Isabell Rausch-Jarolimek

Koordinierungsstelle Kinderrechte, Referentin Medien

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Sechs Tipps für den Umgang mit Kinderfotos

Kaum ist ein Kinderfoto gemacht, wird schon auf "Teilen" geklickt. Viele Kinder sind bereits vor ihrem zweiten Lebensjahr in der Social-Media-Welt präsent, ohne dass sie selbst darüber entscheiden konnten. Was Eltern süß finden, ist den Kindern später vielleicht peinlich. Außerdem wird die Privatsphäre der Kinder verletzt, aber auch Schutzrechte sind in Gefahr – oft sind Fotos im Netz frei zugänglich und können in falsche Hände geraten.

Was genau sollte man beachten, bevor man ein Foto von seinem Kind über Soziale Online-Netzwerke oder Apps für andere zugänglich macht? Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie man Fotos im Netz posten und trotzdem die Persönlichkeitsrechte der Kinder wahren kann:

1. Beziehen Sie Ihr Kind ein.

Sprechen Sie in ihrer Familie über den Umgang mit Fotos ihrer Kinder im Internet. Bevor Sie ein Bild Ihres Kindes über Soziale Online-Netzwerke oder über Apps veröffentlichen, fragen Sie es nach seiner Zustimmung und respektieren Sie diese Entscheidung. Wichtig ist es, das Kind möglichst früh in die Bildauswahl einbeziehen und mit ihm über Gründe für oder gegen das Onlinestellen von Fotos zu besprechen. Allerdings muss man sich auch bewusst sein, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter gar nicht abschätzen können, was es bedeutet, wenn ihre Bilder online gestellt werden und wie sie dies in ein paar Jahren finden.

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2. Vermeiden Sie möglichst die Preisgabe personenbezogener Daten des Kindes im Zusammenhang mit einem Foto.

Posten Sie niemals den vollständigen Namen des Kindes im Zusammenhang mit einem Foto. Das verringert die Möglichkeit der Auffindbarkeit des Fotos über Suchmaschinen. Vermeiden Sie möglichst auch Fotos, die Rückschlüsse auf Orte erlauben, wie z.B. den Kindergarten, die Schule oder sogar das Wohnhaus Dementsprechend sparsam sollte mit solchen sensiblen Daten und Informationen bei der Kommentierung oder Verlinkung von Fotos umgegangen werden. 

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3. Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Sicherheits- bzw. Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Online-Netzwerken.

Meldet man sich erstmalig bei einer Social Media Plattform wie Facebook oder Instagram an, sind die Voreinstellungen der Privatsphäre bzw. Sicherheit seitens der Anbieter häufig recht freizügig. Möglichst viele Personen können so auf die geposteten Inhalte zugreifen. Das Einschränken des Empfängerkreises der eigenen geposteten Inhalte ist mehr als sinnvoll, wenn das Risiko verringern möchte, dass eigene Inhalte und Fotos unkontrolliert im Netz kursieren. Zudem passen die Plattformanbieter die Einstellungsoptionen für Privatsphäre und Sicherheit oft regelmäßig im Zuge von Aktualisierungen an. Kontrollieren Sie regelmäßig die eigenen Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen, um sicher zu gehen, wer Ihre Posts sehen kann. 

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4. Posten Sie keine Fotos von Kindern in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen.

Bevor Sie ein Foto Ihres Kindes in einem Sozialen Netzwerk teilen, sollten sie sicherstellen, dass das Kind auf dem Bild bekleidet und nicht in einer lächerlichen oder gar peinlichen Situation zu sehen ist. Denn auch was für Eltern oder Erwachsene im ersten Moment witzig oder lustig erscheint, ist den Kindern in einigen Jahren vielleicht höchst unangenehm. Prüfen Sie auch, was noch auf dem Foto zu sehen ist, z.B. eventuell unangenehme Dinge im Hintergrund. Sind noch andere Kinder auf dem Foto zu sehen, holen Sie sich das Einverständnis der Eltern ein.

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5. Überlegen Sie, ob es für die Bildaussage des Fotos zwingend notwendig ist, das Gesicht des Kindes zu zeigen.

Es gibt viele Alternativen, Kinderfotos zu posten, ohne die Persönlichkeitsrechte von Kindern zu verletzen. Vor allem dann, wenn die Kinder selbst noch nicht alt genug sind, um ihre Zustimmung zur Veröffentlichung eines Fotos zu geben. Gesichter können durch gezielte Platzierung von Emojis oder durch Verpixelung/Unschärfe unkenntlich gemacht werden. Fotos, die Kinder von hinten zeigen oder mit Detailaufnahmen (z.B. Hände oder Füße) arbeiten, sind in der Regel unbedenklich. 

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6. Nehmen Sie Ihre Vorbildfunktion wahr.

Als Erwachsene, insbesondere als Eltern oder Großeltern, haben Sie eine Vorbildfunktion für Kinder. Wenn Sie verantwortungsbewusst mit Fotos von sich und Ihren Kindern in Sozialen Medien umgehen, profitieren auch Ihre Kinder davon. Nicht nur, weil sie dadurch vor potenziell ungewollten Einblicken geschützt werden, sondern auch, weil ihnen durch die direkte Beteiligung von Anfang ein verantwortungsbewusster Umgang mit persönlichen Daten im Internet vermittelt wird.

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So tragen Sie unsere Kampagne in die Welt

Wir freuen uns über die Verbreitung unserer Facebook-Kampagne über WhatsApp, Instagram & Co. Bitte helfen Sie mit, die Privatsphäre von Kindern zu schützen. Denn auch Kinder haben Rechte. Die Motive stehen hier zum Download bereit:

Motiv Giraffe
Motiv Klopapier
Motiv Kürbis
Motiv Orange
Motiv Schleife
Motiv Spaghetti

Handy- und Internet-Ratgeber

Mehr Infos rund ums Thema Handy und Internet finden Sie in unseren Broschüren "Der Internet Guide für Kids", "Fit fürs Handy - Der Handy Guide für Kinder und Eltern" und "Internet Guide für Eltern". Hier bestellen oder direkt downloaden.

Süße lustige Fotos - aus kinderrechtlicher Sicht oft bedenklich

Kinderfotos sind toll – sie zeigen ganz ohne große Worte, dass das Leben mit Kindern Spaß macht und der Alltag mit Kindern bunt, lustig und spannend, aber eben auch stressig und chaotisch sein kann. Tagtäglich ergeben sich im Familienalltag niedliche, lustige Situationen mit Kindern und dank des stets griffbereiten Smartphones können wir diese ganz einfach und sofort mit einem großartigen Schnappschuss festhalten. Natürlich möchten wir diese tollen und lustigen Momente auch mit Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten teilen und austauschen. Und was geht einfacher und schneller, als das süße Bild vom Baby mit dem ersten Brei quer überm Gesicht über Soziale Online-Netzwerke und Apps wie Facebook, Instagram, WhatsApp oder Snapchat zugänglich zu machen?

Kaum ist das Foto gemacht, schon wird auf „Teilen" geklickt. Bevor es Kindern bewusst wird, hat sich ihr "digitaler Fußabdruck" schon tief im Netz verankert. Eine neue Identität ist im Web entstanden. Die Inhalte verbreiteten sich schnell, sind langanhaltend und einfach zu finden. Sehr viele Kinder sind bereits vor ihrem 2. Lebensjahr in der Social-Media-Welt präsent, ohne dass sie selbst darüber entscheiden konnten. Was Eltern süß finden und mit der Welt teilen, ist den Kindern (später) vielleicht peinlich oder unangenehm.

Aus kinderrechtlicher Sicht kann dies in vielerlei Hinsicht bedenklich sein. Die Privatsphäre der Kinder wird verletzt – zu oft wird ohne ihr Einverständnis gepostet. Es widerspricht ihrem Recht auf Beteiligung, aber auch Schutzrechte sind in Gefahr – oft sind Fotos im Netz frei zugänglich und können auch in falsche Hände geraten.

Aufnahmen können weiter kursieren

Jedes Kind hat das Recht auf Privatsphäre (Art. 16, UN-Kinderrechtskonvention). Daraus resultiert die Freiheit eines jeden Kindes, selbst zu entscheiden, was und wieviel es von sich in der Öffentlichkeit, d.h. auch im Internet, über sich preisgibt.

Das Ausmaß der Verbreitung von Fotos im Internet ist vielen nicht immer klar – obwohl ein Foto im Profil oder Blog gelöscht wird, können die Aufnahmen weiter kursieren. Andere können diese kopieren, verfremden und verbreiten. Außerdem können Werbetreibende und andere darüber persönliche Daten sammeln und weiter verwenden.

Umso wichtiger ist es, dass Erwachsene, insbesondere Eltern und Großeltern bewusst und rücksichtsvoll mit den Persönlichkeitsrechten ihrer Kinder im Internet umgehen.

Aber heißt das nun, niemand darf mehr ein Kinderfoto posten? Nein, das tut es nicht! Kinder sind Teil unserer Gesellschaft und sollen deswegen auch sichtbar und präsent in allen Bereichen unserer Gesellschaft sein – und zwar auch der digitalen Welt. Die wichtigste Frage dreht sich also nicht darum, ob Kinderfotos im Netz gepostet werden dürfen oder nicht, sondern in welcher Art und Weise das geschieht.

Die Facebook-Kampagne erfolgt im Rahmen eines Projektes der Koordinierungsstelle Kinderrechte des Deutschen Kinderhilfswerkes. Diese wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.