Welche Rechte haben ich? Wie kann ich diese Rechte in meinem Alltag umsetzen und einfordern? Und wie kann ich meine Meinung einbringen und mitbestimmen? Mit diesen Fragen haben sich Jugendliche mit Behinderung aus Hamburg in den vergangenen Wochen beschäftigt. Bei der 2. Hamburger Jugendkonferenz für Jugendliche mit Beeinträchtigung lernten sie in verschiedenen Workshops ihre Rechte kennen – und konnten ihre Perspektiven ganz konkret einbringen.
Laut Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention gelten Kinderrechte für alle Kinder – unabhängig von ihrer Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, der Religion, Herkunft, des Vermögens und davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht.
Doch in der Realität werden gerade Kinder und Jugendliche mit Behinderung oft in ihren Rechten beschnitten. Sie erleben in ihrem Alltag Diskriminierung und strukturelle Barrieren – nicht nur physisch, sondern auch im Zugang zu Beteiligungsformaten und politischen Entscheidungsprozessen. Kinderrechte – insbesondere das Recht auf Beteiligung – sind für sie häufig abstrakt oder schwer zugänglich.
Ziel der Hamburger Jugendkonferenz war es, das zu ändern. Das Deutsche Kinderhilfswerk förderte das Projekt über den Fonds "Rechte und Beteiligung von Hamburger Kindern und Jugendlichen“. Mit diesem Fonds unterstützt die Freie und Hansestadt Hamburg gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk die Beteiligung und demokratische Mitbestimmung junger Menschen.
Die Jugendlichen entschieden über die Themen
Organisiert wurde die Konferenz vom Elternverein Leben mit Behinderung gemeinsam mit Jugendlichen. Zuerst wurden Schüler*innenvertretungen von Sonderschulen befragt, welche Themen sie im Kontext von Kinderrechten und Beteiligung besonders interessieren. Darauf aufbauend wurden sechs barrierearme, zielgruppengerechte Workshops an verschiedenen Lern- und Erlebnisorten in Hamburg entwickelt. Es ging um Barrierefreiheit, Mobilität, Sicherheit und das Recht auf eine gesunde Umwelt. In einem Workshop im Jungen Architektur Zentrum konnten die Jugendlichen an verschiedenen Stationen ausprobieren und zeigen, wie sie sich ein lebenswertes Hamburg vorstellen. Und über Rechte kann man nicht nur reden, sondern diese auch künstlerisch-kreativ zum Ausdruck bringen: im Theater-Workshop, beim Tanzen oder beim Siebdruck.
Auch die Eltern und Bezugspersonen der Jugendlichen wurden einbezogen und konnten bei einem Elternabend mehr über die Kinderrechte erfahren. Insbesondere Angehörige von jungen Menschen mit Beeinträchtigungen stehen in besonderer Verantwortung, ihre Kinder in der Ausübung ihrer Rechte zu unterstützen. Gleichzeitig sind sie durch die Pflege und Assistenz und oftmals fehlendem Unterstützungsnetzwerk besonders belastet.
Bei der Jugendkonferenz am vergangenem Samstag – dem Weltkindertag – stellten die Jugendlichen ihre Filmaufnahmen, Fotopräsentationen und Ergebnisse, die sie während der Workshops erarbeitet hatten, dann vor einem großen Publikum vor.
Aus der Jurybegründung
„Dass die 2. Hamburger Jugendkonferenz gezielt Jugendliche mit Beeinträchtigung adressiert, weist wie ein Brennglas darauf hin, dass junge Menschen mit Behinderung bei politischen Entscheidungs-prozessen viel zu oft übersehen werden. Durch die Konferenz erfahren sie qualitative Beteiligungsmöglichkeiten und angemessene Formate mit sensibler Unterstützung durch Fachkräfte und Begleitpersonen. So erleben sie, dass ihre Interessen und Meinungen genauso viel zählen wie alle anderen und, dass ihre Rechte respektiert werden. Das Projekt schafft die Grundlage für Teilhabe der jungen Gesellschaftsmitglieder, deren Perspektiven oft fehlen. Wir freuen uns, dass die Jugendkonferenz zukünftig alle zwei Jahre stattfinden soll und in diesem Projekt nachhaltige Impulse gesetzt werden."




