Uwe Kamp

Pressesprecher

030-308693-11

27.09.2010

Unbekanntes Terrain: Internetnutzungsverhalten von 6- bis 12-Jährigen bisher wenig erforscht

So lautet wohl das wichtigste Fazit der medien impuls-Veranstaltung zum Thema „Digitalisierung sozialer Beziehungen – Wie Social Communities die Kindheit verändern“ am 23. September in Berlin

Social Communities gehören zum Alltag fast aller Jugendlichen. Sie vernetzen sich fleißig im World Wide Web, knüpfen und halten Kontakte in der virtuellen Welt. Aber auch Social Communities, die speziell für die Zielgruppe der 6- bis 12-Jährigen gestaltet und strukturiert sind, werden immer beliebter. Die sogenannten Kinder-Communities machen die Webeinsteiger mit altersgerechten Funktionalitäten des Internets vertraut, bieten vielfältige Unterhaltungs- sowie Informationsmöglichkeiten und laden ein, einen Großteil der Freizeit in virtuellen Räumen gemeinsam mit Gleichaltrigen zu verbringen. Aber welche Bedeutung hat diese frühzeitige Vernetzung für die jüngste Internetgeneration? Welche Auswirkungen zeigen sich im Familienalltag und welche Folgen hat die Verknüpfung realer und virtueller Beziehungen auf die kindliche Identität selbst?

Anhand von Vorträgen wurde zunächst versucht, das Feld der Nutzung von Online-Community-Angeboten durch jüngere Kinder zu beleuchten und mit Hilfe aktueller Forschungsergebnisse empirisch zu untermauern. Frau Dr. Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut Hamburg konnte aufzeigen, dass das Angebotsspektrum für Kinder zwar groß, aber gleichzeitig auch intransparent und kaum untersucht ist. Ihrer Meinung nach ist auch die Altersstufenspanne der Angebote zu groß, da Präferenzen und Medienkompetenzen eines 6-Jährigen nicht vergleichbar mit denen eines 10?Jährigen sind. Zudem wies Sie darauf hin, dass es schwierig sei, überhaupt wissenschaftliche Daten zum Onlineverhalten von unter 12-Jährigen zu finden – die meisten Studien aus dem Medienbereich erheben Nutzer ab dem Teenageralter.

Aus medienpädagogischer und familiensoziologischer Sicht rückte zudem die Veränderung der kind­lichen Identität in den Mittelpunkt. Mit eben diesem Aspekt der Kinderkultur befasste sich Professor Dr. Burkhard Fuhs (Universität Erfurt). Er führte aus, dass Medien und gerade Community-Angebote kein Substitut zu sozialen Kontakten – zumindest für Kinder – darstellen. Vielmehr würden sich die Jüngsten mit ihren Freunden aus dem bekannten Umfeld vernetzen und eher Kontaktpflege als -knüpfung betreiben – so ändere sich „lediglich“ die Kommunikation. Er merkte weiterhin an, dass sich die kindliche Identität schon immer neuen Herausforderungen habe stellen müssen – die moderne Gesellschaft mache keine festen Regeln und Schutzmechanismen für die kindliche Entwicklung möglich. Demnach wandeln sich Kinderfreundschaften oder die Peer-Kommunikation im Zuge der dynamischen Schnelllebigkeit des Internets nahezu automatisch.

In der abschließenden Podiumsdiskussion setzten sich schließlich Vertreter aus Sozialwissenschaft, Medienpädagogik und Politik damit auseinander, wie man den Prozess der Veränderung kindlicher Medien- und Lebenswelten sinnvoll begleiten könnte. Dazu standen neben Professor Dr. Kaminski (Fachhochschule Köln) auch Aydan Özoguz (MdB) und Achim Lauber (Erfurter Netcode e.V.) Rede und Antwort. Frau Özoguz berichtete, dass die Relevanz von Medienkompetenz in der Politik erkannt werde und vor kurzem dazu eine eigene Arbeitsgruppe in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ geschaffen worden sei. Professor Kaminski äußerte sich hingegen kritisch zur Realisierung einheitlicher Regeln und Vorschriften der Online-Nutzung von Kindern. Er wies darauf hin, dass das Online-Verhalten stark, bezogen auf das soziale Umfeld oder das Geschlecht, differiert. Dennoch oder gerade deshalb kündigte der Erfurter Netcode an, Qualitätskriterien zur Nutzung von Social Communities für Kinder zu erstellen, um einen Grundstein für Problemlösungsstrategien, allgemeingültige Richtlinien und zur Orientierung zu legen.

Dreimal jährlich findet die medien impuls-Veranstaltungsreihe der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) statt. Die Tagung zum Thema Kinder-Communities wurde mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW) realisiert.


Über die FSM
Die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) ist die einzig anerkannte Selbstkontrolleinrichtung für den Bereich Telemedien. Der Verein engagiert sich in erster Linie für den Jugendmedienschutz und hat sich zum Ziel gesetzt, illegale, jugendgefährdende und entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte in Onlinemedien zu bekämpfen. Dazu betreibt die FSM eine Beschwerdestelle, an die sich jedermann kostenlos wenden kann, um kritische Online-Inhalte zu melden. Die umfangreiche Aufklärungsarbeit und Medienkompetenzförderung von Kindern gehört zu den weiteren Aufgaben der FSM. Unter dem Dach der FSM sind neben der Selbstkontrolle Mobilfunk auch die Selbstkontrolle der Suchmaschinenanbieter sowie die Selbstkontrolle der Chatanbieter angesiedelt.

Über die FSF
Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF) ist die anerkannte Selbstkontrolleinrichtung der privaten Fernsehanbieter. Kern ihrer Arbeit ist die Prüfung von Sendungen unter Jugendschutzgesichtspunkten vor der Ausstrahlung. Darüber hinaus fördert sie den wissenschaftlichen Diskurs über Medienwirkungen und erstellt neben inhaltlichen Fachpublikationen zahlreiche Materialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit.

Über das Deutsche Kinderhilfswerk e.V.
Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. (DKHW) ist ein Interessenvertreter für ein kinderfreundliches Deutschland und wurde 1972 in München gegründet. Als Initiator und Förderer setzt sich der gemeinnützige Verein seit über 35 Jahren für die Umsetzung der Rechte von Kindern in Deutschland ein. Im Sinne der Beteiligung von Kindern will es u. a. erreichen, dass Kinder darin unterstützt werden, Medien kompetent, selbstbestimmt, kreativ und vor allem risikofrei zu nutzen.

Kontakt und nähere Informationen zu den Referenten und Fachvorträgen
FSM e.V., Katja Lange, Spreeufer 5, 10178 Berlin; Tel.: 030 24 04 84 43, lange@fsm.de, www.fsm.de

FSF e.V., Camilla Graubner, Hallesches Ufer 74–76, 10963 Berlin; Tel. 030 23 08 36 60, graubnerc@fsf.de, www.fsf.de

Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Michael Kruse, Leipziger Straße 116–118, 10117 Berlin; Tel.: 0173 604 35 16, kruse@dkhw.de, www.dkhw.de

Weitere Informationen und Rückfragen: Uwe Kamp, Pressesprecher
Telefon: 030-308693-11
Mobil: 0160-6373155
Fax: 030-2795634
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Twitter: @DKHW_de
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Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit 50 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.

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