Jona* malt mit der Maus einen Strich auf dem Laptop – und kichert! Auf den weißen Pappwürfeln vor ihm erscheint plötzlich eine lila Linie. Möglich wird das durch einen Beamer, der das, was Jona zeichnet, in den Raum überträgt. Die anderen Kinder sind überrascht. Abwechselnd stellen sie sich selbst in das Bild des Beamers: Jetzt erscheint die lila Linie auch auf ihren T-Shirts! Die Kinder sind begeistert. Alle wollen sich jetzt gegenseitig mit dem Laptop bemalen.
Jona* besucht eigentlich eine Kita in Bremen Nord, aber heute ist er mit seiner Gruppe im “RÜMI-Medienatelier” unterwegs. Bei diesem Angebot des Digital Impact Labs Bremen können Kinder zwischen 4 und 12 Jahren mit verschiedenen Materialien und Medien experimentieren, eigene Welten bauen und viel entdecken. Das Deutsche Kinderhilfswerk fördert das Angebot über seinen Fonds für Medienkompetenz.
Versteckt sich ein Babydino im Baumstamm?
Zweimal die Woche öffnet das Atelier vormittags, dann kommen Kita-Gruppen, Schulen und Freizeiteinrichtungen zu Besuch. Eine Stunde haben die Kinder Zeit, um die verschiedenen Stationen zu erkunden. Es gibt Werkzeuge und Geräte wie Laptops, Beamer, Projektoren, Leuchttische, Lupen, Endoskop- und Mikroskopkameras, mit denen sie verschiedene Natur- und Recyclingmaterialien untersuchen können.
Ella* schiebt das Endoskop gerade in das Innere eines Baumstammes und schaut sich an, wie es darin aussieht. “Vielleicht ist ein Tier drin”, überlegt sie. “Eine Spinne, eine Ameise… oder ein Babydino!" Leider versteckt sich kein Dinosaurier im Baumstamm – Ella zieht das Endoskop heraus und rennt los, um das nächste Objekt zu untersuchen.
Wie sie ihre Zeit im Medienatelier gestalten, entscheiden die Kinder selbst. Es gibt keine Vorgaben oder Aufgaben, die sie erfüllen müssen. Sie können einfach frei experimentieren und mit den verschiedenen Medien arbeiten. Begleitet werden sie dabei von Medienpädagog*innen und Künstler*innen.
Die Kinder gestalten hier selbst mit!
Am Anfang rennen erstmal alle auf die Stationen los und erkunden: Was gibt es hier – und was kann ich damit machen? Unter anderem liegen Mal- und Zeichenutensilien, Zeichenpads, Bausteine, Spieltiere, Elemente aus Plastik und Papier, Webcams und verschiedenfarbigen Lichtquellen bereit. “Es ist so spannend zu beobachten, wie schnell wie Kinder ins Spielen kommen, wie sie Ideen entwickeln und die Materialien nutzen, um eigene Geschichten zu entwickeln”, sagt Bildungsreferentin Christine Will.
Genau das ist das Ziel des Medienateliers: Es soll die Kinder ermutigen, neugierig zu sein und Medien auf eine neue Weise zu entdecken: als etwas, mit dem sie kreativ sein und Eigenes erschaffen können. Vor allem Kindern aus benachteiligten Sozialräumen soll so ein niedrigschwelliger Zugang zu Digitalbildung, kreativen Ausdrucksformen und Selbstwirksamkeit ermöglicht werden. Das Projekt richtet sich an Kindern aus benachteiligten Familien in Bremen-Nord – einer Region mit hoher Armutsquote. Die Bremer Innenstadt ist 25 Kilometer entfernt, Ausflüge in die dortigen Mitmachmuseen seien für die Familien kaum realisierbar, sagt Projektleiter Martin Koplin. “Dem wollen wir mit dem Angebot etwas entgegensetzen und Chancengerechtigkeit herstellen.”
Das passiert auch, in dem die Kinder das Atelier selbst mitgestalten können. Sie werden einbezogen, wenn neue Stationen entwickelt werden sollen und können ihre Ideen an einer Wünsche-Wand festhalten. Und am Ende jedes Besuchs im RÜMI-Atelier erzählen sie, was ihnen am besten gefallen hat. Heute: Der Raum mit dem Laptop und dem Beamer!
Aus der Jurybegründung:
„Das RÜMI-Atelier zeigt eindrucksvoll, wie Kinderrechte, Medienkompetenz und Beteiligung zusammenwirken: Spielerisch-kreativ und sehr kindorientiert entdecken Kinder, auch aus benachteiligten Sozialräumen, digitale und analoge Welten, entwickeln eigene Ideen, gestalten das Atelier mit und tragen so zu seiner kontinuierlichen Weiterentwicklung bei. Ein innovatives und höchst kreatives pädagogisches Konzept, das Kinder stärkt und ihre Stimme hörbar macht“, sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.
*Namen geändert






