Persönliche Positionen zu kinderrechtlichen Belangen

Unsere Stimme für Kinder in Deutschland

Jeden zweiten Montag äußern sich Menschen, die für das Deutsche Kinderhilfswerk arbeiten, zu einem kinderrechtlichen Thema aus ihrer ganz persönlichen Perspektive.

Kinderrechte als Grundrechte ins Grundgesetz

11.01.2016

Es ist unbestritten: Kinder brauchen bestmögliche Förderung, sie brauchen Schutz und Fürsorge, sie wollen und sie müssen an der demokratischen Gestaltung unseres Landes beteiligt werden. Bleibt die Frage, warum diese Rechte nicht im Grundgesetz aufgenommen werden. Denn seit mehr als 20 Jahren ist die UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland geltendes Recht, doch vollständig umgesetzt ist sie bis heute nicht. Für mich wird dies besonders deutlich, wenn über Generationen hinweg bildungsbedingte Benachteiligung reproduziert wird, insbesondere bei Kindern aus armen Familien oder mit Migrationshintergrund – durch die Missachtung des Kinderrechtes auf individuelle Förderung. Mit Kinderrechten im Grundgesetz wären Staat und Eltern stärker in der Verantwortung, das Kindeswohl vorrangig zu behandeln. Sie wären sogar einklagbar. Zudem würde ein deutliches Signal an die gesamte Gesellschaft gesendet, Kinder als eigenständige Persönlichkeiten und Partner zu achten, zu beteiligen und die Kinderrechte aktiv zu leben. Für mich steht fest: Das, was das Beste für die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft ist, muss stärker im Vordergrund stehen. Die Kinderrechte im Grundgesetz würden dies absichern. Dafür kämpfen wir seit vielen Jahren.

Thomas Krüger
Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes

Mein Beitrag für die Gesellschaft

25.01.2016

"Du machst ein Freiwilliges Soziales Jahr? Da bekommt man doch fast kein Geld, oder?“ Mit dieser Frage werde ich oft konfrontiert, wenn ich von meinem FSJ erzähle. Viele Jugendliche sehen wenige Vorteile in einem Freiwilligen Sozialen Jahr und konzentrieren sich lieber direkt auf ihre Karriereleiter oder wollen schnelles Geld verdienen. Sicherlich ist das Taschengeld eher schlecht als recht, aber trotzdem habe ich schon jetzt Erfahrungen gesammelt, die mit Geld nicht zu bezahlen sind. Ich bekomme tiefe Einblicke in die reale Arbeitswelt und es erfüllt mich, durch eine Organisation wie dem Deutschen Kinderhilfswerk, zumindest einen kleinen Beitrag zur Gesellschaftsförderung beizutragen. Außerdem kann ich mich ausprobieren und überlegen, wie ich mein berufliches Leben gestalten möchte. Ich lege Jedem, der nach der Schule noch keine Pläne für seine Zukunft hat, ans Herz, die Möglichkeit eines Freiwilligen Sozialen Jahres in Betracht zu ziehen. Für mich persönlich ist es eine gelungene Überleitung zum Studium und in die Arbeitswelt.

Oskar Mahlke
macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im Deutschen Kinderhilfswerk

Wir brauchen ein bundesweites Programm gegen Kinderarmut

08.02.2016

Gitarre lernen, einen Fotografiekurs belegen, Nachhilfe nehmen… Kinder aus von Armut betroffenen Familien haben selten dieselben Möglichkeiten wie Gleichaltrige aus finanziell besser gestellten Familien. Nach unseren Berechnungen sind derzeit rund 2,7 Millionen Kinder und Jugendliche von Armut betroffen. Ich bin verantwortlich für die Einzelfallhilfe des Deutschen Kinderhilfswerkes, mit der wir Familien in Not helfen. Die oft im Nachgang eintreffenden Dankeskarten der Betroffenen rühren mich zutiefst. Auch übergeben wir Erstklässlern kostenlose Schulranzen für einen gleichberechtigten Schulstart, da das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung dafür nicht ausreicht. Und wir fördern Ernährungsprojekte, in denen Kinder lernen, sich gesund zu ernähren. Doch es braucht mehr als einzelne Bausteine. Es braucht, unter anderem, ein bundesweites Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland, individuelle Förderprogramme und niedrigschwellige Mitbestimmungsmöglichkeiten für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Nur, wenn sich alle gemeinsam einsetzen, können wir gleiche Bildungs- und Entwicklungschancen für alle Kinder ermöglichen!

Claudia Keul
Referentin für Kinderarmut

Kinderrechte in der Kita

22.02.2016

Nachweislich lernen Kinder nie wieder so leicht und mit so viel Freude wie im Kindergartenalter. In der Kita können Kinder erste, altersgerechte Formen der demokratischen Mitbestimmung erlernen. Und vor allem können sie sich mit den Kinderrechten auseinandersetzen. Dies ist in meinen Augen essentiell, denn nur wer seine Rechte kennt, kann sich auch für diese einsetzen. Darüber hinaus trägt die Beschäftigung mit den eigenen Rechten zur Ich-Stärkung des Kindes bei. Wir haben aus diesem Grund ein riesiges Kinderrechte-Wimmelbild für den frühkindlichen Bildungsbereich entworfen. Dieses Plakat macht das Thema Kinderrechte bereits für die Jüngsten spielerisch erfahrbar und thematisiert ihre Bedeutung in konkreten Alltagssituationen. Es regt zum Lachen und Grübeln an, zum sich sorgen und zum Finden von Lösungen. Mit dem Plakat möchten wir schon in Kindertageseinrichtungen einen Grundstein legen, damit die Kinderrechte im späteren Lebensverlauf besser erkannt und sich für ihre Umsetzung stark gemachen werden kann. Zudem werden durch die Plakate Fachkräfte und Eltern stärker für das Thema Kinderrechte sensibilisiert. Ich freue mich, mit diesem kreativen und neugierig-machenden Wimmelplakat den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft einen Schritt hin zu einem selbstbewussten Umgang mit ihren Rechten zu ermöglichen.

Kai Hanke
Leiter der Programmabteilung

Tue Gutes und rede darüber

07.03.2016

Dass unsere Arbeit überhaupt erst möglich ist, verdanken wir zu einem großen Teil unseren privaten Spenderinnen und Spendern aber auch der Unterstützung von Partnern aus der Wirtschaft. Ich habe in den letzten Jahren beobachtet – wie Sie sicherlich auch –, dass es für Unternehmen nicht mehr ausreicht, gute Produkte oder Dienstleitungen anzubieten. Auch das Übernehmen von gesellschaftlicher Verantwortung ist zu einem festen Bestandteil von Unternehmenskultur geworden. Die Unternehmen, die Kinder durch das Deutsche Kinderhilfswerk fördern und unterstützen, profitieren von einem positiven Image. Kunden, Geschäftspartner und insbesondere Mitarbeiter/innen, die hierbei eingebunden werden, fühlen sich nicht nur der guten Sache verbunden, sondern auch mit dem Unternehmen. Für uns im Fundraising bedeutet das, dass wir Unternehmen bei den vielfältigen Varianten des Engagements individuell beraten und unterstützen. Nur so gelingt eine gute Zusammenarbeit. Und wer weiß: Wenn nur eines der so geförderten Kinder sich zu einem aktiven Mitglied der Gesellschaft und vielleicht auch später zu einer sozial engagierten Mitarbeiterin oder einem sozial engagierten Mitarbeiter eines Unternehmens entwickelt, haben wir viel gewonnen.

Catrin Thiem
Fundraiserin im Deutschen Kinderhilfswerk

Kinder und Jugendliche – beteiligt euch!

21. 03.2016

Ob im Sportverein, in Clubs oder in sonstigen Organisationen – Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist wichtig, sowohl für uns junge Leute als auch für das Allgemeinwohl. Die Gestaltung der Freizeit spielt dabei eine große Rolle: Man wird schnell von den modernen Medien zum Zuhause bleiben verlockt und zeigt seine Interessen nur noch über Facebook-Likes. Ich kenne das aus dem Freundeskreis. Aber durch gemeinsames Handeln und Mitgestalten des Alltags wird generationsübergreifende Teamfähigkeit und Lebensqualität gesteigert. Kinder und Jugendliche bringen wichtige Kompetenzen, wie Kreativität, Phantasie und Spontaneität in das Gemeinschaftsleben mit. Ich persönlich habe mich entschieden, im Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes mitzumachen, weil ich großen Wert auf die Mitbestimmung im Alltag und der Politik sowie auf außerschulisches Engagement lege. Auch die Politik kann von uns mitgestaltet werden. Dabei wird uns Demokratie schon früh vermittelt und gleichzeitig lernen Politiker die Visionen junger Menschen kennen. Es gibt viele Bereiche, in denen wir uns integrieren können - denn „Auf die Kinder kommt es an!"

Paul Grünzner, 17 Jahre
Mitglied des Kinder- und Jugendbeirates

Flüchtlingskinder sind in erster Linie Kinder

04.04.2016

Flüchtlingskinder brauchen speziellen Schutz und besondere Fürsorge. Wir werden deshalb insbesondere dann weiterhin unsere Stimme erheben, wenn die politische Debatte auf den Abbau ihrer Rechte zielt, politische Parteien rassistische Parolen hoffähig machen und Hasstiraden in Sozialen Medien verbreitet werden. Die hohe Bereitschaft der Bevölkerung, die sich für Flüchtlingskinder in Deutschland engagiert, ist dabei für uns handlungsleitend. Denn eine von uns in Auftrag gegebene Umfrage hat gezeigt: Rund zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland fordert eine Verbesserung der rechtlichen Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland. Nur ein knappes Drittel war hingegen der Auffassung, man könne Flüchtlingskindern nicht sofort die gleichen Rechte und Möglichkeiten einräumen (infratest dimap, 2015). Auch aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit einer Initiative in Berlin begonnen, ein Patenschaftsmodell aufzubauen, bei dem insbesondere geflüchtete Kinder beim Spracherwerb unterstützt und an Freizeitangebote in ihrer Umgebung herangeführt werden. Dieses Projekt unter dem Namen "Huckepack" hilft geflüchteten Kindern, sich schnell einzugewöhnen und gut zu integrieren.

Holger Hofmann
Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes

Unterstützung für Alleinerziehende

25.04.2016

Ich finde, in einem reichen Land wie Deutschland darf es keine Kinderarmut geben. Rund 2,7 Millionen Kinder in Deutschland sind von Armut betroffen. Die Hälfte von ihnen wächst bei Alleinerziehenden auf. Da ich selbst aus einer alleinerziehenden Familie komme, weiß ich, wie schwer es für die meisten Mütter ist, gleichzeitig zu arbeiten und die Kinder allein großzuziehen. In meiner Tätigkeit als Referentin für Kinderpolitik setze ich mich dafür ein, dass der Staat Alleinerziehende und ihre Kinder besser unterstützt: zum Beispiel durch eine Anhebung der Regelsätze, eine Ausweitung des Unterhaltsvorschusses und eine Reform des Kinderzuschlags. Daneben braucht es gute und möglichst flexible Bildungseinrichtungen von der Kita bis hin zur Ganztagsschule. Mir ist es wichtig, dass Kinderarmut nicht einseitig aus einer Perspektive betrachtet wird. Um allen Kindern gleiche Teilhabechancen zu ermöglichen, braucht es mehr als nur eine föderale Ebene, nur ein Politikfeld oder ein Ressort, sondern vereinte Kräfte. Deswegen plädieren wir für einen Bundesweiten Aktionsplan, der mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet ist und alle gesellschaftlichen Handlungsfelder umfasst.

Nina Ohlmeier
Referentin Kinderpolitik

Bleibendes schaffen 

02.05.2016

Mit 38 Jahren beschäftigen sich wohl die wenigsten Menschen mit der Frage, was einmal nach dem eigenen Ende passieren soll. Auch ich habe das Thema gemieden. Bis mein Kind zur Welt kam, das in mir den Wunsch auslöste, alles zu seinem Wohl geregelt zu haben. Meine Arbeit im Deutschen Kinderhilfswerk hat diesen Prozess noch gefördert: Hier kontaktieren mich Menschen, die mit ihrem Testament etwas Gutes für Kinder hinterlassen und so ihre Werte weitertragen möchten. Das finde ich jedes Mal auf ein Neues ermutigend und motivierend. Dabei steht für mich das Helfen im Vordergrund: Jeder Mensch hat seine individuellen Interessen und Wertevorstellungen und genau diese sollten die Leitlinie für das eigene Helfen bilden. Wem beispielsweise das Überleben der Kegelrobbe oder die Forschung zu Krankheiten besonders am Herzen liegt, sollte sich unbedingt dafür einsetzen. Das Schöne dabei: Wer hilft – unabhängig für welchen Zweck – wird nicht nur die Welt ein kleines bisschen besser machen sondern auch inspirierend auf andere Menschen wirken.

Milena Feingold
Beratung Erbschaften & Öffentlichkeitsarbeit

Spielen ist keine Spielerei!

16.05.2016

Wenn ich Kinder bei uns in Berlin spielen sehe – auf dem Gehweg vor dem Haus, in der Fußgängerzone oder auch auf einem Marktplatz – weiß ich, dass wir unserer Mission ein wenig näher gekommen sind: Eine kinderfreundliche Stadt, die aktiv von Kindern mitgestaltet wird und die an allen Ecken und Enden bespielbar ist. Das gilt auch für Jugendliche. Sie brauchen innerstädtische Räume, um sich treffen zu können und nicht mit der Skatebahn an den Stadtrand verdrängt zu werden. Spielen ist ein elementares Kinderrecht und gehört zum gesunden Aufwachsen dazu. Nur so entwickeln Kinder ihre sozialen, motorischen und kognitiven Kompetenzen und reifen – auch zum Trotz widriger Umstände – zu eigenständigen Persönlichkeiten heran. Dazu gehört auch genügend freie Zeit, um am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen. Kinder sollen einfach jederzeit und überall spielen und sich bewegen können – und das auch dürfen. Übrigens erinnern wir jedes Jahr mit dem Weltspieltag am 28. Mai daran, indem wir zu Spielaktionen aufrufen und diese koordinieren. Das ist für mich persönlich jedes Jahr auf´s neue ein Highlight in meiner Arbeit.

Claudia Neumann
Referentin Spiel und Bewegung

Ein Netzwerk für Kinder 

30.05.2016

Think global, act local – unter diesem Motto wurden in Deutschland in den letzten Jahren 33 Kontaktstellen gegründet. Von den Sportpiraten in Flensburg bis zur Spiellandschaft Stadt in München, vom Kinderbüro triki in Trier bis zur Kindervereinigung in Frankfurt (Oder), so verschiedenartig sind die Kontaktstellen in Deutschland aufgestellt. Doch alle eint ein Ziel: die Arbeit des Deutschen Kinderhilfswerkes vor Ort zu unterstützen. Als verantwortlicher Regionaler Koordinator ist es mir wichtig, die Stärken der Kontaktstellen mit dem Ziel zu nutzen, das Deutsche Kinderhilfswerk bekannter zu machen und im Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland zu unterstützen. So entstand in den letzten Jahren ein lokales Netzwerk, das sich in diesem Jahr auf vier Regionaltreffen zum Thema Spielraum verständigt und im Herbst 2017 einen Kinderkulturkongress plant, der von Kindern vorbereitet und durchgeführt wird. In Zeiten der sozialen Medien ist mir der persönliche Kontakt weiterhin wichtig, denn in der Begegnung mit anderen Menschen können neue Ideen entstehen, wie gemeinsam gelingen kann, Deutschland kinderfreundlicher zu gestalten. 

Michael Kruse
Regionaler Koordinator

Wieder aufstehen können

13.06.2016

Wichtig ist, dass Kinder (auch) durch den Sport das Miteinander lernen – Teil einer Gruppe zu sein, mit Regeln, Fairness und Toleranz. Dass sie lernen, Siege zu feiern und sich von Niederlagen nicht entmutigen zu lassen. Kinder entdecken schon ihre Neigung, man muss sie nur lassen und unterstützen. Ich selbst habe durch den Sport enorm viel über mich gelernt. Zum Beispiel, was es bedeutet, ein Ziel erreichen zu wollen und wie wichtig es ist, „auch wieder aufzustehen“. Elementar ist, schon Kindern klar zu machen, wo Gewalt anfängt; dass Gewalt niemals ein legitimes Mittel sein darf, eigene Interessen durchzusetzen. Mädchen müssen angstfrei zu selbstbewussten und selbstbestimmten Frauen heranwachsen können. Und Jungen müssen wissen, dass sie immer etwas "wert sind" und dass sie sich nicht über gewalttätige Dominanz definieren müssen.

Regina Halmich
Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes

Die Kinderrechte gelten auch für geflüchtete Kinder

27.06.2016

Für Flüchtlingskinder, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, gelten die Kinderrechte genau so wie für alle anderen Kinder in Deutschland. Meine tägliche Arbeit zeigt mir jedoch, dass wir weit davon entfernt sind. Um nur einige Beispiele zu nennen: Es fehlen Schutzstandards in Gemeinschaftsunterkünften, es gibt nur eingeschränkte Zugänge zu Gesundheitsversorgung und Bildung sowie zu wenig Unterstützung bei der Integration und die Trennung von Familien ist eine unmessbare seelische Belastung. Deshalb unterstützen wir ehrenamtliche Initiativen, haben weit über 1.000 Schulranzen für einen gleichberechtigten Bildungsstart verteilt oder initiieren Patenschaften mit unserem Projekt HUCKEPACK. Die Beteiligung von Flüchtlingskindern ist mir ein besonderes Anliegen: Wir alle müssen sie von Anfang mitmachen lassen und mit ihnen besprechen, wo sie Hilfe brauchen. Wir müssen sie dabei unterstützen, ihr neues Leben in Deutschland selbst zu gestalten und gelingen zu lassen. Denn nicht zuletzt gilt: Nur so machen wir sie mit der demokratischen Idee vertraut, auf der unsere Gesellschaft aufbaut.

Sebastian Schiller
Fachbereich Jugendbeteiligung und Kinderrechte

Das ist kindersache!

11.06.2016

Kinder sind von Natur aus neugierig. Da machen sie natürlich auch vor den neuen Medien nicht halt. Sie wollen wissen, was ihre Eltern am Handy oder Tablet machen. Doch Eltern sind oft verunsichert und fragen sich, ob ihr Kind schon ins Internet gehen sollte. Als Medienpädagogin befürworte ich das – jedoch mit der Prämisse, das Kind beim Surfen zu begleiten. Ich kenne viele gute Webseiten für Kinder, die eigens für sie konzipiert wurden und genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Mit dem Informationsangebot von Google und Co. sind Kinder oft überfordert und außerdem stoßen sie dort oft auf nicht kindgerechte Inhalte. Mit eigenen Kinderwebseiten leistet das Deutsche Kinderhilfswerk einen wichtigen Beitrag zur Bildung von Medienkompetenz: Auf www.kindersache.de informieren wir Kinder über ihre Rechte und aktuelle Geschehnisse und bereiten schwierige Themen kindgerecht auf. Und auf der Videoplattform www.juki.de können Kinder im geschützten Raum ihre eigenen Videos hochladen und sich darüber austauschen. Auf diese Weise können Kinder geschützt das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten in Ruhe ausprobieren und mitgestalten. 

Berit Schwetzke
Redakteurin der Kinderwebseiten www.kindersache.de und www.juki.de des Deutschen Kinderhilfswerkes

Ich will Kinder spielen hören

25.07.2016

Ich hatte eine super Kindheit. Baumhäuser bauen, auf der Straße Gummihoppse spielen, später Rollschuhfahren oder fangen spielen, BMX-Rad fahren... Es war alles dabei, was Kinder glücklich macht. Selbstverständlich ging es dabei auch mal lauter zu. Fangen kann man nun einmal nicht lautlos spielen! Vielleicht trübt mich meine Erinnerung, aber so weit ich weiß, hatten wir den Platz für all das und niemand störte sich an spielenden Kindern. Das erlebe ich heute anders. An öffentlichen Orten werden Kinder als Störfaktor wahrgenommen. Erwachsene ermahnen schon präventiv zur Ruhe, Freiflächen sind zubetoniert und Verkehrswege durch die Autodichte eine lebensgefährliche Gefahrenquelle. Dabei brauchen Kinder Platz und Bewegung, um zu spielen. Spielen und Bewegungen gehören zu den wichtigsten Entwicklungsfaktoren, sowohl für die geistige als auch für die motorische Entwicklung. Dort, wo Kinder gute Spielmöglichkeiten vorfinden, nutzen sie diese auch. Daher sehe ich es als unsere aller Aufgabe, Raum und gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen, damit Kinder frei spielen können - und zwar mit allem, was zu einem lebhaften Spiel dazugehört! 

Enie van de Meiklokjes
Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes

Wir brauchen dringend eine Kindergrundsicherung

08.08.2016

Ich kenne die Diskussion um eine Kindergrundsicherung seit vielen Jahren und sie wird teils erbittert geführt. Spätestens wenn es um die Finanzierung einer solchen Grundsicherung geht, teilen sich die Fachpolitiker entlang der politischen Lager auf. Denn die üblichen Finanzierungsvorschläge, beispielsweise die Abschmelzung des Ehegattensplittings, sind hoch umstritten und betreffen teils die Kernklientel der jeweiligen Wählerschaft. Für mich persönlich genauso wie für uns als Kinderrechtsorganisation ist unsere Position klar: Wir brauchen dringend familienpolitische Initiativen – beispielsweise zur Erhöhung des Kinderzuschlags, des Kindergeldes, des Entlastungsbetrages für Alleinerziehende und der Hartz IV-Regelsätze für Kinder. All diese Leistungen sollten dann zu einer Kindergrundsicherung zusammengefasst werden. Nur so kann das menschlich und kinderrechtlich beschämende Problem der Kinderarmut in Deutschland angegangen werden – die Grundlage für ein gesundes, chancen- und kingerechtes Aufwachsen für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

Uwe Kamp
Pressesprecher des Deutschen Kinderhilfswerkes

Kultur für alle

22.08.2016

Jedes Kind hat ein Talent. Ich sehe es als unsere Aufgabe, als Erwachsene diese Talente zu erkennen und zu fördern. Denn: Kulturelle Bildung schafft gesellschaftliche Teilhabe. Für uns beim Deutschen Kinderhilfswerk ist kulturelle Bildung einer der wichtigsten Schlüssel, wenn es um Chancengerechtigkeit geht. Und auch ich persönlich sehe immer wieder, wie sich Kinder im kulturellen und kreativen Handeln ausprobieren, Neugier ausleben, Selbstwirksamkeit erfahren, ihren Interessen nachgehen und sie letztlich so Wege ausprobieren, an gesellschaftlichen Prozessen zu partizipieren. Dabei ist es für uns als Deutsches Kinderhilfswerk ganz wichtig, sich nicht nur auf den eher theoriebasierten Kunst- und Musikunterricht in den Schulen zu verlassen, sondern Kinder und Jugendliche dort abzuholen, wo ihr eigenes künstlerisches Schaffen im Mittelpunkt steht. Über unseren Fonds für Kinderkultur fördern wir deshalb Projekte und Initiativen, die sich genau das zur Aufgabe gemacht haben und somit Kinder und Jugendliche darin unterstützen, sich die Welt nach ihren Wünschen zu gestalten.

Luise Meergans
Referentin Kultur und Medien

Ein großer Tag für Kinder und uns alle

05.09.2016

Der Weltkindertag steht vor der Tür. Und wir stecken mitten in den Vorbereitungen für das bundeszentrale Weltkindertagsfest. Am 18. September – dem Sonntag vor dem offiziellen Weltkindertag – verwandeln wir den Berliner Potsdamer Platz in eine gigantische Spiel- und Kulturlandschaft. Es gibt jede Menge großartige, außergewöhnliche und sogar kostenlose Mitmachaktionen, auch dank der Unterstützung vieler Vereine und anderer Partner. Für verschiedene Altersgruppen ist etwas Tolles dabei. Zum Beispiel ein riesiger Humankicker, eine Strohhüpfburg, eine Kinderrechte-Rallye, Stockbrotbraten, ein buntes Bühnenprogramm… Meine Kollegen und ich freuen uns auf die kleinen und großen Gäste! Übrigens: Der Weltkindertag hat auch einen ganz wichtigen Hintergrund. Die Vereinten Nationen haben nämlich 1954 ihren Mitgliedsstaaten einen weltweiten Kindertag empfohlen. Damit sollte auf die Kinderrechte aufmerksam gemacht werden und die Regierungen sollten sich öffentlich zu ihnen bekennen. Da kann ich nur sagen: Wenn das nicht Grund genug ist, am 18. September mit uns in Berlin zu feiern. Besuchen Sie uns auf dem Potsdamer Platz!

Petra Dickhhoff
Veranstaltungsorganisatorin im Deutschen Kinderhilfswerk

Viel mehr als nur ein Schulweg!

19.09.2016

Für mich war es zu Schulzeiten ganz selbstverständlich zusammen mit meinem besten Freund eine halbe Stunde zu unserer Grundschule zu laufen. Das bot uns ausreichend Zeit, auf dem Weg Neues zu entdecken und gab uns das gute Gefühl, selbstständig den Schulweg meistern zu können. Wie stolz sie sind, den Schulweg allein bewältigt zu haben, höre ich auch immer wieder von teilnehmenden Kindern bei unseren jährlichen Aktionstagen "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten", die jedes Jahr nach den Sommerferien auf die Wichtigkeit eines selbstständig zurückgelegten Schul- und Kindergartenweges aufmerksam machen. Ich finde es erschreckend, dass Kinder, die täglich mit dem Auto gefahren werden, ihre Umgebung überhaupt nicht mehr mit allen Sinnen wahrnehmen. Dadurch bauen sie keine Bindung zu ihrem Viertel auf. Außerdem ist tägliche Bewegung unerlässlich für ein gesundes Aufwachsen und erleichtert Kindern das lange Stillsitzen im Schulalltag. Doch nicht nur Eltern müssen umdenken - auch Politik und Verwaltung sind gefordert, die nötigen Voraussetzungen für einen sicheren Straßenverkehr zu schaffen. Zu Fuß zur Schule oder zum Kindergarten zu laufen, trägt aus meiner Sicht ganz wesentlich dazu bei, dass Kinder zu selbstständigen Persönlichkeiten heranwachsen können.

Anna Volkmer
betreut die Aktionstage "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten"

Ein suchtfreies Leben – für die Kinder!

03.10.2017

Wenn ich als Kind anfing, eine Tafel Schokolade zu essen, konnte ich nach dem ersten Stück nicht mehr aufhören und aß die ganze Tafel auf. Ein ähnliches Suchtverhalten legte ich als Erwachsener an den Tag, dann allerdings mit Alkohol. Den Kampf gegen den Alkohol konnte ich nicht gewinnen, das merkte ich schließlich. Aber ich konnte den Verlockungen aus dem Weg gehen. Aus meiner eigenen Suchterfahrung heraus, die mich und alle Menschen um mich herum bis heute prägt, ist es mir ein besonderes Anliegen, Kinder von Anfang an von Suchtmitteln fernzuhalten. Dass öffentliche Räume sowie Autos und Wohnungen mit Kindern rauchfrei gehalten werden, gehört für mich ganz selbstverständlich dazu. Aber nicht nur. Es braucht vor allem gelebte Vorbilder, also Menschen, die Kindern und Jugendlichen zeigen, was Sucht anrichten kann und die ihnen helfen, durch Wertschätzung und Anerkennung, aber auch durch Aufzeigen von Grenzen, zu starken Persönlichkeiten heranzuwachsen. Auch ich tue mein Möglichstes dazu: Ich gehe in Schulen und Suchteinrichtungen, erzähle aus meinem Leben, lese aus meiner Biographie und stelle mich Fragen und Antworten von Betroffenen. Lassen Sie uns alle einen Teil zu einer suchtfreien Welt für Kinder beitragen!

Markus Majowski
Botschafter des Deutschen Kinderhilfswerkes

Begegnungen schaffen!

17.10.2016

Anfang 2016 haben wir uns als Deutsches Kinderhilfswerk auf völlig neues Terrain gewagt: Mit unserem Patenschaftsprojekt HUCKEPACK, das wir gemeinsam mit der gleichnamigen Initiative durchführen, stellen wir geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Berlin jeweils eine erwachsene Patin bzw. einen erwachsenen Paten an die Seite, die mit ihnen Ausflüge unternehmen, bei den Hausaufgaben helfen oder Deutsch üben. Meine Aufgabe ist es, Paten und Kinder je nach Interessen und Charakteren als bestmögliches „Match“ zusammenzubringen. Es macht mir unglaublich viel Freude zu sehen, wenn sich beide gut verstehen und nach ein paar Treffen eine vertrauensvolle Beziehung entsteht! So werden die Kinder dabei unterstützt, mit Herausforderungen im Alltag umzugehen und aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben. Auch für die Patinnen und Paten ist diese interkulturelle Begegnung bereichernd. Durch die Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur reflektieren sie auch die eigene. Das Wichtigste ist, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen und auch die Eltern miteinbezogen werden. Das trägt zu einer gelingenden Integration bei.

Christina Sieveking
Koordinatorin Patenschaften für Flüchtlingskinder

Wie aus einem Sechseck ein echter Helfer werden kann

31.10.2016

Ich bin seit vielen Jahren für unsere Spendendosen im Süden Deutschlands verantwortlich, die deutschlandweit in über 40.000 Geschäften zu finden sind, und überreiche in diesem Rahmen oft Schecks an von uns geförderte Projekte und Vereine. Im September zum Beispiel übergab ich 5.000 Euro an ein Projekt in Darmstadt, das gemeinsame Aktivitäten mit geflüchteten und einheimischen Kindern initiiert. Für die Veranstaltung der Scheckübergabe bereiteten Helfer des „Rotzfrechen Spielmobils“ und ich eine Hüpfburg für die Kinder vor. Beim Aufblasen des Spielgerätes kam mir der Gedanke, ob wohl eines der Kinder mit einem Schlauchboot über das Mittelmeer zu uns gekommen war? Welche Auswirkungen eine lebensgefährliche Reise auf einen jungen Menschen hat, der vor einem Krieg flüchten muss? Antworten habe ich freilich nicht, aber es tat gut zu sehen, wie einheimische und geflüchtete Kinder gemeinsam Spaß hatten und auf den von uns angeschafften kleinen Dreirädern herumflitzten. Mir wurde deutlich, wie wichtig unsere Spendendosen sind und ich bin froh, mit meiner Arbeit Kindern helfen zu können. Für mein Team und mich ist das der Ansporn, weitere Firmen zu gewinnen, die ebenfalls Sinnvolles leisten wollen und mit ihrer Bereitschaft unsere Spendendosen aufzustellen, dies deutlich zeigen.

Ralf Göttert
Spendendosen-Regionalbeauftragter

Damit Hilfe für Kinder nicht vom Zufall abhängt

14.11.2016

Es war vor genau zwei Jahren, dass ich im Winter einen Spaziergang mit meinem Hund gemacht habe. Ein kleiner Junge wollte meinen Dalmatiner streicheln. Er war im Pullover, aber ohne Jacke, Mütze und Handschuhe. Das hat mich damals sehr bewegt. Wie konnten die Eltern das Kind so vor die Tür lassen? Waren sie zu arm, um angemessene Winterkleidung für ihr Kind zu kaufen? Oder waren sie krank, überfordert oder gar drogenabhängig? Ich habe den Jungen kurz darauf wieder getroffen und ihm einen Schal, eine Mütze und Handschuhe mitgebracht. Aber meine Hilfe war nur Zufall. Es ist wichtig, dass diese Kinder Anlaufstellen wie z.B. Kinderhäuser haben, wo ihnen systematisch geholfen wird und Unterstützung keine Glückssache ist. Wir alle haben die Aufgabe, Kindern, denen es nicht gut geht, zu helfen. Auch die Unternehmen tragen eine starke Verantwortung. Sie profitieren sowohl von den Strukturen in Deutschland als auch von Familien, die bei ihnen kaufen. Sich gesellschaftlich zu engagieren und etwas zurückzugeben gehört da ganz selbstverständlich dazu. Und die Kunden freut das Engagement letztlich auch.

Sabine Immken
Unternehmenspartnerschaften und Kooperationen

Wenn Kinder anderen Menschen helfen

28.11.2016

Seit ich die Aktion KINDERCENT betreue, bei der Kindergruppen Geld für selbst gewählte soziale Projekte sammeln, sehe ich immer wieder, wie groß das Herz von Kindern ist. Sie haben tiefes Mitgefühl, insbesondere mit anderen Menschen, denen es schlechter ergeht, als ihnen selbst. Das Tolle daran: Sie haben die Energie das zu ändern! Mit viel Eigeninitiative informieren sie sich und entscheiden gemeinschaftlich, wem sie ihr gesammeltes Geld zur Verfügung stellen möchten. Oftmals sind es Kinderheime, Hospize oder Flüchtlingsunterkünfte, in denen auch Kinder leben. Wir Erwachsenen denken oft, dass Kinder vor schwierigen Themen geschützt werden müssen. Meine Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt jedoch, dass sie nicht wegschauen möchten. Ganz im Gegenteil: Kinder haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und wollen aktiv helfen, wenn sie sehen, dass es anderen Menschen schlecht geht. Davon können wir Erwachsenen nur lernen. Ich bin froh, mit KINDERCENT das soziale Engagement von Kindern zu unterstützen und sie um diese tolle Erfahrung bereichern zu können.

Elisa Bönisch
Leiterin des Projekts KINDERCENT

Vorfreude ist ein wichtiges Gut

12.12.2016

Fast alle Erwachsenen, die ich kenne, vermissen sie nicht und haben sie doch verloren – die kindliche Vorfreude auf Weihnachten. Wir Erwachsenen haben schon zahlreiche Weihnachtsfeste erlebt und verbringen die Vorweihnachtszeit oftmals mit Gedanken an die vielen Dinge, die bis zu den Feiertagen noch zu erledigen sind. Wir lassen uns von der Adventszeit beuteln, statt dass wir sie für eine vierwöchige gespannte Erwartung nutzen. Die erwachsene Sicht verstellt uns den Blick auf die schönen Dinge: Voller Neugier zu sein und vor Aufregung herumzuzappeln.
Es ist die Weisheit der Kinder, genau in diesem Moment zu spüren, dass es noch wahnsinnig lange dauert, bis das Christkind oder der Weihnachtsmann vor der Tür steht. Natürlich gibt es auch die vielen Kinder, für die die Vorweihnachtszeit kaum spaßiger ist als für uns Erwachsene. Weil sie ahnen, dass sie an Heiligabend kein Geschenk unter dem Baum finden werden. Zum Beispiel weil das Geld mal wieder nicht gereicht hat. Kinder ohne Vorfreude sollte es nicht geben. Der Kindernothilfefonds des Deutschen Kinderhilfswerkes setzt sich unter anderem auch für dieses kostbare kindliche Gefühl ein.

Daniela Feldkamp
Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit