Datenschutz ist Kinderschutz

Datenschutz und der Schutz der Privatsphäre sind Grundvoraussetzungen für digitale Angebote für Kinder und Jugendliche. Wir setzen uns dafür ein, dass die Kinderrechte auf Datenschutz und Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte umgesetzt werden.  

Was ist Datenschutz?

Datenschutz soll sicherstellen, dass persönliche Daten nicht entgegen des persönlichen Interesses genutzt werden. Im Mittelpunkt dabei steht die informationelle Selbstbestimmung. Das bedeutet: Jede Person darf selbst entscheiden, was mit ihren Daten geschehen soll und wer diese wofür nutzen darf. Mit der Digitalisierung werden wesentlich mehr persönliche Daten erhoben und sind im Umlauf. Von Adressen, Telefonnummern, Fotos, bis hin zu Zahlungs- und Standortdaten können viele Informationen genutzt werden, um die Identität und das Handeln einer Person nachzuvollziehen. Bei dieser Vielzahl an Prozessen kann schnell der Überblick verloren gehen. Insbesondere die möglichen Langzeitfolgen sind schwer nachvollziehbar und für Kinder nur schwer greifbar.

Nutzungsverhalten von Kindern im Internet

Kinder nutzen das Netz meist explorativ und spielerisch. Bestimmte Risiken können sie oft nicht als Konsequenz ihres Medienhandelns absehen, besonders, wenn die Konsequenzen erst zeitverzögert drohen. Gerade im Bereich des Datenschutzes mangelt es Kindern – übrigens ähnlich wie auch Erwachsenen – an Risikobewusstsein. Kinder werden oft von Angeboten erreicht, die nicht für ihre Altersgruppe gestaltet wurden, Dabei geben sie unabsichtlich Daten preis. Umso wichtiger ist es, dass Kinder altersspezifische Angebote nutzen. Diese sind kindergerecht gestaltet, sammeln keine Daten und bieten für Kinder relevante Inhalte. 

Während Kinder teilweise noch in Begleitung von Eltern surfen, nutzen Jugendliche das Netz weitgehend selbstständig, mobil, und ohne größere pädagogische Kontrolle. Zwar wissen sie, wie sie Medien nutzen können, allerdings hinterfragen sie ihr eigenes Medienhandeln sowie konsumierte Medieninhalte oft nicht kritisch.
 

Welche Bedeutung haben Medien für Jugendliche?

Die digitale Kommunikation macht einen Großteil der Mediennutzung von Jugendlichen aus. Denn der Austausch und Vergleich mit Gleichaltrigen, der schon immer ein wichtiger Teil jugendlicher Identitätsentwicklung war, spielt sich heute in vielfältiger Weise online ab: über Messenger und soziale Netzwerke, auf Videoportalen, Spieleplattformen oder Livestreaming-Diensten. Dort pflegen Jugendliche eigene Profile, gestalten sie, geben Informationen über sich selbst (und Andere) preis, tauschen persönliche Gedanken und Ideen aus oder suchen nach Informationen. Die Selbsterfahrung über öffentliche Formen der Selbstdarstellung und das Spiel mit verschiedenen Identitäten vollzieht sich häufig im öffentlichen Raum.

Sharenting: Auch Erwachsene teilen Daten ihrer Kinder

Auch Erwachsene teilen viele Inhalte und persönliche Daten von Kindern und Jugendlichen: Beispielsweise, wenn sie Fotos und Videos aus dem Familienalltag per Messenger verschicken, in sozialen Netzwerken hochladen oder sich mit anderen Eltern online über ihre Kinder austauschen. Auch durch dieses Verhalten – genannt Sharenting – können die Persönlichkeitsrechte und das Recht auf Datenschutz von Kindern gefährdet werden. 

Das Internet vergisst nicht

Ein unbekümmerter Umgang mit eigenen und fremden Daten ist nichts neues und war bereits bei den Generationen vorher so. Doch wurde seitdem deutlich: Fehlverhalten oder Dinge, die einem später vielleicht peinlich sein könnten, können uns noch Jahre später auf die Füße fallen. Sogenannte Jugendsünden können auch in späteren Lebensphasen noch Probleme bereiten. 

Kaum eine Information, die einmal digital und anderen zugänglich gespeichert war, kann einfach so vergessen gemacht werden. Unternehmen speichern öffentliche wie private Einträge, Bilder können weitergeleitet werden und das Löschen von Daten ist nur mit hohem Aufwand und ohne Erfolgsgarantie möglich. Staatliche Behörden digitalisieren zunehmend persönliche Informationen und versuchen diese, wo es nützt, zusammenzuführen. Zudem gibt es Webseiten, die sich explizit der Archivierung alter Internetbeiträge gewidmet haben, so dass auch gelöschte Einträge wiederhergestellt werden können.

Datenmissbrauch geschieht auf vielfältige Weise

Daten können auf vielfältige Arten entgegen der eigenen Interessen genutzt werden. Die bekanntesten Formen stammen aus der Internetkriminalität: z.B. das sogenannte Phishing, bei welchem Daten illegal gesammelt werden, etwa über falsche Links oder aus den Profilen auf sozialen Medienplattformen, dies kann bis zum Identitätsdiebstahl führen oder sogenanntem Doxing, bei dem private Informationen wie Anschrift und Telefonnummer öffentlich bekannt gemacht werden. 

Doch auch Unternehmen können Datenmissbrauch begehen. Oftmals werden private Informationen ausgelesen und für gezielte Werbung ausgewertet, obwohl die Benutzer*innen gar nicht bewusst zugestimmt haben. Dies funktioniert besonders gut, wenn Daten von mehreren Plattformen kombiniert werden. Die Einkaufsliste aus einer App in Verbindung mit Suchanfragen im Forum und Positionsdaten oder Treuepunkte für einen bestimmten Shop, die meisten dieser Angebote werden ausgewertet und geben dann sehr detailierte Auskünften über die Nutzenden.  

Gehören Klassenlisten ins Internet? Dürfen Eltern private Chatverläufe einsehen?

Datenschutz wird gesetzlich geregelt, dafür haben wir Datenschutzbeauftragte auf Europäischer, Bundes- und Länderebene, welche sicherstellen sollen, dass keine unnötigen Informationen über uns gesammelt werden. Die Fragestellungen sind umfangreich: Gehören Klassenlisten ins Internet? Dürfen Lehrkräfte per Messenger mit ihren Schüler*innen kommunizieren? Aber auch: Darf die Polizei angemeldete Demonstrationen filmen und per KI auswerten lassen? Oder: Dürfen Eltern die privaten Chatverläufe ihrer Kinder einsehen?

Wir sehen, Datenschutz begegnet uns ständig und  obwohl diese Gefahren den meisten bekannt sind, spielt das theoretische Risikobewusstsein in der Praxis kaum eine Rolle. Außerdem: Junge Menschen befürchten vor allem, dass ihr Umfeld ungewollt persönliche Informationen erfahren könnte – aber für die abstrakte Gefahr, die Speicherung und Auswertung ihrer Daten durch Unternehmen und Staat dagegen haben viele nicht ausreichendes Bewusstsein.

Sichere Plattform für Kinder: www.kindersache.de

Nachrichten, Kommentieren, Hochladen eigener Videos, eigene Artikel: die Kinder-Internetseite des Deutschen Kinderhilfswerkes www.kindersache.de bietet Kindern einen pädagogisch betreuten und geschützten Ort, an dem sie sich digital ausprobieren können. 

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Online-Dossier zu Teilhabe in der digitalen Welt

Im Online-Dossier "Teilhaben! Kinderrechtliche Potenziale der Digitalisierung"  des Deutschen Kinderhilfswerk diskutieren Autor*innen aus Wissenschaft und Praxis, wie Kinder und Jugendliche in unserer digitalisierten Gesellschaft teilhaben und ihre Rechte wahrnehmen können.

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Safety by Design muss zum Standard werden

Unter der Maßgabe des Vorrangs des Kinderwohls stellt das Deutsche Kinderhilfswerk verschiedene Forderungen bezüglich des Datenschutzes. Anbietende müssen ihre Produkte und Voreinstellungen auch an kinderrechtlichen beziehungsweise kinder- und jugendmedienschutzrechtlichen Maximen ausrichten und Safety by Design zum Standard machen. Vor allem Angebote für Kinder und Jugendliche sollten die Erhebung persönlicher Daten auf das notwendige Mindestmaß beschränken.

Bewusster Umgang eröffnet viele Möglichkeiten

Durch einen kompetenten und bewussten Umgang mit den Webangeboten kann Datenschutzrisiken vorgebeugt werden. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe Kindern und Jugendlichen durch die Förderung von Medienkompetenz, durch eine sinnvolle Verzahnung von Datenschutz und durch Jugendmedienschutz eine nachhaltig sichere Nutzung des Internets  zu ermöglichen und dessen Potenziale nutzbar zu machen. Nicht zuletzt profitieren wir alle in unserer digitalen Gesellschaft von einer medial aufgeklärten jungen Generation.

  • Martin Fischer

    Koordinierungsstelle Kinderrechte