“Bis November haben wir erstmal keine freien Sonntage mehr – aber das ist es wert!”

Wie können wir anderen Kinder ihre Rechte näherbringen? Der Kinder- und Jugendrat aus Iserlohn hatte dafür eine besondere Idee: Jeden Sonntag fahren Mitglieder mit einem “Kinderrechte-Mobil” auf Spielplätze. Im Gepäck haben sie spannende Spiele zu den Kinderrechten und viel Wissen darüber, wie sich junge Menschen in ihrer Stadt beteiligen können. Hier berichten Selua, Rabia, Sandra, Maher und Adama, wie genau das mit dem Kinderrechte-Mobil funktioniert. Unser Projekt des Monats.

Was ist der Kinder- und Jugendrat Iserlohn?  

Sandra: Im Kinder- und Jugendrat können alle Kinder und Jugendlichen mitmachen, die Lust haben und sich für Politik interessieren. An jeder weiterführender Schule werden Mitglieder für den Kinder- und Jugendrat gewählt, da kann man sich aufstellen lassen. Sobald man dann dabei ist, kann man sich auch noch ins Sprecherteam wählen lassen. Wir gehen dann in Ausschüsse und repräsentieren die Meinung der Kinder und Jugendlichen, zum Beispiel im Jugendhilfe-Ausschuss oder im Schulausschuss. Und wir machen auch Aktionen für Kinder wie mit dem Kinderrechte-Kulturmobil.  

Wie seid ihr auf die Idee für das Mobil gekommen?  

Adama: Früher sind wir als Kinder- und Jugendrat immer zu den Spielplätzen gefahren und haben geschaut, was man da verbessern könnte oder was erneuert werden muss. Wir haben uns dann gedacht: Wir wollen nicht immer nur sagen, was kaputt ist, sondern wir wollen auch selbst mal etwas für die Kinder machen.  

Und was genau macht ihr mit dem Mobil?  

Maher: Wir fahren jeden Sonntag auf einen Spielplatz. Wir haben dann Spielsachen dabei, Mal- und Bastelmaterial, damit man kreativ werden kann. Und wir bereiten Spiele zu den Kinderrechten vor. Wir haben zum Beispiel ein Spiel, wo wir die Kinderrechte auf Kärtchen an einer Leine zwischen zwei Bäumen aufhängen. Dann fragen wir die Kinder, welches Recht ihnen am wichtigsten ist und sie werfen die Karte mit einem Ball ab – wie bei einer Zielscheibe.  

Wie reagieren die Kinder, wenn ihr mit dem Mobil angefahren kommt?  

Rabia: Die freuen sich riesig und rennen dem Mobil entgegen, sobald sie es sehen. Das ist immer richtig schön. Sie sind auch sehr daran interessiert, wer wir sind. 

Selua: Finde ich auch! Die Kinder sehen das, dass wir selbst noch jung sind und so ein Angebot machen und fragen dann: Wie genau macht ihr das? Kann ich auch mitmachen? Da sieht man: Engagement steckt an!  

Wie viel Zeit steckt ihr in das Projekt?  

Rabia: Wir fahren jeden Sonntag zu einem Spielplatz und sind da mehrere Stunden. Mit Vor- und Nachbereitung kommt da schon einiges zusammen.  

Selua: Solange das Wetter es zulässt, wollen wir unterwegs sein. Das bedeutet auch, dass wir bis November erstmal keine freien Sonntage haben werden – aber das ist das Projekt wert!  

Was wollt ihr mit eurem Angebot erreichen?  

Sandra: Also in erster Linie geht’s natürlich darum, dass die Kinder Spaß haben! Aber unser Hauptziel ist, die Kinderrechte mehr zu verbreiten, weil das ein sehr wichtiges, aber eben oft vernachlässigtes Thema ist.  

Rabia: Wir haben gemerkt, dass die Kinder über die Kinderrechte zwar meistens schon ein bisschen Bescheid wissen und das Wort “Kinderrechte” kennen aber manche Kinder wussten auch überhaupt nicht, dass es explizit Rechte für Kinder gibt. Das ist einfach total verschieden: An manchen Schulen gibt es extra Kinderrechte-Wochen, an anderen wird gar nicht darüber geredet. Das finde ich schade.  

Selua: Ich glaube auch, dass das einen Unterschied macht: Wenn man das im Unterricht hört, bleibt vielleicht nicht so viel hängen wie wenn man das interaktiv und spielerisch macht.  

Ist es euch wichtig, über die Kinderrechte Bescheid zu wissen?  

Maher: Ich finde das sehr wichtig. Ich bin ja auch ein Kind und ich will wissen, was mir zusteht und was ich machen kann, wenn mal etwas blöd läuft.  

Adama: Das hilft auch, wenn man sich politisch engagieren will. Wenn man weiß: Ich hab das Recht, mitzubestimmen, dann kann man sich auch leichter einbringen.   

Ihr habt das Projekt mit Hilfe von Fachkräften selbst auf die Beine gestellt. Warum ist euch das wichtig, mitbestimmen zu können?  

Adama: Weil wir sonst wenig Gelegenheit dazu haben! In der Schule heißt es zwar immer, dass wir auch mitbestimmen können aber so richtig viele Möglichkeiten haben wir dazu nicht, weil Vieles vorgegeben ist. Aber im Kinder- und Jugendrat können wir wirklich unsere Meinung sagen. Und das erzählen wir auch anderen Kindern, wenn wir mit dem Kinderrechte-Mobil unterwegs sind: Wir zeigen ihnen ihre Möglichkeiten, mitzubestimmen. Viele sind dann neugierig und fragen, wie sie mitmachen können.   #

Aus der Jurybegründung 

“Alle Kinder sollen ihre Rechte kennen. Mit dem Kinderrechte-Kulturmobil Iserlohn gelingt das spielerisch. Zweimal pro Woche fahren junge Ehrenamtliche zu verschiedenen Spielplätzen und bieten Informationen und Mitmachaktionen zu Kinderrechten und Beteiligungsmöglichkeiten in der Stadt an. Dass dieses Projekt der Initiative von Mitgliedern des Kinder- und Jugendrates Iserlohn zu verdanken ist, macht es umso besonderer! Es ist großartig, wie sich die jungen Menschen für andere Kinder und die Kinderrechte stark machen. Dieses Engagement wollen wir mit dieser Auszeichnung würdigen.”

 

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