20.11.2015

Tag der Kinderrechte: Deutsches Kinderhilfswerk fordert Kinderrechte-Bildung als verbindlichen Lehrinhalt in Schulen

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert die Kultusminister der Bundesländer auf, mit der verbindlichen Einführung von Projektwochen das Thema Kinderrechte stärker als bisher in den Lehrplänen der Schulen zu verankern. „Kinderrechte spielen in den Lehrplänen bisher eine viel zu geringe Rolle. Zu viele Schülerinnen und Schüler kennen sich mit der UN-Kinderrechtskonvention und den darin normierten Kinderrechten nicht aus. Nur wer seine Rechte kennt, kann ihre Umsetzung auch vorantreiben. Es ist daher vollkommen unzureichend, dieses Thema im Unterricht nur nebenbei zu behandeln, zumal es dann häufig in erster Linie um Kinderrechtsverletzungen in anderen Ländern geht. Kinderrechte haben eine besondere Bedeutung für die Wertevermittlung, für das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen. Wir brauchen selbstbewusste Menschen für die demokratische Gestaltung unseres Landes, insofern ist Kinderrechte-Bildung immer auch eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Deshalb tritt das Deutsche Kinderhilfswerk dafür ein, dass es zukünftig in allen Klassenstufen mindestens eine Projektwoche zum Thema Kinderrechte gibt. Die Kultusminister der Länder sind aufgefordert, die Kinderrechte-Bildung durch eine Änderung der Lehrpläne flächendeckend verbindlich festzulegen. Um die herausgehobene Stellung der Kinderrechte deutlich zu machen, sollten die Bundesländer zudem die Bedeutung der Kinderrechte in den Schulgesetzen festschreiben“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, anlässlich des heutigen Jahrestages der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert alle Schulen in Deutschland auf, die Vermittlung von Kinderrechten zu einem Leitgedanken ihrer Einrichtung zu machen. „Es gibt in Deutschland bereits eine Reihe von Kinderrechteschulen, in denen die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechte mit den Schülerinnen und Schülern nicht nur abstrakt diskutiert werden, sondern ihnen zugleich einen konkreten Alltagsbezug vermittelt wird. Dieses Modellprojekt des Deutschen Kinderhilfswerkes, das auch von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesfamilienministerium unterstützt wird, sollte Vorbild für alle Schulen in Deutschland sein“, so Krüger weiter.

In Deutschland bestehen erhebliche Defizite bei der Bekanntheit der Kinderrechte. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes für den Kinderreport 2015 zeigt, dass nur 4 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen und 3 Prozent der Erwachsenen die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechte genau kennen, jeweils 19 Prozent wissen ungefähr Bescheid. Gleichzeitig wissen 49 Prozent der Kinder und Jugendlichen bzw. 36 Prozent der Erwachsenen nicht, was sich hinter der UN-Kinderrechtskonvention verbirgt. Bei den Informationsmöglichkeiten über Kinderrechte hatten die befragten Kinder und Jugendlichen den Schulen nach der Familie und Vereinen/Kinderrechtsorganisationen gute Noten gegeben.