10.08.2021

Deutsches Kinderhilfswerk: Kinder und Jugendliche nicht über die Hintertür vom sozialen Leben ausschließen

Das Deutsche Kinderhilfswerk plädiert anlässlich der heutigen Bund-Länder-Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder für die Beibehaltung von kostenfreien und leicht zugänglichen Corona-Testmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Zugleich befürwortet die Kinderrechtsorganisation Impfangebote für Kinder ab 12 Jahren. Diese müssen freiwillig sein und nach Beratung von den betreuenden Kinder- und Jugendärzten durchgeführt werden. Kinder dürfen keinem besonderen Impfdruck ausgesetzt werden, nur weil die Impfquote unter Erwachsenen nicht ausreichend ist. Vor allem mahnt das Deutsche Kinderhilfswerk Bund und Länder an, mehr Maßnahmen als bisher für einen sicheren Schul- und Kitabetrieb zu umzusetzen. Dieser müsse auch ohne die flächendeckende Impfung von Kindern und Jugendlichen abgesichert werden.

„Die Corona-Tests für Kinder und Jugendliche müssen kostenfrei und leicht zugänglich sein. Es darf nicht die Situation eintreten, dass Kinder und Jugendliche durch reduzierte Teststandorte und kostenpflichtige Tests vom sozialen Leben ausgeschlossen werden. Bei Impfungen ist aus kinderrechtlicher Sicht die Betreuung durch Kinderärztinnen und -ärzte wichtig, um Kinder und Jugendliche in den Praxen individuell und fachkundig beraten und die Impfentscheidungen stigmatisierungsfrei treffen zu können. Zentrale Impfaktionen an Schulstandorten betrachten wir mit Skepsis, da im Gruppenverband die individuelle Entscheidungsfreiheit eingeschränkt werden kann. Ergänzend sollte bei allen in Schulen Beschäftigten für die Impfung geworben werden, um den notwendigen Impfschutz zu erlangen“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Darüber hinaus sehen wir mit Sorge, dass in den Bundesländern, in denen die Schule wieder anläuft, vielerorts keine ausreichenden Maßnahmen für einen sicheren Schulbetrieb ergriffen worden sind. Dazu zählt aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes beispielsweise die Anmietung alternativer Räumlichkeiten, um eine Entzerrung der räumlichen Enge in vielen Schulen und Kitas zu ermöglichen. Hotels, Museen, Jugendherbergen, Volkshochschulen, Theater, Freizeiteinrichtungen, Bürgerhäuser, Sporthallen: Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, die ebenso wie Luftfilteranlagen und mobile Raumluft-Filter nicht an Verwaltungsvorschriften und angeblichem Geldmangel scheitern dürfen. Kurzfristig notwendiges zusätzliches Personal könnten beispielsweise auch Lehramtsstudierende, Museums- und Theaterpädagogen oder Dozentinnen der Volkshochschulen sein. Auch sollte den Schulen ermöglicht werden von der festen Stundentafel abzuweichen, um projektorientierten Unterricht in gleichbleibenden Lerngruppen realisieren zu können. Das alles ersetzt natürlich nicht langfristige Strategien für Fachkräfte- und Schulbauoffensiven. So braucht es beispielsweise eine Fachkräfte-Offensive in Schulen, um die aktuellen und vor allem zukünftigen Bedarfe im Zuge digitaler Bildungsangebote qualifiziert begleiten zu können. Quereinstiege können nur am Anfang dieser Strategie stehen, letztlich braucht es mehr ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer“, so Hofmann weiter.

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes muss außerdem sichergestellt werden, dass Kinder und Jugendliche wie in der UN-Kinderrechtskonvention normiert, an allen sie betreffenden Entscheidungen altersangemessen beteiligt werden. Das betrifft die Erstellung von Öffnungskonzepten ebenso wie die Entscheidung, ob sich ein Kind oder ein Jugendlicher impfen lässt.