Isabell Rausch-Jarolimek

Koordinierungsstelle Kinderrechte, Referentin Medien

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Interview mit unserem Social-Media-Team zur Facebook-Kampagne

Seit 9. November läuft die Online-Kampagne des Deutschen Kinderhilfswerkes #ErstDenkenDannPosten. Unser Social-Media-Team hat bereits unseren gesamten Kaffee-Vorrat aufgebraucht und arbeitet Tag und Nacht, um die vielen Fragen und Kommentare zur Kampagne zu sichten und zu beantworten. Nun konnten wir das Team für kurze Zeit von den Bildschirmen weglocken und haben nachgefragt, wie es eigentlich läuft. Mehr zur Kampagne auf www.facebook.de/dkhw.de und hier.

Seit zwei Wochen macht ihr euch mit eurer Facebook-Kampagne für die Persönlichkeitsrechte von Kindern im Netz stark. Wie läuft es denn?

Gut läuft es! Wir sind ziemlich überwältigt. Durch die Berichterstattung im Fernsehen, Radio und in vielen Zeitungen und Onlineportalen kennen unglaublich viele Menschen unsere Kampagne. Und nach zehn Tagen hatten wir alleine auf Facebook mit unseren Postings schon rund drei Millionen Menschen erreicht!

Wie sind denn die Reaktionen im Netz?

Wie erwartet: Ganz unterschiedlich! Wir bekommen sehr viel Zuspruch und Unterstützung, aber genauso erhalten wir auch kritische Rückmeldungen. Aber die Unterstützung für unsere Kampagne überwiegt ganz deutlich. Wir versuchen, mit so vielen Menschen wie möglich in den Austausch zu gehen, Kommentare zu beantworten und die Kritik sehr ernst zu nehmen. Es ist nur wirklich viel, wir kommen kaum hinterher!

Gibt es denn Rückmeldungen, die immer wieder auftauchen?

Auf jeden Fall! Da sind zunächst die vielen zustimmenden Kommentare: Endlich wird das Problem breit bekannt gemacht verbunden mit der Hoffnung, dass die Kampagne bei möglichst vielen zu einem Nachdenken führt. Viele Leute stören sich aber zum Beispiel daran, dass wir einerseits dazu aufrufen, keine peinlichen Kinderfotos im Netz zu veröffentlichen, andererseits aber den Aufruf mit genau solchen Bildern illustrieren. Hier versuchen wir immer klar zu machen: Wir haben die Kinder auf unseren Bildern anonymisiert und sie tauchen auf unserer Seite ohne jeglichen Bezugspunkt auf. Wenn Eltern Fotos von ihren Kindern posten, dann gibt es so viele Bezugspunkte, um die Identität des Kindes zu klären – das ist nicht anonym und dadurch wird die Privatsphäre des Kindes verletzt. Wir wissen natürlich, dass unsere Bilder provozieren. Aber wir haben festgestellt: Erst durch diese Provokation erreichen wir wirklich viele Menschen und kommen ins Gespräch.

Was erhofft ihr euch von der Kampagne? Dass es keine Kinderbilder mehr im Internet gibt?

Um Himmels willen, nein! Kinder gehören zu unserer Gesellschaft, und sie müssen sichtbar sein! Und das auch im Internet. Ein Internet ohne Kinderbilder wäre langweilig und fatal. Uns ist wichtig, dass alle, die Kinderbilder ins Internet stellen, sich eben bewusst sind, dass sie hier eine Entscheidung mit vielen Folgen treffen. Welche Fotos im Internet landen, muss also sehr verantwortungsvoll entschieden werden. Wir glauben, viele Kinderbilder sind super für das Familienalbum, aber nicht fürs Internet, wo sie die ganze Welt im Zweifel sehen, speichern oder gar weiterverbreiten kann. Und dabei geht es uns bei weitem nicht nur um das Risiko, dass Kinderbilder für pädophile Zwecke missbraucht werden könnten, sondern um Fotos, die den Kindern später möglicherweise unangenehm oder gar peinlich sein könnten. Darum wollen wir nichts anderes, als dass die Leute, die Kinderfotos posten, kurz nachdenken: Würde ich so ein Foto von mir auch ins Netz stellen? Wer kann das Foto eigentlich sehen? Ist mein Kind damit einverstanden?

Müssen denn die Kinder einverstanden sein?

Ab 12 bis 14 Jahren (wenn das Kind juristisch gesehen eine „Einsichtsfähigkeit“ besitzt), so die aktuelle Rechtsprechung, muss das Kind zustimmen. Wir sagen: Aus Kinderrechte-Perspektive muss das Kind von Anfang an zustimmen – denn Kinder haben laut UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf Privatsphäre und auch darauf, beteiligt zu werden, wenn es um sie geht. Und das ist wesentlich früher möglich, als das die Gerichte sehen. Aber die Rechtsprechung mal ungeachtet: Es ist doch eine moralische Frage. Auch als Erwachsener möchte man gefragt werden, wenn Fotos von einem im Internet veröffentlicht werden. Gerade in einer Familie sollte es doch selbstverständlich sein, dass alle aufeinander Rücksicht nehmen.