Linda Zaiane

Referentin Kinderrechte

030 - 308693-66
Eine Aktion des Kinder- und Jugendbeirats

"Wir waren zwei Jahre unterwegs, auch zu Fuß."

Gespräche mit Kindern, die flüchten mussten

Die Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirates des Deutschen Kinderhilfswerkes Natascha, Tim und Irma haben mit den geflüchteten Kindern Dunja und Tamina sowie Amadou gesprochen und ihnen viele Fragen gestellt. Alle drei mussten aus ihrer Heimat flüchten, weil die Situation in ihrem Land lebensbedrohlich wurde.

Interview mit Dunja und Tamina*, geführt von Natascha und Tim

Wie alt seid ihr?
Beide: 10 Jahre

Aus welchem Land kommt ihr?
Beide: Aus Afghanistan

Seid wann seid ihr in Deutschland?
Beide: Seit 10 Monaten

Wie viele Geschwister habt ihr?
Dunja: Zwei Brüder, sie sind 12 und 14 Jahre.
Tamina: Eine Schwester, sie ist sechs Jahre.

Warum seid ihr nach Deutschland gekommen?
Beide: Weil in unserem Land Krieg ist.

Wie seid ihr hier her gekommen?
Dunja: Wir sind mit dem Rucksack zwei Monate gelaufen, mit Handy und per GPS, haben manchmal nur eine Stunde geschlafen. Es war sehr anstrengend. Wir hatten nur einen Rucksack mit Kleidung dabei.
Tamina: Wir waren zwei Jahre unterwegs, auch zu Fuß. Wir haben immer wieder in anderen Ländern gewohnt.

Wie und wo war eure Ankunft?
Beide: Wir sind in Augsburg angekommen. In einem schwarzen Bus wurden wir abgeholt und dann zur Polizei gefahren. Die Leute waren nicht sehr freundlich. Es wurden Fingerabdrücke gemacht.

Möchtet ihr irgendwann wieder zurück nach Afghanistan?
Beide: Nein!

Wo und wie wohnt ihr?
Beide: In einem Flüchtlingsheim in Holzgerlingen, wir haben ein Zimmer für die ganze Familie.

Arbeiten eure Eltern?
Dunja: Nein, sie würden aber gerne.
Tamina: Meine Mutter hilft in einem Kindergarten mit, bekommt aber kein Geld dafür.

Was haben eure Eltern in Afghanistan gearbeitet?
Dunja: Meine Mutter war Lehrerin, mein Vater Mechaniker.
Tamina: Meine Mutter arbeitete in einem Kindergarten, mein Vater hat Haushaltswaren verkauft.

Wie gefällt es euch in der Schule?
Beide: Sehr gut. Das Klettergerüst ist toll und die Lehrer sind sehr nett.

Was sind eure Lieblingsfächer?
Beide: Sport, Mathe und MNK (Mensch, Natur und Kultur, Anm. d. Redaktion)

Warum sprecht ihr schon so gut Deutsch?
Beide: Weil wir jeden Tag von 8-10 Uhr Deutschunterricht haben, danach nehmen wir am normalen Unterricht teil. Unsere Eltern haben nur eine Stunde in der Woche Deutschunterricht.

Habt Ihr vor etwas Angst in Deutschland?
Beide: Ja, vor den vielen Hunden.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Beide: Dass wir mittags Sport machen können, dass unsere Eltern arbeiten können und wir wieder genügend Geld haben.

Der Kinder- und Jugendbeirat

Der Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes besteht aktuell aus zehn Mädchen und Jungen, die die Arbeit des Deutschen Kinderhilfswerkes unterstützen, eigene Aktionen durchführen und beratend tätig sind. Die Interviews mit Flüchtlingskindern entstanden anlässlich des Weltkindertages 2015.

Interview mit Amadou*, geführt von Irma

Wo kommst du her?
Ich komme aus Guinea.

Warum musstest du aus deinem Heimatland fliehen?
Erst wurde mein Vater ermordet, da er wollte, dass ein fula-stämmiger Präsident wird. Meine Mutter wollte herausfinden wer ihn umgebracht hat und wurde dann auch ermordet.

Wie bist du hierher gekommen?
Ein Mann hat mich und meinen Bruder aus unserer Wohnung geholt und in ein Flugzeug nach Paris gesetzt. Dort hat uns dann ein Freund von ihm abgeholt und mit dem Auto nach Berlin gefahren. Wir haben eine Nacht bei ihm geschlafen und wurden dann zu einer Flüchtlingsunterkunft gebracht.

Wie alt bist du?
Ich bin 15 Jahre alt.

Ist jemand mit dir hierher gekommen?
Mein jüngerer Bruder ist mitgekommen.

Hast du etwas auf deiner Flucht mitgenommen?
Ja, ich habe meine Lieblingsuhr und mein Handy dabei gehabt.

Wie fühlst du dich hier in Deutschland?
Ich fühle mich zwar sicherer, aber jetzt gibt es ganz andere Lebenssituationen und neue Regeln an die ich mich halten muss. ?

Ist es hier anders, als in Guinea?
Eigentlich nicht sehr. In Guinea hatten wir eine große Wohnung und waren nicht arm. Außerdem waren wir angesehen, weil mein Vater gute Kontakte in der Regierung hatte. Zu Hause haben wir Fula gelernt und in der Schule wurde mit uns nur Französisch geredet, das ist hier eher nicht so.

Welche Sprachen kannst du sprechen?
Ich kann Fula, französisch, englisch, deutsch und noch ein paar andere kleine Sprachen, mit denen ich mich mit meinen Freunden unterhalten habe.

Hast du noch Kontakte nach Guinea?
Ja, ich skype oder schreibe manchmal mit Freunden.

Hast du einen Traum?
Ich bin sehr gut in Fußball und mein größter Traum ist es, Profifußballer zu werden.

Denkst du, er kann verwirklicht werden?
Das glaube ich nicht, weil ich ein Flüchtling bin, nicht aus Deutschland komme und eine andere Hautfarbe habe.

Findest du es gut einen Vormund zu haben?
Ja, das ist sehr gut, weil ich auch jemanden habe, der außen steht und woanders wohnt, sodass ich auch mal durch einen anderen Teil der Stadt gehe und andere Menschen kennenlerne.

Weißt du über deine Rechte bescheid?
Nein, wir wurden nie aufgeklärt.

Würdest du wieder nach Guinea ziehen?
Das weiß ich noch nicht.

"Wir wünschen euch viel Kraft und einen guten Start in Deutschland!" Familie W.

"Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ist, alles zu verlieren und alle zu verlassen. Ich bewundere euch für euren Mut. Eure Nicola"

"Das war ein ein ganz toller Auftritt gerade von euch! Wir hoffen, dass es euch bei uns gefällt!" Sophia und Miri

"Ich hoffe, dass ihr hier nette Leute kennenlernt und nette Lehrer bekommt!" Dominik

"Bleibt stark!" Ohne Name

"Meine Oma ist früher auch geflohen und hat eine Weile in Argentinien gelebt. Ich bin froh, dass ich nicht fliehen muss." Ohne Name

Zitate der Postkarten-Aktion des Kinder- und Jugendbeirats auf dem Weltkindertagsfest, bei der Besucherinnen und Besucher aufgefordert waren, ihre Wünsche an geflüchtete Kinder auf Postkarten zu schreiben. Die Postkarten wurden an Flüchtlingskinder übergeben.

Helfen Sie Flüchtlingskindern!

Ihre Spende hilft geflüchteten Kindern, zum Beispiel mit medizinischer Versorgung, Bildungsmaterialien, Rechtsbeistand, Hygieneartikeln aber auch Spiel- und Kulturangebote für Momente einer unbeschwerten Kindheit! Jeder Euro zählt!

Jetzt helfen

* Namen von der Redaktion geändert.

Das könnte sie auch interessieren