FAQ für Eltern: Kinder und soziale Medien

Kinder haben Rechte – auch im digitalen Raum! Sie haben das Recht, sich zu informieren, mitreden zu können und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Doch als Eltern kann die Social-Media-Nutzung Sorgen machen. Wir geben Tipps, warum ein Verbot aus kinderrechtlicher Sicht wenig sinnvoll ist und wie Sie ihr Kind in der digitalen Welt begleiten können.

1. Warum sind soziale Medien für Kinder und Jugendliche wichtig?

Für viele Kinder und Jugendliche sind soziale Medien ein fester Teil ihrer Lebenswelt. Viele haben bereits im Grundschulalter ein eigenes Smartphone und nutzen Apps und Messengerdienste, Entertainment und Gaming. Im Netz bleiben sie in Kontakt mit der Familie, tauschen sich mit Freund*innen aus, informieren sich und entdecken viel Neues.

2. Welche Risiken gibt es bei der Nutzung sozialer Medien?

Vielen Eltern macht die Social-Media-Nutzung ihrer Kinder Sorgen. Das ist verständlich und auch berechtigt. Die Vorsorgemaßnahmen der Plattformen reichen oft nicht aus, um Kinder vor Inhalten, die sie überfordern oder verunsichern können, zu schützen. Kontakt mit Fremden und Scam-Angebote bleiben Risiken, die Kinder noch nicht einordnen können. Nicht zuletzt sind soziale Medien darauf ausgerichtet, Nutzer*innen möglichst lang auf ihren Plattformen zu halten, was zu exzessiver Nutzung führen kann. Dazu kommen Fragen rund um Datenschutz, ständige Erreichbarkeit und Desinformation. Wie groß diese Risiken sind, hängt stark von der Erfahrung des Kindes ab und davon, wie es begleitet und unterstützt wird.

Was sagt die UN-Kinderrechtskonvention zur Mediennutzung von Kindern?

Kinder haben Rechte – auch im digitalen Raum! Sie haben das Recht, sich zu informieren, mitreden zu können und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Wenn junge Menschen hingegen von digitalen Angeboten ausgeschlossen werden, besteht die Gefahr, dass bestehende Benachteiligungen verstärkt werden und neue hinzukommen. So steht es unter anderem in der Allgemeinen Bemerkung Nr. 25 zur UN-Kinderrechtskonvention, die 2021 verabschiedet wurde.

mehr zur UN-Kinderrechtskonvention

3. Wie können Social-Media-Angebote für Kinder sicherer werden?

Welche Regeln gibt es bereits zum Schutz von Kindern im Netz?

Es gibt bereits umfassende Regeln auf europäischer und nationalstaatlicher Ebene, die darauf abzielen, den Digitalen Raum für Kinder und Jugendliche möglichst sicher zu gestalten. Beispielsweise erfordert der Digital Services Act (DSA), dass Plattformen ihr Angebot kindgerecht gestalten oder entsprechende Zugangsbeschränkungen umsetzen. Zusätzlich sehen das Jugendschutzgesetz und der Jugendmedienschutzstaatsvertrag in Deutschland Alterskennzeichen für entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte vor und verpflichten außerdem Online-Plattformen zur harten Altersüberprüfung beim Zugang zu pornografischen Inhalten. Damit sie Wirkung entfalten können, müssen diese Regeln aber auch konsequent umgesetzt werden. Aktuell werden sie das noch nicht. 

Wäre ein Social-Media-Verbot für Kinder eine gute Lösung?

Ein Verbot klingt auf den ersten Blick vielleicht nach einer einfachen Antwort. In der Praxis gibt es jedoch einige Herausforderungen. Internationale Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Durchsetzung solcher Zugangsschranken für Kinder kaum leistbar ist. Stattdessen nehmen leicht umgehbare Altersbeschränkungen Plattformen aus der Verantwortung, ihre Angebote kindgerecht und sicher zu gestalten. 

Welche Folgen hätte ein Social-Media-Verbot?

Zahlreiche. Es könnte sich zum Beispiel auf die Beziehung von Eltern und Kindern auswirken. Kinder nutzen soziale Medien nur noch heimlich und trauen sich bei Problemen nicht mehr, Hilfe bei ihren Vertrauenspersonen zu suchen. Außerdem greifen allgemeine Zugangsbeschränkungen tief in die Möglichkeiten junger Menschen für Austausch, Information und Teilhabe am digitalen Raum ein. Gerade Kinder, die auf Onlinesgemeinschaft und Unterstützung angewiesen sind, kann das hart treffen – zum Beispiel Kinder, die sexuellen Minderheiten oder migrantischen Communities angehören oder im ländlichen Raum kaum Anknüpfungspunkte finden. . Zudem sind die sozialen Medien der Hauptort, wo Kinder sich politisch informieren. Erste Studien aus Australien zeigen deutliche Einbrüche im Zugang zu politischer Information, in der Altersgruppe, die vom dortigen Verbot betroffen ist.  

Wie müssen Plattformen gestaltet sein, so dass sie sicher für Kinder sind?

Der Digital Services Act zeigt in den begleitenden Leitlinien eine lange Liste an möglichen Maßnahmen auf, um Plattformen für Kinder sicherer zu machen, unter anderem:  

  • sichere Voreinstellungen für Kinderaccounts 
  • Kontaktbeschränkungen 
  • umfassende Moderations- und Reporting Tools 
  • mehr Einfluss der Kinder auf die Empfehlungen, die ihnen ausgespielt werden 
  • Parental Controls

Damit diese Einstellungs- und Selbstschutzfunktionen funktionieren, müssen die Plattformen aber auch die Medienkompetenz und Selbstregulierungskompetenz ihrer Nutzenden fördern.

Warum reichen Altersgrenzen allein nicht aus?

Altersgrenzen sind umgehbar und lösen nicht das eigentliche Problem. Altersschranken machen die Plattformen selbst nicht sicherer und reduzieren kaum den sozialen Druck auf Kinder, diese Angebote nutzen zu wollen. Kinder brauchen Räume, um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Wenn Kinder durch Altersgrenzen von Plattformen ausgeschlossen werden, muss es also auch analoge und digitale Alternativangebote geben.  

Unsere Kinder-Webseite

Kinder brauchen im Netz auch Räume, in denen sie lernen, sich ausprobieren und teilhaben können. Soziale Medien sind sicherer, wenn klare Regeln gelten, Plattformen kindgerechter gestaltet werden und Kinder wie Eltern gute Unterstützung bekommen. Dazu gehören neben Medienbildung auch sichere Alternativen zu rein kommerziellen Angeboten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Kinder-Internetseite Kindersache.de des Deutschen Kinderhilfswerkes. Dort können Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren kindgerechte Nachrichten lesen, selbst Artikel schreiben und sich mit anderen austauschen – werbefrei und in einer geschützten Umgebung.

zu Kindersache.de

Wann sind Altersgrenzen sinnvoll?

Altersgrenzen können funktionieren, wenn sie einen Schutzraum schaffen, in dem Kinder unter sich sind: ohne Erwachsene. Schutz vor Kontakten durch Fremde, Filterung altersgerechter Inhalte, Verbot gezielter Werbung, wenig oder kein Druck zur ständigen Nutzung und umfassende Moderation für Konflikte sind einige von vielen Maßnahmen, die eine Plattform kindgerecht machen. Kinder können dort Erfahrungen sammeln, um später mit herausfordernderen Plattformen zurecht zu kommen.

Und was ist mit den Jugendlichen?

Für Jugendliche ist ein solches Setting nicht mehr ansprechend und Altersschranken sind auch kaum ein Hindernis. Ziel sollte deshalb sein, jungen Menschen je nach Reife schrittweise mehr Eigenständigkeit zuzutrauen und ihnen Handlungsspielraum zu geben, damit sie sich entwickeln können. Daher bedarf es altersabgestufter Zugänge zu sozialen Medien, unterstützt durch Parental Guidance Systeme, wie z.B. Teen-Accounts.  

Wie können soziale Medien auch ohne Verbote sicherer werden? 

Die Plattformen selbst sind die zentralen Verantwortlichen, um soziale Medien sicherer zu machen. Sie müssen ihre Angebote ohne Risiken für Kinder gestalten und sichere Einstiegsmöglichkeiten bieten. Kinder und Jugendliche wissen am besten, welche Probleme es auf den Plattformen gibt. Daher sollten sie in die Gestaltungsprozesse der Plattformen eingebunden oder zumindest befragt werden.  

4. Was können Eltern tun, wenn sie ihre Kinder schützen wollen? 

Als Eltern sind Sie Vorbilder für Ihre Kinder und ihre erste Anlaufstelle, wenn es um die Mediennutzung geht. Viele Eltern sind jedoch selbst ohne diese Technologien aufgewachsen, nutzen ganz andere Plattformen und interessieren sich für andere Inhalte. Aber:  Eltern müssen nicht alles wissen, um Ihre Kinder gut begleiten zu können.  Bleiben Sie im Gespräch, zeigen sie Interesse, womit sich ihr Kind im digitalen Raum beschäftigt, und versuchen Sie die Gründe und Motive zu verstehen, die der Mediennutzung ihrer Kinder zugrunde liegen und seien sie da, falls etwas passiert. Wichtig ist ein gegenseitiges Verständnis für die Sorgen und Bedürfnisse aller Familienmitglieder.  

Zudem können Sie als Eltern einen sichereren Einstieg in die digitalen Medien gewährleisten, indem Sie neue Geräte bei der ersten Aktivierung/Inbetriebnahme mit Kinderprofilen und sicheren Voreinstellungen ausstatten. Kinderprofile schützen vor externen Zugriffen und haben Einfluss auf die Inhalte und Apps, die zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie als Eltern selbst gute Informationen und Unterstützung bekommen. Ein Angebot, das Sie dabei unterstützt, ist der Elternguide, den das Deutsche Kinderhilfswerk in Kooperation mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia und weiteren Partnern anbietet.

zu elternguide.online

5. Was fordert das Deutsche Kinderhilfswerk? 

Das Deutsche Kinderhilfswerk macht sich dafür stark, dass die Rechte von Kindern auch im digitalen Raum geachtet: Schutz, Befähigung und Teilhaben sind auch im Netz Grundlage für ein sicheres und gesundes Aufwachsen.  

Was wir fordern:

  • Bestehende Regeln konsequent anwenden und durchsetzen, damit Kinder im digitalen Raum besser geschützt werden. 
  • Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen, damit ihre Angebote kindgerechter und sicherer gestaltet werden. 
  • Bei neuen Regeln und Maßnahmen immer prüfen, welche Auswirkungen sie auf die Rechte von Kindern haben. 
  • Mehr Medienbildung und Unterstützung für Kinder, Jugendliche, Fachkräfte und Eltern schaffen.
  • Kindgerechte digitale Angebote und Alternativen fördern – auch unabhängige und sichere Plattformen.Datensparsame und privatsphäreschonende Altersfeststellung weiterentwickeln, um digitale Angebote besser altersangemessen gestalten und ausspielen zu können.

Ein Grundsatzpapier des Deutschen Kinderhilfswerkes zu dem Thema “Soziale Medien für Kinder und Jugendliche: Schutz gewährleisten - Kompetenzen stärken - Teilhabe sichern” steht unter www.dkhw.de/mindestalter-soziale-medien   zum Download bereit.

Ihre Spende für eine sichere Mediennutzung von Kindern

Es gibt viele Wege, sich mit Medien auseinanderzusetzen. Sie können fantasievoll gestaltet oder zum Lernen benutzt werden. Medien informieren über aktuelle Nachrichten oder sie dienen einfach nur zum Spaß haben. Wir möchten, dass Kinder und Jugendliche zu verantwortungsvollen, kritischen und kreativen Mitgestalter*innen der Medien heranwachsen. Ihre Spende hilft uns dabei!

Mit 50 Euro ermöglichen Sie einem Kind die Teilnahme an einem Projekt, bei dem es fit im Umgang mit Medien wird.

Mit 100 Euro unterstützen Sie ein Projekt, bei dem Kinder ihren eigenen Kurzfilm produzieren können und so mit ihren Anliegen Gehör finden. 

Mit 250 Euro tragen Sie anteilig dazu bei, dass eine Schule einen 3D-Drucker anschaffen kann, mit dem Kinder ihre eigenen Projekte umsetzen können. 

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