Aus aktuellem Anlass: Unsere Haltung zu Social-Media-Verboten

Aus aktuellem Anlass finden Sie hier eine kurze Einordnung unserer Haltung zu Social-Media-Verboten sowie das komplette Zitat von Kai Hanke, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, das in den Medien verkürzt dargestellt wurde.

Zum Thema Social-Media-Verbote für Kinder haben wir in der Neuen Osnabrücker Zeitung am 14.11.2025 einen ausführlichen Kommentar abgegeben. Im Folgenden finden Sie das komplette Zitat von Kai Hanke, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, im Wortlaut. In den Medien wurde es teilweise nur verkürzt wiedergegeben: 

"Das Deutsche Kinderhilfswerk warnt vor einer sich immer weiter verkürzenden Debatte um Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche. Wir brauchen differenzierte Begriffe von Angeboten Sozialer Medien und wir brauchen vor allem ein differenziertes, altersgerechtes Angebot zur digitalen Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen. Pauschale Medienverbote können zwar den Zugang zu riskanten Online-Räumen erschweren, doch ein kompetenter und sicherer Umgang wird nur in der aktiven Nutzung junger Menschen erlernt. 

Als Kinderrechtsorganisation sehen wir natürlich auch, dass Kinder- und Jugendschutz den Geschäftsmodellen großer Plattformen in vielen Fällen entgegenstehen und damit einhergehend ein grundsätzlicher Regulierungsbedarf besteht, um dieses Missverhältnis zu ändern. Hier könnten eigenständige Europäische Plattformen, die nicht den Zwängen der Aufmerksamkeitsökonomie unterliegen, eine Lücke schließen, die durch eine Zugangsbeschränkung zu sozialen Medien entstehen würde. Denn jede Entscheidung für ein Verbot sozialer Medien für junge Menschen muss im Auge haben, dass diese damit in ihrem Recht auf den Zugang zu Medien, auf Beteiligung an Politik, Kultur und Bildung beschnitten würden. 

Die sozialen Medien und wie sie heute den Alltag junger Menschen prägen sind eine große Herausforderung für den Kinder- und Jugendmedienschutz. Einerseits stellen sie einen zentralen Ort sozialen Austausches und der Freizeitgestaltung dar, andererseits sind sie gespickt mit Anreizen zur Risikonutzung und unzureichenden Vorsorgemaßnahmen für junge Nutzergruppen. 

Die vielerorts geforderten Verbote greifen jedoch erheblich in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen ein, ohne Alternativen aufzuzeigen oder gar Kinder und Jugendliche in die Entwicklung von Regulierungsansätzen einzubinden. Verbote würden die positiven sozialen Kommunikationswege in diesem Bereich abschneiden und Kindern einen Rückzugsort ihrer Lebenswelt ohne angemessenen Ersatz nehmen. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert daher auch die verbindliche Einbindung der Interessen von Kindern und Jugendlichen bei Fragen des Kinder- und Jugendmedienschutzes, und zwar gemäß geltender Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung, wie sie sich in langjähriger Praxis der Kinder- und Jugendarbeit bewährt haben. 

Pauschale Verbote entmündigen Kinder und Jugendliche und stehen in krassem Widerspruch zu ihrem in der UN-Kinderrechtskonvention garantierten Recht auf digitale Teilhabe sowie den Aufbau von Medienkompetenz. Ist das notwendige Mindestalter dann erreicht, sind die jungen Menschen wieder denselben Mechanismen unterworfen, allerdings ohne zuvor Medienerfahrungen mit den Risiken der Nutzung gesammelt zu haben und dann umso anfälliger für ihre Wirkung. Das ist pädagogisch zu kurz gegriffen und kann zudem zu einer weiteren Benachteiligung von jungen Menschen aus bildungsfernen Familien beitragen. 

In unserer zunehmend digital geprägten Lebenswelt dürfen Kinder und Jugendliche nicht außen vor bleiben. Wir brauchen kindgerechte digitale Rückzugsräume und konsequente Ansätze für die Vermittlung von Medienerziehungskompetenz an Eltern schon im frühkindlichen Bildungsbereich."  

Unsere Forderungen aus kinderrechtlicher Sicht

Um Kinder zu schützen und zugleich ihr Recht auf Teilhabe zu gewährleisten, braucht es mehr als pauschale Verbote. Sehr verkürzt, fordern wir dabei aus kinderrechtlicher Sicht vor allem: 

  • Jungen Menschen selbst mehr Mitbestimmung zu ermöglichen
  • Bei Beschränkung von Zugängen zu Risikoangeboten gleichsam Zugänge zu altersgerechten Alternativen abzusichern
  • Medienbildung nicht durch Zugangsbeschränkungen zu behindern
  • Die Debatte zu versachlichen und Lösungsansätze zu differenzieren, die rechts- und praxistauglich sind

Kinder wachsen mit sozialen Medien auf

Statt aufgeregter und verzerrender Debatten wünschen wir uns sachliche Auseinandersetzung mit den Realitäten der Mediennutzung durch junge Menschen. Wir wünschen uns realitätsgerechte Politikansätze, die sowohl Plattformen in Verantwortung nehmen als auch sichere digitale Räume für junge Menschen bieten und Resilienz von jungen Menschen stärken. Wir brauchen daher flankierend effiziente Medienbildung - und vor allem auch eine Förderung der Medienerziehungskompetenzen in Familien. Kinder wachsen mit sozialen Medien auf. Im Falle von risikobedingten Zugangssperren brauchen sie echte Alternativen im digitalen Raum.

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