind, lachen und dabei auch ruhig mal etwas lauter werden. Kinder, die sich ordentlich austoben dürfen, fällt es sicher leichter sich in der Schule zu konzentrieren. Durch den körperlichen Ausgleich werden auch die Leistungen in der Schule positiv beeinflusst, die Motivation zu lernen nimmt zu, da spreche ich aus eigener Erfahrung. Ein guter Sportunterricht gehört für mich daher genauso in den Stundenplan wie Lesen und Schreiben lernen. Vor allem in der heutigen Zeit, in der man das Gefühl hat, dass nur wenige Eltern mit ihren Kindern noch etwas aktiv unternehmen, die Kinder unbeweglich und träge werden und „normale“ Kinder plötzlich als Hyperaktiv bezeichnet werden. Als Botschafterin für Life Kinetik® weiß ich, dass durch die tägliche 10 Minuten Pause, die an einigen Schulen schon erfolgreich eingeführt wurde, sehr gute Resultate bei schulischen Leistungen erzielt wurden. Bei Life Kinetik® wird das Gehirn durch bestimmte Bewegungskombinationen trainiert. Die Kinder (und nicht nur die) können sich besser konzentrieren, besser selbstständig arbeiten und erfahren andere positive Entwicklungen. Es kehrt sogar mehr Ruhe in den Klassenräumen ein, was das Lernen deutlich erleichtert. Kinder sind die Zukunft. Natürlich soll man sie fördern und auch altersgerecht fordern, aber nicht nur in den Schulbüchern oder inzwischen vor Computern, sondern ihnen auch den Spaß an Bewegung vermitteln, damit die neue Generation wieder weniger unter chronischen Rückenbeschwerden und Burn out leidet.

Andrea Burke (ehem. Henkel)
Biathlon Olympiasiegerin und Weltmeisterin

Für ein Abitur nach 13 Jahren

01.07.2015

Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit, die ja auch noch nicht so lange her ist. Ich musste immer gute Noten abliefern, Hausaufgaben machen, Referate halten und in den Sportverein gehen. Das was man eben so tun „muss“ als Kind. Manchmal war das stressig, aber ich hatte einen Vorteil: Ich habe G9 gemacht. Heute müssen Kinder in nur 12 Jahren ihr Abitur schaffen, mit der Konsequenz: Der Druck in der Kindheit und in der Jugend nimmt immer mehr zu. Kinder haben zunehmend Scheuklappen auf, müssen und können sich nur noch auf die Schule konzentrieren. Ich halte das für gefährlich! Denn Kinder brauchen Zeit, um sich mit den Dingen beschäftigen zu können, für die sie sich interessieren. Wie sonst können Kinder Interesse für wichtige Themen entwickeln? Kinder sollten nicht nur über Lehrplan-Themen Bescheid wissen, sondern auch ein breites Allgemeinwissen haben. Sie müssen wissen was in der Welt passiert. Wie sollen sie sonst ohne breites Allgemeinwissen kritisch urteilen und denken können? Deshalb bin ich der Meinung, dass wir bei allem Leistungsdruck nicht vergessen sollten: Kinder brauchen Zeit für sich und die Freiheit, sich mit den für sie wichtigen Dingen beschäftigen zu können.

Tim Schreder
logo! - Moderator beim KiKA

Für eine Kindheit als eine Zeit der Muße und des zweckfreien Spiels

24.06.2015

Die Freizeit von Kindern wird immer stärker von Erwachsenen gestaltet und verplant. Kitas bieten Frühenglisch und Chinesisch für Dreijährige an. Ratgeber erläutern, welchen „Baustein“ in der Entwicklung des Kindes dieses oder jene Spiel bildet. Hier wird die Motorik geschult, dort das Gedächtnis, hier ein Kind sprachlich oder musisch gefördert – Spiel ohne Förderung, ohne Lerneinheit, scheint nicht mehr denkbar zu sein. Nicht einmal der allererste Spielwürfel meines Sohnes kam ohne den Hinweis aus, dass die „fröhlichen Farben“ und das Gerassel ein perfektes Training für diverse Sinnesorgane sind. Schon Kinder sollen, scheint es, so schnell wie möglich „fit“ für den Konkurrenzkampf in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt gemacht werden. Immer weniger wird die Kindheit als eine Zeit der Muße und des zweckfreien Spiels begriffen. Lange Spaziergänge und ungeplante Entdeckungsreisen (die neben der „äußeren“ immer auch eine seelische Qualität haben) wie sie Hermann Hesse als Knabe beschrieben hat – undenkbar. Der Einzug des neoliberalen Arbeitsmodells in die Kinderstube mit dem Anspruch, das Kinder ständig etwas „Sinnvolles“ tun müssen, hat sich ebenso verführerisch wie wirkungsvoll vollzogen. Das Erwerbsleben der Erwachsenen dominiert es schon längst. Zumindest in unserem Teil der Welt werden die Menschen immer älter, doch die Kindheit verkürzt sich stetig. Das ist eine höchst bedenkliche Entwicklung. Wir geben den Kindern heute viel, aber schränken ihr wichtigstes Gut viel zu stark ein: Zeit.

Tanja Dückers
Autorin und Journalistin

Kindern positives Denken vermitteln

17. 06.2015

Natürlich sind Kinder wichtig für unsere Zukunft, aber Kinder sind auch unsere Gegenwart. Um sie in ihrer Entwicklung zu fördern, sollten wir ihnen mit auf den Weg geben, dass sie immer positiv bleiben sollen. Nur daraus kann man Motivation und Kraft schöpfen – nicht aus Ärger. Auch wenn es gerade Kindern, die in benachteiligten Verhältnissen aufwachsen, an vielem mangelt und sie unsere besondere Unterstützung brauchen. Ich selbst erinnere mich gerne an meine Kindheit zurück, gerade weil ich schon in sehr jungen Jahren zielorientiert den Weg des Leistungssports einschlagen habe. Das Turnen war und ist die Basis für alles: Es gibt jedenfalls nichts Besseres, um das Bewegungsempfinden und ein gesundes Körpergefühl zu schulen. Man kann danach ja immer noch umsatteln und meinetwegen Fußball spielen. Neben dem Sport ist es aber auch wichtig, dass wir unseren Kindern in der Familie, in der Schule oder im Sportverein Werte vermitteln. Beispielsweise Respekt, Fairness, Verantwortungsbewusstsein, Mitgefühl, Dankbarkeit und Freundschaft.

Fabian Hambüchen
Kunstturner

Kindern Selbstbewusstsein geben

10.06.2015

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich zu großen Teilen an Äußerlichkeiten – man könnte auch sagen: an Oberflächlichkeiten – orientiert. Schönheitsideale und der gefühlte Druck, ihnen entsprechen zu müssen, sind ein Teil dieses Mechanismus, der uns von allen Seiten umgibt. Für Kinder ist es deshalb besonders wichtig, in dem Wissen aufzuwachsen, dass sie nicht ihr Körper sind – sondern viel, viel mehr als das. Sie müssen lernen, dass äußere „Schönheit“, wie sie von anderen definiert wird, kein wertbestimmender Moment ist. Dass „Schönheit“ immer relativ und ein Ideal lediglich absurd ist – denn es wird nicht durch so etwas wie ein objektives Schönheitsempfinden geprägt (das es gar nicht gibt), sondern durch ganz andere Faktoren wie Zeit, Raum und Ökonomie. Kinder sollten erfahren, dass sie frei sind in ihrer Entscheidung, wie sie ihren Körper, ihr Aussehen und somit ihre ganz eigene Schönheit definieren und gestalten. Das zu leben, dafür braucht es viel Selbstbewusstsein. Und umgebende Menschen, die sich dieser Thematik bewusst sind: Die selbst die Kraft besitzen, ihre Energien für das einzusetzen, was wirklich zählt, und sich nicht über ihre äußere Hülle definieren.

Tine Wittler
Gastronomin, Filmemacherin, Autorin, Moderatorin

Glaubt daran, dass eure Träume wahr werden

03.06.2015

Gefühlt bin ich so viele Jahre älter als Ihr. Und dennoch, fühle ich mich sehr oft ganz jung. Ich habe zwei eigene Kinder, zwei Mädchen. Sie sind sieben und fast elf Jahre alt. Wir spüren gemeinsam das Glück einer eigenen Familie. Eigentlich jeden Tag, auch wenn es mal Streit gibt. Was im Übrigen ganz normal ist in einer Familie. Und trotzdem weiß ich, es ist ein besonderes Glück in einer intakten vor allem aber gesunden Familie leben zu können. Dafür bin ich sehr dankbar. Diese Dankbarkeit hat einen Grund. Mein Leben ist nicht immer glücklich verlaufen und oft gab es Situationen, in denen ich nicht wusste wie ich mich verhalten soll, wie es weiter geht... Auch als Kind fehlte mir oft der Mut, den man gelegentlich im Leben braucht. Was ich Euch sagen möchte: so lange ich denken kann, hatte ich Träume. Schon als kleiner Junge. So lange ich denken kann, wollte ich dass diese Träume wahr werden. Ich habe alles dafür gegeben, zwar nicht alles aber dafür vieles erreicht. Nehmt all euren Mut zusammen, glaubt an euch! Und glaubt daran, dass eure Träume wahr werden.

Marc Bator
Fernsehmoderator

Kinder gewaltfrei erziehen!

27.05.2015

Der Schutz von Kindern geht uns alle an. Er ist nicht nur Aufgabe der zuständigen Behörden und Institutionen. Immer wieder erschüttern uns dramatische Fälle von Gewalt an Kindern, über die Medien berichten und die uns bewusst machen, dass Kinder in Deutschland hinter verschlossenen Türen oft schreckliche Schicksale erleiden. Wir dürfen nicht wegsehen, sondern müssen den Mut haben, den Schwächsten und Schutzbedürftigsten in unserer Gesellschaft zu helfen. Kinder, die erleben, dass sie in ihrer Not auf sich allein gestellt sind, erleiden Schäden in ihrer seelischen Entwicklung. Der WEISSE RING wird auch künftig Opfer von Kindesmisshandlung mit viel Hingabe betreuen. Jedes misshandelte oder vernachlässigte Kind ist eines zu viel. Deshalb gilt ohne Ausnahme: Kinder sind gewaltfrei zu erziehen!

Roswitha Müller-Piepenkötter
Bundesvorsitzende des WEISSEN RINGS

Kein Kind darf auf der Strecke bleiben

20.05.2015

Es gibt viele Dinge, die ich aus meinem Sport für mich mitgenommen habe und die Teil von mir geworden sind. Ich denke an gesellschaftliches Rüstzeug wie Fairness, Toleranz, Respekt und Disziplin - aber auch das Durchhaltevermögen, von einem gesteckten Ziel nicht abzulassen.Doch ich weiß auch, dass wir die Voraussetzungen dafür schaffen müssen, damit Kinder motiviert und zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Dazu gehört ein intaktes Umfeld mit engagierten Bezugspersonen ebenso, wie ein ausgewogenen Verhältnis von Fördern und Herausfordern und vor allem der faire Zugang zu Bildung und Ausbildung. Deshalb ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass Kinder unabhängig von ihrem sozialen Status und ihrer Herkunft, ein Lebensumfeld erhalten, in dem sie ihre individuellen Stärken entfalten und Perspektiven entwickeln können. Es ist unsere Aufgabe, allen Kindern zu vermitteln, dass sie gebraucht werden und eine Bereicherung für uns sind.Hierfür engagiere ich mich seit gut 15 Jahren mit meiner Stiftung.

Henry Maske
ehemaliger Boxweltmeister

Länger gemeinsam lernen

13.05.2015

Das Schulsystem in unserem Land trennt, sortiert und spaltet. Es ist ein System, das sich trotz ständiger Reformen, vieler Pilotprojekte und unermüdlichem Lehrer- und Eltern-Engagement im entscheidenden Punkt nicht gewandelt hat: Es fördert Kinder und Jugendliche nicht so, dass alle ihr Potenzial entwickeln können und eine hinreichende Grundlage für ihr Leben haben. Wir kümmern uns nicht entschlossen um jene, die zu wenig Bildung mitbekommen haben. Wir geben ihnen zu selten eine erste, eine zweite, eine dritte Chance. Wir sollten Kinder früh fördern, in guten Kindertagesstätten. Wir sollten sie auch länger gemeinsam lernen lassen. Wir wissen, dass das nicht auf Kosten der Bildungsstarken geht. Wir würden niemanden verlieren, aber viele gewinnen. Längeres gemeinsames Lernen führt bei einer entsprechenden Unterstützung des Unterrichts zu einem höheren Sockel an Bildung für alle. Zu mehr individueller Teilhabe in allen Aspekten des Lebens. Und, mindestens ebenso wichtig, zu mehr gegenseitigem Respekt. Das alles kostet Geld. Wir sollten uns diese Ausgaben leisten.

Prof. Jutta Allmendinger Ph.D.
Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung

Kinder dürfen das Träumen nicht verlernen

06.05.2015

"Das digitale Zeitalter hat uns fest im Griff. Unser Alltag ist vom Fortschritt der modernen Kommunikation geprägt und ohne Smartphone, Tablet und Computer kaum noch vorstellbar. Ständige Verfügbarkeit und andauerndes Mitteilungsbedürfnis engen den vorhandenen Zeitrahmen extrem ein. Selbst die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft sind bereits digital vernetzt und bekommen das iPad quasi in die Wiege gelegt. Dieser Umstand ist unumstritten mit vielen Vorteilen verbunden, zieht jedoch auch negative Konsequenzen nach sich: Die mediale Überflutung verdrängt das klassische Buch immer mehr aus den Kinderzimmern. Bei unkontrolliertem Konsum lässt der fehlende Anspruch, aus dem geschriebenen Wort eigene geistige Bilder entstehen zu lassen, das Fantasievermögen der Heranwachsenden somit total verkümmern. Mit der mangelnden Vorstellungskraft geht im Hinblick auf die Zukunft der Kinder nicht nur eine wichtige Fähigkeit für theoretisches Denken, sondern auch ein grundlegendes Element für persönliche Verarbeitungsprozesse verloren. Interessen außerhalb der virtuellen Welt bleiben im schlimmsten Fall völlig auf der Strecke. Der Dichter Fernando Pessoa sagte einmal: „Lesen heißt durch fremde Hand träumen.“ Mit meiner Arbeit als Hörbuchsprecher und der Mitwirkung an Vorlesungen möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass das geschriebene oder gesprochene Wort gerade für Kinder eines bleibt: Faszinierend und unersetzbar."

Patrick Mölleken
Schauspieler

Kreativität fördern!

29.04.2015

"Die Kinder dieser Generation werden in einem Umfeld groß, das immer mehr von Technik und neuen Medien geprägt ist. Sie sehen schnelle, bunte Bilder auf Fernseher, iPad oder Computer. Schon im Kleinkind-Alter wischen sie zielsicher über die Oberfläche von Smartphones und es wird immer schwieriger sie für „analoge“ Spiele zu begeistern. Verständlich, ist diese bunte Berieselung doch all zu verführerisch. Dabei ist die schöpferische Kraft die uns innewohnt, die Fähigkeit eine Idee zu entwickeln und umzusetzen, das was uns ausmacht. Malen, tanzen, basteln, Musik - all das brauchen Kinder um ihre Seele zu entfalten und ihre Talente zu entdecken. Kreativität muss man fördern. Sie braucht Raum, Zeit und Unterstützung - ohne Vorgaben oder Leistungsdruck. In der Schule begegnen die Kinder einer klaren Erwartungshaltung. Sie werden verglichen und bewertet. Dabei werden Impulse wie „worauf habe ich denn gerade Lust“ im Keim erstickt.Ich selbst bin im Vorstand einer von Ehrenamtlern getragenen Ferien-Freizeit, die genau diesen kreativen Freiraum für Kinder und Jugendliche schafft. In der Werkwoche wird jede Ferien gehämmert, gesägt, gemalt, getanzt, gesungen, gebastelt, genäht und gespielt - kurz, es wird „gewerkt“. Im Vordergrund stehen die Ideen der Kinder. Am Ende entsteht Kunst in reinster Form und die Erinnerung an eine unvergesslich schöne Zeit."

Jasmin Schwiers
Schauspielerin

Hebammen sind „Engel ohne Flügel“

22.04.2015

"Als Vater von vier Kindern habe ich die Zeit der Schwangerschaft und Geburt als etwas ganz Besonderes und Prägendes erlebt. Meine Beziehung zum Beruf der Hebammen wurde von Hochachtung und Respekt geprägt. Diese „Engel ohne Flügel“ begleiten und unterstützen in einer hochemotionalen Zeit die Eltern und das ungeborene Kind. Sie verleihen so dem Eintritt ins Leben eine angemessene Würde. Doch der Beruf der Geburtshelferin ist gefährdet. Überall in Deutschland gibt es mittlerweile Hebammenmangel und Unterversorgung. Das liegt u.a. an den steigenden Versicherungskosten für Hebammen. Schwangerschaftsbegleitung und Geburtshilfe muss stressfrei ausgeführt werden. Es geht darum, dass unsere Kinder auch in Zukunft einen würdevollen und emotional angemessenen Übergang in das Leben ermöglicht bekommen. Wir brauchen für die neue Welt, mit ihren ganz eigenen und komplexen Aufgaben, Kinder mit starken Wurzeln."

Detlev Jöcker
Komponist, Texter und Sänger

Qualität in Kitas 

15.04.2015

"Die pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen muss sich vom Kind und seinen entwicklungsspezifischen Bedürfnissen her ableiten. Damit sind sowohl die physischen Grundbedürfnisse nach Schutz vor Kälte und Hitze, nach Nahrung, nach Sauberkeit und körperlicher Unversehrtheit als auch die psychischen Grundbedürfnisse nach Bindung, Kompetenz- und Autonomieerleben gemeint. Wenn man diesen Grundsatz ernst nimmt, wird deutlich, dass das Verständnis von frühpädagogischer Qualität nicht von einem spezifischen pädagogischen Ansatz abhängig gemacht werden kann, sondern dass sich pädagogische Qualität darin zeigt, inwiefern die Grundbedürfnisse der Kinder befriedigt werden und ihre Entwicklung altersangemessen unterstützt wird. Dabei kommt es darauf an, das stellvertretend wahrgenommene Interesse des Kindes an guter Bildung, Betreuung und Erziehung in den Mittelpunkt zu stellen und damit die Qualität grundsätzlich aus Kindperspektive zu betrachten und zu bewerten."

Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll
Direktorin des Münchner Staatsinstituts für Frühpädagogik

Kinder brauchen Freiheit

08.04.2015

"Was ich mir für die Kinder von heute wünsche? Vor allem mehr Freiheit – mehr Freiheit von dem Druck, der auf ihnen lastet. Denn der ist heute immens und wird vor allem von den Eltern ausgeübt, die Angst haben, dass ihre Kinder in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht bestehen. Ich wohne direkt an einem Stadtpark. Wie würde ich mir wünschen, mal wieder Kinder und Jugendliche darin herumtollen zu sehen, Fußball oder irgendetwas anderes dort zu spielen. Doch nein, sie hocken noch in der Schule oder am Computer, treffen sich in Vereinen mit streng reglementierten Anwesenheitszeiten oder gehen irgendeiner anderen nützlichen Freizeitgestaltung nach. Dies betrifft natürlich vor allem die überbehüteten. Denen wünsche ich einfach mehr Zeit, in der sie sich selbst finden können. Und den anderen, den sogenannten wohlstandsverwahrlosten Kindern, deren Eltern die Karriere oder der Gelderwerb wichtiger ist, als Zeit mit ihren Kindern zuzubringen? Denen wünsche ich sympathische Leute, die sich um sie kümmern, die mit ihnen reden und für sie da sind.Bleibt die dritte Gruppe, die in einem Milieu der Interessenlosigkeit aufwächst. Diesen Kindern und Jugendlichen kann man nur wünschen, dass unsere Gesellschaft sie nicht fallen lässt. So manch einer aus dieser Gruppe besitzt Veranlagungen oder Talente, die nur herausgekitzelt werden müssen."

Klaus Kordon
Schriftsteller

Kinder haben eine unendliche Fantasie

01.04.2015

„Ich wollte nie erwachsen sein...", dieses Lied von Peter Maffay singe ich auch heute noch zusammen mit meinem Vater. „Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben. Erst dann, wenn ich's nicht mehr spüren kann, weiß ich, es ist für mich zu spät...“ (Peter Maffay)
Kinder sind pur, sagen was sie denken, haben eine unendliche Fantasie, spüren alles rein instinktiv, sind aufmerksam und hellwach, akzeptieren nicht unbedingt immer ein „Nein“, freuen sich über die ganz kleinen Dinge im Leben und wenn sie doch mal traurig sind, kann sich die Stimmungslage innerhalb von Sekunden schon wieder geändert haben. All‘ das sind Eigenschaften, die es zu schützen gilt. Sie wollen, was wir alle wollen: geliebt werden. Für mich geht es darum, Kindern mit einem JA zu begegnen. Schon Goethe hat gesagt „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ Wenn man Kindern Liebe und Geborgenheit schenkt und ihnen Selbstvertrauen gibt, dann ist alles möglich. Wir ALLE sollten Kinder ernst nehmen, ihnen auf Augenhöhe begegnen, ihre Stärken fördern, wach sein und ihnen zuhören. Dann können wir zusammen Sandburgen bauen und auch die ganz großen Träume fliegen lassen."

Anika Lehmann
Schauspielerin

Lebensmittelindustrie in die Verantwortung nehmen!

25.3.2015

"In Deutschland sind 15 Prozent der Kinder übergewichtig, sechs Prozent sogar adipös, also fettleibig. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Der wichtigste Grund: Kinder ernähren sich falsch. Sie essen zu viele Süßigkeiten oder fettige Snacks und trinken zu viel Limonade. Die Lebensmittelindustrie trägt hier eine gehörige Mitverantwortung. Das Angebot an industriellen Kinderlebensmitteln besteht fast ausschließlich aus Süßigkeiten und Snacks. Dieses Junkfood drängen die Hersteller den Kindern mit perfiden Marketingmethoden auf – und inszenieren sich gleichzeitig als verantwortungsvolle Unternehmen, indem sie Ernährungsbildung oder Sportprojekte unterstützen. Doch solche Initiativen sind nicht mehr als ein Feigenblatt. Die Lebensmittelindustrie muss endlich dort Verantwortung übernehmen, wo ihre Verantwortung tatsächlich liegt: In der Produktion ausgewogener Kinderlebensmittel. Die Verantwortung für die Fehlernährung von Kindern darf nicht länger allein auf die Eltern abgewälzt werden."

Thilo Bode
Gründer und Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen - Plädoyer für die Verankerung von Kinderrechten

18.03.2015

"Kinder haben einen eigenen Kopf, eigene Sorgen und Nöte, eigene Sichtweisen - Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Dennoch benötigen sie den Schutz und die Unterstützung von uns Erwachsenen, um eben ihren eigenen Kopf haben zu können. Oft wird über Kinder gesprochen, aber nicht mit ihnen. Viele Entscheidungen, ob in Politik oder Gesellschaft werden ohne Kinder getroffen - als Kinderbeauftragte meiner Fraktion möchte ich das ändern. Die Verankerung der Kinderrechte in unserer Verfassung ist ein wichtiger Schritt. Vom Recht auf Schutz vor Missbrauch, über das Recht auf Bildung bis hin zum Recht auf die eigene Identität. Kinder haben ganz spezifische Bedürfnisse die es auch rechtlich zu verankern gilt. Oft wird den Befürwortern der Verankerung von Kinderrechten vorgeworfen: "Das ist nur Symbolpolitik!" Dem kann ich nur entgegensetzen: "Aber eines der wichtigsten Symbole die wir für unsere Kinder setzen können!"

Susann Rüthrich
Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages

Kinder sind kein Besitz ihrer Eltern!

11.03.2015

"Kinder sind Subjekte mit einem Grundrecht auf körperliche und psychische Unversehrtheit, auf Bildung und bestmögliche Gesundheitsversorgung einschließlich eines Impfschutzes vor impfpräventablen Erkrankungen. Sie sind keine Objekte, kein Besitz ihrer Eltern! Eltern haben eine Fürsorgepflicht, der Staat übt ein Wächteramt über das Wohlergehen aller Kinder aus. Es geht nicht an, dass die Lebenschancen der Kinder auch im reichen Deutschland so stark vom Sozialstatus ihrer Familien abhängen. Aber auch die sogenannten „Helikoptereltern“ bzw. „Curlingeltern“ missachten Kinderrechte, wenn sie ihre Kinder in ihrer freien Entfaltung hemmen und nicht loslassen können. Wir Kinder- und Jugendärzte sehen zunehmend Kinder- und Jugendliche mit soziogenen Gesundheits- und Entwicklungsstörungen. Diese Kinder haben sehr schlechte Zukunftschancen. Sie müssen bereits früh im Vorschulalter optimal gefördert werden. Es gibt noch sehr viel zu tun – packen wir es an!"

Dr. Wolfram Hartmann
Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)

Kinder ernst nehmen in der digitalen Gesellschaft

04.03.2015

"Kinder haben das Recht, sich zu informieren und ihre Bedürfnisse zu artikulieren und sich in allen Belangen, die sie betreffen, einzubringen. Der Artikel 13 der UN-Kinderrechtskonvention legt die Rechte der Kinder auf Meinungs- und Informationsfreiheit fest. Medien spielen in der digitalen Gesellschaft dabei eine große Rolle. Kinder wachsen in diese Gesellschaft hinein und sollen in den Medien altersadäquate Angebote und Inhalte vorfinden. In Artikel 17 der UN-Kinderrechtskonvention ist die Verpflichtung formuliert, für Kinder Zugänge zu Medien zu schaffen, die ihr Wohlergehen fördern. Digitale Medien bieten viele kreative Möglichkeiten, um sich auszudrücken, z.B. durch das Erzählen von Geschichten mittels Fotos oder Videos, aber auch dem Gestalten eigener Texte. Kinder brauchen für ihre Entwicklung Räume, in denen sie diese medialen Möglichkeiten ausprobieren und spielerisch mit ihnen experimentieren können. Dort müssen sie sich jedoch sicher fühlen, um diese Ausdrucksformen gefahrlos entdecken zu können und ihre Fähigkeiten zu entwickeln, mit Medien umzugehen. Sie dürfen dabei nicht Gefahr laufen, dass sie mit für sie unangemessenen Inhalten konfrontiert werden. Unsere Aufgabe ist es, jedem Kind diese Räume zu bieten."

Dr. Ulrike Wagner
Direktorin des JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

KiKA macht Fernsehunterhaltung mit Mehrwert

25.02.2015

"Kinder sind neugierig. Sie wollen die Welt entdecken, auf die Suche gehen nach dem Unbekannten und dabei Zusammenhänge verstehen. Das tun sie vollkommen unvoreingenommen und vorurteilsfrei, mit ausdauernder Beständigkeit und vor allem vielen Fragen. KiKA gibt Antworten und vermittelt dabei Werte wie Toleranz, Fairness und Verständnis. Unserem zugrunde liegenden Auftrag und eigenem Anspruch folgend, möchten wir den besonderen Bedürfnissen der Kinder entgegenkommen und dabei informieren, beraten, bilden und unterhalten. Der Kinderkanal von ARD und ZDF macht seine Zuschauer auf relevante, aktuelle Themen aufmerksam. 2014 stellte er beispielsweise unter dem Motto „Respekt für meine Rechte!“ anlässlich der Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention vor 25 Jahren die Rechte von Kindern in den Fokus. In diesem Jahr möchte KiKA auf Kinderarmut in Deutschland aufmerksam machen und sich für benachteiligte Kinder engagieren. Denn auch Chancengleichheit ist ein Wert, für den wir uns stark machen."

Michael Stumpf
Programmgeschäftsführer, der Kinderkanal von ARD und ZDF

Kindern Zeit geben, Kind zu sein

18.02.2015

"Bilingualer Kindergarten, private Grundschule und Abitur in Rekordzeit. Viele Eltern handeln in ihrer Erziehung heutzutage immer öfter nach dem Motto: Schneller, höher, weiter - mein Kind muss das Beste sein. Muss es das? Müssen unsere Kinder schon in jungen Jahren einen komplett durchgetakteten Wochenplan haben? Oder ist etwas Freizeit vielleicht gar nicht so schlecht? Müssen unsere Kinder genau dieses Musikinstrument erlernen und genau jene Sportart ausüben? Oder ist es nicht sinnvoller, sie ihre Interessen selbst entdecken zu lassen? Die Fantasie von Kindern ist unendlich. Manchmal reicht einfach nur ein Ball, und Jungs und Mädchen können sich einen ganzen Nachmittag lang damit beschäftigen. Erleben Siege und Niederlagen, fallen hin, stehen auf und lernen so auf spielerische Weise Fairplay und Toleranz. Das kann der Fußball, das können Kinder mit spielerischer Gestaltungskraft. Geben wir Ihnen Zeit, Kind zu sein."

Silvia Neid
Bundestrainerin der Frauen-Fußballnationalmannschaft

Kinder brauchen Nachrichten

11.02.2015

"Kinder sind neugierig und tatendurstig. Es tut unserer Gesellschaft gut, wenn sich die Jüngsten bewegen und sich an Projekten aktiv beteiligen. Wir wissen aber auch, dass Kinder gerne Fernsehen gucken oder sich vom Radio begeistern lassen. Dafür müssen wir ihnen gescheite Angebote machen, das gehört zu unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag. Gerade weil Kinder es mögen, gut unterhalten und vernünftig informiert zu werden, wollen wir ihre Neugier wecken und sie dazu anregen, vieles selbst auszuprobieren. Ich setze mich gerne dafür ein, dass den Kindern die Welt erklärt wird. So wie wir das in den Tagesthemen für die Großen machen, kümmern sich unsere WDR-Sendungen Neuneinhalb im Fernsehen oder der KiRaKa im Radio darum, mit Nachrichten und Erklärstücken die Welt durchschaubarer zu machen – auch kürzlich bei den Terroranschlägen in Paris. Damit gewinnen Kinder die Fähigkeit, sachkundig mitreden zu können. In der Familie, in der über wichtige und schwierige Themen diskutiert wird, aber auch in der Öffentlichkeit. In Umweltgruppen zum Beispiel oder in Kinderparlamenten."

Tom Buhrow
Intendant des Westdeutschen Rundfunks

Kinderinteressen fördern, nicht fordern

04.02.2015

"Jeder erinnert sich gern an seine Kindheit zurück, und nicht selten fällt der Satz „Ach, wie gern wäre ich manchmal wieder Kind“. Das hat einen Grund: Als Kind war man unbesorgt. Doch was, wenn ein Kind diese Unbekümmertheit nicht genießen darf? Zum Beispiel durch zu viel Druck von Seiten der Eltern. Die eigenen Kinder müssen früh sowohl musikalisch als auch sportlich, sowie tänzerisch begabt sein. Und wo bleibt da die Zeit, um Kind zu sein? Der Druck in der Schule fängt ohnehin ja sehr früh an. Zeit zum eigenständigen Entdecken, um die eigene Neugier zu befriedigen und so Erfahrungen über sich selbst zu sammeln, fehlt. Zeitmanagement sollte ein weit entferntes Problem für Kinder sein. Doch das, was Eltern und Gesellschaft verlangen, ist: möglichst viel Leistung und Erfolg in möglichst kurzer Zeit. Interessen sollen gefördert, nicht gefordert werden."

Sandra Nasic
Musikerin 

Auch die Wirtschaft ist in der Pflicht

28.01.2015

"Bildung ist ein Grundrecht. Sie weist Wege aus der Armut, ermöglicht sozialen Aufstieg und entscheidet maßgeblich über den weiteren Lebensweg. Doch noch immer können weltweit 250 Millionen Kinder nicht einmal lesen oder schreiben – und haben deshalb so gut wie keine Chance, sich ein selbstbestimmtes und erfülltes Dasein aufzubauen. Ihre Talente bleiben unentdeckt und ungenutzt. In vielen ärmeren Ländern kommt die öffentliche Hand ihrem Bildungsauftrag nicht nach, aus unterschiedlichen Gründen. Selbst in gut funktionierenden, wohlhabenden Demokratien wie in Deutschland ist noch keine Chancengleichheit erreicht. Unter anderem spielen hierzulande die geografische und soziale Herkunft eine große Rolle für den Bildungserfolg. Die private Wirtschaft kann und soll den Staat nicht ersetzen, doch sie muss ihren Beitrag leisten, diese Defizite abzubauen – durch erstklassige Ausbildung im Unternehmen und darüber hinaus. An den von der Deutschen Bank geförderten Bildungsinitiativen haben 2013 weltweit rund 400 000 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Wir wollen unserer Verantwortung weiterhin gerecht werden. Denn in gut ausgebildeten Kindern liegt die Hoffnung für unsere Zukunft."

Jürgen Fitschen
Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG

Kindeswohl ernst nehmen!

21.01.2015

"Sich für Kinder auszusprechen ist ein Leichtes, der Applaus ist einem stets sicher. Für Kinder aber tatsächlich etwas zum Besseren zu bewegen, erfordert auch hierzulande noch immer, gegen offene wie verdeckte Widerstände anzukämpfen. Die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, die jüngst ihr 25-jähriges Bestehen feierte, ist beredetes wie aktuelles Beispiel hierfür. Sie wurde bei Inkrafttreten zwar allseits gelobt und wird in Sonntagsreden gerne zitiert, ihr Einfluss auf das deutsche Recht blieb dennoch bescheiden. Herrscht doch noch immer in weiten Teilen von Politik und Justiz der Glauben, dass unser Rechtstaat ohnehin vorbildlich, fortschrittlich und tadellos sei und demzufolge das Kindeswohl ausreichend Berücksichtigung fände. Vergleicht man die Situation der Kinder in Deutschland mit der in anderen Ländern, so mag das zwar zutreffen, täuscht aber nicht über die Tatsache hinweg, dass auch hierzulande noch vieles im Argen liegt. So muss es schon nachdenklich stimmen, wenn zu hören ist, dass die Kinderarmut in einem wohlhabenden Land, wie dem unseren, weiter ansteigt. Kinderarmut wiederum geht einher mit mangelnden Möglichkeiten zur Entwicklung von Fähigkeiten und Begabungen, mit Verlust von Selbstwertgefühl und mit geringeren Lebenschancen. Dies nicht mit Gleichmut hinzunehmen, sondern seine Stimme zu erheben und sich gesellschaftlich oder politisch zu engagieren, tut Not und ist sichtbares Zeichen, für Kinder und ihr Wohl tatsächlich etwas bewegen zu wollen."

Dr. Christine Hohmann-Dennhardt
Mitglied des Vorstands der Daimler AG Integrität und Recht, Richterin des Bundesverfassungsgerichts a.D.

Jedem Kind gerecht werden

14.01.2015

"Als Kind lerne ich, dass ich für meine Ziele oft hart arbeiten muss. Dieser Gedanke schreckt ab, und zugleich birgt er doch eine ungeheure Faszination: Die Möglichkeit, über meine Entwicklung selbst bestimmen zu können. Es ist die Aufgabe unserer Zivilgesellschaft und des Staates, diese Faszination zu bewahren und jedem Kind gerecht zu werden, das sich selbst verwirklichen möchte. Das ist die besondere Stärke des Fußballs. Er macht keine Unterschiede zwischen Kulturen, Religionen und Sprachen, sondern basiert auf Fairness, Toleranz und Respekt. Obwohl Anstrengung und Mühe Erfolg bringen, muss man lernen hinzufallen und wieder aufzustehen. Dabei hilft die Mannschaft mit Kraft, Mut und Rückendeckung. Für Fremdenfeindlichkeit, für Rassismus, für Homophobie und jede andere Form von Diskriminierung ist auf dem Fußballfeld kein Platz. Der Fußball kann nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen. Aber er kann seinen Beitrag dazu leisten, Chancenungleichheit und Diskriminierung in Deutschland ins Abseits zu stellen. Ein schöner Gedanke, wie ich finde."

Wolfgang Niersbach
Präsident des Deutschen Fußball-Bundes

Kindern ein Lachen schenken!

07.01.2015

"Der Grund warum ich mit dem Sport begonnen habe, war der Spaß und die Freude daran und mit anderen Kindern Lachen zu können. Jedes Kind sollte die Chance bekommen die Freude und Spaß am Sport zu erfahren. Hierbei ist es völlig egal, ob mit Freunden auf dem Bolzplatz, im Garten oder beim Sport im Verein, denn gemeinsam Lachen ist etwas Schönes. Die Hauptsache ist es den Kindern die Freude ins Gesicht zu zaubern, egal womit. Der Sport bietet eine gute Möglichkeit dazu, denn Kinder bewegen sich von Natur aus gern und lassen sich leicht für den Sport begeistern, man muss sie nur dazu animieren. Lachende Kinder sind für alle ein Geschenk. Um auch den Kindern ein Lachen zu schenken, die sonst wenig Anlass zur Fröhlichkeit haben, engagiere ich mich im Kinder- und Jugendhospiz in meiner Heimat. Auch in diesen schweren Zeiten sollten Kinder, Kinder sein dürfen, um ein Stück Normalität zu erleben. Schenken Sie Kindern diese Glücksmomente, um deren Leid zu lindern und in Kraft, Zuversicht und Hoffnung zu wandeln. Schenken Sie jedem Kind ein Lächeln!"

Carina Vogt
Skisprung-Olympiasiegerin

Kinder haben ein Recht auf Kindheit

17.12.2014

"Nach wie vor gibt es großen Aufklärungsbedarf über die Probleme von Kindern in unserem Land. Das betrifft beispielsweise die Ungerechtigkeiten im Bildungssystem oder die Kinderarmut. Auch in Deutschland ist es nicht selbstverständlich, dass alle Kinder täglich eine warme Mahlzeit zu bekommen. Dadurch verwehren wir diesen Kindern ihre Zukunftsperspektiven und machen sie zu Verlierern unserer Gesellschaft. Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Kinder ein Recht auf Kindheit haben. Aber die Realität sieht oft anders aus. Immer mehr Kinder und Jugendliche haben einen Fulltime-Stundenplan wie an der Uni oder im Berufsleben. Ich halte die Tendenz für falsch, dass Schulzeit, Führerschein etc. immer früher absolviert werden sollen, dabei geht zu viel verloren, das für eine gute Entwicklung nötig ist. Wünschenswert ist keine Welt, die sich doppelt so schnell dreht, sondern eine, die sich vernünftig dreht und zwar möglichst lange. Und das fängt bei den Kindern und der Zeit, die man ihnen widmet, an."

Axel Pape
Botschafter des Deutschen Kinderhilfswerkes

Flüchtlingskinder offen und herzlich aufnehmen

10.12.2014

"Immer mehr minderjährige Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt kommen seit Monaten in Deutschland an. Doch Deutschland verstößt beim Umgang mit Flüchtlingskindern seit Jahren gegen die UN-Kinderrechtskonvention, insbesondere bei unbegleiteten Minderjährigen. Ob beim Zugang zu schulischer Bildung, zu medizinischer Versorgung, bei den Verfahren zur Altersfeststellung oder bei der Abhilfe gegen die langen Wartezeiten nach der Ankunft – es besteht dringender Handlungsbedarf. Die Tatsache, dass große Unterschiede zwischen den Bundesländern in der Aufnahmepraxis von Flüchtlingskindern bestehen, macht es nicht besser. Die UN-Kinderrechtskonvention schreibt vor, das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen. Dies muss auch im Asylrecht gelten. Wir dürfen eines nicht vergessen: in erster Linie sind es einfach Kinder und Jugendliche – Menschen die auf unser Mitgefühl, unsere Unterstützung und Hilfe hoffen. Nehmen wir sie offen und herzlich auf – und ermöglichen wir ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit."

Beate Walter-Rosenheimer
Mitglied der Kinderkommission des Deutschen Bundestages 

Kinder ernst nehmen

03.12.2014

"Martin Luther King war getrieben von einer Vision. Er hatte den Traum, dass alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, gleich behandelt werden sollten. Ich habe auch einen. Dass die Schutzbedürftigsten unter uns, die Kinder der Welt, immer einen Raum fänden, in dem sie sicher und mit dem Notwendigsten versorgt aufwachsen können. Und dass sie ernst genommen würden in ihren Gefühlen und Ansprüchen ans Leben. Martin Luther Kings Traum wurde zu einem großen Teil wahr, als ein Farbiger US-Präsident wurde. Bei meinem wird es noch lange dauern… Aber seit 1994 arbeiten wir daran. Mit aller Kraft, Leidenschaft und einigem Erfolg. Ich überzeugte damals 32 andere engagierte Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen mitzumachen. Jeder sollte 10.000 DM und ein spannendes Projekt mitbringen. Gemeinsames Ziel war die schrittweise Verwirklichung meines Traumes. Die Gründung und der Aufbau von CHILDREN FOR A BETTER WORLD ist eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Aus den (umgerechnet) 160.000 Euro Anfangskapital sind fast 30 Millionen geworden. Wir haben gemeinsam Hunderttausenden von Kindern Heimat und Hoffnung gegeben. Und haben sie ernst genommen in ihren Gefühlen und Ansprüchen ans Leben."

Dr. Florian Langenscheidt
Verleger, Autor und Gründer von CHILDREN FOR A BETTER WORLD

Kinder nicht auf Stereotype festlegen

26.11.2014

"Allen Kindern die gleichen Chancen in Ausbildung und Berufswahl zu ermöglichen ist ein großes Ziel der Bundesregierung. Mit Förderprogrammen für mathematisch-naturwissenschaftliche Berufe für Mädchen und soziale und pädagogische Berufe für Jungen (Girls and Boys Day, MINT-Förderung) wird versucht, Kindern ein möglich breites Spektrum an beruflichen Identitäten nahe zu legen. Diese Bemühungen werden jedoch schon im Kleinkindalter durch geschlechtsdiskriminierende Werbung konterkariert. Bauklötze für „den kleinen Handwerker“ und rosa Staubsauger „für die kleine Hausfrau“, Bücher, Spiele oder Kartoffelchips, die „nur für Jungen“ oder „nur für Mädchen“ sind, lehren unsere Kinder, dass sie in manchen Bereichen des Lebens „falsch“ sind. So entsteht die Basis für Diskriminierung. Eine Diskriminierung, die Männern keine Gefühle zugesteht und Frauen als weniger kompetent definiert. Deshalb kämpft Pinkstinks für das Verbot von geschlechtsdiskriminierender Werbung durch eine Erweiterung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb."

Dr. Stevie Meriel Schmiedel
Vorstandsvorsitzende von Pinkstinks Germany e.V.

Kinderarmut bedeutet Stillstand

19.11.2014

"Leben wie ein Kind - jeden Tag. Die unberührte impulsive Freude das Jetzt zu genießen. Zu versuchen, Momente immer mit dem festzuhalten was einen glücklich macht. Diese Unbekümmertheit muss gefördert und beschützt werden. Die einzige Zeit im so genannten Erwachsen werden, in der man nicht daran arbeiten muss Kind zu sein. Wenn ihnen das genommen wird, fehlt ihnen die wichtigste Entdeckungsphase für ein gesundes Verständnis dafür, worauf es im Leben ankommt ... das Leben in vollen Zügen zu genießen und nicht für selbstverständlich zu nehmen. Das Deutsche Kinderhilfswerk setzt sich für den Schutz einer freien Kindheit und damit für ein glückliches Heranwachsen ein. Dies muss durch uns alle unterstützt werden. Kinderarmut bedeutet Stillstand."

Ralph Kretschmar
Schauspieler

Kindsein braucht unsere Pflege

12.11.2014

"Gesunde Kinder – sie sind ein Schatz, dessen Wert nicht hoch genug bemessen werden kann. Alle Kinder haben ein Recht auf Gesundheit, verbrieft in der UN-Kinderrechtskonvention. Die Gesundheit von Kindern zu erhalten und zu fördern ist eine Aufgabe von Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen. Sie, die man oft noch "Kinderkrankenschwestern" nennt, werden aber noch viel mehr gebraucht, wenn Kinder krank sind: Dann brauchen sie alters- und entwicklungsgerechte Betreuung, ihre Eltern und Angehörigen entsprechende Unterstützung. Dafür sorgen Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen – in den Kliniken, in der häuslichen Pflege, in den Frühen Hilfen und im Rahmen der Inklusion. Um Familien adäquat unterstützen zu können, bedarf es kind- und familiengerechter Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen. Und es braucht qualifiziertes Fachpersonal, das bereits in der Grundausbildung die Besonderheiten kindgerechter Pflege gelernt hat. Deshalb setzen wir uns u.a. dafür ein, den Schwerpunkt Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in der Pflegeerstausbildung zu erhalten."

Frauke Leupold
Vorsitzende des Berufsverbandes Kinderkrankenpflege Deutschland (BeKD) e.V
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Wann wachen wir endlich auf!?

05.11.2014

"Das kürzeste Gedicht aller Zeiten stammt wohl von Muhammad Ali: „Me, We!“ In erster Linie richten sich seine Worte an uns Eltern und Erwachsene. Das ist unsere Erde, das sind unsere Kinder und wenn wir etwas für ihre Zukunft tun wollen, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Diese Gesellschaft, in die wir unsere Kinder begeben, ist vergiftet – um es mit Jan Delays Worten zu sagen. Wir können unsere Verantwortung nicht der nächsten Generation in die Hand legen. Wir müssen unsere Gegenwart ändern, um unseren Kindern eine Chance auf eine erträgliche Zukunft zu geben. Das ist unsere Pflicht! Unsere Kinder, die neue Generation, hat schon vieles verstanden, was ihre Eltern leider erst sehr langsam lernen. Dass es keinen Sinn macht Kriege wegen Religionen oder ethnischer Herkunft zu führen. Dass es keinen Sinn macht unsere Erde zu zerstören, weil Natur und Klima besonderen Schutz bedürfen. Dass Besitz einen auch besitzt. Dass Glück und Freude viel schöner und größer sind, wenn man sie mit anderen empfindet und teilt. Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten etwas Gutes tun, können sie das Gesicht der Welt verändern. Aufwachen!"

Antonio Wannek
Schauspieler

Gleichberechtigte Teilhabe für alle Kinder!

29.10.2014

"Die UN-Kinderrechtskonvention garantiert allen Kindern gleiche Rechte unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Doch in Sachen Bildung schneidet Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin schlecht ab: der Bildungserfolg ist bei uns wie in kaum einem anderen Industrieland nach wie vor eng gekoppelt an die soziale Herkunft. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund haben oft schwierigere und ganz spezifische Ausgangsbedingungen und sind benachteiligt. Die soziale Lage ihrer Familien reicht als Erklärung hierfür nicht aus. Studien zeigen, dass die Fähigkeiten und Potentiale von Migrantenkindern in Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen systematisch unterschätzt und zu wenig gefördert werden. Hinzu kommen nach wie vor verbreitete Vorurteile in Schulen und Behörden, die sich in falschen Bildungsempfehlungen beim Übergang auf eine weiterführende Schule äußern. Wir benötigen ein Bildungssystem, das das Lernen und die Teilhabe aller Kinder fördert. Eine konsequente und qualifizierte interkulturelle Öffnung unseres Bildungssystems wäre ein entscheidender Schritt in diese Richtung."

Danuta Sacher
Vorstandsvorsitzende von terre des hommes Deutschland

Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt

22.10.2014

"Warum ist Gras grün? Warum macht das Flugzeug weiße Streifen am Himmel? Kinder sind neugierig und fragen den Erwachsenen „Löcher in den Bauch“. Das kann schon mal fast zu viel sein… Sinnvoll ist es allemal, vor allem, wenn die Kinder wissen wollen, was es mit ihrer Umwelt auf sich hat. Schon bei einem Waldspaziergang, im Garten oder Park können Kindern viele Aspekte des Umweltschutzes nahe gebracht werden. Beim Beobachten von Tieren lässt sich erklären, wie wichtig der Schutz der Artenvielfalt ist. Bei Ausflügen kann ihnen gezeigt werden, dass Abfälle nicht in die Natur gehören. Bäume, aus denen Möbel oder Spielzeug gefertigt wird, dürfen nur so viele gefällt werden, wie wieder nachwachsen. Denn Wälder sorgen dafür, dass die Schadstoffe aus Autos, Flugzeugen oder Schiffen aus der Luft gefiltert werden. Wenn die Kinder von heute - so wie es trotz aller Gefährdungen zumindest bei uns noch möglich ist - auch künftig in einer weitgehend intakten Umwelt leben wollen, müssen alle daran mitwirken. „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt“ ist ein Allerweltsatz. Er stimmt trotzdem, und die Kinder werden dankbar sein, wenn die Erwachsenen ihn beherzigen."

Prof. Dr. Hubert Weiger
Vorsitzender des BUND e.V.

Die Unbeschwertheit ehren, Kinder Kinder sein lassen!

15.10.2014

"Wie kommt es, dass Kinder schon im Kindergarten Stresssymptome zeigen? Babys Lieblingsspielzeug Papas iPhone ist, und einem aufgeweckten Kind schnell ADS zugeschrieben wird? Liegt das wirklich an den Kindern, oder sind es nicht vielmehr wir großen Menschen, die schlicht zu schnell überfordert sind, diesen neugierigen und lebenslustigen kleinen Menschen beim Entdecken der Welt liebevoll zur Seite zu stehen. Weil wir an uns die Leistungsmesslatte zu hoch ansetzen, leiden auch unsere Kinder. Sie spiegeln uns in ihrem Verhalten wider, was sie von uns übernehmen. Kinder sind so pur. Sie sind einfach nicht dazu da, unsere Erwartungen zu erfüllen. Sie wollen nicht unsere Lasten tragen, auch wenn sie es aus Liebe doch tun. Ich war als Kind überglücklich, wenn ich meiner Mama beim Kochen oder meinem Paps beim Rasieren zugucken oder im Teich vom Nachbarn Kaulquappen züchten konnte. Für mich gab es noch keine Zeit, kein iPhone und keine Stundenpläne bis in die Abendstunden. Ist es nicht an uns, unseren Kindern so lange es geht, die Sorgen vom Hals zu halten, die uns selber Stress bereiten? Das soll nicht dazu auffordern, sie wie rohe Eier zu behandeln. Aber vielleicht an das eigene Gefühl erinnern, wie es war, Kind zu sein. Und wieviel wir eigentlich von unseren Kindern lernen können. Bürostress, Geldsorgen und Beziehungsprobleme gehören nicht in Kinderohren. Ihre Zartheit und Verspieltheit darf uns ruhig mal stoppen und ihnen Zeit und Raum geben unbeschwert Kind sein zu dürfen. Es lebe der Flugmodus und die Seenlandschaften rund um Berlin!"

Christina Hecke
Schauspielerin

Kindern die Achtung vor der Natur spielerisch beibringen

08.10.2014

"Kinder sind Zukunft. Unsere, ihre eigene und die ihrer Kinder. Die Zukunft im Umgang mit der Natur und auch miteinander. Es liegt an uns Erwachsenen, sie zu fördern und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Denn Gutes bewirkt Gutes. Dazu gehört für mich auch ganz besonders die Ernährung. Wenn wir Erwachsene unseren Kindern die Achtung vor der Natur spielerisch beibringen und ihnen das, was die Natur uns schenkt, näherbringen, haben sie auch Spaß an gesunder Ernährung. Und wir haben gesunde, fröhliche und neugierige Kinder, die später ihr Wissen an ihre Kinder weitergeben können. Dass Milch aus der Kuh und nicht aus der Tüte kommt, Obstbäume von der Blüte bis zur Frucht, Gemüse, wie es aus und unter der Erde sprießt und wächst, Marktstände von regionalen Landwirten – das sollten unsere Kinder sehen, riechen und schmecken. Immer wieder – in der Natur und nicht nur im Supermarktregal. So bauen wir ihre Sensibilität auf und es macht ihnen Spaß, selbst mitzumachen und zu experimentieren."

Johann Lafer
TV- und Sternekoch

Mehr Raum für Kunst und Kultur

01.10.2014

"Ein Kind, das malt oder musiziert, entwickelt seine Phantasie und seine Kreativität. Junge Menschen, die singen, tanzen oder theaterspielen erschließen sich neue Ausdrucksmöglichkeiten. Die Entwicklung der musischen Fähigkeiten trägt wesentlich zur Persönlichkeit bei und ist genauso wichtig wie die akademische Bildung - in dieser Erkenntnis sind sich Hirnforschung und pädagogische Fachwelt einig. Musisches und Intellekt beflügeln einander. Doch in der Realität dominieren die „harten“ Fächer mit ihren klar messbaren Lerninhalten. Die „weichen“ Fächer, Kunst und Musik, wurden in der Reaktion auf den Pisa-Schock noch mehr zu „Neben“-Fächern. Wir müssen in den Schulen akademische Leistung und Kreativität fördern. Nur so kann eine selbstbewusste, mutige und teamfähige Generation heranwachsen. Wie das geht zeigen die Gewinner beim Deutschen Schulpreis. Sie haben erkannt, dass Kreativität der Schlüssel zur optimalen Förderung von jungen Menschen ist."

Dr. Ingrid Hamm
Geschäftsführerin der Robert-Bosch-Stiftung

Kindern besser zuhören!

24.09.2014

Das Leuchten in den Augen lachender Kinder gehört zu den kostbarsten Freuden, die das Leben für einen bereithält! Dieses Leuchten müssen wir ermöglichen und bewahren, denn wir waren alle einmal Kinder. Einige glückliche sind es auch im Erwachsenenalter noch! Kinder brauchen nicht nur Liebe und Respekt, sondern wollen sich individuell entfalten können und gefördert werden. So werden sie fit für unsere beschleunigte Welt, die durch die weltweite Vernetzung in Zukunft immer schneller wird. Es ist unsere Aufgabe, mit Kindern und für Kinder eine Welt zu gestalten, in der es sich zu leben lohnt. Das gilt global, aber auch in der unmittelbaren Umgebung! Kinderarmut ist schlimm und muss auch in Deutschland dringend bekämpft werden. Kinder entwickeln schon früh eigenständige Persönlichkeiten und haben einen ganz unverbrauchten Blick auf ihre Umgebung. Sie machen sich frische Gedanken, daher sollten wir Kindern besser zuhören. Wir alle können davon nur profitieren. Den Kindern gehört die Zukunft!

CULCHA CANDELA

Für die Kinder Kind sein

17.09.2014

"Wenn ich mit meiner dreijährigen Tochter auf dem Spielplatz im Sand hocke und mit ihr gemeinsam das tiefste Loch aller Zeiten buddel, bin ich oft die einzige Mama mitten im Geschehen. Die Bänke um den Spielplatz sind gefüllt mit Eltern, die in ihren Smartphones versunken Nachrichten tippen. Derweil klettere ich mit meiner Tochter die Rutsche hoch und diskutiere spielerisch, wer zuerst darf. Dann gleite ich jauchzend die Rutsche runter, lande unten mit dem Po im Sand und ernte dafür einen entzückten Applaus meiner Tochter! Ich grinse, macht Spaß! Oft sind wir furchtbar erwachsen, loben, tadeln und erziehen unsere Kinder. Wir schaffen eine klare Distanz zwischen Kindern und Erwachsenen, zwischen Spiel und Einführung in gesellschaftliche Regeln. Warum? Für unsere Kinder ab und an Kind zu sein, schafft eine enge Beziehung. Lässt Erziehung spielerisch passieren, Lob und Tadel besser akzeptieren. Zusammen durch eine Pfütze hüpfen und sich einsauen, aber auch zusammen das Kinderzimmer aufräumen und Zähneputzen! Die Belohnung ist das Familiengefühl. Das Ergebnis, eine gesunde emotionale Bindung."

Tanja Szewczenko
Schauspielerin

Toben macht schlau!

10.09.2014

"„Toben macht schlau!“, diese Einschätzung teilen DOSB und dsj mit der modernen Erziehungswissenschaft, die davon ausgeht, dass Lernen nicht allein Kopf und Verstand betrifft. Kinder lernen mit allen Sinnen – und gerade Spiel und Sport sind Motor und Mittler des Lernens. Wenn das Bewegungsbedürfnis von jungen Menschen an Grenzen stößt, wie dies bei uns im Lande immer häufiger vorkommt, ist die Politik gefragt. Es gilt, Spielflächen, Sporthallen und Schwimmbäder zu erhalten und eine umfassende Nutzung zu ermöglichen, gerade auch dann, wenn scheinbar wichtigere ökonomische Zwänge dagegen stehen oder aber die Nachbarschaft sich durch Lärm gestört fühlt. So dürfen Geräusche von spielenden, sporttreibenden jungen Menschen vom Gesetzgeber nicht länger mit Industrielärm gleichgesetzt werden. Ohne Sporträume gefährden wir den Sport, der wie kein anderer Bereich Zugang zu Kindern bietet. Fast 83 % der Jungen im Alter von 7 bis 14 Jahren und 63 % der gleichaltrigen Mädchen sind in Sportvereinen aktiv. Das sind Zahlen, die für sich sprechen."

Alfons Hörmann
Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Kinder sind wichtig für unsere Kultur!

03.09.2014

"Ich sehe immer wieder, mit welcher Offenheit Kinder sich allen Themen gegenüber zeigen. Deswegen sollten wir sie auf kulturelle Themen einstimmen, die außerhalb von Fernsehen und Internet stattfinden. Jedes Kind muss die Chance zu einer musikalischen Ausbildung haben. Musik ist eine Verbindung zwischen Menschen. Es geht um Gefühle. Darum, sich dort zu treffen, bei diesem Gefühlsverstärker. Man weint schneller bei Musik, man kann sich auch total aufgeladen fühlen. Das ist das Phänomen von Musik. Musik ist ein Raum, in dem man sich selber mit seiner ganzen Vielfalt spürt. Das sehe ich immer wieder auch bei meinen fünf Patenkindern. Deshalb müssen in Kindergärten und Schulen Instrumente und Noten präsent sein - und Menschen, die Kinder an Musik heranführen. Musik macht schlau und froh und wer nicht singen kann, kann tanzen!"

Inga Humpe
Musikerin

Kindern Mut machen

27.08.2014

"Zu einer guten Erziehung gehört für mich vor allem auch, dass wir unseren Kindern Mut machen und ihnen Stärke mit auf ihren Weg geben. Jedes Kind hat ein Talent, eine Gabe oder einfach etwas, das es ganz besonders gerne macht. Es liegt an uns Eltern und Erwachsenen, das zu erkennen und es nach Möglichkeit zu fördern. Es muss nicht gleich ein „Supertalent“ dabei heraus kommen. Es geht in erster Linie darum, Kindern Selbstbewusstsein zu schenken, damit sie später als junge Erwachsene mit ihrem Leben klar kommen. Ermutigen Sie Ihr Kind, geben Sie ihm Rückhalt, lassen Sie es seine eigenen Entscheidungen treffen und stehen Sie zu ihm, wenn es scheitert. Denn kleine Niederlagen gehören zum Erfolg dazu. Nicht nur im Sport. In meinem Kinderbuch schreibe ich „Das Wichtigste ist, dass ihr immer an euch glaubt. Dann könnt ihr alles schaffen.“ Mindestens genauso wichtig ist es jedoch, dass wir an unsere Kinder glauben. Ich bin mir sicher, dann können sie wirklich alles schaffen!"

Timo Hildebrand
Fußballspieler und Kinderbuchautor

Die Welt aus Kinderaugenhöhe betrachten

20.08.2014

"Wie kann sich eine kleine Seele zu einer großen entfalten? Unbeschadet, individuell und ausgeglichen? Das ist doch letztlich die Quintessenz aller Fragen, die sich werdende Eltern stellen, die unser Bildungs- und Schulsystem und letztlich auch das Bundesfamilienministerium zu beantworten versucht. Und jeder weiß eine Antwort darauf – aus Sicht der Erwachsenen. Aber: Wie oft leben Kinder uns die Antwort doch eigentlich vor, wortlos, von sich heraus. Sie nehmen sich alle Freiheit für ihre Fantasie, wenn man sie lässt, sie probieren sich aus ohne das gesellschaftsbedingte Raster von richtig und falsch, ohne vorgegebene Formen und schulisches Anspruchsdenken, wenn sie sich geborgen, wahr- und ernstgenommen fühlen dürfen. Sie sind neugierig, begeisterungsfähig und bewegungsfreudig. Die Welt manchmal aus Kinderaugenhöhe zu betrachten, verändert buchstäblich die Perspektive. Das tut ihnen gut – und uns. „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“ sagt Goethe. – Wir bekommen ja auch beides von ihnen."

Nina-Friederike Gnädig
Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes

Mehrwertsteuer auf Produkte für Kinder reduzieren

13.08.2014

"Ein wichtiger Schritt für Familien und Kinder wäre der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Produkte für Kinder. Denn: Insbesondere Familien mit Kindern werden durch die Steuerungerechtigkeit der Mehrwertsteuer benachteiligt. Ob Hotelübernachtungen, Currywurst oder Sessellifte – bei der Debatte um den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 statt 19 Prozent werden hauptsächlich wirtschaftliche Interessen berücksichtigt. Stattdessen brauchen wir den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Windeln, Buntstifte und Kinderspielzeug. Vieles wird hier von der EU vorgegeben – aber ein erster Schritt ist sofort umsetzbar: 7 Prozent auf Kindersitze und Schulessen. Gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk und JAKO-O fordern die deutschen Familienorganisationen genau dieses klare JA! für Kinder und Familien. Denn der soziale Gedanke des geringeren Mehrwertsteuersatzes auf Produkte des Alltags muss wieder zum Maßstab der Debatte gemacht werden!"

Sven Iversen
Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) e.V.

Kinder suchen nach authentischen Vorbildern in Schule und Gesellschaft

06.08.2014

"Kinder verkörpern die Zukunft der Gesellschaft. Wie gut sie in der Lage sein werden, diese Zukunft zu meistern und zu gestalten, liegt in der Hand der sie prägenden Erwachsenen. Schon immer hängt viel davon ab, welche Eindrücke, Fähigkeiten und Werte wir unseren Kindern als Erfahrung mit auf ihren Lebensweg geben. Gute Bildung und Herzensbildung ist der Schlüssel zu zahlreichen Türen, die sonst verschlossen bleiben würden. Daher muss es unser Anliegen sein, unseren Kindern diesen Schlüssel zu reichen. Aus vielerlei Gründen kommt heute gerade den Lehrern eine zentrale Aufgabe zu, die Potenziale unserer Kinder sowie ihr Wertesystem mit ihnen zu entdecken und zu fördern. Grund genug um die Persönlichkeit der Lehrer für diese anspruchsvolle Aufgabe zu stärken, damit ihr authentischer und überzeugender Auftritt unsere Kinder mitreißt und begeistert, so dass sie selbst zu eigenen Persönlichkeiten heranreifen können. Auf die Herausforderungen der künftigen Welt ist man am besten vorbereitet nicht nur mit einer guten Allgemeinbildung und Fachkenntnissen, sondern vor allem durch Selbstbewusstsein, Authentizität und Leidenschaft. Jeder, der sich seiner Stärken bewusst ist und diese entwickelt, wird eine eigene Persönlichkeit – und ist damit fit für die Zukunft."

Dr. h.c. Beate Heraeus
Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung

Politik machen mit Kindern für Kinder

30.07.2014

"In diesem Jahr feiern wir den 25. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention! Ein guter Anlass, um sich die Erfolge bei der Umsetzung und Verwirklichung der Kinderrechte in Deutschland vor Augen zu führen und zukünftige Herausforderungen zu identifizieren. Noch immer sind Kinderrechte bei uns nicht strukturell verankert. Weder auf Bundesebene im Grundgesetz, noch auf kommunaler Ebene. Ich wünsche mir eine stärkere Einbindung von Kindern und Jugendlichen vor Ort. Echte Partizipation von Kindern und Jugendlichen erhöht die Akzeptanz und Transparenz von Entscheidungen, die ihren unmittelbaren Lebensbereich betreffen, zum Beispiel der Bau eines Radwegs, eines Bolzplatzes oder eines neuen Jugendheims. In meiner Heimatstadt Lüneburg sind wir auf einem guten Weg. Kürzlich hat die 1. Lüneburger Jugendversammlung mit über 50 Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Stadt stattgefunden. Wenn wir Kinderrechte ernst nehmen, müssen wir Kinder und Jugendliche beteiligen. Politik machen mit Kindern für Kinder!"

Eckhard Pols
Vorsitzender der Kinderkommission des Deutschen Bundestages

Frag doch mal die Kinder!

23.07.2014

"Brauchen wir kinderfreundliche Städte und wenn ja, wie sollen sie aussehen? Viele Städte bemühen sich, attraktiv für Familien und für Kinder zu sein. Sie bauen Spielplätze, Kindereinrichtungen, schaffen Kulturangebote und bemühen sich um eine kindergerechte Stadtentwicklung. Leider sind unsere Erfahrungen, dass sie vergessen, das Wichtigste zu tun, nämlich, die Kinder selbst mit in die Entwicklung ihrer Stadt einzubeziehen. Kinder sind die Experten für ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen. Sie können sie artikulieren und sind auch bereit, sich selbst mit einzubringen. Deshalb muss jeder Erwachsene aufgerufen sein, den Kindern den Raum für die Beteiligung an den Dingen, von denen sie betroffen sind, zu geben. Die UN-Kinderrechtskonvention, die in diesem Jahr 25 Jahre alt wird, definiert dieses Recht der Kinder auf Beteiligung. Deshalb ist es notwendig, dass alle Erwachsenen einen Blick darauf haben, ob die Kinder zu ihrem Recht kommen. Dann wissen wir auch, wie kinderfreundliche Städte aussehen können."

Dr. Heide-Rose Brückner
Geschäftsführerin „Kinderfreundliche Kommunen e.V."

Mehr Geld statt schöner Worte!

16.07.2014

"Inklusion heißt das neue Mantra deutscher Bildungspolitiker: ob Kita oder Schule. Und in der Tat kann es doch nicht falsch sein, Kinder mit besonderen Herausforderungen zu integrieren, gemeinsam zu unterrichten, Ausgrenzung zu beenden. Allerdings gibt es da noch das alte Mantra deutscher Politiker: Es darf nichts kosten. Und genau da wird Inklusion zur Farce. Wenn bislang beispielsweise in einem Sonderkindergarten 20 behinderte Kinder JEDEN Tag von festangestellten Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten betreut werden, dann kann man sich leicht ausrechnen, wie viele Therapeuten wir brauchen, um diese Kinder dezentral in (Inklusions-)Kitas zu betreuen. Und zwar, wohlgemerkt, auch täglich mehrere Stunden und, ohne dass die Bezugspersonen ständig wechseln. Das ist teuer. Genauso teuer sind Einzelfallhelfer, die an der Schule Kinder mit besonderen Bedürfnissen individuell durch den Unterricht begleiten. Inklusion gibt es nicht umsonst. Aber bitte nicht falsch verstehen: ja, wir sollten dieses Geld ausgeben, das Ziel ist richtig, und Deutschland kann und muss sich das leisten. Was wir aber nicht tun sollten, ist, behinderte Kinder in allgemeinen Schulen und Kitas zu verstecken, ohne ihnen eine angemessene Unterstützung zu garantieren."

Sascha Hingst
Fernsehmoderator

Keine Angst vor Kindern!

09.07.2014

"Warum gibt es unter uns Frauen, die Angst davor haben, ein Kind hier groß zu ziehen? Frauen, für die eine Schwangerschaft nicht das größte Glück der Welt darstellt, weil die Angst, in Hartz 4 abzurutschen, keinen Kitaplatz zu bekommen, die Eltern zu enttäuschen oder den Arbeitsplatz zu verlieren, so groß ist! Wir als Gesellschaft geben zukünftigen Müttern nicht das Signal, dass jedes Kind nicht nur gewünscht, sondern geliebt wird! Also müssen wir alles dafür tun, dass es als Bereicherung angesehen wird, in unserem Land ein Kind zur Welt zu bringen und großzuziehen. Das beginnt bei Eltern, die ihren Töchtern sagen: "Komm mir ja nicht mit 'nem Kind nach Hause, solange Deine Ausbildung nicht abgeschlossen ist!", geht mit nicht vorhandenen Krippen- und Kitaplätzen weiter und endet bei Arbeitgebern, die ihren schwangeren Mitarbeiterinnen nahelegen, selber zu kündigen und dann solange mobben, bis sie es endlich auch tun. Solange gegen Kindergärten wegen Kinderlärm geklagt wird und tatsächlich die Kinder das Haus nicht verlassen dürfen, obwohl es einen Garten hat, weil der Nachbar um die Wertminderung seiner Villa fürchtet, gibt es in diesem Land noch viel zu tun!"

Gesine Cukrowski
Schauspielerin

Der Schulweg ist das Ziel

02.07.2014

"Neulich hab ich ein Schulkind gesehen. Ein ganz kleines. Erst dachte ich, da hat jemand seinen Ranzen stehen lassen. Aber dann waren unten am Ranzen noch ganz dünne Beine dran. Das Schulranzenkind stand an der Straße und wollte sie überqueren. Es hatte einen sehr dünnen Arm ausgestreckt und blickte nach links, nach rechts, wieder nach links. Schon bald hielt auf der linken Seite ein Auto an, der Fahrer winkte. Doch das Kind war schlau und schaute wieder nach rechts, da kam auch ein Auto, hielt aber nicht an. Der Fahrer dachte wohl, da steht nur ein Ranzen und fuhr weiter. Im nächsten Auto saß eine Frau am Steuer. Sie hielt an und das Kind konnte die Straße überqueren. Vor der Schule standen große, fast leere Autos und verstopften die Straße. Busse hupten, Autotüren flogen auf, schwer übergewichtige, schwitzende Elternteile verabschiedeten sich mal flüchtig, mal tränenreich von ihren Nachkommen. Die Kinder watschelten über die Straße. Auf dem Schulhof konnte man zwei Gruppen von Kindern unterscheiden. Die Schulwegläufer und die Autokinder. Die Läufer jagten hin und her, rollten über den Boden und kletterten wie Äffchen am Gerüst. Die Autokinder standen alle in der Ecke. Sie schwitzten im Stehen. Der Schulweg ist für viele Kinder ein Erlebnis. Jeder Umweg ist ein Abenteuer. Die Kinder sind so stolz, wenn sie alleine gehen! Auch im Regen! Es gibt überhaupt keinen Grund, ein Kind, das in die Grundschule seines Wohnortes geht, fast bis ins Klassenzimmer zu fahren. Das Kind erlebt nichts. Und lernt übrigens im Auto auch niemanden kennen."

Lars Reichow
Kabarettist und TV-Moderator

An Kindern ein Beispiel nehmen

25.06.2014

"Normalerweise sollten Erwachsene Kindern ein Vorbild sein. Wenn es aber darum geht, völlig ohne Vorurteile und Vorbehalte aufeinander zuzugehen, können und sollten wir uns alle ein Beispiel an Kindern nehmen. Kinder können sich sofort auf andere Kinder einlassen und gemeinsam mit ihnen spielen. Ihnen ist dabei egal, ob der Spielpartner eine andere Sprache spricht oder dieselbe. Vorurteile und Ablehnung lernen sie erst durch uns, durch Erwachsene. Dabei sollten wir genau das Gegenteil fördern. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich das erste Mal Freunde aus der Schule mit nach Hause brachte und sie zum ersten Mal türkisches Essen bei meiner Mutter probieren durften. Umgekehrt war ich begeistert, als ich das erste Mal zu Besuch bei meiner Freundin war. Ich hatte das Gefühl dort sehr willkommen zu sein und heute weiß ich, wie wichtig dieser Austausch war. Wer als Kind lernt, sich in verschiedenen Kulturen zu bewegen, wird als Erwachsener keine Vorurteile seinen Mitmenschen gegenüber haben."

Nazan Eckes
Fernsehmoderatorin

Kinder wollen spielen und staunen

18.06.2014

"Bevor ich, im Alter von 40 Jahren, zu Film und Fernsehen ging, war ich 20 Jahre lang Theaterschauspieler und spielte, neben den Stücken für Erwachsene, auch viele Kinder- und Jugendvorstellungen. Ob während meiner Zivildienstzeit, in der Schule, oder in meiner Kinderzeit: Das Theater war mein täglicher Begleiter. Die Erfahrungen, die ich dabei, in all der Zeit, mit Kindern unterschiedlichsten Alters machte, ob während der Vorstellungen, in Schulgesprächen, zu denen ich eingeladen wurde oder, wenn sie mich auf der Straße ansprachen, gingen allesamt in dieselbe Richtung: Kinder lechzen nach Rollenspielen, ist es doch das, was sie ständig jeden Tag tun, um alles, was auf sie eindringt, besser einordnen zu können, ja, um Probleme, die sie mit sich und der Erwachsenenwelt haben, für sich aufbrechen und bewältigen zu können. Für alle Kinder, aber gerade für Kinder, die in schwierigen Verhältnissen leben oder die aus Krisengebieten zu uns kommen, müsste daher der „schauspielerische“ Umgang mit der Welt, sei es durch eigenes Spiel oder durch Zuschauen, ein unabdingbares Gut sein, das diese Gesellschaft fördern sollte und das, so früh, als möglich."

Rolf Kanies
Schauspieler

Kinder brauchen größtmögliche Freiheit

11.06.2014

"Wir alle wollen unsere Kinder beschützen, doch bei diesem Versuch machen wir sie oft unfrei. Kaum sind die Kleinen auf der Welt, werden sie in Schutzmonturen gesteckt, ein Zweijähriger auf dem Bobbycar unterscheidet sich von einem Formel 1-Piloten nur durch den Inhalt seiner Trinkflasche. Die wenigsten Kinder dürfen noch in Bachbetten waten oder auf Bäume klettern, stattdessen werden sie mit dem Auto zum Sportplatz gebracht oder gleich zu Hause vor der Glotze geparkt, wo die größte Gefahr darin besteht, dass sie sich an ihren Kartoffelchips verschlucken. Später überwachen wir sie mittels Handy-Ortung, stalken sie auf Facebook und kontrollieren ihre sozialen Kontakte, wir verfolgen besessen ihren schulischen Werdegang und fürchten jedes Abweichen von der Norm - unsere Sprösslinge sollen reibungslos funktionieren, damit sie später in den großen Wirtschaftskreislauf eingepasst werden können. Helikoptermütter und -väter: Hört auf damit! Unsere Kinder brauchen größtmögliche Freiheit bei geringstmöglicher Kontrolle. Sie müssen Dinge ausprobieren und Geheimnisse haben, sie müssen Fehler machen und scheitern dürfen, denn genau darin besteht das Erwachsenwerden."

Amelie Fried
TV-Moderatorin und Schriftstellerin 

Sport gibt Gemeinschaft

04.06.2014

"In einer Großstadt aufzuwachsen, kann ganz schön schwer sein. Ich hatte das Glück, gut behütet aufzuwachsen. Meine Familie legte großen Wert auf meine Erziehung und auf meine Schulbildung. Das ist nicht selbstverständlich in einer Stadt wie in Berlin. Da suchen viele Kinder nach einer Ersatzfamilie, die ihnen Halt gibt. Die Straße bietet das manchmal, aber sicher nicht so, wie es für die Entwicklung der Kinder gut ist. Das habe ich in meiner Zeit als Jugendfußballer oft genug erleben können. Deshalb unterstütze ich Sportprojekte, die helfen, Kindern eine Perspektive zu geben. Der Sport, und nicht nur Fußball, ist dafür bestens geeignet. Kinder brauchen Kinder, sie brauchen Gemeinschaft, sie brauchen Verlässlichkeit. All das finden sie im Sport. Sie lernen mit anderen umzugehen, andere zu respektieren. Und sie lernen auch damit umzugehen, dass sie nicht immer die Besten und Stärksten sind, dass man Niederlagen nicht mit Gewalt in einen Sieg umwandeln kann. Dadurch gewinnen sie fürs Leben. Deshalb sind Sportvereine und soziale Projekte, die sich durch Sport um Kinder kümmern so wichtig. Sie helfen uns, eine lebenswerte Gesellschaft zu erhalten – mit fröhlichen Kindern."

Jérôme Boateng
Fußball-Nationalspieler

Das Leben der Kinder verlangsamen

28.05.2014

"Denke ich an meine Kindheit, denke ich an lange schöne Tage voller Langeweile. Nach einer Stunde auf dem Bett ohne Plan und ohne Ziel ging es mir immer fantastisch. Danach bauten meine Schwester und ich wieder eine Höhle oder unser Playmobil Indianerlager musste dringend neu positioniert werden. Heute, wo das Leben von Kindern mehr durchgetaktet ist als so mancher Manager-Kalender, muss es die erste Pflicht von Eltern sein, das Leben der Kinder zu verlangsamen. Klar, auch meine Mädchen gehen ins Ballett und zum Reiten. Aber das war es dann auch. Wollen sie mehr, wird etwas anderes gestrichen. Warum ich das tue? Weil ich möchte, dass uns Zeit bleibt. Ich möchte nicht zum Kindergarten hetzen, zum nächsten Termin, zum Abendessen, ins Bett. Ich „zwinge“ die Kinder dazu, sich zu langweilen. Manchmal ist das eine Nervenprobe, wenn sie lieber fernsehen oder mit meinem iPad spielen wollen – aber oft kommen großartige Dinge dabei heraus und abends sind sie ausgeglichener denn je."

Caroline Hamann
Moderatorin, Journalistin und Autorin

Die Kinder bauen die Welt von morgen auf

21.05.2014

"Zu den schönsten Momenten für uns im Europa-Park zählen glücklich strahlende Kinder mit großen leuchtenden Augen. Solche Augenblicke lassen alles andere vergessen und sind unbezahlbar. „Sie bauen ein Europa für Kinder“ hat einst ein französischer Senatspräsident nach seinem Besuch bei uns gesagt. Wir spüren Tag für Tag, dass es eigentlich kaum etwas Wichtigeres gibt als Kinder. Sie sind unsere Zukunft, was wir aber in unserer heilen Welt oftmals vergessen: Mehr als 300 Millionen Kinder in der Welt kämpfen täglich um ihr Überleben auf den Straßen Europas und Zentralasiens. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Europarates hervor, mit dem wir eng zusammenarbeiten. Wo immer es geht sollten wir benachteiligten Kindern helfen. Sie bauen die Welt von morgen auf. Wir müssen Kinderrechte in aller Welt stärken, übrigens auch in Deutschland und wir müssen im Alltag an die großen und kleinen Bedürfnisse von Kindern denken. Wie sagte doch Papst Johannes XXIII: „Es ist kein Blumenbeet zu schade dafür, dass man nicht darauf ein Karussell für Kinder bauen könnte.“"

Dr. Ing.h.c. Roland Mack
Inhaber Europa-Park in Rust bei Freiburg

Multi-Kulti als Schulfach

14.05.2014

"Meine Mutter ist Haitianerin, mein Vater Deutscher. Als Kind musste ich ständig die Hautfarbe meiner Mutter erklären. Heute gibt es tolle Integrations-Projekte. Engagierte Eltern, Lehrer und Erzieher machen sich stark für kulturelle Bildung. Auch ich bin u. a. an Kitas und Schulen ehrenamtlich aktiv in meiner Herzensangelegenheit Haiti. Immer wieder überraschen mich die Kinder mit ungewöhnlichen Fragen. Für mich steht fest: „Multi-Kulti“ muss ein Schulfach werden. Wie wirkungsvoll jahrelanger interkultureller Austausch sein kann, zeigen Sportvereine. Zum Beispiel die Capoeira-Gruppe einer Freundin. Seit knapp zwanzig Jahren trainieren deutsche und Kinder mit Migration-Hintergrund zusammen den brasilianischen Kampftanz. Gelehrt wird nicht nur das sportliche Erbe Brasiliens, sondern auch Toleranz und Respekt fremden Kulturen gegenüber. Das Motto: „Wir sind alle ANDERS“ hält die bunte Gruppe zusammen. Ich bin mir sicher, das Schulfach „Multi-Kulti“ wird ein voller Erfolg - also her damit!"

Vanessa de Lacaze
TV-Moderatorin und Reporterin

Kinder brauchen Zeit

07.05.2014

"Wie schnell ist ein Bobby­car? Warum kön­nen Flug­zeu­ge flie­gen? Und wa­rum fal­len die Wol­ken nicht vom Him­mel? Mei­ne Kin­der fra­gen mir täg­lich neue Lö­cher in den Bauch und wol­len Din­ge wis­sen, über die ich mir sonst nie­mals Ge­dan­ken ma­chen wür­de. Und in der Tat, wie schnell das Bobby­car fah­ren kann, wa­rum Flug­zeuge flie­gen und Wol­ken nicht vom Him­mel fal­len – all das sind Fra­gen, die wir El­tern be­ant­wor­ten soll­ten. Denn der heu­ti­ge Wis­sens­hun­ger der Kin­der, ist die Ba­sis eines ge­sun­den All­ge­mein­wis­sens für mor­gen. Neh­men wir uns al­so Zeit, alle Fra­gen so gut es geht zu be­ant­wor­ten. So brin­gen uns un­se­re Kin­der da­zu, nach­zu­den­ken, uns sel­ber schlau­er zu ma­chen und un­sere Bil­dung wei­ter zu ge­ben. Das geht aber nur, wenn wir uns auf Au­gen­höhe mit ihnen aus­ein­an­der­set­zen. Schen­ken wir un­se­ren Kin­dern ne­ben Lie­be viel Zeit und Wis­sen. Es ist die schön­ste Sy­ner­gie, die es gibt."

Jörg Boecker
TV-Moderator, Journalist, Europawissenschaftler

Sport tut Kindern gut

30.04.2014

"Ein Kin­der­recht, das mir sehr am Her­zen liegt, ist das Recht auf Be­we­gung und Sport. In Zei­ten, in de­nen Kin­der im­mer mehr Zeit in der Schu­le ver­brin­gen, ist Be­we­gung ein wich­ti­ger Aus­gleich zum Still­sit­zen und Zu­hö­ren. Doch Sport kann noch viel mehr: Er lehrt auch Team­fä­hig­keit. Kin­der ler­nen, sich auf ihre Mit­spie­ler zu ver­las­sen und sie zu un­ter­stüt­zen. Trai­nings­er­fol­ge stär­ken ihr Selbst­ver­trau­en. „Wenn ich lan­ge genug übe, klappt es!“, er­fah­ren sie, eine Ein­sicht, die et­wa der Mathe­un­ter­richt nicht je­dem Kind ver­mit­teln kann. Sol­che Fä­hig­kei­ten sind sehr wert­voll für eine ge­sun­de Ent­wick­lung und wer­den im klas­si­schen Schul­un­ter­richt nur be­dingt ver­mit­telt. Des­halb ist es wich­tig, dass Sport­ver­eine und Schu­len, ins­be­son­de­re Ganz­tags­schu­len eng mit­ein­an­der ko­ope­rie­ren, so­dass es für al­le Kin­der mög­lich ist, aus­rei­chend Sport zu trei­ben. Für mich war und ist Ski­fah­ren und der Sport im All­ge­mei­nen im­mer ein Ge­fühl von Frei­heit und Aus­gleich zur Schu­le. Den soll­ten alle Kin­der ha­ben kön­nen."

Anna Schaffelhuber
5-fache Paralympics-Goldmedaillengewinnerin

In Respekt und Toleranz einen offenen Bildungsprozess gestalten

23.04.2014

"Zur Bil­dungs­ar­beit von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen ge­hört es, alle Le­bens­be­zü­ge, Er­fah­run­gen, In­ter­es­sen und Fra­gen der Kin­der ein­zu­be­zie­hen. Die Le­bens­neu­gier von Kin­dern als Grund­an­trieb al­len Ler­nens be­schränkt sich nicht auf das Be­greif­ba­re, son­dern fragt nach dem, was Sinn macht. Mit der Ra­ti­fi­zie­rung der Kin­der­rechts­kon­ven­tion der Ver­ein­ten Na­tio­nen im Jah­re 1992 hat sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­pflich­tet, die see­li­sche und spi­ri­tu­el­le Ent­wick­lung als Grund­recht ei­nes je­den Kin­des zu ach­ten und zu be­ach­ten. Kin­der ha­ben ein Recht auf eine ei­ge­ne Art und Wei­se, Glau­be zu ent­decken, zu er­fah­ren, zu ge­stal­ten und aus­zu­drücken. Kin­der bei ihrer Su­che nach dem, woran sie sich hal­ten und orien­tie­ren kön­nen, wel­che Wer­te und Nor­men für ihr Le­ben wich­tig wer­den, zu be­glei­ten, be­deu­tet, ihnen Zu­gang zu ethi­schen Quel­len und Kräf­ten zu er­mög­lichen, die unse­re Ge­sell­schaft prä­gen. Re­li­gion ist des­halb nicht nur ein The­ma kon­fes­sio­nel­ler, son­dern al­ler Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen. Es gilt, in Res­pekt und To­le­ranz ei­nen of­fe­nen Bil­dungs­pro­zess zu ge­stal­ten, um auch dem Un­vor­stell­ba­ren, dem Ge­heim­nis des Le­bens auf der Spur zu blei­ben."

Oberkirchenrat Johannes Stockmeier
Präsident Diakonie Deutschland  

Förderung der Kindergesundheit – so früh wie möglich

16.04.2014

"Pizza, Milchschnitte, Cola – viele Kinder glauben, dass das gesunde Lebensmittel sind und werden mit diesem Glauben allein gelassen. Die Folgen: Übergewicht und später das erhöhte Risiko, herz-, kreislauf- oder krebskrank zu werden. Zwölfjährige mit Diabetes II, dem sogenannten Alterszucker, sind heute keine Rarität mehr. Katastrophal. Dabei könnten die Weichen schon in Kitas und Grundschulen gestellt werden. Dann sind Kinder noch begeisterungsfähig, bewegungsfreudig und neugierig. Beste Voraussetzungen, um sie in dieser prägenden Phase für eine gesunde Lebensweise zu gewinnen, die sogar in die Familien zurückwirken könnte. In der Ottawa-Charta von 1986 heißt es: „Die Gesundheit von Menschen wird in ihrer Umwelt geschaffen, dort, wo sie spielen, leben, arbeiten und lieben.“ Heißt: Gesundheitsförderung muss auf soziale Systeme zielen und nicht mehr „nur“ auf den Einzelnen. Neue Strukturen müssen Kitas, Kindergärten und Schulen verzahnen. Dann nehmen Kinder gesundheitsbezogenes Wissen wie mit der Muttermilch auf und zwar in allen sozialen Schichten. Das sollte und muss das Ziel unserer demokratischen und modernen Gesellschaft sein."

Vera Cordes
Medizinjournalistin und Fernsehmoderatorin  

Wer hilft, gewinnt

09.04.2014

"Es ist so leicht, Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Da reicht das Abklatschen einer hingehaltenen Hand, ein Autogramm auf das T-Shirt oder einfach ein freundlicher Blick. Kinder sind so dankbar. Und so verletzlich. Es ist wirklich nicht schwer, Kindern zu helfen. Es macht sogar Spaß. Ich erlebe das in meiner Stiftungsarbeit, die sozial benachteiligten Kindern gewidmet ist. Viele Kinder benötigen unsere Hilfe. Und wer hilft, gewinnt. Ich habe es in meiner Kindheit erlebt, dass Gleichaltrige mich um mein Pausenbrot beneidet haben oder an Klassenfahrten nicht teilnehmen konnten. Das Familien-Budget gab es einfach nicht her. So etwas sollte es in der heutigen Zeit nicht mehr geben. Tut es aber doch. Häufiger, als viele glauben. Wir versuchen hier mit unserer Stiftung zu helfen. Wir wollen Kindern die Hand reichen und ihnen Schutz bieten. Gemeinsam mit Partnern bauen wir dafür in Gelsenkirchen ein Haus. Es wird ein Haus der offenen Tür für jeden, der Hilfe und Unterstützung sucht."

Manuel Neuer
Fußball-Nationaltorhüter

Kinder brauchen einen festen Boden unter den Füßen

02.04.2014

"Weltweit sind über 20 Millionen Kinder auf der Flucht. In ihren Ländern haben sie durch Gewalt, Vertreibung und den Verlust von Familienangehörigen traumatische Erfahrungen gemacht. Für unbegleitete Minderjährige ist die Situation besonders schlimm, da sie sich ohne ihre Eltern und somit schutzlos auf den Fluchtweg begeben müssen. Hier angekommen haben sie nur auf dem Papier Rechte: obwohl Deutschland seinen Vorbehalt zur Kinderrechtskonvention im Jahr 2010 aufgab, gelten sie ab dem 16. Lebensjahr nach hiesigem Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz als Erwachsene. Sie müssen daher oft ohne Rechtsbeistand durch das Asylverfahren. Die Koalition hat beschlossen, hier nachzubessern – Zeit wird’s! Aber auch vom sog. Flughafenverfahren, das Asylsuchende im Transitbereich von Flughäfen faktisch inhaftiert, sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nicht ausgenommen. Das darf nicht so bleiben. Daher ist es wichtig, dass die Kinderrechtskonvention schnell umgesetzt wird und Kinder in Deutschland festen Boden unter ihre Füße bekommen."

Selmin Çaliskan
Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland

Kinder stark machen

26.03.2014

"Noch immer ist jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen. Viele Eltern können sich den Sportverein, die Musikschule oder den Malkurs für ihre Kinder nicht leisten. Sich außerhalb der Schule sportlich, musikalisch oder künstlerisch auszuprobieren stärkt die Persönlichkeit – mit jedem Erfolg steigt das Selbstbewusstsein. Selbstbewusste Kinder sind widerstandsfähiger für alle Schwierigkeiten, die ihnen begegnen: Sei das Mobbing, Gewalt oder Sucht. Nur wer sich selbst und seine Fähigkeiten kennt, kann anderen Grenzen setzen. Leider haben oft gerade die Kinder, die diese Stärkung am nötigsten hätten, keinen Zugang dazu. Wir müssen uns deshalb mehr anstrengen, allen Kindern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen, bei der sie ihre vielfältigen Talente entdecken und ausleben können – viele gemeinnützige Projekte leisten bereits einen wichtigen Beitrag dazu. Nur durch die Förderung aller Kinder gleichermaßen lässt sich die wachsende Schere zwischen Arm und Reich schließen!"

Frank Elstner
Fernsehmoderator

Kinder besser fördern

19.03.2014

"Viele Kinder haben immer noch nicht die Möglichkeit, ihre besonderen Fähigkeiten zu entwickeln, weil sie nicht rechtzeitig gefördert werden oder ihre besondere Begabung gar nicht erst entdeckt wird. Ich glaube, dass wir es uns nicht leisten können, diese Begabungen zu ignorieren und auf die Kreativität und Fähigkeiten dieser kleinen Menschen, die uns später, als Erwachsene, vielleicht durch ihren Sport, ihre Künste oder durch ihre erstaunlichen Erfindungen, Taten oder Schriften begeistern können, zu verzichten. Wer früh gefördert wird, hat einfach bessere Chancen, dass das Individuelle seiner Person auch erkannt wird und sich entwickeln kann. Dass Eltern nicht reich sind oder noch nicht lange in Deutschland leben, darf kein Hindernis sein, dass ein Kind in seiner Besonderheit wahrgenommen, erkannt und gefördert wird. Kindergärten, Ganztagsschulen, Sportvereine und andere soziale Einrichtungen leisten dazu einen entscheidenden Beitrag und es sollte selbstverständlich sein, dass diese Stätten ausreichend finanziert werden, damit auch in Zukunft das Einzigartige jedes kleinen Wesens respektiert wird und sich frei entwickeln kann."

Siir Eloglu
Schauspielerin

Für eine gewaltfreie Kindheit

12.03.2014

"Kinder brauchen Liebe und Geborgenheit! In Deutschland ist die „Prügelstrafe“ seit dem Jahr 2000 gesetzlich verboten. Noch vor 30 Jahren wurden Kinder häufiger geschlagen. Der Umgang mit dem Nachwuchs sieht heute anders aus. Jedoch wachsen immer noch zu viele Kinder mit der Angst vor körperlichen Strafen auf. Wie soll sich ein Kind zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln, wenn ihm die Angst im Nacken sitzt? Kinder haben ein Anrecht auf eine gewaltfreie, liebevolle Erziehung. Natürlich gehören Konflikte zum familiären Alltag. Da können schon einmal die Fetzen fliegen. Eine gesunde Streitkultur will schließlich gelernt sein. Doch ist es die Aufgabe der Eltern sich angemessen verbal mit den Kindern auseinander zu setzen. Vertrauen, Liebe und Verbundenheit bilden die Basis für ein gutes Eltern-Kind-Verhältnis und eine gesunde Entwicklung. Gewalt verletzt diese Basis, mit der möglichen Folge, dass die Betroffenen sich als Erwachsene auch nur körperlich zur Wehr zu setzen wissen."

Dirk Roßmann
Geschäftsführender Gesellschafter der Dirk Rossmann GmbH

Kinderglück ist Erwachsenenglück

05.03.2014

"Ohne Wohlbefinden der Kinder, kann sich unsere Gesellschaft nicht menschlich und zukunftsfähig entwickeln. Gesundheit, materielle Sicherheit, bestmögliche Ausbildungschancen und gute Erziehung und Entwicklung sind zentrale Voraussetzungen für kindliches Wohlbefinden. Dazu gehört das Gefühl, geliebt und ernst genommen zu werden und sich als Teil der Familie und der Gesellschaft zu verstehen, in die sie hineingeboren wurden. Die Zukunft einer Gesellschaft und Ihrer Bürger wird ganz wesentlich dadurch bestimmt, dass sich Menschen gegenseitig wertschätzen und insbesondere für schwächere und ihnen anvertraute Personen, Fürsorge zu leisten. Das schließt unverzichtbar gerade die benachteiligten Kinder ein. Kinder brauchen individuelle Förderung. Sie wollen leisten, gefördert und gefordert werden. Das heißt, auf ihre Weise die Welt entdecken, ihr Potential beachtet und bewertet wissen. Zugehörigkeit ist entscheidend. Kinderglück ist Erwachsenenglück."

Prof. Dr. Rita Süssmuth
Bundesfamilienministerin a.D.

Kinder in der Entwicklung ihrer religiösen Identität stärken

26.02.2014

"„Papa, wo wohnt Gott?“ – „Mama, wer hat Gott erschaffen?“ Kinderfragen können uns Erwachsene manchmal ins Schwitzen bringen, doch sie machen deutlich: Kinder haben religiöse Fragen, blicken neugierig auf ihre Umwelt und suchen nach Antworten. Religion ist für sie weniger Lernstoff, als vielmehr eine Art „Heimatgefühl“. Sie haben ein Recht auf Religion, weil sie Religion brauchen. Deshalb zielt religiöse Bildung darauf ab, dass Kinder sich von Gott geliebt fühlen und sich als eigenständige Personen wahrnehmen. Im selbständigen Denken und Fragen entdecken Kinder, dass Gott in ihrem Leben eine Rolle spielt und sie sich auf ihn verlassen können. Im Vertrauen auf Gott schöpfen sie Mut zu einem Leben in Freiheit und der bereichernden Vielfalt von Gleichgesinnten und Andersdenkenden. Je früher Kinder eine eigene religiöse Identität entwickeln, umso mehr wächst das Verständnis für andere Religionen, Lebensweisen und Realitäten. Interreligiöse und interkulturelle Verständigung sind ohne religiöse Bildung, ohne Respekt für die religiösen Gefühle anderer nicht möglich.“ "

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Nur mit genügend Freude im Leben kann sich eine Kinderseele entfalten

19.02.2014

"Ich kann mir für Eltern nichts Schlimmeres vorstellen, als vom Arzt zu hören „Ihr Kind wird bald sterben“. Vor solchem Schicksal können einen kein Wohlstand und kein reiches Land der Welt bewahren. Auch in Deutschland hören viele Eltern diesen Satz. Sie fallen in ein unendlich tiefes Loch, und dass sie dann oft nicht die Kraft haben, auf gesunde Geschwisterkinder so einzugehen, wie sie es bräuchten, ist da nur verständlich. Ich will etwas dagegen tun! Deshalb bin ich im Beirat der Phytokids-Stiftung. Eine echte Herzensangelegenheit ist für mich ein neues Projekt in München. Wir finanzieren eine Vollzeitstelle im ambulanten Kinderhospiz. Diese Person ist oft der einzige Lichtblick im Leben derer, die erfahren haben, dass ihr Kind sterben muss. Sie sorgt dafür, dass ein ehrenamtlicher Helfer für das Geschwisterkind da ist und ihm die Möglichkeit gibt, wenigstens für ein paar Stunden pro Woche einfach nur Kind zu sein. „Nur mit genügend Freude im Leben kann sich eine Kinderseele entfalten.“ "

Anna Maria Kaufmann
Opern- und Musicalsängerin

Kinder als wunderbare kleine Menschen respektieren

12.02.2014

"Kinder haben keine wirkliche Lobby in der Politik, weil sie (noch) keine Wähler sind, sie fallen oft hinten runter, wenn sie nicht das Glück hatten, in eine wohlhabende Familie hineingeboren zu sein, die sich dann - unabhängig von Staat und Gesellschaft - um an­stän­di­ge Bildung kümmern kann. In unserer Leistungsgesellschaft spielt Bildung eine große Rolle. Viele Eltern wissen das und bauen damit einen Druck auf, dem die Kinder oft nur schwer standhalten können: Du musst das Gymnasium schaffen, du musst studieren - natürlich wissen wir, dass Akademiker auf den Arbeitsmarkt un­gleich größere Chancen haben, und natürlich versuchen wir, un­se­re Kinder darauf vorzubereiten. Aber warum müssen wir denn schon in der 4. oder 5. Klasse die sprichwörtliche Spreu vom Wei­zen trennen? Ist es klug, in diesem Alter den Kindern schon das Ge­fühl zu geben mind­erwertig zu sein? Sollten wir ihnen nicht lieber das Gefühl geben, groß­artig und wich­tig zu sein, sollten wir sie nicht einfach als wunderbare kleine Menschen res­pek­tie­ren? Jedes Kind kann irgendwas besser als ein anders, jedes Kind sollte genau darin gefördert wer­den, wo es seine Stärken hat."

Sebastian Krumbiegel
Musiker

Zweisprachigkeit ist ein großer Reichtum

05.02.2014

"Meine Familie und ich wohnen in einem sehr beliebten Viertel in Berlin, beliebt auch für seine Multikultiathmosphäre. Wir lieben die Multikultistimmung, lieben das Multikultiessen, sollen dann aber unsere Kinder in einer Klasse mit 95% Kinder nichtdeutscher Herkunft eingeschult werden, hat die Freude am Multikulti schnell wieder ein Ende. Warum sprechen so viele in Deutschland geborene Kinder gebrochen deutsch? Die Zweisprachigkeit selbst ist nicht das Problem, sondern eigentlich ein großer Reichtum. Werden diese Kinder gefördert, sind sie nicht sprachlos, sondern zweisprachig! Was für ein Vorteil! Kindergärten und Grundschulen sollten mehr Mittel zur Sprachförderung an die Hand bekommen, auch zur Förderung der Muttersprache. Viele der Kinder mit Migrationshintergrund sprechen auch ihre Muttersprache nur begrenzt. Ist diese als solide Basis vorhanden, wird das Erlernen der deutschen Sprache eine zu bewältigende Aufgabe. Kinder mit Migrationshintergrund sind eine wichtige Realität in unserem Land. Werden sie in ihrer Zweisprachigkeit gefördert, statt allein gelassen (oder gar gefürchtet), bedeutet das nicht nur einen großen Gewinn für die Ausbildung dieser Kinder, sondern auch für unsere Gesellschaft. Theaterspielen ist übrigens eine wunderbare Art der Sprachförderung. Ohne Druck können die Kinder spielerisch ihren Wortschatz erweitern und lernen sich auszudrücken."

Helene Grass
Schauspielerin

Kindheit in öffentlicher Verantwortung

29.01.2014

"Die allgemeine Schulpflicht, die im 19. Jahrhundert hierzulande vollständig etabliert wurde, hatte eine massive Veränderung des Aufwachsens zur Folge: Erstmals erhielt die Schule bei sämtlichen Kindern eine weichenstellende biografische Stellung. Einiges spricht dafür, dass wir beim Ausbau der Kindertagesbetreuung derzeit Ähnliches beobachten können: Viele Kinder werden künftig ab dem Alter von ein oder zwei Jahren in die Kitas kommen und dort ähnlich viele Stunden verbringen wie in einer Grundschule. Auch wenn dieser Entwicklung keine Pflicht – analog zur Schulpflicht – zugrunde liegt, sollten wir doch den grundlegenden Wandel nicht unterschätzen. Deutlich wird hier eine Zunahme der öffentlichen Verantwortung für das Aufwachsen von kleinen Kindern, ohne dass damit Eltern „entmachtet“ würden. Kitas erhalten auf diese Weise einen völlig anderen Stellenwert. Dieser erweiterten Verantwortung müssen wir uns stellen – mit Energie, Engagement und ausreichenden Etats."

Thomas Rauschenbach
Direktor des Deutschen Jugendinstituts

Mehr Chancen für gesundes Aufwachsen

22.01.2014

"Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass alle Kinder bei uns die Chance haben, gesund aufzuwachsen. Aber leider schaffen wir das selbst in einem so reichen Land wie Deutschland nicht. Wir sparen beim Schulessen und muten unseren Kindern Schulkantinen zu, um die wir als Erwachsene einen großen Bogen machen würden. Und wir engen unsere Kinder immer mehr ein. Kinder sind glücklich, wenn sie Orte haben, die sie selbst gestalten können, wenn sie Freiräume haben, wo sie schreien, toben und lachen können. Aber die Räume für Kinder vor der Haustür werden immer enger und unfreundlicher. Und wenn ich mir viele Schulhöfe in Deutschland anschaue, das ist wirklich deprimierend. Dabei haben Kinder und Jugendliche so viele kreative Gestaltungsideen, wie man aus diesen Betonwüsten tolle Aufenthaltsflächen machen kann. Das muss nicht unbedingt viel Geld kosten, auch hier ist mit ein bisschen Fantasie, Kreativität und vor allem mit der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eine Menge möglich."

Enie van de Meiklokjes
Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes

Kinderlärm muss Musik in unseren Ohren sein

15.01.2014

"Viele kennen diese Situation: Ein gut besuchtes Restaurant an einem Samstagmittag, am Nebentisch sitzt eine Familie mit drei Kindern. Die Kinder reden laut durcheinander, das Baby robbt am Boden herum und versucht, sich an den Stuhlbeinen der Nachbartische hochzuziehen. An diesen Tischen wollen sich Erwachsene in Ruhe unterhalten. „Das wird wohl nichts, bei dem Kinderlärm“ hört man sie innerlich sagen; sie werfen genervte Blicke zum Nachbartisch mit den Kindern. Die Eltern spüren diese Blicke und vermeiden in den kommenden Wochen den Besuch von Gaststätten. Sie wollen sich nicht erneut unerwünscht fühlen. Wenn es am Wochenende regnet, können Kinder nicht draußen toben. Dann müssen sie in der Wohnung spielen - leise. Denn die Nachbarn im Mietshaus wollen am Wochenende ihre Ruhe haben. Sie beschweren sich, wenn Kinder laut sind. Ärger mit dem Vermieter ist dann vorprogrammiert. So mancher Vermieter entscheidet sich, bei der nächsten Vermietung ein kinderloses Paar zu bevorzugen. Dieses gesellschaftliche Klima macht Familien das Alltagsleben schwer. Wir alle können daran etwas ändern: Beim nächsten Restaurantbesuch. Und wahrscheinlich sind wir dann überrascht, dass der Lärm spielender Kinder wie Musik klingen kann."

Prälat Dr. Peter Neher
Präsident des Deutschen Caritasverbandes

Mehr Medienbildung – und mehr Platz zum Spielen

08.01.2014

"Zocken mit dem Smartphone am Esstisch – Hauptsache das Kind gibt Ruhe. Stundenlang chatten im Internet – mit wem eigentlich? Drei Folgen Brutalst-Comic vor dem Fernseher – für einen 5-jährigen? Kinder müssen in der neuen Medienwelt geschützt werden. Eltern aber auch. Auch unsere Lehrer sollten erklären können, was diese flimmernden Bilder und Kurznachrichten im Chatroom für sie bedeuten können. Ich bin mit der Maus und dem Elefanten groß geworden, mit Pippi Langstrumpf, mit Ernie und Bert. Dosiertes Fernsehen – nichts dagegen, das hat meine Phantasie angeregt, ich habe diese Sendungen geliebt und gucke sie manchmal noch immer. Ich wünsche mir einen bewussteren Umgang mit dieser neuen Medienwelt und dass Kinder wissen wo der “Aus”-Knopf ist. Dafür müssen sie an die Hand genommen werden, Zuhause und in der Schule. Mehr Medienbildung im Unterricht, schon im Kindergarten. Und dazu mehr Platz zum Spielen: denn am schönsten ist es doch, nach einer Folge “Pippi Langstrumpf” selbst die Abenteuer zu erleben."

Pinar Atalay
Journalistin und Fernsehmoderatorin

Für das Lesen begeistern

18.12.2013

"Die wichtigste Zutat beim Brotbacken? Falsch. Es ist nicht das Mehl. Jedenfalls nicht, wenn es um die Frage geht, warum wir Kinder und Jugendliche überhaupt für das Lesen begeistern sollten. Der Punkt ist: Bücher in Schultüten zu stopfen, auf Gabentische zu mogeln oder sie grinsend vor Kameras zu bejubeln hilft meist wenig. Ein Geschenk ist eine gute Geschichte erst, wenn der Leser kapiert, dass man auf diese Art Abenteuer nicht verzichten kann. Weil gute Geschichten den uralten und immerjungen Traum vom Blick in einen fremden Kopf so wahr wie nur möglich werden lassen. Weil gute Geschichten uns eine Ahnung davon geben, was es heißt, Mensch unter all den anderen Menschen zu sein. Das hilft, weil wir auf die Art weniger allein sind, heißt es. Deshalb müsste es eigentlich auch damit losgehen, von der Bedeutung, die Geschichten für uns haben, mit ansteckender Begeisterung zu erzählen: Gute Geschichten geben uns die Möglichkeit, mehr als nur dies eine Leben zu leben, in dem wir sonst auf immer gefangen bleiben würden. Begeisterte Leser wissen das. Kein Witz, die wichtigste Zutat beim Brotbacken ist natürlich die Feile."

Nils Mohl
Schriftsteller

Familienpolitik im 21. Jahrhundert

11.12.2013

"Kinder bereichern ihre Familie und uns alle, sie sind eine Quelle für Hoffnung und Lebensfreude. Oft verzichten junge, gut ausgebildete Frauen auf Familie und Kinder. Das ist nicht nur im Hinblick auf die demografische Entwicklung unseres Landes problematisch, sondern auch ein unschätzbarer Verlust an Motivation, Kreativität und Kompetenz sowie Erfahrung für unsere Gesellschaft. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen einen Weg finden, um die Situation von Familien und von Kindern zu verbessern. Wir brauchen gute Betreuungsangebote und eine familienfreundliche Infrastruktur. Auch die Ganztagsbetreuung in Schulen kann, wenn sie gut ist, einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Familiensituation leisten. Aber Kinder brauchen auch Zeit mit ihren Eltern, um sich zu glücklichen und ausgeglichenen Menschen entwickeln zu können. Und Eltern brauchen Zeit, um ihren Kindern Geborgenheit zu geben und Werte zu vermitteln."

Liz Mohn
stellv. Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung

Kinder wollen spielen – und sie haben ein Recht dazu

04.12.2013

"Die Stundentafeln in Schulen ähneln zunehmend den Kalendern von Managern. Schularbeitszeiten von deutlich mehr als 40 Stunden sind häufig die Regel. Auch in den Kitas werden die Tages- und Wochenpläne immer enger getaktet. Auf der Strecke bleibt das freie kindliche Spiel. Ein kognitiv verengter Bildungsbegriff und eine falsch verstandene „Förderung“ drängen das Spiel immer mehr an den Rand oder vereinnahmen es für Zwecke des Lernens. Selbstverständlich lernen Kinder im Spiel. Aber sie spielen nicht, um zu lernen. Ein schleichender Abschied vom zweckfreien Kinderspiel widerspricht dem in Artikel 31 UN-Kinderrechtskonvention niedergelegten Recht jedes Kindes auf Ruhe, Freizeit, Spiel und Erholung. Wir sollten den Kindern die für ihre Entwicklung so wichtigen Spielräume und Spielzeiten zurückgeben. Denn ein Verlust an kindlicher Spielfreude ist auch ein Verlust an Persönlichkeitsbildung."

Prof. Dr. Jörg Maywald
Sprecher der National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention

Wahlrecht von Geburt an

27.11.2013

"In einer Demokratie haben generell diejenigen Macht, die wahlberechtigt sind, und diejenigen, die nicht wählen dürfen, bleiben machtlos. Deshalb finde ich es vernünftig, über eine Absenkung des Wahlalters nachzudenken. Eine Änderung des Wahlalters ist die richtige Antwort auf die demographischen Veränderungen in unserer Gesellschaft. Denn in einer alternden Gesellschaft besteht die Gefahr, dass die Interessen von Kindern untergehen. Eine Absenkung des Wahlalters, wodurch Jugendliche selbst wählen gehen können, ist der richtige Weg. Aber er geht nicht weit genug. Daher ist an ein Familienwahlrecht zu denken, bei dem Eltern treuhänderisch das Stimmrecht ihrer Kinder wahrnehmen, sofern diese kein eigenes Wahlrecht haben. Die Eltern sollten dabei die Wahlentscheidung mit dem Kind besprechen, soweit es nach dem Entwicklungsstand des Kindes angezeigt ist. Mit der wachsenden Fähigkeit und dem wachsenden Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln kann das Stimmrecht dann von den Kindern selbst wahrgenommen werden."

Renate Schmidt
Bundesfamilienministerin a.D.

Tempo 30 — Für das Leben unserer Kinder

20.11.2013

"Kinder wollen sich bewegen, spielen und draußen toben. Doch dieses Bedürfnis nimmt ab, wenn es nicht unterstützt wird. Damit unsere Kinder den Spaß an der Bewegung behalten, selbständig mobil sein können und Eltern keine Sicherheitsbedenken haben müssen, ist es dringend erforderlich die Regelgeschwindigkeit im Straßenverkehr zu reduzieren. Tempo 30 in der Stadt verringert nicht nur den Anhalteweg von Pkw um mehr als die Hälfte, bei niedrigen Geschwindigkeiten erweitert sich auch das Sichtfeld, Hindernisse am Straßenrand werden besser wahrgenommen. Ganz besonders wichtig für Kinder, die schlechter gesehen werden als Erwachsene, wenn sie z.B. hinter parkenden Autos hervortreten. Unfälle würden deutlich reduziert mit einer Temporeduzierung. Und da Kinder überall in der Stadt unterwegs sind, helfen nicht allein vereinzelte Tempo-30-Zonen vor Schulen. Das zeigt auch der VCD Städtecheck. Wir brauchen Tempo 30 als Basisgeschwindigkeit in unseren Städten, und Tempo 50 nur noch dort, wo es wirklich notwendig und sicher ist."

Michael Ziesak
Bundesvorsitzender des ökologischen Verkehrsclubs VCD

Bessere Bildungschancen für alle Kinder schaffen

13.11.2013

"Kinder müssen die Chance bekommen, ihre Fähigkeiten entdecken und entfalten zu können. Das Entdecken der eigenen Fähigkeiten schafft Selbstvertrauen und motiviert, auch in anderen Lernbereichen möglichst gute Leistungen zu erzielen. Alle Kinder sollten die Gelegenheit erhalten, einmal spielerisch all ihre künstlerischen Fähigkeiten im Bereich Tanz, Schauspiel, Musik, Malerei oder Bildhauerei auszuprobieren. Es kann nicht sein, dass in Deutschland die Bildungschancen so sehr davon abhängen, in welchen Verhältnissen ein Kind aufwächst. Es ist daher Zeit, neue familienpolitische Konzepte zu verabschieden, um die Frühförderung bei Gesundheit und Bildung noch intensiver zu unterstützen. Vor allem ist die Kinderarmut effektiv zu bekämpfen, damit alle Eltern ihren Kindern ein Umfeld bieten können, ihre Talente zu entdecken und diese dann zu fördern. Das bedeutet aber auch, dass ein ideenreiches Bildungsangebot für Kinder im Vorschulalter aufzubauen ist."

Christiane Stenger
Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes

Kinderarmut in Deutschland überwinden

06.11.2013

"Obwohl wir in einer der reichsten Industrienationen der Welt leben, sind auch in Deutschland viele Kinder von Armut betroffen. Hunderttausende Schulkinder leiden täglich Hunger, viele Kinder müssen häufig auf die selbstverständlichsten Dinge verzichten. Ihnen fehlt es am Nötigsten: an ausreichender Kleidung, an Geld für eine Geburtstagsfeier oder an einem Platz, an dem sie in Ruhe ihre Hausaufgaben machen können. Kinder aus armen Familien werden mit ihren Problemen vielfach allein gelassen. Bildungs- und damit Aufstiegschancen hängen zu sehr vom Geldbeutel der Eltern ab. Arme Kinder leiden häufiger an Karies, Infektionen, Asthma, Kopf- und Rückenschmerzen. Das darf nicht sein. Deshalb müssen wir uns mehr anstrengen, die Kinderarmut in Deutschland zu überwinden. Kinder haben unsere Achtung und unsere Zuwendung verdient. Darum ist es wichtig, dass sich das Deutsche Kinderhilfswerk für sie stark macht. Denn Kinder brauchen Freunde."

Sky du Mont
Schauspieler

Kinderrechte ins Grundgesetz

30.10.2013

"Die Position der Kinder im deutschen Rechtssystem muss endlich durch Kinderrechte im Grundgesetz gestärkt werden. Kinder sind Persönlichkeiten eigener Art und keine kleinen Erwachsenen. Deshalb müssen ihre Rechte in ganz besonderer Weise geschützt werden. Es gibt kindspezifische Rechte, wie das Recht auf Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit, das Recht auf Förderung und Beteiligung. Diese Rechte stehen bisher nicht explizit im Grundgesetz. Kinder haben bisher in unserer Verfassung Objektrang, und keine Subjektstellung. Das wollen wir ändern und eine Veränderung erreichen, die quer durch die Gesellschaft und die Rechtsgebiete geht. Vom Jugendhilferecht, über das Straßenverkehrsrecht bis hin zum Baurecht und selbstverständlich auch im Bildungsbereich und der Haushaltsgesetzgebung. Es geht nicht darum, Elternrechte zu schwächen, sondern darum, Kinderrechte zu stärken. Wir müssen endlich Politik auf Kindernasenhöhe machen."

Anne Lütkes
Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes

Deutschland muss kinderfreundlicher werden

23.10.2013

"In Sachen Kinderfreundlichkeit gibt es in Deutschland noch viel Luft nach oben. Zahlreiche Umfragen stellen Deutschland hier ein unbefriedigendes Zeugnis aus. Kinderfreundlichkeit beginnt im Alltag, beim direkten und respektvollen Umgang mit Kindern. Aber auch die Politik hat maßgeblichen Anteil an einer kinder­freundlichen Gesellschaft, da sie wesentliche Rahmenbedin- gungen für das Aufwachsen von Kindern setzt. Deshalb fordern wir die Verabschiedung eines Aktionsplans für ein kinder­freundliches Deutschland. Uns geht es konkret um zehn Punkte, beispielsweise um die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz, die strukturelle Verankerung von Kinderbeteiligung oder die Förderung der gesunden Ernährung von Kindern. Zudem sind die Bekämpfung der Kinderarmut und die Stärkung und Verbesserung sowohl der frühkindlichen als auch der schulischen Bildung wichtige Indikatoren für ein kinderfreundliches Deutschland."

Thomas Krüger
Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes