Linda Zaiane

Leiterin Koordinierungsstelle Kinderrechte, Referentin Kinderrechte

030 - 308693-0
Zugang zum Recht für Kinder

Kindgerechte Justiz

Jedes Jahr kommen Tausende von Kindern in Deutschland mit dem Justiz- und Verwaltungssystem in Berührung. Sie sind beispielsweise Beteiligte in familienrechtlichen Verfahren bei einer Scheidung der Eltern, (Opfer-)Zeuginnen oder Zeugen in strafrechtlichen Verfahren, Betroffene in Asylverfahren oder ihre Interessen werden bei Vorhaben in der Kommune betroffen.

Zahlreiche Studien zeigen auf, dass die Situation von Kindern und Jugendlichen in behördlichen und gerichtlichen Verfahren vielerorts in Deutschland weder den internationalen menschenrechtlichen Anforderungen noch den Leitlinien des Europarates für eine kindgerechte Justiz entspricht. Obwohl Verfahren ihre Interessen betreffen und die Entscheidungen weitreichende Folgen für ihr Leben haben, werden Kinder häufig nicht kindgerecht beteiligt und angehört. Außerdem ist die Bestellung von Verfahrensbeiständen für Kinder in Kindschaftssachen noch immer nicht gerichtlicher Standard.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert daher eine bessere Umsetzung der Kinderrechte im Justizsystem und damit einen besseren Zugang zum Recht für Kinder. Bereits im September 2018 veranstaltete das Deutsche Kinderhilfswerk zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Fachtagung „Kindgerechte Justiz – Zugang zum Recht für Kinder“. Dort wurde diskutiert, wie Kinder in behördlichen und gerichtlichen Verfahren besser begleitet werden können.

Am 29.Juni 2022 luden das Deutsche Kinderhilfswerk und das Deutsche Institut für Menschenrechte zur digitalen Fachtagung „Die Leitlinien des Ministerkomitees des Europarates für eine kindgerechte Justiz in der deutschen Rechtspraxis“ ein. Hier geht es zur Veranstaltungsdokumentation.

Publikationen Kindgerechte Justiz

„Auf dem Weg zur kindgerechten Justiz. Ein erster Blick in die gute Praxis der Bundesländer“

Die von Annemarie Graf-van Kesteren verfasste Sammlung guter Praxis-Beispiele stellt Maßnahmen und Projekte einzelner Gerichte und Bundesländer zur Umsetzung der Kinderrechte in Gerichtsverfahren vor. Die Sammlung macht zum einen den sehr unterschiedlichen Umsetzungsstand einer kindgerechten Justiz in den Bundesländern sichtbar und soll zum anderen die Landesjustizministerien, aber auch einzelne Gerichte zur Adaption erfolgreicher Maßnahmen anregen. Hier können Sie die Sammlung herunterladen.

„Handreichung für Richter*innen. Eine Arbeitshilfe zur Umsetzung einer kindgerechten Justiz im Familiengerichts- und Strafverfahren"

Die Handreichung soll Richter*innen dabei unterstützen, die Kinderrechte in gerichtlichen Verfahren als solche besser zu erkennen und die gesetzlichen Möglichkeiten zu ihrer Umsetzung umfassend auszuschöpfen. Dabei stehen besonders die Verbesserung der Qualität der Anhörungen sowie der Vernehmungen von Kindern und Jugendlichen, der Zugang und die Beteiligung am Recht und die Stärkung interdisziplinärer Kooperation im Vordergrund. Um passgenau an der gängigen gerichtlichen Praxis anzuknüpfen, wurden die dargestellten Empfehlungen ausschließlich von Expert*innen aus Praxis und Wissenschaft zusammengetragen. Hier finden Sie die Handreichung zum Download.

Sammelband Kindgerechte Justiz

Im Anschluss an die Fachtagung „Kindgerechte Justiz – Zugang zum Recht für Kinder“ und vertiefende Fachgespräche gab die Koordinierungsstelle 2019 einen Sammelband Kindgerechte Justiz heraus. Über die Beiträge von Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis werden verschiedene Perspektiven zu der Frage in den Blick genommen, wie die Justiz in Deutschland im Familien-, Straf- und Öffentlichen Recht kindgerechter gestaltet werden kann. Der Sammelband liefert dazu konkrete Handlungsschritte und Empfehlungen für Entscheidungsträger/innen.

Der Sammelband Kindgerechte Justiz steht zum Download zur Verfügung.

Lesen Sie hier auch unser Kernforderungspapier zur Umsetzung einer kindgerechten Justiz. Kindgerechte Informationen zum Thema gibt es auf: www.kindersache.de/kindgerechte-justiz

Fortbildung und Qualifikation von Richter/innen

Mit einem Teilnehmer/innenkreis von ca. 30 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Berufsfeldern haben wir uns auf unserem Fachgespräch „Kindgerechte Justiz – Fortbildung und Qualifikation von Richter/innen“ im Juli 2019 den Fragen gewidmet, welche Kompetenzen Richter/innen im Umgang mit Kindern benötigen und wie Aus- und Fortbildungen am besten umgesetzt werden können.

Dabei ging es darum in Handlungsempfehlungen festzuhalten, welche Maßnahmen geeignet sind, um die Qualität der Richter/innenfortbildung zu fördern und wie dabei gesichert werden kann, dass das Angebot auch auf die Bedürfnisse der Richter/innen zugeschnitten ist. Mit der Veranstaltung wollten wir den Diskurs über die notwendige Fortbildung von Richter/innen zum Thema kindgerechte Justiz anstoßen und weiterführen sowie einen interdisziplinären Austausch durch die Vernetzung wichtiger Akteurinnen und Akteure ermöglichen. Vor allem war unser Ziel, Handlungsschritte für eine bessere Fortbildung und Qualifikation der Richter/innen im Umgang mit Kindern zu erarbeiten.

Die Beiträge und Diskussionen des Fachgesprächs „Kindgerechte Justiz – Fortbildung und Qualifikation von Richter/innen“ finden sie in der Dokumentation der Veranstaltung (PDF-Datei).

Kinderrechtsbasierte Kriterien im familiengerichtlichen Verfahren

Am 29. November 2019 veranstaltete die Koordinierungsstelle Kinderrechte gemeinsam mit der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte einen Expert/innen-Workshop, um Qualitätskriterien für eine kindgerechte Justiz im familiengerichtlichen Verfahren und dazugehörige Indikatoren zu entwickeln. Die Kriterien werden im nächsten Schritt von Gerichten oder einzelnen Familienrichter/innen in der Praxis erprobt und anschließend evaluiert.

Die Diskussionsbeiträge sowie die Ergebnisse des Workshops finden Sie in der Dokumentation der Veranstaltung (PDF-Datei).

Weitere Informationen zu unserer Arbeit hin zu einer kinderrechtsbasierten Ausgestaltung des familiengerichtlichen Verfahrens finden Sie hier.

Was macht eine kindgerechte Justiz aus?

Laut Umfragen wünschen sich Kinder besser gehört, informiert und mit Respekt behandelt zu werden. Beispielsweise werden in familiengerichtlichen Verfahren zur Sicherung des Kindeswohls 60 Prozent der Kinder einer Studie zufolge gar nicht angehört. Insbesondere jüngeren Kindern wird oftmals unterstellt, sie seien nicht fähig, eine eigene Meinung zu bilden und essentielle Entscheidungen im Hinblick auf die Zukunft zu treffen.

Schriftenreihe 5: Kindgerechte Justiz

In unserer Schriftenreihe Nr. 5 untersuchen wir, was eine kindgerechte Justiz ausmacht und wie die aktuelle Rechtswirklichkeit in Deutschland aussieht. Abschließend geben wir Handlungsempfehlungen an Politik und Justiz.

Die Veranstaltungen haben durch die Experteninnen und Experten verschiedenster Fachbereiche einen Beitrag zur Bestandsaufnahme der tatsächlichen und der rechtlichen Situation von Kindern im Justizsystem geben können. Es bleibt weiterhin ein langer Weg, bis Kindern in Deutschland ihr Recht auf ein kindgerechtes Verfahren flächendeckend gewährt wird. Durch den Austausch sind konkrete und wichtige Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Akteurinnen und Akteure erarbeitet worden. Nun konzentrieren wir unsere Bemühungen darauf, diese bekannt zu machen und für deren Umsetzung durch die politisch Verantwortlichen einzutreten.

Auf www.kindersache.de, der Kinderwebseite des Deutschen Kinderhilfswerkes, können sich Kinder über das Thema kindgerechte Justiz informieren.