Wie junge Menschen eigene Kunst- und Freiräume gestalten

Mit dem Projekt „Die Raumveränderer“ bietet der Verein CultureClouds geflüchteten Kindern und Jugendlichen die Chance, Kultur in ihrer unmittelbaren Nähe zu erleben und selbst aktiv mitzugestalten. Zweimal monatlich verwandeln die jungen Menschen Gemeinschaftsunterkünfte in München in kreative Räume und lernen auf Ausflügen ihr Viertel kennen. Unser Projekt des Monats!

Kinder tanzen mit bunten Bändern.

Sarah (15 Jahre), Adile (19 Jahre), Malak (16 Jahre) und Joy (12 Jahre) sitzen an einem Samstagabend im Februar im Aufenthaltsraum ihrer Gemeinschaftsunterkunft. Die Stimmung ist ausgelassen, die Mädchen lachen und berichten vom heutigen Projekttag. Diesen haben die jungen Bewohnerinnen als Volunteers gemeinsam mit der Kulturpädagogin Zahraa Khalil vom Verein CultureClouds für die Kinder organisiert. „Wir haben hier heute drei Stationen vorbereitet“, erzählt Melek. „Die Kinder, die hier in der Unterkunft wohnen, konnten richtig kreativ werden. Sie haben Flugzeuge und Masken gebastelt und etwas mit Stäbchen zusammengebaut.“

Das Deutsche Kinderhilfswerk fördert das Projekt „Die Raumveränderer“ des Vereins CultureClouds durch den Sonderfonds Hilfe für geflüchtete Kinder und ihre Familien.

Kreative Stärken und das eigene Viertel entdecken

An mindestens zwei Projekt-Samstagen im Monat wird in der Gemeinschaftsunterkunft gemalt, gebaut, gespielt und getanzt. In den vom Verein und den Jugendlichen geplanten Workshops lernen die Kinder verschiedene Basteltechniken kennen, experimentieren mit Leuchtfarben, machen Fotos, drehen Videos oder schlüpfen in der Kostümwerkstatt in selbst kreierte Kleider. Dieses Angebot soll allen die Chance geben, ihre eigene Kreativität und ihr Potenzial zu entdecken und zu fördern.

Außerdem werden regelmäßig Ausflüge in den Stadtteil unternommen, erzählen Malak und Adile: „Wir waren letztes Jahr im Museum. Dort ging es um verschiedene Kulturen und Religionen. Das fanden die Kinder super spannend. Oder wir waren bei einem Theaterfestival. Auch das hat uns allen richtig Spaß gemacht.“

Es entstehen Erinnerungen, die bleiben

Die Ideen für die Workshops kommen fast immer von den Volunteers und den Kindern selbst. Mit den Verantwortlichen des Vereins werden diese dann geplant und umgesetzt. Dabei gibt es keine Grenzen, erklärt Kulturpädagogin Zahraa Khalil: „Wir schaffen Erinnerungen, die den Kindern bleiben.“

Ergänzt wird das samstägliche Angebot durch Intensivprojekte in den Ferien. Joy erinnert sich besonders gern an ein Ferienprojekt im Zirkus zurück: „Da haben richtig viele Kinder mitgemacht. Sie konnten ausprobieren und üben, jonglieren, Akrobatik machen. Am Ende waren wir dann im Zirkus und haben das Geübte dort vor den Eltern gezeigt. Das war richtig toll.“

Teilhabe und Mitgestaltung als wichtige Erfahrung

Für die jugendlichen Volunteers ist das Mitmachen im Projekt eine wichtige Erfahrung. Sie können sich so an ihrem neuen Wohnort engagieren, selbst etwas auf die Beine stellen und aktiv teilhaben. Denn der Alltag in Gemeinschaftsunterkünften bietet jungen Menschen oft wenig Raum, um einander unbeschwert zu begegnen oder eigene Wünsche zu verwirklichen. Besonders wichtig ist es deshalb, dass sie dabei unterstützt werden, dass es Möglichkeiten zur Entfaltung gibt sowie Raum für Spiel, Bewegung und Kreativität.

Sarah erzählt, dass es sie glücklich mache, Teil des Projekts zu sein und so mit den Kindern aus der Unterkunft Zeit zu verbringen. Für sie ist es besonders bereichernd zu sehen, wie die Kinder etwas lernen und sich gegenseitig inspirieren. Auch für Adile hat das Projekt eine besondere Bedeutung. Sie hat bereits ein Praktikum als Kinderpflegerin gemacht und möchte unbedingt eine Ausbildung beginnen. Als Volunteer im Projekt kann sie wertvolle Erfahrungen sammeln und von Pädagog*innen wie Zahraa Khalil lernen, wie sie Kinder gut begleiten kann.

 

Aus der Jurybegründung

“Jedes Kind hat das Recht auf Spiel und kreative Entfaltung – erst recht Kinder und Jugendliche, die in Geflüchteteneinrichtungen leben müssen. Dort gibt es kaum Raum, sich frei zu entfalten. In den Unterkünften fehlt es oft an den einfachsten Dingen, um Kind zu sein. Deshalb freuen wir uns, dieses wertvolle Projekt zu fördern, das unter schwierigen Bedingungen einen Raum für Kreativität und Normalität schafft. Besonders hervorzugeben ist das Engagement der jungen Volunteers, die sich im Projekt herausragend für andere Kinder und Jugendliche engagieren.”

Diese Nachrichten könnten Sie noch interessieren

Kinderrechte

Wismar bewirbt sich um das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“

Die Hansestadt Wismar verpflichtet sich, die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen vor Ort zu stärken. Bürgermeister Thomas Beyer hat dazu heute eine Vereinbarung zur verbindlichen Zusammenarbeit mit dem Verein Kinderfreundliche Kommunen unterzeichnet. Im nächsten Schritt wird die Hansestadt einen Aktionsplan erstellen, um junge Menschen in Wismar besser zu schützen, zu fördern und zu…

Aus einem aufgeklappten Laptop erscheinen digitale Bilder und Icons von KI, Büchern, einer Lupe und einem Gehirn.
Kinder und Medien

Neues Gutachten zur gesetzeskonformen Nutzbarkeit von biometrischen Kinderdaten für KI-Zwecke

Mit einem neuen Gutachten legt das Deutsche Kinderhilfswerk einen datenschutzrechtlichen Blick auf einen wichtigen Verbindungspunkt zwischen KI-Anwendungen und der Lebenswelt von Kindern. Denn sind biometrische Daten erstmal im einem KI-System, können sie nicht mehr verlässlich entfernt werden. Ziel des Gutachtens ist es, Risiken und Chancen der Nutzung biometrischer Kinderdaten im Kontext von KI…

Anne Lütkes

„Nicht nur Mahner, sondern Wegbereiter“

Anne Lütkes wurde Ende Januar zur Präsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes gewählt. Im Interview spricht sie darüber, warum sie sich seit vielen Jahren für die Kinderrechte engagiert, wo sie trotz vieler Widerstände Fortschritte spürt – und warum Erwachsene in Sachen Kinderrechte mehr Aha-Erlebnisse brauchen.