Impuls

Wie gut, dass es Oma und Opa gibt

Ein Gastbeitrag des Online-Magazins Prinzip Apfelbaum

von Birgit Kummer

Nie zuvor waren sich Großeltern und Enkel so nah wie heute. Der Kontakt ist persönlicher, sie verstehen sich besser und verbringen mehr gemeinsame Zeit. Ganz nebenbei geben Oma und Opa auch die Werte weiter, die ihnen wichtig sind.

„Oma und Opa saßen auf dem Sofa.“ Der Kinderreim scheint ziemlich überholt. Das alte Stereotyp von den grauhaarigen Alten wurde abgelöst. Die neuen Großeltern sind jugendlich und aktiv. Das bestätigt auch die Psychologin Carolin Seilbeck. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Jugendinstitut und erforscht derzeit die generationenübergreifende Zeitverwendung von Großeltern, Eltern und Enkeln.

Seilbeck verweist auf die derzeitige demografische Entwicklung mit einer steigenden Lebenserwartung älterer Menschen. Das führe zu einem relativ jungen Phänomen: Heutige Großeltern können eine sehr lange Zeitspanne zusammen mit ihren Enkelkindern verbringen. „Noch vor der Mitte des 20. Jahrhunderts waren eigenständige, von der Elterngeneration losgelöste Großeltern-Enkel-Beziehungen eher die Ausnahme.“

Großeltern verbringen mehr Lebenszeit mit ihren Enkeln und achten mehr auf soziale Werte.

Können Familien dieses neue Potenzial der von den verschiedenen Generationen gemeinsam verbrachten Zeit nutzen? Sie können, betont die Wissenschaftlerin, „allerdings muss hierfür die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme ohne größeren Aufwand bestehen.“ Immer häufiger gestalten Großväter und Großmütter diese Beziehungen gezielt und aktiv, zeigt die Forschung. Die Großelternrolle werde zumeist positiv erlebt. „Verschiedene Studien zeigen, dass eine positive Großelternidentität sowie Nähe zwischen Großeltern und Enkeln zu Wohlbefinden und psychischer Gesundheit beitragen.“

Die Großeltern-Rolle annehmen und Bande knüpfen

Wie ist es, in die Großeltern-Rolle zu schlüpfen? Wie eine Welle, die langsam heranrollt, sich ausbreitet und festsetzt und nie wieder versickert. Das Band, das da entsteht, hat eine besondere Festigkeit.

Ulrich (69): „Meine beiden Enkel haben sehr viel Freude in mein Leben gebracht und meinen Blick auf die Welt verändert. Sie haben mich weicher gemacht. Es sind für mich die liebsten ‚Zwerge‘, die es gibt.“ Einmal wöchentlich ist er für die beiden Enkelsöhne zuständig. Regelmäßig zu Gast im Kindergarten zu sein, das war für den viel beschäftigten Mann früher undenkbar. Jetzt hat er sich sogar unter die „Lese-Opas“ begeben, liest einmal pro Woche im Kindergarten aus Kinderbüchern vor. Mit großem Vergnügen für beide Seiten.

„Mein Opa war Eisenbahner. Wenn andere Kinderbücher lasen, haben wir Fahrpläne studiert.“

Martin (70), der bis heute ein besonderes Verhältnis zur Bahn hat

Elena (62) erzählt: „Meine eigene Oma starb, als ich 14 war. Die Erinnerung an sie ist bis heute tief in meiner Seele. Wenn ich an sie denke, spüre ich Liebe und Geborgenheit. Bedingungslose Zuneigung. Großzügigkeit. Sie war ein grundehrlicher Mensch. Sie hatte Zeit und Verständnis, ließ mich machen und leitete mich unaufgeregt. Sie war Anker in der Zeit der Kindheit. Ich bin ihr bis heute unendlich dankbar.“

Die Oma, Jahrgang 1907, habe ein hartes und entbehrungsreiches Leben gelebt. „Sie hat schreckliche Erfahrungen während des Krieges gemacht, 1945 wurde die Familie aus dem Sudetenland vertrieben. Und trotzdem war sie zeit ihres Lebens eine gütige Frau.“ Elena erinnert sich, welch großartige Köchin und Bäckerin die Großmutter gewesen ist. „Böhmische Knödel mit Sauerbraten konnte niemand so wie sie.“ Bis heute ärgere sie sich, dass sie nicht mehr aufgeschrieben hätte von den Geschichten und Familienbiografien, von denen die Oma einst erzählte.


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Auch ohne eigene Enkel Oma und Opa sein

Können auch Kinder, die keine Großeltern mehr haben oder deren Omas und Opas weit weg wohnen, vom Großeltern-Schatz profitieren? Sie können. In den vergangenen 15 Jahren entstanden bundesweit zahlreiche Großelterndienste. Hier werden besondere Beziehungen geknüpft: Interessierte Damen und Herren, die Kinder mögen und sich nützlich machen möchten, werden mit Familien zusammengebracht, die Bedarf an Oma und Opa haben. Nicht als Kinderaufsicht, sondern als Partner. Die Großelterndienste beraten, bringen Interessenten zusammen, geben Tipps, checken Wunsch und Wirklichkeit. Sie übernehmen meist die Haftpflicht für die Großeltern im Betreuungseinsatz.

Drei Generationen teilen Erfahrungen, Weisheiten und vor allem Freude.

Für Monika (70) ist Luis der Enkel, den sie sich immer gewünscht hat. Sie konnte keine eigenen Kinder bekommen. Über den Großelterndienst bekam sie vor fünf Jahren Kontakt zur Familie des Jungen. Inzwischen geht er in die vierte Klasse. Er gehört fest in ihr Leben – ein Tag pro Woche ist für ihn reserviert. Hausaufgaben, Kino, andere Unternehmungen. Beide Seiten sind glücklich. „Ich habe teil am Leben von Generationen, mit denen ich sonst weniger zu tun hätte“, sagt sie. Die kleine Schwester von Luis wird ihr demnächst weitere Oma-Freuden bescheren. „Wir könnten unseren Alltag ohne unsere Zweit-Oma gar nicht stemmen“, sagt Christiane, die alleinerziehend ist, in Hamburg lebt und ihre Eltern in Süddeutschland hat. „Meine Tochter findet es toll, dass sie mehrere Großeltern hat. Meine Eltern haben kein Problem damit.“


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Dies ist ein Gastbeitrag des Online-Magazins Prinzip Apfelbaum (Ausgabe No. 2), das vierteljährlich im Rahmen der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum" erscheint. Alle Artikel und Ausgaben des Online-Magazins können Sie kostenlos lesen unter: www.das-prinzip-apfelbaum.de.

Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ besteht aus 25 gemeinnützigen Organisationen und möchte Menschen bei ihrem Vorhaben unterstützen, mit ihrem Erbe Gutes zu bewirken. Dazu gehören grundlegende Informationen und Orientierung, wie man mit einem Testament die Arbeit gemeinnütziger Organisationen wirkungsvoll unterstützen kann. Das Deutsche Kinderhilfswerk ist seit vielen Jahren Mitglied dieser Initiative.

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