Die Hamburger Stadtteile Hammerbrook und Rothenburgsort stecken in einer schwierigen Lage: es gibt zu wenig Anlaufstellen für die Kinder und Jugendlichen, die hier leben. Es fehlen Orte, an den Kinder gehört werden und eine Stimme haben, wo sie partizipieren und teilhaben können. Viele der Kinder und Jugendlichen leben in Armut, ein Großteil hat einen Migrationshintergrund. Gerade hier wäre es deshalb umso wichtiger, dass es entsprechende Anlaufstellen gibt.
An dieser Stelle knüpft das Projekt “Polykulturen” des Vereins “Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V.” aus Hamburg an. Das Ziel: Kinder und Jugendliche können hier selbst zu Stadtentwickler*innen werden.
Kreative Räume für alle
“Es macht richtig viel Spaß”, erzählen Maxi* (7 Jahre) und Ebu* (8 Jahre). Gemeinsam mit anderen Kindern haben die beiden auf einer öden, asphaltierten Fläche des brachliegenden Recyclinghofs in ihrem Viertel ein kreatives und buntes Bild geschafften, das ihre Gedanken und Ideen zeigt.
Bereits vorab zeigten sie in Zeichnungen und Modellen, wie sie den alten Recyclinghof umgestalten wollen. Dieser bietet viel Platz für künstlerische Ideen und kann so zur Projektionsfläche für die Visionen der Kinder werden. Die gesamte Fläche soll in den nächsten Jahren partizipativ zu einem Bildungsort weiterentwickelt werden. Das übergroße Bild war dafür der erste Schritt.
Ein Miteinander schaffen
Maxi* und Ebu* sagen, dass sie das Projekt immer wieder machen würden. Denn “Polykulturen” ist für sie so viel mehr als nur ein Bild auf einem Recyclinghof. Bei der kreativen Arbeit können die Kinder sich gegenseitig über alles austauschen, was sie gerade beschäftigt. Dazu gehören auch ernste Themen, wie Ängste, Zukunft, Klimaschutz und Teilhabe. Das Miteinander stärkt dabei nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen den Teilnehmenden, sondern schafft auch Verständnis bei den Besuchenden, die das Werk bestaunen können.
Aus der Jurybegründung
“Selten werden Kinder und Jugendliche bei der Gestaltung öffentlicher Räume in den Planungs- und Umsetzungsprozess einbezogen, weshalb ihre Bedarfe und Perspektiven häufig übersehen werden. Das Projekt „Künstlerische Partizipation“ macht auf kreative Weise auf diesen Missstand aufmerksam, indem es junge Menschen aktiv einlädt, ihre Ideen und Vorstellungen einzubringen und diese mit künstlerischen Mitteln sichtbar zu machen. Insbesondere junge Geflüchtete in Unterkünften, die als besonders vulnerable Gruppe nur wenige Möglichkeiten haben, Selbstwirksamkeit zu erfahren, erhalten hier eine Stimme und erleben, dass ihre Anliegen wichtig sind und ernst genommen werden. Der direkte Sozialraum, in dem sie sich täglich bewegen und Freund*innen treffen, ist für Kinder und Jugendliche von hoher Bedeutung und darf nicht an ihren spezifischen Bedürfnissen vorbei geplant werden, sondern muss mit ihnen gemeinsam erkundet und bedarfsgerecht gestaltet werden.”
*Namen geändert







