Mit kreativen Workshops gegen Traumafolgen

Im Projekt „Traumasensible Kunstangebote an Notunterkünften“ des Kids & Welcome e.V. aus Hamburg erfahren Kinder nach ihrer Flucht eine erste Stabilisierung durch kunsttherapeutische Workshops. So möchte der Verein geflüchtete Kinder dabei unterstützen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und posttraumatischen Folgen entgegenzuwirken. Unser Projekt des Monats!

Kinder töpfern gemeinsam

“Das Arbeiten mit Ton, freies Malen und Weben sind bei den Kindern besonders beliebt”, berichtet Simone Will, Gründerin und Geschäftsführerin des Kids & Welcome e.V. Diese kreativen Tätigkeiten machen den Kindern aber nicht nur Spaß, sondern fördern auch die individuelle Entspannung und aktivieren wichtige Ressourcen, wie Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen. 

Die selbstorganisierte Initiative bietet seit 2015 mehrmals wöchentlich Freizeitangebote an verschiedenen Geflüchtetenunterkünften in Hamburg für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren an. Teil des Teams sind unter anderem ausgebildete Kunsttherapeut*innen. Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt dieses Projekt mit seinem Sonderfonds Hilfe für geflüchtete Kinder und ihre Familien. 

Abwechslungsreiches Kreativangebot 

Im Rahmen der Kunstworkshops können die Kinder mit ganz unterschiedlichen Materialien experimentieren. Unter kunsttherapeutischer Anleitung lernen sie verschiedene kreative Techniken kennen, lernen Farben und Formen miteinander zu kombinieren und können ihren eigenen Ideen freien Lauf lassen. Dabei setzen sie sich immer wieder auch mit ihren Fluchterfahrungen auseinander: 

Mädchen (11 Jahre): “Ich liebe es, wenn wir mit Ton arbeiten und daraus Häuser bauen. Manchmal versuche ich unser Haus in Afghanistan nachzubauen.” 

Mädchen (12 Jahre): “In meinem Land habe ich immer so gerne mit Wasserfarben gemalt. Und hier habe ich gelernt mit Pastellfarben zu malen. Das macht mir viel Spaß.” 

Junge (8 Jahre): “Am liebsten bastle ich mit den anderen Kindern zusammen. Ich habe jetzt viele neue Freunde. Am Schluss dürfen wir noch Uno spielen. Das liebe ich.” 

Traumabedingtem Stress gezielt entgegenwirken 

Seit Jahren kommen Kinder wie diese mit traumatischen Fluchterfahrungen in Hamburg an. Dennoch gibt es bisher keine städtisch organisierten Maßnahmen zur Verhinderung von Traumafolgen bei Kindern, wie etwa einer posttraumatischen Belastungsstörung. 

Traumafolgestörungen sind immer eine Form von Stress, erklärt Simone Will. „Mit unseren Kunstprogrammen wollen wir es schaffen, diesen Stress bei den Kindern zu reduzieren. Unsere Angebote sind ein Safe Space, in dem die Kinder zwei Stunden lang einfach Kind sein dürfen, spielen oder kreativ werden können.“ So lassen sich auch die Gefahren einer langfristigen posttraumatischen Erkrankung verringern. 

Ein Highlight: das Teppichweben 

Ein ganz besonderes Highlight des Projekts ist das Teppichweben. Viele Kinder kennen diese Tradition bereits aus ihren Herkunftsländern und Familien. 

Junge (9 Jahre): “Bei Kids & Welcome habe ich das Weben gelernt, das erinnert mich an meinen Opa.” 

Mit einfachen Techniken, selbstgebauten Webschiffchen aus Pappe und bunten Wollresten entstehen dabie kleine Teppiche. Jedes Kind kann eigene Farbmuster entwerfen und die einzelnen Fäden mit etwas Übung zu einem Gesamtkunstwerk zusammenknüpfen. Wenn genügend der kleinen Teppiche fertig sind, werden diese zu einem großen Werk zusammengenäht und in der Unterkunft aufgehängt – als Gemeinschaftsprojekt aller dort lebenden Kinder. 

 

Aus der Jurybegründung 

„Kinder, die vor Krieg und Hunger fliehen mussten, leiden oft unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Leider gibt es kaum Angebote, die diese Kinder im Blick haben. Und auch die Notunterkünfte, in denen die Kinder und ihre Familien unterkommen, sind selten kindgerecht gestaltet. Das Projekt ‚Traumasensible Kunstangebote‘ schafft einen sicheren Raum, in dem die Kinder ihre Erlebnisse künstlerisch verarbeiten können. Diesen wichtigen Ansatz fördern wir gern“. 

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