Uwe Kamp

Pressesprecher

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Unterschiedliche Startbedingungen und Zukunftschancen ausgleichen

Verbände fordern einheitliche Qualitätsstandards für Kitas

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert anlässlich der Vorstellung des Zwischenberichts von Bund, Ländern und Kommunen zur Kita-Qualität zusammen mit 15 Verbänden und Nichtregierungsorganisationen in einem gemeinsamen Aufruf die Einführung bundeseinheitlicher Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen. In ihrem Aufruf begrüßen die Unterzeichner den von Bund und Ländern eingeschlagenen Weg zur Verbesserung der Qualität in Kitas und Kindertagespflege, und gehen davon aus, dass nunmehr konkrete Umsetzungsschritte erarbeitet werden. Neben dem Deutschen Kinderhilfswerk haben u.a. der Deutsche Familienverband, der Familienbund der Katholiken, die evangelische arbeitsgemeinschaft familie, die Arbeiterwohlfahrt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft den Aufruf unterzeichnet.

„Wir können unsere deutschlandweite Arbeit für Kinder nur dank unserer Vereinsmitglieder, zahlreicher Einzelspenderinnen und -spender und Fördererinnen und Förder durchführen. Es ist Grundlage unserer Arbeit, umfassend offen zu legen, wofür wir die uns anvertrauten Mittel verwenden.“

„Trotz der leichten Verbesserungen in den letzten Jahren sind wir beim Personalschlüssel noch immer weit von den wissenschaftlich empfohlenen Standards entfernt. Um die Qualität in Kitas zu steigern, spricht sich das Deutsche Kinderhilfswerk für ein Investitionsprogramm in Höhe von fünf Milliarden Euro jährlich für die nächsten Jahre aus. Aber auch die Mitbestimmung von Kindern in Kindertageseinrichtungen sollte als Qualitätsfaktor ins Zentrum der Arbeit rücken. So können die Potentiale der Kinder besser gefördert und wichtige Akzente in der der Demokratieförderung gesetzt werden. Denn wer die Vorteile von Beteiligung früh kennen lernt, beteiligt sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch im späteren Lebensverlauf an demokratischen Prozessen.“

Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes

Wörtlich heißt es im Aufruf der 16 Verbände:
Eine hohe Qualität der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung zahlt sich nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Gesellschaft aus, da eine gute frühkindliche Bildung und Erziehung unterschiedliche Startbedingungen und Zukunftschancen wirksam ausgleichen kann. Sie trägt dazu bei, Bildungsnachteile abzubauen, Armut zu überwinden und Lebensverläufe wirtschaftlich und sozial zu stabilisieren. So ist insgesamt zu begrüßen, dass die Politik auf die wachsende Nachfrage nach Betreuungsplätzen reagiert und den Ausbau von Kitas und Kindertagespflege gezielt vorangetrieben hat. Nun gilt es, auch die Weiterentwicklung der Qualität in der öffentlichen Diskussion und der Politik voranzutreiben. Nur so kann dem Grundsatz entsprochen werden, dass jedes Kind ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit hat.

Politische Anstrengungen, finanzielle Mehrausgaben und bereichsübergreifende Zusammenarbeit

Für die dringend erforderliche Verbesserung der Qualität in der Kindertagesbetreuung braucht es eine große politische Anstrengung sowie erhebliche Mehrausgaben, für die Bund, Länder und Kommunen gemeinsame Verantwortung tragen. Es braucht aber auch die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und freien Trägern, Gewerkschaften, Verbänden und Elternvertreter/innen, die den Prozess begleiten. Um überall in Deutschland eine hohe Betreuungsqualität sicherzustellen, müssen verbindliche, bundesweit einheitliche und wissenschaftlich fundierte Standards eingeführt werden.

Diese Standards müssen folgende Qualitätsaspekte thematisieren:

  • Zugang zu Kitas: Öffnungs- und Schließzeiten, Ganztagsangebote und Kosten für die Familien
  • Qualifikation der Fachkräfte einschließlich bundeseinheitlicher Regelungen zur Ausbildung
  • Fachkraft-Kind-Relation und Gruppengröße: Fachkraft-Kind-Relation für pädagogisch qualifizierte Fachkräfte sowie Festlegung einer maximalen Gruppengröße entsprechend den Bedürfnissen und des Alters der Kinder
  • Leitlinien der pädagogischen Arbeit unter Berücksichtigung der in der UN-Kinderrechtskonvention normierten Kinderrechte, die z.B. durch das Recht auf Spiel, Bildung, Beteiligung und Selbstentfaltung einen inhaltlichen Rahmen setzen
  • Verantwortungsbewusste Erziehungs- und Bildungspartnerschaft: Verhältnis Kind, Eltern, Fachkraft mit dem Kindeswohl im Zentrum

Dauerhafte Qualitätssicherung und –weiterentwicklung: Bundes- bzw. länderspezifisches Monitoring sowie Sicherung der organisatorischen Rahmenbedingungen für Qualitätsentwicklung

Hier können Sie sich den Aufruf mit allen Unterzeichnenden herunterladen:
Zum Aufruf "Einheitliche Qualitätsstandards für Kitas"