30.09.2015

Entschlossen gegen Kinderarmut: Verbände fordern mehr Engagement der Politik

Das Deutsche Kinderhilfswerk, gemeinsam mit der Kontaktstelle SpielTiger e.V., die Stiftung Das Rauhe Haus und die Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie veranstalten am 12./13. November 2015 in Hamburg den Bundeskongress „Kinderarmut bekämpfen! Chancen und Grenzen der Kinder- und Jugendhilfe“.

Mit dem Kongress sollen die zahlreichen lokalen Initiativen gegen Kinderarmut gebündelt und vernetzt werden. Zudem wollen die Veranstalter gemeinsam mit Wissenschaftlern, Politikern und Praktikern aus der Kinder- und Jugendhilfe Strategien zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland entwickeln. Dabei sollen praxisorientierte Handlungsansätze daraufhin untersucht werden, inwiefern sie dazu in der Lage sind. Zum Abschluss des Bundeskongresses soll eine Erklärung verabschiedet werden, die eine Arbeitsgrundlage für weiteres Handeln zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland bilden kann.

„Immer mehr Familien in Deutschland geraten ohne eigenes Verschulden in ausweglose finanzielle Situationen. Derzeit ist jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen. Staatliche Stellen sind oft zu einer schnellen, unbürokratischen Linderung der schlimmsten Folgen nicht in der Lage. So werden immer mehr Kinder auf Grund ihrer sozialen Herkunft zu Bildungsverlierern. Deshalb fordern wir alle politisch Verantwortlichen in Deutschland auf, gemeinsam und entschlossen die Kinderarmut zu bekämpfen“, erklärt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Kommen außer materiellen Notlagen noch andere Belastungen auf die Familien hinzu, tritt häufig eine Erschöpfung ein, die sich auf alle Lebensbereiche der betroffenen Familien auswirkt: Perspektivlosigkeit, sinkende Erziehungskompetenz und damit die Gefährdung des Rechts der Kinder auf eine altersgemäße Förderung und Fürsorge“, weiß Michael Tüllmann, Leiter des Stiftungsbereichs Kinder- und Jugendhilfe im Rauhen Haus. „Kinderarmut bekommt aktuell noch eine besondere und drängende Bedeutung durch die vielen Flüchtlingsfamilien, die in Deutschland Schutz suchen. Das heißt für unsere Arbeit, dass das Thema auch unter diesem Aspekt gedacht und Maßnahmen langfristig geplant werden müssen.“

Soziale Sicherheit für Kinder und Bildungsgerechtigkeit sollten in einer der reichsten Industrienationen der Welt eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Rund zehn Jahre nach Einführung der sog. Hartz IV-Gesetze ist aber festzustellen, dass sich insbesondere die Kinderarmut in Deutschland deutlich verschärft hat. Die Zahl der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen hat sich in den letzten zehn Jahren auf rund 2,8 Millionen mehr als verdoppelt.

Eine im letzten Jahr vom Deutschen Kinderhilfswerk veröffentlichte repräsentative Umfrage hatte ergeben, dass 72 Prozent der Bundesbürger der Ansicht sind, staatliche und gesellschaftliche Verantwortungsträger würden „eher wenig“ oder „sehr wenig“ tun, um Kinderarmut wirkungsvoll entgegenzutreten. Dabei kam eine große, die Parteigrenzen überschreitende Mehrheit zu der Aussage, Staat und Gesellschaft engagierten sich zu wenig gegen Kinderarmut.