Armut im Alltag von Kindern

"Dann gibt´s ein paar Tage nur Toast mit Käse oder Wurst"

Kinder und Jugendliche sind in besonderem Ausmaß von Armut betroffen. Jedes 5. Kind in Deutschland lebt in Armut. Für viele von ihnen bedeutet das, mit Hartz IV aufzuwachsen. Wie geht es den Kindern damit? Und wie können sie aus der Armutsspirale herauskommen?

Armut ist ein Schamthema, gerade für Kinder. Viele von ihnen bringen unendlich viel Energie dafür auf, ihr Umfeld nicht merken zu lassen, dass sie finanziell nicht mithalten können.

"Am schlimmsten sind Schulausflüge. Ich stell mich dann krank, damit niemand merkt, dass meine Elterm das nicht bezahlen können", erzählt die 12-jährige Mia*, die an einem Förderprogramm des Deutschen Kinderhilfswerkes teilgenommen hat. Staatliche Zuschüsse für Schulausflüge oder Klassenfahrten gibt es zwar, aber die Anträge sind abschreckend kompliziert und bürokratisch. Nur die Hälfte der betroffenen Familien nimmt die Hilfen in Anspruch.

Die Geldknappheit ist den Kindern sehr bewusst

Während Kinder aus finanziell stabilen Familien sich meist keine Gedanken um die ökonomische Situation ihrer Eltern machen, ist es bei Kindern aus armen Haushalten anders herum. Ihnen ist die prekäre Situation der Familie sehr bewusst, ebenso die damit einhergehenden Schwierigkeiten. Die 11-jährige Klara*, die ebenfalls regelmäßig ins Kinderhaus kommt, erzählt: "Ich gehe manchmal einkaufen, wenn meine Eltern arbeiten. Mama legt mir dann morgens einen Einkaufszettel und Geld auf den Tisch. Ich darf aber nicht mehr kaufen als das, was auf dem Zettel steht. Sonst reicht das Geld nicht. Das ist immer genau abgezählt."

Ihre Freundin Isabel* ergänzt: "Ich weiß, dass bei uns am Ende des Monats das Geld richtig knapp ist. Manchmal war es dann so, dass wir ein paar Tage lang nur Toast mit Käse oder Wurst gegessen haben."

Kinder aus armen Familien bleiben meist arm

Reichtum ist vererbbar und auch Armut wird meist "vererbt". Ganze sechs Generationen braucht es statistisch gesehen in Deutschland, damit ein Kind aus einer einkommensschwachen Familie, später ein durchschnittliches Einkommen erreicht und somit nicht mehr als "arm" gilt. Das sagt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Zum Vergleich: In anderen OECD-Ländern gelingt ein Entkommen der Armut nach durchschnittlich viereinhalb Generationen.

Ohne Benachteiligungen aufwachsen?

Welche Maßnahmen braucht es nun tatsächlich, um Kindern zu helfen, ihrer Armut zu entkommen? Die Bekämpfung von Kinderarmut ist seit langem ein Schwerpunkt des Deutschen Kinderhilfswerkes. Dabei arbeitet die Kinderrechtsorganisation an mehreren Strängen gleichzeitig:

  • Individuelle Einzelhilfe für Kinder, zum Beispiel mit einer warmen Winterjacke, Nachhilfe oder der Reparatur des kaputten Kinderzimmerfesters.
  • Regionale Hilfsangebote durch Kinderhäuser, wo Kinder ein warmes Mittagessen bekommen, in Ruhe Hausaufgaben machen können, unbeschwert spielen können und Vertrauenspersonen vorfinden.
  • Deutschlandweite Förderprogramme in den Bereichen Bildung, Ernährung, Bewegung und Erholung
  • Strukturelle, politische Lösungen, wie eine umfassende Priorisierung der Förderung armer Familien und ihrer Kinder, unbürokratische Zugänge zu den Leistungen sowie weitere umfassende Maßnahmen, wie z.B. die Kindergrundsicherung

Das Deutsche Kinderhilfswerk ist eine politisch und konfessionell unabhängige Kinderrechtsorganisation und als gemeinnützig anerkannter Verein auf Spenden angewiesen. Neben direkten Hilfsmaßnahmen setzt sich der Verein auch politisch für die Belange von Kindern ein.

* Alle Namen sind von der Redaktion geändert.

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