Isabell Rausch-Jarolimek

Koordinierungsstelle Kinderrechte, Referentin Medien

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Hintergrundinformationen zu Medien und Medienkompetenz für kinder

Kinder und die Medien

Kennen Sie den SMS-Daumen? Oder die Handy-Schulter? Medien können manchmal Schaden anrichten, vor allem, wenn sie unbedarft genutzt werden, und zwar weitaus größeren als körperliche Wehwehchen. Doch in erster Linie machen Medien ungeheuren Spaß, sie informieren, verbinden Menschen miteinander und können Kreativität fördern. Kinder können sich ihnen genau so wenig entziehen wie Erwachsene. Und das sollen sie auch gar nicht. Im Gegenteil: Wer mit Medien umgehen kann, nimmt teil am gesellschaftlichen Leben!

Kinder nutzen Medien ganz eigenständig nach ihren jeweiligen Interessen und Bedürfnissen. Internet, Fernsehen, Handys, Radio und Spielekonsolen gehören zu ihrem Leben als selbstverständlicher Teil dazu. Insbesondere das Internet wird genutzt wie nie zuvor.

Laut der KIM-Studie 2012 nimmt für Kinder ab 12 Jahren die Bedeutung des Fernsehens ab und wird ersetzt durch das Internet. Auch das Smartphone, das das Internet zu einem omnipräsenten und jederzeit verfügbaren Begleiter macht, trägt seinen Anteil zu einer intensiveren Nutzung bei. Am häufigsten angeklickt wird die Social Media Plattform Facebook, gefolgt von der Videoplattform Youtube. Übrigens liegt das Einstiegsalter für das Internet bei acht Jahren.

Doch auch andere Medien zeigen eine starke Präsenz bei Kindern und Jugendlichen: 79 Prozent der Kinder in Deutschland sehen jeden Tag fern, 44 Prozent hören jeden Tag Musik und 32 Prozent nutzen täglich das Handy. Auch Bücher haben weiterhin Bestand. Ob diese jedoch auch dann noch gelesen werden, wenn das Internet bereits parallel genutzt wird, hängt viel von den Eltern ab. Im Elternhaus wird der Grundstein für das mediale Verhalten gelegt.

Ein kompetenter Zugang zu Medien

Eine kompetente Mediennutzung ist ein entscheidender Schlüssel, um an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen. Öffentliche Diskussionen, Nachrichten, soziales Miteinander, gesellschaftliche Entscheidungsprozesse… – um hier mitwirken, mitgestalten oder die persönliche Meinung zum Ausdruck bringen zu können, braucht es Kompetenz. Diese erfordert jedoch Fähigkeiten, die sich erst im Laufe der individuellen Entwicklung und abhängig vom sozialen Umfeld aufbauen.

Aus diesem Grund brauchen Kinder hier Eltern und Lehrkräfte, die sie beim Umgang mit Medien, insbesondere dem Internet, beraten und begleiten. Gerade das Internet birgt kinder- und jugendgefährdende Inhalte, vor denen Kinder und auch Jugendliche geschützt werden müssen. Wer Medien kritisch und bewusst nutzt und eigene Grenzen, Erwartungen und Fähigkeiten bei der Mediennutzung einschätzen kann, ist insgesamt für eine sichere Mediennutzung gerüstet.

Ein chancengerechter Zugang zu Medien

Die Kindheit ist eine eigenständige Lebensphase. Um ihr gerecht zu werden, braucht es unter anderem Medienangebote, die auf kindliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten ausgerichtet sind. Diese müssen für alle Kinder frei zugänglich bereitstehen, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Nur so kann eine digitale Kluft zwischen Kindern aus unterschiedlichen sozialen Milieus vermieden werden.

Gerade Kinder aus schwierigen finanziellen Verhältnissen haben hier das Nachsehen. Sie fühlen sich im Alltag oft benachteiligt und als Außenseiter – ein Gefühl, das sich auch online fortsetzt. Die Studie „Theoretische Fundierung und Fallbeispiel sozial benachteiligter Kinder“ der beiden Autorinnen Ingrid Paus-Hasebrink und Michelle Bichler ergab, dass Kinder aus armen Familien Medien anders nutzen als Gleichaltrige aus sozial besser gestellten Familien.

Sie schauen beispielsweise mehr und anders fern. Hoch im Kurs stehen dabei Zeichentrickserien wie Pokemon oder Dragonball Z, während bei sozial bessergestellten Familien Sendungen der öffentlich-rechtliche dominieren, wie beispielsweise die Sendung mit der Maus oder das Programm des Kinderkanals KIKA. Die Dauer des täglichen TV-Konsums liegt in finanziell benachteiligten Familien oft höher als in anderen, da Fernsehen eine meist günstigere Freizeitbeschäftigung als andere Hobbys darstellt, die in vielen Fällen nicht erschwinglich sind.

Wie die Studie weiterhin zeigt, wird die Medienerziehung in benachteiligten Familien oft vernachlässigt, meist aus Überforderung in einem ohnehin schwer zu bewältigendem Alltag. Zudem werden die Kinder mit zunehmendem Alter häufiger allein gelassen. Insbesondere allein Erziehenden fehlt oft die Zeit, ihre Kinder beim Medienumgang zu unterstützen und sich selbst damit auseinanderzusetzen.

Das hat zur Folge, dass in einer wichtigen und prägenden Entwicklungsphase Medien einen herausragenden Stellenwert einnehmen. Hier sind insbesondere Bildungsinstitutionen bei der Begleitung in digitale und mediale Sphären gefordert, um Ungleichheiten zu kompensieren.

Ein frühkindlicher Zugang zu Medien

Wie wir heutzutage wissen, ist die Lern- und Aufnahmefähigkeit von Kindern im Vorschul-Alter besonders hoch. Kinder dieses Alters wollen lernen, ausprobieren und experimentieren, sind von sich aus neugierig und wissbegierig. Nie wieder lernen Menschen so viel und mit so großem Spaß wie in den ersten Lebensjahren. Eine gute Bildung kann außerdem schon für kleine Kinder herkunftsbedingte und soziale Unterschiede am besten ausgleichen.

Doch einheitliche Qualitätsstandards in frühkindlichen Bildungseinrichtungen in Deutschland gibt es nicht. Das Bildungssystem unterscheidet sich in den einzelnen Bundesländern – damit hängen die Bildungschancen von Kindern davon ab, wo sie zufällig wohnen. Lehrkräfte nutzen Medien im Unterricht zwar mehr als in den letzten Jahren, jedoch weniger nach Plan denn eher spontan und in Bezug zum jeweiligen Unterricht. Es zeigen sich auch deutliche Unterschiede zwischen den Schulformen und sogar Fächern.

Sowohl in den Kindertageseinrichtungen als auch in der Schule muss es zu einer deutlichen Verbesserung der Qualifizierung des Personals kommen. Dazu gehört auch die Kompetenz, vorhandene Defizite wie Fähigkeiten und Talente von Kindern zu erkennen sowie Kinder an den Prozessen miteinzubeziehen und zu beteiligen. Um auf die spezifischen Bedürfnisse von Kindern eingehen zu können, sind auch räumliche und zeitliche Ressourcen erforderlich.

Wichtige Begleiterin im 21. Jahrhundert

Medienkompetenz war schon immer eine wichtige Begleiterin im Leben. Doch noch nie hat sie eine so bedeutende Rolle gespielt wie im 21. Jahrhundert – in einer Welt, die aus Online- und Offline-Realitäten besteht, zusammengewachsen zu einem riesigen Medienuniversum. Es braucht mehr denn je verständiges Bewusstsein, kritisches Urteilsvermögen und Kompetenz, das uns und besonders Kindern hilft, unser Leben in der Medialität zu gestalten.

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