Claudia Neumann

Bereichsleiterin Kinder- und Jugendbeteiligung

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Vom deutschen Kinderhilfswerk unterzeichnet

Resolution fordert mehr naturnahe Spielflächen in Städten

Alleine auf Bäume klettern, unbeaufsichtigt im Matsch spielen, Staudämme bauen, Käfer um die Wette laufen lassen – Kinder brauchen Naturerfahrungen, und zwar eigenständige. Gerade Kindern, die in Städten aufwachsen, fehlen aber oft Flächen, auf denen sie frei spielen, sich ausprobieren und die Natur entdecken können.

Die Folgen sind Bewegungsmangel, Übergewicht und Konzentrationsstörungen, die ihre Gesundheit beeinträchtigen. Bereits in den 1990er Jahren wurde ein Konzept entwickelt, das dieser negativen Tendenz entgegenwirken könnte: Naturerfahrungsräume als neue Grünflächenkategorie. Leider haben sie sich auch 30 Jahre später nicht als öffentliche Freiräume in unseren Städten etabliert.

Freiflächen als fester Bestandteil des öffentlichen Raums

Aus diesem Grund wurde die "Resolution für die Schaffung von Naturerfahrungsräumen in der Stadt" am 23. Februar 2018 auf einer Fachtagung in Berlin verabschiedet. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk hat die Resolution unterzeichnet. Oberstes Ziel ist es, dass diese Freiflächen fester Bestandteil des öffentlichen Raums werden. Angesichts der zunehmenden Verdichtung in den Städten ist dies ein dringlicher Appell. Denn die Spielflächen ohne Geräte sind nicht nur Orte der Begegnung, der Fantasie und des Abenteuers, sie fördern auch die gesunde Entwicklung unserer Kinder.

Auf den Weg gebracht wurde die Resolution von der Stiftung Naturschutz Berlin zusammen mit rund 40 Teilnehmenden der Fachtagung, die in der Grün- und Umweltplanung der Landesministerien, in Stadtverwaltungen, Naturschutzverbänden und Stiftungen, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie Landschaftsplanung und Wissenschaft tätig sind.

Den vollständigen Text der Resolution finden Sie im PDF-Dokument zum Download.

Erprobungsverfahren soll Naturerfahrungsräume bekannter machen

Das Deutsche Kinderhilfswerk begleitet darüber hinaus fachlich das Berliner Erprobungsverfahren. Ziel des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens ist es, das Konzept der städtischen Naturerfahrungsräume bekannter zu machen und dazu beizutragen, sie zur Normalität in unseren Städten werden zu lassen.

Um dies zu erreichen, hat die Stiftung Naturschutz Berlin mit der systematischen Einrichtung, Beobachtung und Auswertung von Naturerfahrungsräumen und deren Nutzung im großstädtischen Kontext begonnen. Auf der Grundlage der 2012 durchgeführten Voruntersuchung wird von August 2015 bis August 2018 das Hauptvorhaben als Realisierungs- und Erprobungsphase durchgeführt. Im Zuge dessen werden drei Pilotflächen in den Berliner Bezirken Marzahn, Pankow und Spandau eingerichtet und betrieben.

Wissenschaftliche Begleitung

Verschiedene Vereine kümmern sich um die Naturerfahrungsräume. Sie setzen vor Ort Pädagoginnen und Pädagogen als so genannte Kümmerer ein, die die Flächen betreuen, Kinder- und Jugendeinrichtungen informieren, Schnupperangebote machen und Aufklärungsarbeit leisten.

Das Projekt wird von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde wissenschaftlich begleitet, so dass im Rahmen der Beobachtung der einzelnen Pilotflächen hoffentlich umfangreiche Erkenntnisse zu Nutzergruppen, Nutzerverhalten, Anregungs- und Einwirkungsmöglichkeiten, zu notwendigem Betreuungs- und Kontrollbedarf sowie zur Pflege- und Entwicklung der Flächen gewonnen werden können.