Uwe Kamp

Pressesprecher

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Generationengerechte Politik

Kinderreport Deutschland 2022

Durch den demografischen Wandel, die Klimakrise und die Corona-Pandemie ist das Thema Generationengerechtigkeit stärker in den Fokus gerückt. Kinder und Jugendliche müssen mit den Auswirkungen politischer Entscheidungen, die heute getroffen werden, noch lange leben. Wie kann eine generationengerechte Politik für sie aussehen? Wie können sie stärker an Zukunftfragen beteiligt werden? Diesen Fragen widmet sich der Kinderreport 2022 des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland fordert die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz, um die Interessen von Kindern und Jugendlichen in Zukunft besser zu berücksichtigen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Politikforschungsinstituts Kantar Public im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes für den Kinderreport 2022, den der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, und Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, in Berlin vorstellten.

Im Sinne einer generationengerechteren Gesellschaft hält die Mehrheit der befragten Kinder und Erwachsenen mehr Kinder- und Jugendbeauftragte sowie die Prüfung neuer gesetzlicher Maßnahmen auf ihre Kinder- und Jugendfreundlichkeit für sinnvoll. Zudem befürworten die Befragten die Schaffung eines Ständigen Beirats für Kinder- und Jugendbeteiligung bei der Bundesregierung, in dem auch Kinder und Jugendliche selbst vertreten sind. Eine deutliche Mehrheit unter den Kindern und Jugendlichen spricht sich für eine Wahlaltersabsenkung und den Ausbau von Kinder- und Jugendparlamenten aus.

Nur eine kleine Minderheit ist der Ansicht, dass in Deutschland von der öffentlichen Hand genug investiert wird, damit Kinder und Jugendliche eine gute Zukunft haben. Investitionsbedarf sehen die Befragten im Bereich der öffentlichen Infrastruktur, im Bildungsbereich, bei der Digitalisierung, im Umwelt- und Klimaschutz sowie bei der Bekämpfung der Kinderarmut. Zur Finanzierung dieser Aufgaben sollen vor allem sehr hohe Einkommen zusätzlich besteuert werden.

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes

„Wir brauchen dringend mehr Maßnahmen für eine generationengerechte Gesellschaft, in der Kinder gleichwertige Lebenschancen, soziale Absicherung sowie ein nachhaltig sicheres und gesundes Umfeld vorfinden. Als Kinderrechtsorganisation nehmen wir eine geradezu systematische Vernachlässigung der Belange junger Menschen in Deutschland wahr. Einerseits werden die Anliegen von Kindern und Jugendlichen oftmals schlichtweg ignoriert, andererseits werden ihre Interessen – selbst, wenn sie wahrgenommen werden – nur nachrangig berücksichtigt. Sollte sich dieser Trend nachhaltig bestätigen, steht unsere Gesellschaft vor einer Zerreißprobe. Denn unsere Demokratie ist abhängig davon, dass es gelingt, sowohl den Interessen aktueller Generationen als auch zukünftiger Generationen gleichermaßen gerecht zu werden."
Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes

Ausgewählte Ergebnisse des Kinderreports 2022

  • Ein Großteil der Bevölkerung stellt der Politik ein gravierend schlechtes Zeugnis aus, wenn es um die Berücksichtigung der Interessen von Kindern und Jugendlichen geht. Lediglich 9 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen und 16 Prozent der Erwachsenen geben an, dass die Politik die Interessen von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren stark berücksichtigt hat. 
  • Die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz bewerten die Befragten als wichtigste Maßnahme für eine generationengerechte Politik in Deutschland. 94 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen halten ihre Verankerung im Grundgesetz für sinnvoll, um die Interessen der jungen Generation besser zu berücksichtigen, bei den Erwachsenen immerhin 84 Prozent. 
  • Nur 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 17 Prozent der Erwachsenen sind der Ansicht, dass genug Geld ausgegeben wird, damit Kinder und Jugendliche eine gute Zukunft haben. 
  • 96 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind der Meinung, dass der Staat mehr Geld für die öffentliche Infrastruktur, beispielsweise bessere Schulgebäude und Krankenhäuser sowie bessere und günstigere Bus- und Bahnverbindungen, ausgeben sollte. Bei den erwachsenen Befragten würden 95 Prozent Investitionen für eine chancengerechte Bildung begrüßen, 94 Prozent Investitionen zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland.
  • 84 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen und 78 Prozent der Erwachsenen sind der Meinung, dass das Geld für zusätzliche Staatsausgaben über eine zusätzliche Besteuerung sehr hoher Einkommen kompensiert werden sollte. Rund zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen (67 Prozent) spricht sich für die Streichung von Staatsausgaben an anderer Stelle, wie Verteidigung, Straßenbau oder Wirtschaftsförderung aus. 

Der Kinderreport Deutschland 2022 zum Herunterladen

Für den Kinderreport 2022 des Deutschen Kinderhilfswerkes führte das Politikforschungsinstitut Kantar Public zwei Umfragen, eine unter Kindern und Jugendlichen (10- bis 17-Jährige) und eine unter Erwachsenen (ab 18-Jährige), in Deutschland durch. Befragt wurden 1.691 Personen, 645 Kinder und Jugendliche sowie 1.046 Erwachsene. Die Fehlertoleranz der Umfrage bei den Kindern und Jugendlichen liegt mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit bei unter 1,7 (bei einem Anteilswert von 5 Prozent) bzw. 4,0 Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 50 Prozent), die bei den Erwachsenen bei unter 1,4 (bei einem Anteilswert von 5 Prozent) bzw. 3,1 Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 50 Prozent).

Kinderreport Deutschland aus den vergangenen Jahren

Der jährlich erscheinende Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerkes berichtet über den aktuellen Zustand der Umsetzung von Kinderrechten aus Sicht von Kindern und Erwachsenen. Die Ergebnisse liefern Impulse, Optionen und Handlungsvorschläge für politische Gestaltungsprozesse im Interesse von Kindern. In den vergangenen Jahren beschäftigte sich der Kinderreport mit folgenden Themen:

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