Uwe Kamp

Pressesprecher

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02.08.2016

Deutsches Kinderhilfswerk: Investitionen zur Bekämpfung der steigenden Kinderarmut dringend geboten

Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnt anlässlich der von Eurostat veröffentlichten Zahlen zur Kinderarmut dringend Investitionen bei der Bekämpfung der steigenden Kinderarmut an. Laut Eurostat stieg der Anteil der von Armut oder Ausgrenzung bedrohten Kinder unter 17 Jahren in Deutschland von 18,4 Prozent 2012 auf 19,6 Prozent 2014. Dies bestätigt die negative Entwicklung der Kinderarmutszahlen in den letzten Jahren und verdeutlicht, dass die Anstrengungen in Deutschland zur Bekämpfung der Kinderarmut intensiviert werden müssen.

„Die beschämend hohe Kinderarmut in Deutschland ist ein gesellschaftlicher Skandal. Um Kindern eine gerechtere Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, muss das Recht auf ihr soziokulturelles Existenzminimum gesichert sein. So gibt es auch die UN-Kinderrechtskonvention in den Artikeln 26 und 27 vor. Durch die derzeitigen Hartz IV-Regelsätze und die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket wird die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien jedoch nicht ausreichend gewährleistet. Die für die zweite Jahreshälfte angekündigte Neuberechnung der Regelsätze für Kinder und Jugendliche muss dazu genutzt werden hier nachzubessern. Der Maßstab dabei muss sein, die Hartz IV-Regelsätze für Kinder und ihre Eltern durch eine deutliche Anhebung armutsfest zu machen“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Um die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen, braucht es zudem maßgebliche Investitionen in das Bildungssystem. Denn nach wie vor hängen in Deutschland die Zukunftschancen von Kindern stark vom Bildungs- und Erwerbsstatus ihrer Eltern ab. Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam dafür zu sorgen, dass Einrichtungen für Kinder und Jugendliche so ausgestattet werden, dass sie deren Entwicklung zu eigenständigen Persönlichkeiten bestmöglich fördern können. Mit Bildung stärken wir die Kinder als Subjekte und ermöglichen es ihnen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und nicht in Resignation zu versinken.

Eine im Januar letzten Jahres vom Deutschen Kinderhilfswerk veröffentlichte repräsentative Umfrage hatte ergeben, dass eine sehr große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland umfangreiche Reformen im Bildungssystem fordert, um von Armut betroffenen Kindern mehr Bildungschancen zu bieten. 93 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass dafür ein einheitliches Bildungssystem ohne deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern „sehr wichtig“ oder „wichtig“ ist. Als weitere wichtige Maßnahmen werden die spezielle Förderung von benachteiligten Kindern in Kitas und Schulen (95 Prozent) und mehr Erzieher und Lehrer (95 Prozent) befürwortet.

Da die Kinderarmutszahlen nicht nur steigen, sondern sich darüber hinaus seit Jahren auf einem hohen Niveau befinden, muss die Bundesregierung aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes endlich einen bundesweiten Aktionsplan zur Bekämpfung der Kinderarmut auf den Weg bringen, der ressortübergreifend an verschiedensten Stellen ansetzt. Dabei sollten neben den Regelsätzen, Bildungsgerechtigkeit und die Möglichkeiten des gesunden Aufwachsens im Mittelpunkt der Reformen stehen. Soziale Sicherheit und Bildungsgerechtigkeit für Kinder sollten in einer der reichsten Industrienationen der Welt eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

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Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 40 Jahren als Interessenvertreter für ein kinderfreundliches Deutschland bundesweit für die Rechte der Kinder und die Überwindung von Kinderarmut in Deutschland ein. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden, dafür stehen seine Spendendosen an ca. 40.000 Standorten in Deutschland. Das Deutsche Kinderhilfswerk initiiert und unterstützt Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, fördern. Schwerpunkte sind hierbei insbesondere die Kinderrechte, die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen und die Überwindung von Kinderarmut in Deutschland.