Uwe Kamp

Pressesprecher

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19.02.2015

Kinderfreundliche Kommune Regensburg – Kinder kennen ihre Rechte, sehen aber Veränderungsbedarf beim Thema Partizipation, bei den Freizeitangeboten und beim öffentlichen Nahverkehr

85% der Kinder in Regensburg kennen ihre Rechte und sind zu großen Teilen mit ihrer Lebenssituation insgesamt zufrieden. Gleichzeitig sehen sie aber Veränderungsbedarf beim Thema Partizipation, bei den Freizeitangeboten und beim öffentlichen Nahverkehr. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Befragung unter 290 Kindern im Alter zwischen 10 und 12 Jahren. Auch wenn diese Umfrage nicht repräsentativ ist, gibt sie doch ein gutes Stimmungsbild, wie Kinder ihre Situation in Regensburg sehen. Die Umfrage wurde im Rahmen des Siegelverfahrens „Kinderfreundliche Kommune“ durchgeführt, einer gemeinsamen Initiative von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk.

„Aus dem Mund eines Politikers hört sich der Satz ‚Kinder sind unsere Zukunft‘ in der Zwischenzeit etwas abgedroschen an. Mir ist es aber tatsächlich ein großes Anliegen, weil Kinder wichtig für eine Stadt sind. Dies ist nicht nur gerecht sondern im Übrigen auch wirtschaftlich.
Kinder sind ein hohes Gut in einer Stadt. Für einige haben sich die Lebensbedingungen aber verschlechtert. Funktionierende Bindungen sind entfallen, Wertesysteme greifen kaum mehr und vielfach sind Familien mit ihrer Situation einfach überfordert. Wir müssen allen Kindern und Jugendlichen faire Chancen eröffnen. Auch denen, die eine erschwerte Ausgangslage haben“, betont Joachim Wolbergs, Oberbürgermeister der Stadt Regensburg. „Neben einer Grundversorgung, ist es aber auch wichtig Kinder und junge Menschen zu beteiligen, auch und gerade bei wesentlichen kommunalpolitischen Fragen. Dabei wollen wir besonders Wünsche und Vorschläge zur Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes berücksichtigen. Kinderrechte dürfen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern müssen gelebt werden. Wir werden alles daran setzen, ihre Ausgangschancen gut zu gestalten, unabhängig von Abstammung und Milieu. Die Kinderrechte sollen zur Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendliche in Regensburg werden“, so Joachim Wolbergs weiter.

„Die Auswertung der Kinderfragebögen hat gezeigt, was sich die Kinder und Jugendlichen in Regensburg wünschen. Es wird die Aufgabe der Verantwortlichen in der Stadt sein, gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen diese Vorstellungen zu gestalten. Dass 80 Prozent der befragten Kinder meinten, dass sie nur manchmal mitbestimmen können, wird sich sofort ändern, wenn Regensburg die Maßnahmen im Aktionsplan umsetzt und dabei die Kinder und Jugendlichen aktiv einbezieht“, erklärt Dr. Heide-Rose Brückner, Geschäftsführerin des Vereins „Kinderfreundliche Kommunen e.V.“.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Kinderrechte allgemein
Rund 85% der Kinder gaben an, dass sie bereits von den Kinderrechten gehört haben. Auf die Frage, wie sie von den Kinderrechten erfahren haben, gaben die meisten Kinder (49%) an, durch ihre Eltern informiert worden zu sein. Für 47% war die Schule eine Informationsquelle und 44% informierten sich über das Fernsehen.
Um eine Reflektion auf die verschiedenen thematisierten Kinderrechte zu ermöglichen, wurde gefragt, welches Kinderrecht den Kindern am wichtigsten ist. 40% sprachen sich für „Dein Recht, ohne Gewalt aufzuwachsen“ aus, 35% votierten für „Dein Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe“ und 19% für das „Recht, gesund aufzuwachsen“. Für das „Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung“ stimmten 6%.

Recht ohne Gewalt aufzuwachsen
Für die Mehrheit (40%) der befragten Kinder ist das „Recht ohne Gewalt aufzuwachsen“ das wichtigste Kinderrecht. Daher wurde nach der Gewalterfahrung der Kinder gefragt. Über die Hälfte der Kinder wurde nach eigenen Angaben noch nie geschlagen (52%), aber 38% gaben an, manchmal geschlagen worden zu sein. 10% schätzten ein, häufig geschlagen zu werden. Das betrifft eher Jungen. Angegriffen wurden die Befragten vor allem von anderen Kindern und Mitschülern (78%). Rund 20% gaben an, von Jugendlichen geschlagen worden zu sein und 16% wurden nach eigenen Angaben von Erwachsenen geschlagen.
Kinder und Jugendliche erleiden neben der körperlichen Gewalt auch psychische Gewalt. Neben Gewaltprävention ist auch Mobbing an vielen Schulen ein Thema. So fühlt sich jeder Vierte manchmal gemobbt, 13% der Kinder sogar häufig. Nur 61% der Befragten gaben an, noch nie gemobbt worden zu sein. Das Mobbing ging dabei vor allem von Mitschülerinnen und Mitschülern (79%) aus. Und sogar 17% der befragten Kinder fühlten sich vom Lehrpersonal oder Erzieherinnen und Erziehern gemobbt.

Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe
Das Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe ist mit 35% das zweitwichtigste Kinderrecht für die befragten Kinder. Fast 88 % der Kinder gaben an, dass sie am liebsten zu Hause sind, dort mit Freunden spielen (92%). Öffentliche Angebote wie z.B. Schwimmbad, Bücherei etc. standen bei 83% der Befragten ebenfalls hoch im Kurs. Hier gaben allerdings 9% an, diese Angebote nicht in der Nähe vorzufinden. Spiel- und Bolzplätze werden von 74% der Befragten gern aufgesucht. Kinder sind draußen aber auch gerne in der Landschaft: 68% gaben an, gern auf Wiesen, im Wald und auf Brachflächen zu spielen. Öffentliche Plätze, Haltestellen, Einkaufspassagen oder Parks suchen 65% der Befragten gern auf. Gleich danach kamen für 64% der Kinder Aktivitäten in Sportvereinen, auf Reiterhöfen oder andere Hobbies. Auf die Frage „Wofür hättest Du gern mehr Zeit?“ gaben viele Kinder an, dass sie sich öfter oder länger mit Freundinnen oder Freunden treffen möchten (80%), 62% wünschten sich mehr Zeit für ihre Hobbies oder ihren Sport. Die Hälfte der Befragten wollte mehr Zeit, um etwas mit der Familie oder Verwandten zu unternehmen oder Zeit für sich selbst, beispielsweise zum Entspannen oder Schlafen (45%).

Recht auf Gesundheit
Mit 19% der Stimmen ist das „Recht auf Gesundheit“ für die Kinder ebenfalls eines der bedeutendsten Kinderrechte. Insgesamt fühlten sich über 88% der Befragten sehr gut bis gut und nur knapp 4% schlecht bzw. sehr schlecht.
Da Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule verbringen, dort Leistungen erbringen müssen und ein soziales Lernumfeld erleben, wurde gefragt, wie sich die Kinder in der Schule fühlen. 68% fühlen sich nach eigenen Angaben häufig in der Schule wohl, 28% manchmal. Gar nicht wohl fühlten sich 4%.
Da Gesundheit immer auch mit ausreichender Bewegung einhergeht, wurde gefragt, ob und wie viel sich die Kinder bewegen und ob sie dafür gern mehr Zeit und Angebote hätten. 80% der Befragten waren der Ansicht, dass sie viel Sport machen. Wenn es mehr Angebote gäbe, würden 40% der Befragten nach eigenen Angaben mehr Sport machen. Wenn die Kinder mehr Zeit hätten, würden 56% der Befragten nach eigenen Angaben mehr Sport machen, 26% würden anderes tun und 18% wissen es noch nicht.
Neben Bewegung und Sport ist eine gesunde Ernährung von großer Bedeutung für ein gesundes Aufwachsen. Viele Kinder (71%) gaben an, häufig Obst und Gemüse zu essen. Mädchen haben hier die Nase vorn: 74% essen Obst und Gemüse häufig, dagegen nur 64% der Jungen. Süßigkeiten stehen bei einem Drittel der Befragten (34%) häufig auf dem Speiseplan, 63% gaben an, nur manchmal zu naschen, 3% wollten sogar komplett auf Süßigkeiten verzichten.

Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung in Familie, Schule und Stadt
65 % der Kinder gaben an, dass sie in ihrer Familie häufig mitbestimmen dürfen und 35% können manchmal mitbestimmen. Inhalte der Mitbestimmung waren vor allem mit rund 80% „Schulsachen/Kleidung“, der „Familienurlaub“ (65%) und die „Wochenend- und Freizeitgestaltung“ (68%). In der Schule sehen sie Kinder wesentlich weniger Mitbestimmungsmöglichkeiten. 80% der Kinder waren der Meinung nur manchmal mitentscheiden zu können. Nur 13% können häufig mitreden und 7% überhaupt nicht. Mitbestimmungsstandard ist die Wahl von Klassen- und Schulsprechern. Fast 90% geben hier an, mitbestimmen zu können. Bereits deutlich weniger mitreden können die Kinder nach eigenen Angaben bei der Gestaltung von Schulräumen (42%) und auch beim Schulessen (36%).
44% der befragten Kinder in Regensburg sind der Ansicht, dass sie gar nicht in ihrer Stadt mitbestimmen können. Die Mehrheit (53%) der Befragten  schätzte hingegen ein, manchmal die Möglichkeit zu bekommen. Nur 3% konnten nach eigenen Angaben häufig in der Stadt mitbestimmen.

Zufriedenheit
Zum Abschluss wurde gefragt, wie zufrieden die Kinder insgesamt mit ihrem Leben und ihren Rechten in ihrer Stadt sind. Auffällig ist, dass viele Kinder mit der eigenen Wohnsituation und ihren Möglichkeiten, gesund zu leben zufrieden sind: Die Werte für „sehr zufrieden“ liegen über 80% bzw. über 75%. Auch die Spielmöglichkeiten wurden als gut eingeschätzt: 71% votierten mit „sehr zufrieden“. Die Stadt an sich und die Schulen erhalten jeweils gute Bewertungen: 58% der Kinder äußerten sich sehr zufrieden über ihre Stadt und 55% sind sehr zufrieden mit ihrer Schule, 36% noch recht zufrieden. Am schlechtesten werden die Freizeitangebote sowie der öffentliche Nahverkehr in Regensburg bewertet: Hier waren nur jeweils 45% sehr zufrieden.
Zudem äußerten die befragten Kinder vor allem Wünsche zur Verbesserung ihrer Spiel- und Freizeitangebote, zur Gewaltprävention sowie zu gleichen Rechten für alle Kinder. Darüber hinaus hatten sie einige Ideen für ihren Schulalltag und möchten Kindern und Familien in Not in vielfältiger Weise helfen. Aber auch allgemeine Maßnahmen für die Stadt und zur Gesundheitsprävention hatten sie im Blick.

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Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit 50 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.

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