29.06.2016

Das müssen uns Kinder wert sein: Deutsches Kinderhilfswerk fordert Investitionsprogramm zur Verbesserung der Kita-Qualität

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert von Bund, Ländern und Kommunen weitere Kraftanstrengungen zur Verbesserung der Kita-Qualität in Deutschland. Dazu braucht es aus Sicht des Verbandes bundesweite qualitative Mindeststandards, die im Kinder- und Jugendhilfegesetz festgeschrieben werden sollten. „Die heute von der Bertelsmann Stiftung vorgelegten Zahlen zeigen, dass wir trotz der leichten Verbesserungen beim Personalschlüssel noch immer weit von den wissenschaftlich empfohlenen Standards entfernt sind. Hier besteht weiterhin dringender Verbesserungsbedarf. Um die Qualität in Kitas zu steigern, spricht sich das Deutsche Kinderhilfswerk für ein Investitionsprogramm in Höhe von fünf Milliarden Euro jährlich für die nächsten Jahre aus. Sonst werden wir in unseren Kindertageseinrichtungen den Kindern nicht ausreichend gerecht“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung.

„Aber nicht nur der Personalschlüssel darf im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Auch die Mitbestimmung von Kindern in Kindertageseinrichtungen sollte als Qualitätsfaktor ins Zentrum der Arbeit rücken. So können die Potentiale der Kinder besser gefördert und wichtige Akzente in der dringend notwendigen Weiterentwicklung der Demokratieförderung gesetzt werden. Denn wer die Vorteile von Beteiligung früh kennen lernt, beteiligt sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auch im späteren Lebensverlauf an demokratischen Prozessen. Frühe Beteiligung von Kindern durchbricht zudem den Kreislauf der Vererbung von Armut. Der Kinderreport 2012 des Deutschen Kinderhilfswerkes hat gezeigt, dass Kinder durch Mitbestimmung schon in jungem Alter soziale Kompetenzen entwickeln, die sie stark machen. Dadurch können die Kinder erfolgreich mit aversiven Reizen umgehen. Für Kinder in benachteiligten sozialen Lagen ist es also von besonderer Bedeutung, bereits in der Kita Mitbestimmung zu lernen und zu erleben. Wir brauchen daher durchgängige Standards, mit denen Partizipation als Faktor gelingender Entwicklung in der frühkindlichen Erziehung verankert wird. Zudem steigert die Qualifizierung der Fachkräfte zu Mitbestimmung der Kinder die Qualität von Kindertageseinrichtungen. Das Recht, gehört zu werden steht auch schon den Jüngsten zu. Kitas haben einen Bildungsauftrag, dessen Kern auch die Demokratieförderung sein muss. Mitbestimmung sollte ein Grundsatz der Pädagogik in Kindergärten sein“, so Hofmann weiter.

Da die Anforderungen an die Erzieherinnen und Erzieher in den letzten Jahren enorm gestiegen sind, brauchen diese aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes selbst mehr Zeit, um die Entwicklung der Kinder zu dokumentieren, um Fort- und Weiterbildungen zu besuchen, um gute Elternarbeit leisten zu können, und um die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen zu gestalten, beispielsweise beim Übergang in die Schule. Auch das muss bei der Debatte um die Qualitätsverbesserung berücksichtigt werden.

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