Uwe Kamp

Pressesprecher

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19.02.2015

Kinderfreundliche Kommune Hanau – Sehr erfreulich: Die meisten Kinder kennen ihre Rechte, sehen aber einen Veränderungsbedarf beim Thema Partizipation und bei den Freizeitangeboten

Drei Viertel der Kinder in Hanau kennen ihre Rechte und sind mit ihrer Lebenssituation insgesamt zufrieden. Gleichzeitig sehen sie aber Veränderungsbedarf beim Thema Partizipation und bei den Freizeitangeboten in der Stadt. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Befragung unter 193 Schülerinnen und Schülern im Alter von 10 bis 14 Jahren. Auch wenn diese Umfrage nicht repräsentativ ist, gibt sie doch ein gutes Stimmungsbild, wie Kinder ihre Situation in Hanau sehen. Die Umfrage wurde im Rahmen des Siegelverfahrens „Kinderfreundliche Kommune“ durchgeführt, einer gemeinsamen Initiative von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk.

„Ich freue mich, dass in Hanau sehr viele Kinder ihre Rechte kennen. Das zeigt uns, dass gerade auch die Schulen eine gute Arbeit machen, was wiederum die positiven Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler zeigt. Wir werden die Bereiche, die uns die Kinder als verbesserungswürdig empfohlen haben, sehr genau unter die Lupe nehmen und versuchen, gerade bei den Themenfeldern Partizipation und Freizeitangeboten, mit ihnen gemeinsam zu einer guten Lösung zu kommen. Die Voraussetzungen dazu haben wir bereits in den letzten Jahren in unseren Stadtteilzentren und Jugendeinrichtungen geschaffen, nun gilt es, noch einmal genau hinzuschauen. Dabei helfen uns der Aktionsplan und die Ideen der Kinder schon ein großes Stück weiter“, sagt Claus Kaminsky, Oberbürgermeister der Stadt Hanau.

„Die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen hat in Hanau bereits Tradition. Dennoch haben 68 Prozent der befragten Kinder den Eindruck, dass sie ‚gar nicht‘ in der Stadt mitbestimmen können. Die Maßnahmen im Aktionsplan zielen genau auf diesen Punkt und streben eine breite Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen an. Wir sind sicher, dass in Hanau die Wünsche und Ideen der Kinder und Jugendlichen Gehör finden und sie im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention von ihrem Recht der Beteiligung zu Fragen, die sie betreffen, Gebrauch machen können“, erklärt Dr. Heide-Rose Brückner, Geschäftsführerin des Vereins „Kinderfreundliche Kommunen e.V.“.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Kinderrechte allgemein
Rund 75% der Kinder gaben an, dass sie bereits von den Kinderrechten gehört haben. Auf die Frage, wie die Kinder von den Kinderrechten erfahren haben, gaben die meisten Kinder (67%) an, durch die Schule informiert worden zu sein, also durch Lehrer und Schulprojekte. Für 43% war ebenfalls das Fernsehen eine Informationsquelle, 34% informierten sich bei ihren Eltern.
Um eine Reflektion zu den thematisierten Kinderrechten zu ermöglichen, wurde gefragt, welches Kinderrecht den Kindern am wichtigsten ist. 38% der Kinder sprachen sich für „Dein Recht ohne Gewalt aufzuwachsen“ aus, 36% votierten für das „Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe“. 17% der Kinder empfanden „Dein Recht gesund aufzuwachsen“ als besonders wichtig und 9% der Kinder stimmten für das Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung.

Recht ohne Gewalt aufzuwachsen
Für die Mehrheit (38%) der befragten Kinder ist das „Recht ohne Gewalt aufzuwachsen“ das wichtigste Kinderrecht. Daher wurde nach der Gewalterfahrung der Kinder gefragt. Nach eigenen Angaben wurden 65% aller befragten Kinder noch nie geschlagen. 30% gaben an, schon manchmal geschlagen worden zu sein und 5% sagten, häufiger geschlagen zu werden. Auf die Frage, von wem sie geschlagen werden, haben über 83% der Befragten angegeben, von anderen Kindern, Mitschülern oder Mitschülerinnen geschlagen zu werden. Rund 20% wurden nach eigenen Angaben von Jugendlichen geschlagen, 13% wurden von Erwachsenen geschlagen.
Kinder und Jugendliche erleiden neben der physischen Gewalt auch psychische Gewalt. Gewaltprävention und Mobbing sind an vielen Schulen ein Thema. So fühlten sich 27% der Kinder sich manchmal gemobbt, 6% der Kinder sogar häufig. 67% aller befragten Kinder gaben an, noch nie gemobbt worden zu sein. Jungen und Kinder mit Migrationshintergrund fühlten sich häufiger gemobbt als Mädchen und Kinder ohne Migrationshintergrund. Das Mobbing ging dabei vor allem von Mitschülerinnen und Mitschülern (87%) aus. Rund 9% der befragten Kinder fühlen sich vom Lehrpersonal gemobbt.

Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe
Dieses ist mit 36% das zweitwichtigste Kinderrecht für die Schüler und Schülerinnen Hanaus. Nach eigenen Angaben verbringen die meisten befragten Kinder (91%) ihre Freizeit gerne entweder bei Freunden und zu Hause (87%). Rund 79% sind gern draußen und 78% auf Spiel- und Bolzplätzen. 33% der Kinder gaben an, dass es keinen Jugendclub/Jugendzentrum in ihrer Nähe gibt. Viele Kinder nannten unter „Sonstiges“ die Natur als beliebten Aufenthaltsort. Sie waren „auf dem Feld“, „auf dem Reiterhof“, „im Garten“ oder „bei Tieren“. Auf die Frage, wofür die Kinder gerne mehr Zeit hätten, sind die meisten Nennungen mit 79% auf die Kategorie „Treffen Freunde/Innen“ gefallen. Mehr Zeit für „Hobbys/Sport“ wünschten sich 70% der Kinder. Zeit für sich selbst war 48% der Befragten wichtig, für „Entspannen/Schlafen“ sprachen sich über 55% der Kinder aus.

Recht auf Gesundheit
Mit knapp 17% ist das „Recht auf Gesundheit“ für die Kinder ebenfalls eines der bedeutendsten Kinderrechte. 44% der befragten Jungen fühlten sehr gut, 32% gut. Auch 32% der Mädchen gaben an, sich sehr gut zu fühlen, fast 50% noch recht gut. Nur wenige Kinder (7% der Jungen, 4% der Mädchen) gaben an, sich in letzter Zeit schlecht oder sehr schlecht gefühlt zu haben.
Da die Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule sind, dort Leistungen erbringen müssen und ein soziales Lernumfeld erleben, wurde nach der gesundheitlichen und persönlichen Einschätzung der Kinder in der Schule gefragt. Sowohl Jungen mit 63% als auch Mädchen mit 75% kreuzten häufig die Kategorie „viel Spaß und Lachen“ an. Rund 70% der gefragten Kinder in Hanau gaben an, sich wohl zu fühlen, gar nicht wohl fühlten sich rund 10% der befragten Kinder.
Da Gesundheit immer auch mit ausreichender Bewegung einhergeht, wurde gefragt, ob und wie viel sich die Kinder bewegen und ob sie dafür gern mehr Zeit und weitere Angebote hätten. Auf die Frage, ob die Kinder sich gern bewegen, haben 90% der Mädchen mit ja votiert, ähnlich wie die Jungen mit 89%. Mehr Jungen, nämlich 76%, gaben an, aktiv in Sportvereinen zu sein, wohingegen nur 51% der Mädchen dies mit ja beantworteten. Auf die Frage, ob die Kinder mehr Sport machen würden, wenn sie mehr Zeit hätten, haben jeweils knapp zwei Drittel der Jungen und Mädchen ja gesagt. Wären mehr Angebote vorhanden, würden 42% aller Befragten ebenfalls mehr Sport treiben.
Neben Bewegung und Sport ist eine gesunde Ernährung von großer Bedeutung für ein gesundes Aufwachsen. 62% aller Kinder essen häufig Obst oder Gemüse, 3% essen diese Lebensmittel nach eigenen Angaben gar nicht. Ein Drittel (35%) isst manchmal Obst oder Gemüse. Mädchen hatten hier mit fast 70% die Nase vorn, 54% Jungen stimmten dem zu. Süßigkeiten stehen bei knapp einem Viertel (24%) der befragten Kinder häufig auf dem Speiseplan. 72% aller Kinder gaben an, nur manchmal zu naschen und knapp 4% halten sich sogar komplett fern von Süßigkeiten.

Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung in Familie, Schule und Stadt
56 % der Kinder gaben an, „häufig“ in der Familie mitbestimmen zu können. Inhalte der Mitbestimmung waren vor allem mit 84% „Schulsachen/Kleidung“ und „besuchte Schulen“.
Die Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule unterscheiden sich erheblich von denen in der Familie. Lediglich 9% der Kinder haben angegeben, in der Schule „häufig“ mitbestimmen zu können. Hinsichtlich der Mitbestimmung in der Schule fielen die meisten Nennungen auf die Kategorie „Schulessen“ mit 53%. Die Gestaltung der Schulräume wurde mit 40% als zweithäufigste Kategorie angekreuzt. Seltener sahen die Kinder Mitbestimmungsmöglichkeiten bei der Schulhofgestaltung und beim „Lerninhalt“ mit 9%.
Die befragten Kinder in Hanau sind mit 68% überwiegend der Meinung, dass sie „gar nicht“ in ihrer Stadt mitbestimmen können. Lediglich 2% gaben an, dass sie „häufig“ in ihrer Stadt mitbestimmen können.

Zufriedenheit
Zum Abschluss wurde gefragt, wie zufrieden die Kinder insgesamt mit ihrem Leben und ihren Rechten in ihrer Stadt sind. Hier scheint die Mehrheit der Kinder sehr zufrieden zu sein: So haben 79% angegeben, sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation zu sein. 80% der Kinder gaben an, mit den Möglichkeiten gesund zu leben in Hanau sehr zufrieden zu sein und auch die Möglichkeit draußen zu spielen wird von 64% als sehr zufriedenstellend eingeschätzt. Am unzufriedensten waren die Kinder nach eigenen Angaben mit „den Möglichkeiten mitzubestimmen“. Eine große Unzufriedenheit ist ebenfalls zum Freizeitangebot der Stadt vorhanden: Über 15% waren recht unzufrieden. Die Schulen in Hanau erhielten insgesamt gute Bewertungen: 53% der Kinder votierten für „sehr zufrieden“ und 25% waren recht zufrieden. Der öffentliche Nahverkehr stellte für 5% der befragten Kinder ein Ärgernis da, 28% äußert sich zufrieden damit.
Zudem äußerten die befragten Kinder vor allem Wünsche zur Verbesserung ihrer Spiel- und Freizeitangebote, zur Gewaltprävention sowie zu gleichen Rechten für alle und zu Kinderrechten. Darüber hinaus hatten sie einige Ideen für ihren Schulalltag und möchten Kindern und Familien in Not in vielfältiger Weise helfen.

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Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit 50 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Die politische Lobbyarbeit wirkt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hin, insbesondere im Bereich der Mitbestimmung von Kindern, ihren Interessen bei Gesetzgebungs- und Verwaltungsmaßnahmen sowie der Überwindung von Kinderarmut und gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder in Deutschland.

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