Deutsches Kinderhilfswerk und Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz fordern bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Begriff der Mediensucht

Das Deutsche Kinderhilfswerk und die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz fordern vor dem Hintergrund sich wandelnder Jugendkulturen sowie der anhaltenden Bedeutungszunahme digitaler Medien für Kinder und Jugendliche einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Begriff der Mediensucht. Ein solcher Umgang sollte vor einer unzutreffenden Stigmatisierung einer Vielzahl junger Menschen schützen, als notwendige Diagnose Hilfe für betroffene Kinder und Jugendliche ermöglichen sowie gleichermaßen die Bedeutung des Spiels und damit einhergehender Aktivitäten für das Aufwachsen und die Entwicklung von Kindern anerkennen. In einem gemeinsamen Positionspapier, das neben dem Deutschen Kinderhilfswerk und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz u.a. der Deutsche Bundesjugendring, die Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie der Fachverband Drogen- und Suchthilfe mitgezeichnet hat, wird zudem betont, dass dabei der kinderrechtliche Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe stets mitgedacht werden muss.

„Die unreflektierte oder leichtfertige Verwendung des Begriffs der Mediensucht ist insbesondere aus pädagogischen Gründen kontraproduktiv. Sie trägt einerseits zu einer unnötigen sozialen Stigmatisierung junger Menschen bei, die intensiv oder exzessiv Medien nutzen. Andererseits kann sie eine angemessene Präventionsarbeit sowie die Ansprache Betroffener erschweren und dazu führen, dass notwendige und hilfreiche therapeutische Angebote für Betroffene in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt werden. Eine kinderrechtlich ausgewogene medienpolitische Strategie darf Risiken exzessiver Mediennutzung von jungen Menschen nicht vernachlässigen, sollte aber gleichzeitig sich verändernde Medienkulturen und Medienwerte berücksichtigen“, betont Kai Hanke, stellvertretender Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Wir benötigen einen fach- und gesellschaftsübergreifenden Diskurs darüber, was als normal und unkritisch bei der Nutzung von digitalen Games anzusehen ist. Auch ist zu hinterfragen, anhand welcher Kriterien eine Bewertung als problematische oder sogar pathologische Mediennutzung erfolgt. Der Begriff der Normalität muss ständig an die gesellschaftliche Realität angepasst werden. Dabei sind die Entwicklung neuer Angebotsformate von Games ebenso zu berücksichtigen wie deren jugendkulturelle Einbindung und gesellschaftliche Entwicklungen, beispielsweise beim eSport“, so Klaus Hinze, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz. „Insgesamt stehen wir vor der Aufgabe, eine Kultur der Mediennutzung in der Familie und im Alltag zu entwickeln. Dazu benötigen wir vermehrt Angebote des erzieherischen Kinder- und Jugendmedienschutzes, die digitale Bildung für unsere Kinder muss ausgebaut werden, Eltern benötigen Angebote, wie sie die Medienerziehung in der Familie gestalten können und Hilfe, wenn es zu Problemen kommt.“

Das Deutsche Kinderhilfswerk und die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz betonen zudem, dass an einem gesellschaftlichen Diskurs über normale oder schwierige Gaming-Nutzung Kinder und Jugendliche beteiligt werden müssen. Ihre Erfahrungen und Reflexionen sollten wesentlicher Bestandteil in diesem Prozess sein. Außerdem ist die Befähigung junger Menschen zur bewussten und gesunden Nutzung von Medien zu fördern. Die Vermittlung von Medienkompetenz als wichtigem Präventionsfaktor ist zentral. Dafür muss die Rolle des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes vor allem in Bildungseinrichtungen, aber auch in der freien und öffentlichen Jugendhilfe nachhaltig personell und finanziell abgesichert werden sowie sich fachlich multidisziplinär ausrichten.

Aber auch die Medienanbieter müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Dazu gehört es, Spiele für junge Menschen zu entwickeln, die an deren Interessen und Neigungen anknüpfen, ihre Kreativität anregen sowie förderlich für ihre Entwicklung sind. Um dies zu erreichen, sollten Anbieter junge Menschen an der Entwicklung ihrer Produkte beteiligen. Um die persönliche Integrität zu schützen, müssen Anbieter auch auf abhängigkeitsproduzierende Spielgestaltungen und Mechanismen der wirtschaftlichen Ausbeutung verzichten. Sie sollten Risiken kennzeichnen und in die Präventionsarbeit investieren.

Das Positionspapier „Du bist doch süchtig!“ mit allen unterzeichnenden Organisationen kann unter www.dkhw.de/positionspapier-mediensucht  heruntergeladen werden.

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit 50 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) wurde 1951 gegründet und setzt sich seither überparteilich und überkonfessionell für die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ein, vertritt ihre Interessen in der Öffentlichkeit und regt Maßnahmen des Kinder- und Jugendschutzes an. Die BAJ ist ein Zusammenschluss von Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege, von Jugend-, Familien- und Fachverbänden, den Landesarbeitsgemeinschaften und Landesstellen für Kinder- und Jugendschutz und von Einzelpersonen mit dem gemeinsamen Anliegen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu erhalten und zu verbessern.

Diese Nachrichten könnten Sie noch interessieren

Kinderrechte

GEZE GmbH aus Leonberg spendet 40.000 Euro an das Deutsche Kinderhilfswerk

Die GEZE GmbH aus Leonberg spendet 40.000 Euro an das Deutsche Kinderhilfswerk. Damit unterstützt das Unternehmen mehrere Kinderrechte-Projekte zum Thema Medienkompetenz, in denen Kinder für einen selbstbestimmten und kompetenten Umgang mit Medien fit gemacht werden. So lernen Kinder im Kinder- und Jugendhaus Obertürkheim (Kinderhaus des Deutschen Kinderhilfswerkes) zum Beispiel die Chancen und…

Kinderrechte

„Kinderrechte-Index 2025“ – Deutsches Kinderhilfswerk sieht großen Nachholbedarf bei Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention

Der „Kinderrechte-Index 2025“ des Deutschen Kinderhilfswerkes zeigt, dass es bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland noch großen Nachholbedarf gibt. Im Gesamtergebnis schneiden Berlin, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Thüringen überdurchschnittlich ab. Dies bedeutet, dass in diesen Bundesländern die Kinderrechte vergleichsweise am besten umgesetzt werden.…

Kinderrechte

Weihnachtswunder-Spenden essenziell für Kinder- und Jugendprojekte im Nordwesten

Das Deutsche Kinderhilfswerk freut sich über den großen Erfolg des diesjährigen „Weihnachtswunders“. Bei der gemeinsamen Spendenaktion mit Radio Bremen sind rund 250.000 Euro zusammengekommen. Vom 2. bis 5. Dezember konnten sich die Hörerinnen und Hörer von Bremen Eins und Bremen Vier Musiktitel wünschen, die während der 80-stündigen Marathonsendungen auf den beiden Sendern gespielt wurden. Mit…