Uwe Kamp

Pressesprecher

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26.11.2008

Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement wird in Kindheit und Jugend erworben - Deutsches Kinderhilfswerk präsentiert Studie „Vita gesellschaftliches Engagement“

Fast 83 Prozent derjenigen, die sich heute gesellschaftlich stark engagieren, haben dies bereits in der Kindheit und Jugend getan. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Kinderhilfswerks unter mehr als 900 ehrenamtlich Aktiven sowie Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern. Für den Zugang zum Engagement waren für 62 Prozent Freunde sehr wichtig. Auch Eltern wird eine wichtige Vorbildfunktion zugesprochen. Hinsichtlich des Erziehungsstils in ihrem Elternhaus melden die Befragten zurück, dass er einerseits von der Möglichkeit der Mitsprache und vertrauensvollem Umgang, andererseits von klaren Absprachen geprägt war. Der hohe Grad an Eigenverantwortung wird von zwei Dritteln der Befragten hervorgehoben.

Während Eltern und Freunden offensichtlich großen Einfluss auf die Motivation zu gesellschaftlichem Engagement hatten, wird dies für Lehrer anders beurteilt. Nur 14 Prozent sprechen Lehrern eine wichtige Rolle für die Ausprägung ihres Engagements zu, und weniger als sieben Prozent fühlten sich von ihnen als Vorbild motiviert – und dass obwohl für die Mehrheit der Befragten die Zeit des Besuchs weiterführender Schulen große biographische Prägewirkung hatte.

Offensichtlich kommt der außerschulischen Jugendarbeit dabei eine wichtige Bedeutung zu. Für 63 Prozent der Befragten war die frühe Mitgliedschaft in einem Verein oder Organisation von großer bis sehr großer Bedeutung für ihre Engagementbereitschaft. Deutlich vorn liegen dabei mit über 45 Prozent die Sportvereine, gefolgt von Engagement in der Kirche (38 Prozent) sowie den Pfadfinder und ähnlicher Jugendorganisationen (36 Prozent).

Die heute stark Engagierten zeichnen sich nicht nur durch frühe Erfahrungen gesellschaftlicher Teilhabe, sondern auch durch überdurchschnittliche Bildungsabschlüsse aus. 90 Prozent von ihnen haben einen Fach- bzw. Hochschulabschluss. Hohe Bildungsabschlüsse erleichtern offensichtlich die
Übernahme ehrenamtlicher Funktionen in Politik und Vereinen bzw. Verbänden.

Die vorliegende Studie bestätigt die Hypothese: Wenn Kinder und Jugendliche bereits in frühen Jahren positive Erfahrungen mit Engagement gesammelt haben, werden sie auch als Erwachsene gesellschaftlich aktiv.

„Es wird bereits in jungen Jahren damit begonnen, eine Engagementvita zu schreiben. Als Fortsetzungsroman durchdringt sie immer neue Facetten gesellschaftlicher Wirklichkeit und wird immer stärker bis ins hohe Alter in die lebensgeschichlichen Ereignis- und Erfahrungsabläufe eingebunden“, so Dr. Hartmut Wedekind, Leiter der Grundschulwerkstatt der Humboldt-Universität zu Berlin bei der heutigen Präsentation der Studie in Berlin, die Teil eines Kooperationsprojektes mit der Bertelsmann Stiftung und Unicef ist.

Gemeinsam untersuchen die Partner in der Initiative „mitWirkung!“ Aspekte der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. „Die Bertelsmann Stiftung setzt sich seit Jahren für gesellschaftliches Engagement ein. Wichtig ist uns dabei, dass bereits in der Kindheit Zugangswege für gesellschaftliche Verantwortungsübernahme und Mitbestimmung eröffnet werden. Eine große, in Deutschland noch nicht hinreichend berücksichtigte Bedeutung haben dabei Kindertagesstätten und Schulen.“ so Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung. Sie informierte gleichzeitig darüber, dass vor diesem Hintergrund der diesjährige Carl Bertelsmann-Preis zum Thema „Gesellschaftlichen Engagement als Bildungsziel“ vergeben werde.

„Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist der Schlüssel zu einer demokratischen Gesellschaft. Die Ergebnisse der Studie bestätigen dies sehr deutlich. Sie zeigen, dass es eine frühe aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen geben muss, insbesondere in der Schule, bei der Entwicklung von Lehrplänen und Methoden. Partizipation ist mehr als Beteiligung der Kinder und Jugendlichen bei Schulhof- und Schulumfeldgestaltung.
Generell aber gilt für Deutschland: Schon früh mehr Partizipation von Kindern wagen! Demokratie ist lernbar!“, betont Anne Lütkes, Kuratoriumsvorsitzende des Deutschen Kinderhilfswerkes heute in Berlin.

„Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bedeutet, sie als Menschen ernst zu nehmen und bereit zu sein, ihre Lebenswirklichkeit, ihre Ideen und ihre Potenziale für die Mitgestaltung ihrer Umwelt anzunehmen“, so Marlene Rupprecht, Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages.

„Frühe Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist ähnlich wie ein Impfpass, bei der sich unsere Jüngsten gegen Unselbständigkeit immunisieren“ so Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Die komplette Studie kann unter www.kinderpolitik.de gefunden werden.


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