Wie werden die Kinderrechte in Ihrem Bundesland umgesetzt?

Unterschiedliche Schulsysteme, ungleiche Wahlalter: bei der Frage, wie die Kinderrechte in Deutschland umgesetzt werden, gibt es große regionale Unterschiede. Um diese zu untersuchen, hat das Deutsche Kinderhilfswerk den Kinderrechte-Index entwickelt. Finden Sie heraus, wie Ihr Bundesland abschneidet! 

Stärken und Schwächen der Politik überprüfen

Bei der Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland kommt es vor allem auf die Orte an, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen. Denn wie die Kinderrechte im Alltag konkret verwirklicht werden können, ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Welche Beteiligungsmöglichkeiten haben Kinder und Jugendliche? Ab wie viel Jahren dürfen sie bei der Wahl über die Landespolitik mitentscheiden? Wie steht es um den Zugang zu Spielräumen und der Gesundheitsversorgung? Wie ist das Bildungssystem aufgestellt? Um diese Fragen länderspezifisch zu untersuchen, hat das Deutsche Kinderhilfswerk den Kinderrechte-Index entwickelt. 

Politik berücksichtigt Kinderrechte unzureichend

Der Ländervergleich im Kinderrechte-Index ermöglicht es, Beispiele guter Umsetzung sichtbar zu machen und gleichzeitig Defizite konkret aufzuzeigen. Dies ist wichtig, denn häufig werden Kinder und ihre Rechte in politischen Entscheidungen unzureichend berücksichtigt. 

Der Kinderrechte-Index dient Landesregierungen als Instrument, um die Stärken und Schwächen ihrer Politik in Bezug auf Kinder zu überprüfen und gezielt zu verbessern. Die Grundlage bilden Kinderrechte-Indikatoren, welche erstmals für die Pilotstudie 2019 entwickelt wurden und auf den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention und dem UN-Hochkommissariat für Menschenrechte basieren.

Mehr als 30 Jahre nach Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention stehen wir in Deutschland im Hinblick auf Kinderrechte vor einem föderalen Flickenteppich. Die Umsetzung der Kinderrechte ist an vielen Stellen keine alleinige Frage der Kassenlage, sondern des politischen Willens. 

Thomas Krüger, Präsident Deutsches Kinderhilfswerk

Neuauflage für 2025 geplant

Aktuell ist eine umfassende Neuauflage des „Kinderrechte-Index“ in Arbeit. Gemeinsam mit einem neu zusammengesetzten Expert*innen-Beirat und unserem Kinder- und Jugendbeirat aktualisieren wir die Kinderrechte-Indikatoren und erweitern diese. Die Veröffentlichung der Neuauflage ist für 2025 geplant.

Die Neuauflage wird sechs Kinderrechte in den Mittelpunkt stellen: das Recht auf Beteiligung, das Recht auf Schutz, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf angemessenen Lebensstandard, das Recht auf Bildung, und das Recht auf Ruhe und Freizeit, Spiel und Erholung, kulturelle und künstlerische Aktivitäten.

Kinder und Jugendliche sollten bei der Studienerstellung beteiligt werden, da sie Kinderrechte selbst erleben. Wir Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirats kommen aus verschiedenen Bundesländern. Wir können aus unserer Perspektive berichten, was noch nicht so gut läuft. 

Anna-Lena, Mitglied im Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes

Vorveröffentlichung erster Umfrageergebnisse

Als ein Teil der Datengrundlagen der Neuauflage des Kinderrechte-Index 2025 hat das Deutsche Kinderhilfswerk eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen in allen Bundesländern in Auftrag gegeben. Der Erhebungszeitraum war vom 19. April bis 10. Mai 2024. Erste Ergebnisse zu verschiedenen kinderrechtlichen Themen werden im Laufe des Jahres vorveröffentlicht:

Hier geht es zu den Ergebnissen zum Schulhof- und Pausenbereich

Neuer Expert*innen-Beirat eingesetzt

Für die Entwicklung der Neuauflage des Kinderrechte-Index wurde 2023 ein neuer Expert*innen-Beirat eingesetzt. Die Expert*innen aus verschiedenen Forschungs- und Praxisfeldern des Themas Kinderrechte verstehen sich als Impulsgeber*innen für die inhaltliche Weiterentwicklung. Sie bringen ihre Expertise bei der Festlegung und Auswertung der Indikatoren sowie in methodischen Fragen der Datenerhebung ein. Der kritische Austausch mit dem Beirat, seine Impulse und das fachliche Feedback sind zentral für das Ziel einer erfolgreichen Neuauflage im Jahr 2025.

Die Pilotstudie Kinderrechte-Index

Am 4. Dezember 2019 hat das Deutsche Kinderhilfswerk die Pilotstudie Kinderrechte-Index vorgestellt – und eine hohe öffentliche Resonanz erfahren! Die Ergebnisse wurden in der Arbeit von Landtagen sowie Kinder- und Jugendministerien aufgegriffen. Zudem gab es bundesweite und regionale Berichterstattung in allen Bundesländern.

Bei der Erstellung des Kinderrechte-Index wurde auch deutlich, dass es in Deutschland noch große Datenlücken für die vollständige Erfassung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland gibt. Darum versteht sich die Pilotstudie auch als Impulsgeberin an staatliche Akteur*innen, die Sammlung von kinderrechtlich relevanten Daten zu prüfen, Lücken zu schließen oder bereits vorhandene Daten öffentlich zugänglich zu machen.

Hier finden Sie die Ergebnisse der Pilotstudie von 2019

Ländersteckbriefe: So hat Ihr Bundesland abgeschnitten

Kinder und Jugendliche zum Kinderrechte-Index

Bei der Entwicklung und Erstellung der Pilotstudie „Kinderrechte-Index“ war der Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes beteiligt. Insbesondere bei der Entwicklung der Online-Umfragen sowie des qualitativen Forschungsvorhabens waren die Kinder und Jugendlichen eng eingebunden. Der Kinder- und Jugendbeirat hat zudem eigene Forderungen für die Verbesserung der Kinder- und Jugendbeteiligung aufgestellt. Hier lesen Sie einige Auszüge daraus. 

    Wahlalter

    Die oberste Pflicht eines demokratischen Staates liegt darin, allen seinen Bürger*innen Gleichheit bei politischer Partizipation einzuräumen. Dazu zählt ebenfalls, dass Jugendliche das Recht haben sollten, ihre politische Meinung bei Kommunal- und Landtagswahlen zu vertreten. Deswegen fordern wir ein einheitliches Wahlalter von 16 Jahren in allen Bundesländern. Nur gelebte Demokratie ist eine gute Demokratie und Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Jedoch wird mit dem jetzigen Wahlalter ein großer Teil dieses Volkes bevormundet.

    Kinderfeindliche Politik

    Unsere Politik ist in Teilen einfach nicht kindgerecht. Es wird viel zu oft über unsere Köpfe hinweg entschieden und das muss sich ändern. Laut den Umfragen des Deutschen Kinderhilfswerkes für die Pilotstudie „Kinderrechte-Index“ haben die befragten Kinder in allen Bundesländern den Eindruck, dass sie selten bis nie in ihrer Stadt oder Gemeinde mitbestimmen dürfen. Noch schlimmer ist es um die wahrgenommene Mitbestimmung im Bundesland oder in Deutschland bestellt. Dabei sollten Kinder das Gefühl haben, dass ihre Meinung gehört und umgesetzt wird – und zwar auf allen Ebenen.

    Beteiligungsangebote

    Beteiligungsangebote für Kinder in ihren Kommunen sind zu unbekannt und es gibt sie zu wenig. Das zeigen auch die Ergebnisse der Pilotstudie „Kinderrechte-Index“. Es gibt aus unserer Sicht Informationsdefizite bei den Themen Mitbestimmung und Beteiligung. Viele Kinder wissen nämlich gar nicht, ob und dass sie auf Entscheidungen in ihrer Kommune Einfluss nehmen können. Dabei steigt das Interesse der Kinder, an Politik in ihrer Kommune teilzunehmen, immer mehr. Es muss mehr Beteiligungsangebote wie Kinder- und Jugendgremien geben. 

Haben Sie Fragen zum Kinderrechte-Index?