Tim Stegemann

Projektmitarbeiter Kinderrechte

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pilotstudie kinderrechte-index

Studie zur Umsetzung der Kinderrechte in den Bundesländern

I) Entwicklung Pilotstudie "Kinderrechte-Index"

Das Deutsche Kinderhilfswerk wird im Frühjahr 2019 eine Pilotstudie "Kinderrechte-Index" vorstellen. Darin soll der Stand der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) in den verschiedenen Lebensbereichen von Kindern und den damit verbundenen Politikfeldern in den deutschen Bundesländern gemessen und evaluiert werden.

Die Vereinten Nationen haben die Bundesrepublik Deutschland wiederholt für das Fehlen eines umfassenden Datenerfassungssystems kritisiert. Nur durch systematische Datenerhebungen können Informationen über den Stand der (Nicht-)Umsetzung von Kinderrechten in Deutschland gewonnen werden. In seinen abschließenden Bemerkungen zum 3. und 4. Staatenbericht Deutschlands hat der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes den Vertragsstaat Deutschland nachdrücklich aufgefordert, ein umfassendes und integriertes Datenerhebungssystem mit Bezug auf Kinder zu errichten, das alle Bundesländer und den gesamten Zeitraum der Kindheit bis zum 18. Lebensjahr abdeckt, und Indikatoren für Kinderrechte einzuführen, anhand derer der Fortschritt bei der Verwirklichung dieser Rechte analysiert und bewertet werden kann.

Ziel der Pilotstudie ist es, aussagekräftige, wissenschaftlich fundierte Kinderrechte-Indikatoren zu verschiedenen Themenbereichen in Bezug auf die menschenrechtlichen Verpflichtungen der UN-KRK zu entwickeln und für ihre Bewertung relevante Daten und Studienergebnisse zusammenzutragen. Der Kinderrechte-Index soll eine Bewertung der Umsetzung der UN-KRK in den Bundesländern ermöglichen, ihnen geeignete Wege zur effektiven Implementierung der Konventionsrechte aufzeigen und langfristig die Entwicklung der Umsetzung der Kinderrechte messen.

Anne Lütkes

"Systematische Datenerhebungen sind ein wichtiger Baustein, um die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland zu bewerten. Dies hat auch der UN-Kinderrechteausschuss mehrmals in seinen Empfehlungen an Deutschland angemerkt. Im Pilotprojekt Kinderrechte-Index werden aussagekräftige, wissenschaftlich fundierte Kinderrechte-Indikatoren zu verschiedenen Themenbereichen der UN-Kinderrechtskonvention entwickelt und für ihre Bewertung relevante Daten und Studienergebnisse zusammengetragen. Der Kinderrechte-Index soll langfristig die Entwicklung der Umsetzung der Kinderrechte in den einzelnen Bundesländern messen."

Anne Lütkes, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes und Leiterin des Wissenschaftlichen Beirates zum Kinderrechte-Index des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Die Pilotstudie des Deutschen Kinderhilfswerkes leistet einen wichtigen Beitrag zur fachlichen und öffentlichen Diskussion zur Entwicklung von Kinderrechte-Indikatoren. Sie könnte einen entscheidenden Impuls dafür liefern, wie ein Monitoring der Kinderrechte im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland aussehen könnte.

II) Wissenschaftlicher Beirat

Zur Unterstützung und Begleitung bei der Entwicklung und Auswertung hat das DKHW einen Wissenschaftlichen Beirat für das Projekt eingesetzt. Die Aufgabe des interdisziplinär arbeitenden wissenschaftlichen Beirats umfasst die kritische Begleitung des Kinderrechte-Index hinsichtlich Schwerpunktsetzung und Methodik.

Prof.in Dr. Bettina Amrhein

Bettina Amrhein ist Professorin für Inklusive Bildung im Internationalen Kontext an der Universität Bielefeld. Sie bildet Lehrkräfte in Bezug auf den Umgang mit Heterogenität aus und fort und begleitet Schulen im In- und Ausland seit vielen Jahren in inklusiven Schulentwicklungsprozessen. Ein besonderer Schwerpunkt Ihrer Forschungstätigkeiten liegt auf dem Bereich der International Vergleichenden Erziehungswissenschaft sowie der Professionalisierung von Schulleitungen.

Dr. phil. Dieter Breithecker

Dieter Breithecker ist Gesundheits- und Bewegungswissenschaftler und Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V., Wiesbaden. Sein Arbeitsschwerpunkt sind bewegende Raumkonzepte mit ihrer Auswirkung auf körperliche, geistige und emotionale Wechselwirkungsprozesse. Dahinter steht der Leitgedanke "Räume brauchen Raum für Bewegung". Motivation: Dem Grundbedürfnis des Kindes nach Spiel und Bewegung Raum und Zeit zu geben.

Dr. jur. Reinald Eichholz

1968 bis 1971 Richter am Amts- und Landgericht
1971 bis 1989 Leiter der Koordinierungsstelle für Fragen der Familienpolitik in der Landesregierung Nordrhein-Westfalen
1989 bis 2002 Kinderbeauftragter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen
- Ehem. Mitglied im Deutschen Komitee für Unicef und der Koordinierungsgruppe der National Coalition Deutschland sowie des Verwaltungsrats der Kindernothilfe
- Mitglied des Beirats ‘European Master in Childhood Studies and Children‘s Rights (EMCR)’, FH Potsdam
- Dozent im Studiengang Inclusive Education der Evangelischen Hochschule Darmstadt
- Unterrichtsgenehmigung des Schulministeriums NRW für Sozial- und Rechtskunde

Prof. Dr. Raimund Geene

1991 – 1997 Studium der Politik- und Gesundheitswissenschaften
1998 – 2006 Geschäftsführer von Gesundheit Berlin e.V.
2005 – 2018 Professor für Kindergesundheit an der Hochschule Magdeburg-Stendal
Hier hat er u.a. die Bachelor- und Master-Studiengänge der Kindheitswissenschaften und Kinderrechte sowie das An-Institut KinderStärken e.V. mitaufgebaut.
Seit 2018 Professor für Gesundheitsförderung an der Alice Salomon-Hochschule/Berlin School of Public Health

Dr. David H. Gehne

David H. Gehne ist Geschäftsführer und Forschungskoordinator am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR), Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Monitoring und der Sozialberichterstattung in den Themenberiechen Kinder, Jugendliche und Familien, Armut, Bildung und Prävention. Das ZEFIR ist seit dem Jahr 2013 in der wissenschaftlichen Begleitforschung des Modellprojektes des Landes NRW und der Bertelsmann Stiftung „Kein Kind zurücklassen / Kommunale Präventionsketten“ engagiert. Das Engagement für Kinderrechte ist wichtig, da in vielen Bereichen auch in einem reichen Land wie Deutschland Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer Herkunft, ihres Wohnortes oder weil sie aus armen Familien stammen benachteiligt werden.

Dr. Wolfgang Hammer

Wolfgang Hammer, Dr. phil. ist freiberuflicher Soziologe und Autor zu den Themen Kinder- und Jugendhilfe, Kinderschutz und Kinderrechte. Er war bis 2013 Abteilungsleiter Kinder- und Jugendhilfe Hamburg. Von 2005 bis 2014 war er Vorsitzender des Fachausschusses Jugend der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) und Ko-Koordinator Jugendpolitik und Kinderschutz der Länder.

Anne Lütkes

Anne Lütkes ist Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes und Leiterin des Wissenschaftlichen Beirates zum Pilotprojekt Kinderrechte-Index. Die Juristin ist außerdem Vorstandsvorsitzende des Vereins Kinderfreundliche Kommunen. Die berufliche Laufbahn von Anne Lütkes ist durch den Einsatz für die Kinderrechte geprägt. Von 2000 bis 2005 gehörte sie der Landesregierung von Schleswig-Holstein als Ministerin für Justiz, Frauen, Jugend und Familie an und war Stellvertreterin der Ministerpräsidentin. Von 2010 bis 2017 war sie Regierungspräsidentin der Bezirksregierung Düsseldorf. Außerdem war sie als Rechtsanwältin tätig.

Prof. Dr. Kurt-Peter Merk

Dr. Frauke Peter

Frauke Peter ist seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in der Abteilung Bildung und Familie. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Bildungs-, Familien- und Arbeitsmarktökonomik. Besondere Schwerpunkte ihrer Forschung sind tertiäre und frühe Bildungsentscheidungen, sowie Entwicklung und Einfluss von nicht-kognitiven Fähigkeiten.

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher

III) Umfrage auf Bundesländer-Ebene

  •  Hier geht es zu den bundesweiten Ergebnissen.
  •  Hier geht es zu den Ergebnissen auf Ebene der Bundesländer.
  •  Eine Zusammenfassung der zentralen Umfrageergebnisse können Sie hier herunterladen.

Zum Thema "Umsetzung der Kinderrechte in den Bundesländern" hat das Deutsche Kinderhilfswerk eine Umfrage von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren sowie Eltern/Erziehungsberechtigten ab 18 Jahren in allen 16 Bundesländern in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wurden am 16. Mai 2018 bei einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.

Es zeigen sich an vielen Stellen Umsetzungsdefizite konkreter Kinderrechte in verschiedenen lebensweltlichen Bereichen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

So sagen nur 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 23 Prozent der Eltern, dass sie sich mit den in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechten "ganz gut auskennen".

Bei der Frage, in welchen Bereichen die Kinder und Jugendlichen häufig nach ihrer Meinung gefragt werden, steht die Familie mit 59 Prozent an der Spitze der Antworten. In der Schule werden nur 24 Prozent der Befragten häufig nach ihrer Meinung gefragt, in Sport-, Kultur- und Freizeitvereinen ist es jedes fünfte Kind/jeder fünfte Jugendliche (20 Prozent). In der Kommune, im Bundesland oder auf Bundesebene werden die Kinder und Jugendlichen fast nie nach Ihrer Meinung gefragt.

39 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben an, dass es in ihrer Schule einen Internetzugang für alle Schülerinnen und Schüler gibt, bei weiteren 21 Prozent einen für bestimmte Altersgruppen. Im Unterricht spielen wichtige Themen in Bezug auf digitale Medien, wie Mobbing im Internet (58 Prozent), Urheberrechte (56 Prozent), Datenschutz (55 Prozent) oder Cyber-Grooming (51 Prozent) nur in gut der Hälfte der Klassenzimmer eine Rolle.

Nur ein geringer Teil der Kinder und Jugendlichen nutzt häufig Spielplätze (6 Prozent), Parks und öffentliche Grünanlagen (12 Prozent), Jugendzentren und Jugendclubs (5 Prozent) oder Sportanlagen (31 Prozent). Als häufigsten Grund für die Nichtnutzung gaben die Befragten an, dass es kein passendes Angebot für ihr Alter gibt oder ihnen das Angebot nicht gefällt. Eltern sehen die Qualität von Spielplätzen eher positiv, insbesondere wenn es um die leichte und sichere Erreichbarkeit geht. Gleichzeitig hält nur eine knappe Mehrheit (58 Prozent) die Spielplätze für sauber, und nur 49 Prozent sind der Auffassung, dass die Spielplätze vielfältig und anregend gestaltet sind.