Uwe Kamp

Pressesprecher

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19.02.2015

Kinderfreundliche Kommune Senftenberg – Kinder kennen ihre Rechte, sehen aber großen Veränderungsbedarf beim Thema Partizipation

Die meisten Kinder in Senftenberg kennen ihre Rechte und sind mit ihrer Lebenssituation insgesamt zufrieden. Gleichzeitig sehen sie aber großen Veränderungsbedarf beim Thema Partizipation. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Befragung unter 162 Grundschülerinnen und Grundschülern im Alter von 10 bis 13 Jahren. Auch wenn diese Umfrage nicht repräsentativ ist, gibt sie doch ein gutes Stimmungsbild, wie Kinder ihre Situation in Senftenberg sehen. Die Umfrage wurde im Rahmen des Siegelverfahrens „Kinderfreundliche Kommune“ durchgeführt, einer gemeinsamen Initiative von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk.

„Ich bedanke mich bei allen Kindern, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Mit großem Interesse habe ich die Auswertung der Befragung gelesen. Es freut mich sehr, dass die Senftenberger Kinder die Kinderrechte kennen, dass sie sich in ihrer Schule und in ihrer Stadt wohl fühlen. Die Ergebnisse der Befragung zeigen die Stärken aber auch die Schwächen bei der Umsetzung der Kinderrechte. Die konkreten Maßnahmen dazu sind in den Aktionsplan ‚Kinderfreundliche Kommune‘ aufgenommen“, sagt Andreas Fredrich, Bürgermeister der Stadt Senftenberg.

„Es ist für Senftenberg wichtig, die Kinder und Jugendlichen an den sie betreffenden Angelegenheiten zu beteiligen. Das wird die Stadt in ihrem Aktionsplan verankern, denn das ist die konkrete Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention auf lokaler Ebene. Die Kinder und Jugendlichen leben gern in ihrer Stadt Senftenberg, auch das hat die Befragung ergeben. Wenn sich ihr Wunsch nach stärkerer Einbeziehung in die Stadtgestaltung durch Mitbestimmung erfüllt, wird sich ihre Zufriedenheit noch erhöhen. Es ist der Stadt zu empfehlen, die konkreten Anregungen der Kinder und Jugendlichen zu Spiel- und Freizeitangeboten sowie zu Maßnahmen in der Stadt, zum Verkehr, zum Umwelt- und Naturschutz anzuschauen“, betont Dr. Heide-Rose Brückner, Geschäftsführerin des Vereins „Kinderfreundliche Kommunen e.V.“.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Kinderrechte allgemein
Rund 93% der Kinder gaben an, dass sie bereits von den Kinderrechten gehört haben. Auf die Frage, wie sie von den Kinderrechten erfahren haben, gaben die meisten Kinder (83%) an, durch Lehrer informiert worden zu sein. Für 43% war das Fernsehen eine Informationsquelle, 36% informierten sich bei ihren Eltern.
Um eine Reflektion zu den thematisierten Kinderrechten zu ermöglichen, wurde gefragt, welches Kinderrecht den Kindern am wichtigsten ist. 44% der befragten Kinder sprachen sich für „Dein Recht ohne Gewalt aufzuwachsen“ aus, 25% votierten für das „Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe“. 20% der Kinder empfanden „Dein Recht gesund aufzuwachsen“ als besonders wichtig und 10% der Kinder stimmten für das Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung.

Recht ohne Gewalt aufzuwachsen
Für die Mehrheit der befragten Kinder ist das „Recht ohne Gewalt aufzuwachsen“ das wichtigste Kinderrecht. Daher wurde nach der Gewalterfahrung der Kinder gefragt. Nach eigenen Angaben wurden nur 60% der Kinder noch nie geschlagen. 36% gaben an, schon manchmal geschlagen worden zu sein und rund 5% sagten, häufiger geschlagen zu werden. Insgesamt haben also über 40% aller Befragten bereits diese Gewalterfahrungen gemacht. Das betrifft vor allem Jungen, die mit 8% angaben, sogar häufig geschlagen zu werden, wohingegen Mädchen dies nur zu 2% angaben. Auf die Frage, von wem sie geschlagen werden, haben rund 85% der befragten Kinder angegeben, von anderen Kindern, Mitschülern oder Mitschülerinnen geschlagen worden zu sein. Rund 9% gaben an, von Jugendlichen geschlagen zu werden und 11% werden von Erwachsenen geschlagen.
Kinder und Jugendliche erleiden neben der physischen Gewalt auch psychische Gewalt. Neben Gewaltprävention ist auch Mobbing an vielen Schulen ein Thema. So fühlten sich 35% der Kinder sich manchmal gemobbt, 7% der Befragten sogar häufig. 58% gaben an, noch nie gemobbt worden zu sein. Jungen und Kinder mit Migrationshintergrund fühlten sich häufiger gemobbt als Mädchen und Kinder ohne Migrationshintergrund. Das Mobbing ging dabei vor allem von Mitschülerinnen und Mitschülern (88% aller Nennungen) aus. Knapp 3% der befragten Kinder fühlen sich vom Lehrpersonal oder Erziehern gemobbt.

Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe
Dieses ist mit 25% das zweitwichtigste Kinderrecht für die Grundschüler Senftenbergs. Nach eigenen Angaben verbringen die meisten Kinder (90%) ihre Freizeit bei Freunden oder auch bei sich zu Hause (86%). Viele der Befragten (81%) nutzen öffentliche Angebote wie Sportplätze oder Schwimmhallen oder halten sich gerne draußen auf (75%). Für fast 68% ist der Spiel- oder Bolzplatz ein beliebter Aufenthaltsort und 63% sind gern auf öffentlichen Plätzen unterwegs. Mädchen sind nach eigenen Angaben lieber draußen und auf öffentlichen Plätzen (jeweils über 77%) oder bei Freunden zuhause (94%). Jungen bevorzugen hingegen Spiel- und Bolzplätze (73%) und den Sportverein (69%).
Auf die Frage, wofür die Kinder gerne mehr Zeit hätten, sind die meisten Nennungen mit 71% auf die Kategorie „Treffen Freunde/Innen“ gefallen, gefolgt von „Hobbys/Sport“ mit knapp 62%. Mehr Zeit hätten viele Kinder ebenfalls gerne für die eigene Entspannung (57%), für die Familie (53%), und insgesamt für sich selbst (51%).

Recht auf Gesundheit
Mit 21% der Stimmen ist das „Recht auf Gesundheit“ für die Kinder ebenfalls eines der bedeutendsten Kinderrechte. 75% der Befragten fühlten sich sehr gut oder gut in letzter Zeit. Mit mehr als 9% der Mädchen lagen mehr Nennungen bei „schlecht“ und „sehr schlecht“ vor, als bei den Jungen, die zu knapp 5% dieser Einschätzung waren.
Da die Kinder und Jugendlichen einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule sind, dort Leistungen erbringen und ein soziales Lernumfeld erleben, wurde nach der persönlichen Einschätzung der Kinder in der Schule gefragt. Sowohl Jungen mit 74% als auch Mädchen mit 79% kreuzten „häufig“ die Kategorie „viel Spaß und Lachen“ an. 65% aller Kinder gaben an, sich häufig wohl zu fühlen.
Da Gesundheit immer auch mit ausreichender Bewegung einhergeht, wurde gefragt, ob und wie viel sich die Kinder bewegen und ob sie dafür gern mehr Zeit und weitere Angebote hätten. Auf die Frage, ob die Kinder sich gern bewegen, haben 81% der Mädchen mit ja votiert, ähnlich wie die Jungen mit 78%. Fast 55% aller Befragten gaben an, dass sie mehr Sport machen würden, wenn sie mehr Zeit hätten. Wären mehr Angebote vorhanden, würden 41% aller Befragten ebenfalls mehr Sport treiben. Über 50% aller Befragten sind in einem Sportverein aktiv und mit 88% der Nennungen fast alle sehr gern draußen.
Neben Bewegung und Sport ist eine gesunde Ernährung von großer Bedeutung für ein gesundes Aufwachsen. Über zwei Drittel der Befragten (71%) ernährten sich häufig mit gesundem Obst oder Gemüse. Mädchen haben hier mit 75% die Nase vorn, 65% der Jungen stimmten dem zu. 2,5% gaben an, kein Obst/Gemüse zu essen. Der Süßigkeitenkonsum hielt sich mit 23%, die „häufig“ Süßes essen, in Grenzen. Die Mehrheit (72%) isst manchmal Süßes, 4% halten sich von Süßigkeiten komplett fern.

Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung in Familie, Schule und Stadt
51% der Kinder gaben an, „häufig“ in der Familie mitbestimmen zu können. 48% dürfen „manchmal“ mitbestimmen und „gar nicht“ mitbestimmen nur rund 1% der Befragten. Inhalte der Mitbestimmung waren vor allem mit 21% „Schulsachen/Kleidung“ und mit 19% „Wochenend- und Freizeitgestaltung“. 12% der befragten Kinder können nach eigenen Angaben bei der Auswahl der Schule mitreden.
In der Schule können viele der Befragten deutlich seltener mitbestimmen als in der Familie. 86 % gaben an, manchmal mitentscheiden zu können gefolgt von jeweils 7%, die der Meinung sind, „häufig“ oder "gar nicht" mitbestimmen zu können. Die Einschätzungen von Jungen und Mädchen sind dabei sehr ähnlich, die Jungen äußerten sich etwas optimistischer. Hinsichtlich der Art der Mitbestimmung in der Schule fielen die meisten Nennungen auf „Klassen-/Schulsprecher“ mit 97%. Die Antwortmöglichkeit „Schulessen“ wurde als zweite Kategorie am häufigsten angekreuzt (66%). Seltener sahen die Kinder Mitbestimmungsmöglichkeiten bei der Gestaltung der Schulräume (33%), des Schulhofs (11%) oder bei der Schulordnung mit 19%. Nur wenige votierten für die Mitbestimmung bei Lerninhalten (6%) oder Lernmethodik (12%).
Die befragten Kinder in Senftenberg sind insgesamt mit über 52% überwiegend der Meinung, dass sie „gar nicht“ in ihrer Stadt mitbestimmen können. Nur 3,5% aller befragten Kinder gaben an, dass sie „häufig“ in ihrer Stadt mitbestimmen können.

Zufriedenheit
Zum Abschluss wurde gefragt, wie zufrieden die Kinder insgesamt mit ihrem Leben und ihren Rechten in ihrer Stadt sind. 92% gaben an, sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Wohnsituation zu sein. Sehr zufrieden bzw. zufrieden sind 84% auch mit den Möglichkeiten, gesund zu leben. Am unzufriedensten waren die Kinder nach eigenen Angaben mit „den Möglichkeiten mitzubestimmen“, darauf entfielen 14% aller Nennungen. Auch beim öffentlichen Nahverkehr und beim Freizeitangebot der Stadt zeigt sich eine Unzufriedenheit von über 11% der Nennungen. Die Schulen in Senftenberg erhielten insgesamt gute Bewertungen. Knapp 50% votieren für „sehr zufrieden“ und 21% waren noch recht zufrieden.
Die befragten Kinder äußerten vor allem Wünsche zur Verbesserung ihrer Spiel- und Freizeitangebote sowie zu Maßnahmen in der Stadt, wobei sie auch sehr konkrete Hinweise zum Verkehr, zum Umwelt- und Naturschutz und zu bestimmten Spielorten gaben. Einigen ist ebenfalls das Thema Gewaltprävention wichtig und mehrere Kinder möchten sich für andere Kinder und Menschen in Not einsetzen.
Insbesondere zu Spielplätzen und Freizeitorten in Senftenberg sind die Kinder Experten, starke Mehrheiten sprachen sich für mehr Spielplätze und deren Sanierung aus. Wichtig waren einigen auch ergänzende Angebote für Jugendliche. Kostenfreie Freizeitangebote, ein Kino, ein Schwimmbad und Bolzplätze standen an oberster Stelle auf der Wunschliste.

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Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit 50 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.

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