Seit 1972 im Einsatz für Kinder

50 Jahre Deutsches Kinderhilfswerk

Haben alle Kinder in Deutschland die gleichen Chancen? Werden ihre Interessen ausreichend berücksichtigt? Als Deutsches Kinderhilfswerk beschäftigen uns diese Fragen täglich.

Denn seit 50 Jahren setzen wir uns dafür ein, Deutschland zu einem kindgerechten Ort zu machen, an dem Kinder gut aufwachsen und ihre Interessen selbst und gleichberechtigt vertreten können.

Fünf Jahrzehnte, in denen sich die Welt rapide verändert hat – und wir uns mit

Seit 1972 haben wir vielen Kinder unterstützt, unsere Themen analog den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen erweitert und uns als wichtige Kinderrechtsorganisation etabliert. In dieser Funktion sind wir auch für Kinder und Erwachsene zentrale Ansprechpartnerin in kinderrechtlichen Fragen geworden, deren Expertise und Stellungnahmen zudem regelmäßig von Politik und Wissenschaft angefragt werden.

Klar ist dabei: All das haben wir nur mit den Menschen an unserer Seite geschafft, die uns mit Herz und Spenden unterstützen. Nur so ist es uns möglich, Kinder, deren Familien von Armut betroffen sind, ganz individuell zu unterstützen. Auch darüber hinaus fördern wir deutschlandweit Kinder und Jugendliche, sorgen dafür, dass sie in themenbezogenen Projekten gemeinsam Neues lernen und erfahren, wie sie selbstbestimmt für ihre Rechte eintreten können. Und nicht zuletzt setzen wir uns bei politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern für Kinder und Jugendliche und ihre Rechte ein.

Und doch: Die Herausforderungen für ein Deutschland, das von Grund auf kinderfreundlich ist, sind nach wie vor groß – das hat die Corona-Pandemie einmal mehr gezeigt. Deshalb hören wir auch noch lange nicht auf. Im Gegenteil, für ein kindgerechtes Deutschland gibt es noch viel zu tun!

Erfahren Sie mehr über unsere Entwicklung von 1972 bis heute (und wenn Sie die Fotos größer sehen möchten, klicken Sie einfach auf das jeweilige Bild):

1970er: Das Deutsche Kinderhilfswerk wird gegründet

Das Deutsche Kinderhilfswerk wurde am 17. Februar 1972 in München gegründet. Ziel des Vereins war es zunächst, die Spielplatzsituation in Deutschland verbessern. Dem Trübsal aus Rutsche, Schaukel und Sandkasten sollte etwas entgegensetzt werden und moderne Spielplätze entstehen, auf denen Kinder sich wohlfühlen und ausgiebig spielen können. Dazu entstand eine vollkommen neue Idee, Menschen um Unterstützung zu bitten: Die Spendendose fand Einzug in die Geschäfte und wurde zum Symbol für Wohltätigkeit! Es folgten größere Spendenaktionen, wie beispielsweise die mit der Bild-Zeitung gemeinsam initiierte Spendengala „Ein Herz für Kinder“. 

1980er: Kinderrechte werden zum Herzstück unserer Arbeit

Der Beschluss der UN-Kinderrechtskonvention 1989 und ihre Ratifizierung in Deutschland 1992 war ein Wendepunkt für das Deutsche Kinderhilfswerk: Die Kinderrechte – besonders die Forderung, Kinder an den sie betreffenden Fragen zu beteiligen – wurden zum Herzstück unserer Arbeit. Das Deutsche Kinderhilfswerk profilierte sich mehr und mehr als kinderpolitscher Verband, schuf die bundesweit erste Stelle eines Referenten für Kinderpolitik, initiierte Projekte und Veranstaltungen und wurde zu einem der wichtigsten Ansprechpartner für Kinderbeteiligung in Deutschland. Zudem stießen wir mehr Kinderfreundlichkeit in Kommunen sowie bei Stadtplanungen an.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu fördern, ist auch das Ziel unserer Länderfonds. 1989 wurde der Landesfonds „Schleswig-Holstein – Land für Kinder“ als Gemeinschaftsaktion des Landes Schleswig-Holstein und des Deutschen Kinderhilfswerkes gegründet, mit dem Ziel, die Alltagssituation von Kindern zu verbessern und auf eine kinderfreundliche Gesellschaft hinzuwirken. Dazu fördern wir seitdem Projekte zu Kinder- und Jugendbeteiligung, geben Publikationen heraus und bieten Fach- und Fortbildungsveranstaltungen an.

Auf die guten Erfahrungen aus Schleswig-Holstein aufbauend schlossen wir in den 2010er Jahren zahlreiche weitere Kooperationen mit Bundesländern. Heute unterhalten wir außerdem Länderfonds in Brandenburg, Niedersachsen, Thüringen, Saarland, Hamburg und Baden-Württemberg.

1990er: Profilschärfung als Kinderrechtsorganisation

Nach der Wende schloss sich das Deutsche Kinderhilfswerk 1990 mit dem Kinderhilfswerk der DDR zusammen. Und zog um: Ab 1993 wurde der Sitz der Bundesgeschäftsstelle nach Berlin verlegt, um in der künftigen Hauptstadt nah am politischen Geschehen zu sein.

Seit den 90er-Jahren veranstalten wir in Berlin am Weltkindertag zudem jährlich ein großes Fest für Kinder, bei dem sie ihre Rechte kennenlernen, spielen und ihre Kindheit feiern können!

Und noch eine weitere Neuerung entstand 1993: Der Kindernothilfefonds wurde gegründet, mit dem Ziel von Armut betroffenen Kindern individuell, schnell und unkompliziert zu helfen. Diese Einzelfallhilfe hilft noch immer jedes Jahr rund 2.000 Kindern und ihren Familien in schwierigen Notsituationen.

Mit dem Einzug des Internets erweiterten sich Ende der 1990er-Jahre auch die Arbeitsfelder um „Neue Medien“ – heute Medienkompetenz – und Kinderpolitik. Mit www.kindersache.de entstand eine der ersten Internetseite für Kinder – die es übrigens heute noch gibt! Hier können sich Kinder u.a. kindgerecht informieren, spielen, chatten oder eigene Artikel verfassen, werbefrei und geschützt.

Als weiteres Angebot für Kinder wurden die K-Teams ins Leben gerufen, in denen Kinder sich in ihrem Umfeld um sie betreffende Angelegenheiten kümmern konnten, wie verschmutzte Spielplätze oder unsichere Schulwege. Dazu erhielten sie Unterstützung vom Deutschen Kinderhilfswerk, das ihnen zum Beispiel zeigte, wie ein Brief an eine Behörde aussehen muss. Auch für Erwachsene wurden zahlreiche neue Angebote geschaffen.

2000er: Mit der Spendendose on Tour

Die Einnahmen aus den Spendendosen, die nun deutschlandweit in Geschäften standen, machten die Finanzierung des Deutschen Kinderhilfswerkes maßgeblich aus – und die Spendendose feierte ihr 30-jähriges Jubiläum! Aus diesem Anlass sowie um unsere Arbeit als Spendenorganisation bekannter zu machen, schickten wir die Spendendose 2009 durch das ganze Land „on Tour“. Bundespräsident a.D. Richard von Weizäcker unterstützte uns dabei als prominenter Botschafter. Heute stehen die Spendendosen an rund 40.000 Standorten in ganz Deutschland und weiterhin kommen alle Einnahmen Kindern in Deutschland zugute.

Auch inhaltlich kam in dieser Zeit mit kultureller Bildung ein neuer Schwerpunkt dazu. Konkret bedeutete das die Förderung von Kulturangeboten, die sich explizit an Kinder und Jugendliche richten sowie gleichzeitig jungen Menschen den Zugang dazu zu ermöglichen.

2010er Jahre: Zentrale Schwerpunkte aus der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen

Unsere Schwerpunkte umfassen nun die zentralen Themen aus der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören Überwindung von Kinderarmut, Beteiligung, Spiel & Bewegung, Medienkompetenz und kulturelle Bildung.

Das beinhaltet seit 2015 auch die frühkindliche Bildung: Verstärkt fördern wir Kinder im Kindergartenalter, um ihr Mitspracherecht, ganz nach ihren individuellen Fähigkeiten, zu stärken.

Beteiligung als zentrales Thema betrifft auch unsere interne Arbeit: Seit Anfang der 2010er-Jahre hat das Deutsche Kinderhilfswerk einen Kinder- und Jugendbeirat. Rund 15 Kinder und Jugendliche beraten uns bei Projekten, prüfen, wie diese auf Kinder und Jugendliche wirken und unterbreiten Vorschläge, wie die Interessen von Kindern und Jugendlichen stärker berücksichtigt werden können.

Im Jahr 2012 gründeten wir gemeinsam mit UNICEF Deutschland den Verein „Kinderfreundliche Kommunen“, mit dem Ziel, die Umsetzung der Kinderrechte in deutschen Städten und Gemeinden zu fördern – aktuell übrigens in über 40 „kinderfreundlichen Kommunen“ und es kommen immer weitere dazu!

Ein weiterer Meilenstein wurde 2017 gesetzt: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beauftragte uns mit der Umsetzung der „Strategie des Europarates für die Rechte des Kindes“ in Deutschland. Dazu richteten wir die Koordinierungsstelle Kinderrechte im Deutschen Kinderhilfswerk ein, um deutschlandweit die Themen Kinder- und Jugendbeteiligung, kindgerechte Justiz und Kinderrechte in der digitalen Welt zu bearbeiten und für ihre breite Umsetzung zu sorgen.

Mit den vielen neuen Aufgabenbereichen ist auch die Zahl unserer Mitarbeitenden stetig gewachsen: Mittlerweile arbeiten 80 Menschen für unsere Organisation  – in unserer Geschäftsstelle in Berlin und in ganz Deutschland!

2020er: Neue Herausforderungen für die Kinderrechte

Als etablierte Kinderrechtsorganisation setzen wir uns mit unserer Koordinierungsstelle Kinderrechte, dem Verein Kinderfreundlichen Kommunen und unserer Servicestelle für Starke Kinder- und Jugendparlamente dafür ein, dass die Kinderrechte in Deutschland umgesetzt und die Belange von Kindern und Jugendlichen ernstgenommen werden.

Während der Corona-Pandemie mussten wir das besonders laut fordern. Vielfach haben wir erlebt, dass Kinder nicht beteiligt wurden, wenn es um ihre Interessen ging. Oftmals wurde über die Schließung und Öffnung von Schulen und Kinder- und Jugendeinrichtung entschieden, ohne dass Kinder überhaupt angehört wurden. Kinder, die ohnehin benachteiligt sind, wurden in der Pandemie weiter abgehängt, weil sie zum Beispiel keine ausreichend technischen Möglichkeiten hatten, um am Homeschooling teilzunehmen.

Neben der nach wie vor hohen Anzahl von Kindern in Deutschland, die von Armut betroffen sind, und den damit von uns angebotenen Hilfen für Familien in finanziellen Notlagen, haben es die Not zu uns geflüchteter Familien aus Krisengebieten und die Flutkatastrophe 2021 notwendig gemacht, dass wir mit dem Kindernothilfefonds verstärkt individuelle Hilfen für betroffene Familien bereitstellen. Seit seiner Gründung wurden mit dem Kindernothilfefonds des Deutschen Kinderhilfswerkes in Not geratenen Familien mit mehr als drei Millionen Euro unterstützt. Anträge an die Einzelfallhilfe des Deutschen Kinderhilfswerkes können grundsätzlich alle Familien in Notsituationen stellen, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben, unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus.

Kinderrechte gelten für alle Kinder! Um das zu garantieren, müssen die Kinderrechte in Deutschland unbedingt gesetzlich veankert werden. 2021 scheiterte das Vorhaben der damaligen Bundesregierung, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen: ein Ziel, für das wir im „Aktionsbündnis Kinderrechte ins Grundgesetz“ seit langem kämpfen – und für das wir uns weiter einsetzen.

Es bleibt noch viel zu tun, damit unsere Vision von einem kinderfreundlichen Deutschland wahr wird. Wir bleiben dran. Bleiben Sie dabei an unserer Seite.