Umfrage zum 50. Geburtstag

Wie kinderfreundlich ist Deutschland?

Vor 50 Jahren, am 17. Februar 1972, wurde das Deutsche Kinderhilfswerk gegründet. Seitdem haben wir ein klares Ziel: Kinder in Deutschland zu unterstützen und allen eine gerechte Chance zu ermöglichen. Dazu untersuchen wir regelmäßig, wie kinderfreundlich Deutschland ist.

Haben alle Kinder den gleichen Zugang zu Bildung? Gibt es ausreichend Möglichkeiten für Spielen und Bewegung? Werden sie an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt? Können sich Kinder und Jugendliche altersgerecht und geschützt informieren?

Für unsere kinderrechtliche Arbeit gilt es immer wieder zu klären, wie die Rahmenbedingungen für Kinder in Deutschland sind. Anlässlich unseres 50-jährigen Jubiläums haben wir dies nun mittels einer Forsa-Umfrage* genauer untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie kinderfreundlich ist Deutschland?

Ein Mädchen im Gespräch mit Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes

"Kinderfreundlichkeit beginnt im Alltag, beim direkten und respektvollen Umgang mit Kindern."

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes

Weniger als die Hälfte hält Deutschland für kinderfreundlich

Ist Deutschland ein kinderfreundliches Land? Das sehen nur 48 Prozent der Befragten so. Noch vor vier Jahren war das anders. Damals hielten 56 Prozent Deutschland für kinderfreundlich und vor sieben Jahren waren es sogar 58 Prozent.

Und wie steht es um die Wahrung der Kinderinteressen in Krisenzeiten, wie zum Beispiel während der Corona-Pandemie? Die große Mehrheit (92 Prozent) findet es sehr wichtig oder wichtig, dass die Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden – doch dass dies tatsächlich erfüllt wird, meint hingegen nur eine Minderheit (17 Prozent).

Sehr große Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt es auch bei der Frage der Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland und beim Schutz der Kinder vor Gewalt. Außerdem sehen fast die Hälfte der Befragten Probleme bei der Umsetzung des Anspruchs auf ausreichend Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder.

Deutschland kindgerecht zu gestalten heißt, die Kinderrechte umfänglich umzusetzen

Aus diesen Antworten ergibt sich ein deutlicher Handlungsauftrag für Politik und Gesellschaft, mehr als bisher für ein kindgerechtes Deutschland zu tun.

Eine Gruppe Kinder

"Für eine kindgerechte Gesellschaft ist es wichtig, die Bekämpfung der Kinderarmut über eine Gesamtstrategie anzugehen. Auch der Schutz von Kindern vor Gewalt muss verstärkt im Blickpunkt stehen. Gerade hier ist die gesamte Gesellschaft gefordert, niemand darf beim Kinderschutz wegschauen."

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes

Rund 13 Millionen Kinder leben in Deutschland. Sie alle sind eigenständige Persönlichkeiten, die voller Neugierde und Kreativität die Welt erkunden möchten. Und die ein Recht darauf haben, gefördert zu werden, sich zu informieren, mitzureden, wenn es sie betrifft, so gesund wie möglich aufzuwachsen oder frei zu spielen.

Wir unterstützen und stärken Kinder deutschlandweit und wirken auf die umfassende Umsetzung ihrer Rechte hin. Vieles hat sich bereits in den letzten Jahrzehnten verbessert. Und doch liegen noch immer sehr große Aufgaben vor uns, Deutschland zu einem kindgerechten Land zu machen. Dies anzugehen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und wir bitten Sie herzlich, dabei zu sein. Ihre Spende macht einen Unterschied.



Die Umfrage im Einzelnen

Sie können sich hier die Kurzfassung der Umfrage als PDF herunterladen oder im Folgenden die einzelnen Ergebnisse lesen:

1. Wie sieht eine kinderfreundliche Gesellschaft aus?

Fast alle Befragten (99 Prozent) sind der Meinung, dass...

... der Schutz von Kindern vor Gewalt für eine kinderfreundliche Gesellschaft sehr wichtig oder wichtig ist. 95 Prozent betrachten ausreichende Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder als sehr wichtig oder wichtig für eine kinderfreundliche Gesellschaft.

Dass die Interessen von Kindern auch in Krisenzeiten, wie zum Beispiel in der Corona-Krise, berücksichtigt werden, halten 92 Prozent für (sehr) wichtig, 90 Prozent finden die Unterstützung von Familien mit Kindern (z.B. finanziell oder durch eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie) (sehr) wichtig. Für 86 Prozent ist es sehr wichtig oder wichtig, dass sich Politiker genügend um die Bekämpfung von Kinderarmut kümmern, für ebenfalls 86 Prozent ist selbstbestimmte Zeit und ausreichend Erholung für Kinder (sehr) wichtig.

83 Prozent sagen dies über die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern im Alltag (zum Beispiel in der Öffentlichkeit, im Restaurant, in der Nachbarschaft etc.). 74 Prozent der Befragten halten es für eine kinderfreundliche Gesellschaft für (sehr) wichtig, dass man sich in Deutschland gut um Kinder aus Flüchtlingsfamilien kümmert. Dass Kinder bei Angelegenheiten mitbestimmen dürfen, die sie selbst betreffen, finden 62 Prozent der Befragten (sehr) wichtig.

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2. Welche Bedingungen liegen für Kinder vor?

Vergleichsweise am häufigsten sehen die Befragten...

... ausreichende Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder (46 Prozent) als sehr gut oder gut erfüllt an sowie selbstbestimmte Zeit und ausreichend Erholung für Kinder (40 Prozent) und die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern im Alltag (38 Prozent).

Lediglich rund ein Drittel der Befragten hält die Punkte Unterstützung von Familien mit Kindern (36 Prozent) und das Kümmern um Kinder aus Flüchtlingsfamilien (34 Prozent) in Deutschland für (sehr) gut erfüllt.

Nur jeweils etwa ein Viertel meint, dass die Punkte Schutz der Kinder vor Gewalt (28 Prozent) sowie Mitbestimmung von Kindern (25 Prozent) sehr gut oder gut erfüllt sind. Dass Kinderinteressen auch in Krisenzeiten wie zum Beispiel in der Corona-Krise berücksichtigt werden, meinen nur 17 Prozent der Befragten und nur 15 Prozent sind der Ansicht, dass Politiker sich genügend um die Bekämpfung von Kinderarmut kümmern.

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3. Wie soll unsere Gesellschaft sein – und wie ist sie wirklich?

Die größten Diskrepanzen zwischen...

... der Bedeutung der Aspekte für ein kinderfreundliches Land und ihrem wahrgenommenen Erfüllungsgrad zeigen sich hinsichtlich der Berücksichtigung der Kinderinteressen in Krisenzeiten (minus 75 Prozentpunkte), der Bekämpfung von Kinderarmut (minus 71 Prozentpunkte), dem Schutz der Kinder vor Gewalt (minus 71 Prozentpunkte) sowie der Unterstützung von Familien mit Kindern (minus 54 Prozentpunkte).

Große Diskrepanzen zwischen der Bedeutung der Aspekte für ein kinderfreundliches Land und ihrem wahrgenommenen Erfüllungsgrad zeigen sich aber auch bei den Fragen hinsichtlich ausreichender Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder (Diskrepanz von 49 Prozentpunkten), hinsichtlich selbstbestimmter Zeit und ausreichender Erholung für Kinder (Diskrepanz von 46 Prozentpunkten) und der Berücksichtigung der Kinderbedürfnisse im Alltag (Diskrepanz 45 Prozentpunkte). Das gilt auch bei der Frage, ob man sich in Deutschland gut um Kinder aus Flüchtlingsfamilien kümmert (Diskrepanz von 40 Prozentpunkten) und bei der Mitbestimmung von Kindern, wenn es um Angelegenheiten geht, die sie betreffen (Diskrepanz von 37 Prozentpunkten).

Alle abgefragten Aspekte werden von der großen Mehrheit der Befragten als (sehr) wichtig für eine kinderfreundliche Gesellschaft erachtet – dass sie gegenwärtig in Deutschland auch (sehr) gut erfüllt sind, meint hingegen weniger als die Hälfte der Befragten.

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4. Ist Deutschland ein kinderfreundliches Land?

Weniger als die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass Deutschland ein kinderfreundliches Land ist (48 Prozent). Nach dem Urteil von 43 Prozent ist Deutschland alles in allem kein kinderfreundliches Land. Damit fällt der Anteil derjenigen, die Deutschland als kinderfreundliches Land einschätzen, geringer aus als 2015 und 2018. Damals waren noch 58 Prozent bzw. 56 Prozent der Meinung, dass Deutschland ein kinderfreundliches Land ist.

Jüngere meinen wesentlich häufiger als Ältere (76 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zu 26 Prozent der über 60-Jährigen), Westdeutsche häufiger als Ostdeutsche (50 Prozent zu 38 Prozent) und Männer häufiger als Frauen (53 Prozent zu 43 Prozent), dass Deutschland alles in allem ein kinderfreundliches Land ist.

Auch entlang der Parteipräferenzen zeigen sich statistisch signifikante Auffälligkeiten. So halten 77 Prozent der Anhängerinnen und Anhänger der Unionsparteien und 61 Prozent der FDP- Anhängerinnen und Anhänger Deutschland für ein kinderfreundliches Land. Deutlich geringere Zustimmungswerte sind im Lager der SPD (44 Prozent), der AfD (40 Prozent) sowie der Linken (39 Prozent) und der Grünen (38 Prozent) zu verzeichnen.

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Die Umfrage in Grafiken

Hier können Sie sich die Ergebnisse als Grafiken ansehen.



Eine Perspektive für jedes Kind

Kinder, die in Armut aufwachsen, brauchen ganz besondere Unterstützung. Jeder Beitrag hilft, ihnen eine Perspektive für ihr Leben zu ermöglichen. Bitte spenden Sie.

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* Für die repräsentative Umfrage zur Kinderfreundlichkeit in Deutschland wurden vom Politik- und Sozialforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes im Januar 2022 deutschlandweit 1.004 wahlberechtigte Personen ab 18 Jahren befragt.