Uwe Kamp

Pressesprecher

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01.08.2023

100 mal Temporäre Spielstraße Böckhstraße – düstere Aussichten für Finanzierung

• Gleich zwei Jubiläen am 2. August in Berlin-Kreuzberg
• Projekt Temporäre Spielstraßen droht das Aus wegen Kürzungen im Haushaltsentwurf
• Ansprechpartner*innen für die Medien werden ab etwa 14.30 Uhr vor Ort zur Verfügung stehen (Anmeldung erbeten)
• Pressebilder zur Verwendung in der Berichterstattung herunterladbar unter diesem Link: WeTransfer

Rundes Jubiläum in Berlin-Kreuzberg. An diesem Mittwoch, dem 2. August, wird die Böckhstraße im Graefekiez zum 100. Mal zur temporären Spiel- und Nachbarschaftsstraße. Es ist nicht nur die 100. Auflage, sondern fast auf den Tag genau auch der 4. Geburtstag des Projekts.

Aus diesem Anlass fordert das Bündnis Temporäre Spielstraßen von den Berliner Bezirksverwaltungen und dem Senat die kontinuierliche Unterstützung nachbarschaftlicher Initiativen, die den Straßenraum in ihrem Umfeld für Spiel und Begegnung nutzen möchten. Die für das laufende Jahr angesetzten Haushaltsmittel von 180.000 Euro müssen dafür dringend aufrechterhalten werden. Laut einem Pressebericht sieht die Senatsmobilitätsverwaltung im Entwurf für den Doppelhaushalt 2024/2025 jedoch nur noch 50.000 Euro jährlich als Finanzierung vor. Das wäre das Aus.

„Um das Konzept weiterführen zu können, müssen die für das laufende Jahr angesetzten 180.000 Euro an Berliner Haushaltsmitteln verstetigt werden. Tatsächlich sind im Haushaltsentwurf für 2024 und 2025 nur noch je 50.000 Euro vorgesehen. Damit wäre das von breitem ehrenamtlichen Engagement getragene Projekt praktisch tot. Noch können das die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD durch eine Korrektur in den Haushaltsverhandlungen verhindern", so Gabi Jung, Sprecherin des Bündnis Temporäre Spielstraßen.

Der VCD Nordost als Bündnispartner der temporären Spielstraßen in Berlin beglückwünscht die Aktiven in der Böckhstraße und ist begeistert von dem Engagement. "Beim VCD motivieren wir Menschen immer wieder zur DIY-Verkehrswende," sagt Regine Wosnitza, Geschäftsführerin des VCD Nordost. "Es gibt viele Maßnahmen, die zur Verkehrswende beitragen, und die aktive Bürger*innen durchführen können. Doch auch diese sind nicht ohne Budget zu verwirklichen. Bei den Temporären Spielstraßen sind inzwischen 1000 Berliner*innen aktiv. Die Mittel zu kürzen, wäre ein herber Schlag gegen Bürgerbeteiligung."

Holger Hofman, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, erklärt:

„In Berlin findet das Modell der Temporären Spielstraße einen immer größeren Zuspruch. Wir gratulieren allen Verantwortlichen zu ihrem nachhaltigen Erfolg. Temporäre Spielflächen sind vielerorts die einzige Möglichkeit, den Anforderungen für eine ausreichende Bewegung von Kindern im Freien gerecht zu werden. Ansonsten führt die Unterversorgung mit Spiel- und Bewegungsräumen an der frischen Luft zu einem Rückzug in die Binnenräume und vor die Bildschirme mit allen bekannten gesundheitlichen und sozialen Folgen. Die beabsichtigte Mittelkürzung des Senates für das Programm ist eine Ohrfeige für die betroffenen Kinder und Familien."

Seit dem 7. August 2019 wird die Seitenstraße des Kottbusser Damms von April bis September immer mittwochs von 14 bis 18 Uhr zum Kieztreffpunkt. Dabei haben nicht nur Kinder viel Spaß, wenn sie gefahrlos mitten auf der Straße spielen und toben können. Die gesamte Nachbarschaft nutzt die Gelegenheit zum Zusammenkommen – von Kleinkindern bis zu Senior*innen sind alle auf den Beinen. Mindestens 10.000 Menschen haben, zurückhaltend geschätzt, inzwischen die Möglichkeit genutzt, die Wohnstraße mittwochnachmittags autofrei zu genießen.

„2019 war die Böckhstraße die erste temporäre Spielstraße Berlins und der Beginn einer kleinen Revolution. Die Einrichtung der Temporären Spielstraße in der Böckhstraße ging auf die Initiative der Nachbarschaft zurück", sagt Bündnissprecherin Gabi Jung.

Aktuell gibt es 24 regelmäßig stattfindende temporäre Spiel- und Nachbarschaftsstraßen in mehreren Berliner Bezirken. Die einzelnen Spielstraßen werden dabei in der Regel von ehrenamtlich Engagierten aus der jeweiligen Nachbarschaft getragen. Berlinweit gab es in den vergangenen vier Jahren zusammengenommen inzwischen über 1000 Termine, rechnerisch also mehr als 250 pro Jahr.

Seit September 2022 liegt ein Leitfaden der Senatsmobilitätsverwaltung vor, der sich an Nachbarschaftsinitiativen und Bezirke wendet. Er enthält alles Wichtige, was bei der Beantragung und Einrichtung temporärer Spiel- und Nachbarschaftsstraßen zu beachten ist. Deutschlandweit gibt es großes Interesse an dem Konzept.

„Die temporären Spielstraßen in Berlin sind seit vier Jahren eine Erfolgsgeschichte, die international Beachtung findet.", sagt Gabi Jung. „Jeder einzelne Termin temporärer Spiel- und Nachbarschaftsstraßen hat die Hauptstadt bunter, fröhlicher und kinderfreundlicher gemacht. Sie unterstützt auch Klima- und Umweltschutz. Von den temporären Spielstraßen profitieren nicht nur Kinder, Jugendliche und Familien, sondern die gesamte Nachbarschaft."

 

Das Bündnis Temporäre Spielstraßen (spielstraßen.de), das das Thema in Berlin angeschoben hat, ist ein Zusammenschluss mehrerer Verbände, u.a. des BUND Berlin (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), des DaKS (Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden), des Deutschen Kinderhilfswerkes, und des VCD Nordost (Verkehrsclub Deutschland). Es wurde im März 2019 mit dem Ziel gegründet, temporäre Spiel- und Nachbarschaftsstraßen als gängiges Instrument in Berlin zu etablieren.

Das Bündnis Temporäre Spielstraßen ist bereits vielfach prämiert worden, so mit dem Großen Preis des Berliner Umweltfestivals 2023 und dem Award 2023 der International Play Association (IPA). Es ist nominiert für den Mobilitätspreis des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) in der Kategorie „internationale Vorbildprojekte".

 

Das Bündnis Temporäre Spielstraßen fordert...

...von den Berliner Bezirksverwaltungen:

  • . Die konsequente Umsetzung des im Leitfaden beschriebenen Verfahrens zur Einrichtung temporärer Spielstraßen in Berlin.
  • . Die kontinuierliche aktive Unterstützung nachbarschaftlicher Initiativen, die den Straßenraum in ihrem Umfeld für Spiel und Begegnung nutzen möchten.

...von der Berliner Landespolitik:

  • . Eine dauerhaft gesicherte und ausreichende Finanzierung der Organisation und Begleitung von temporären Spiel- und Nachbarschaftsstraßen.
  • . Ein Hinwirken auf eine Veränderung des Straßenverkehrsrechts, um die vielfältige Nutzung des Straßenraums unkompliziert zu ermöglichen und das im Leitfaden beschriebene Verfahren zu vereinfachen.
  • . Ein eindeutiges Bekenntnis zum Recht auf Spiel - auch auf Straßenland!

...von der Bundespolitik:

  • Eine Veränderung von Straßenverkehrsgesetz und StVO, um die vielfältige Nutzung des Straßenraums unkompliziert zu ermöglichen.
  • Das Bündnis unterstützt lokale Initiativen bei der Umsetzung im eigenen Kiez und möchte gleichzeitig zur deutschlandweiten Vernetzung beitragen.

Zum berlinweiten Aktionstag am 22. September, dem europäischen autofreien Tag, werden, wie in den letzten Jahren, wieder bis zu 40 temporären Spielstraßenaktionen erwartet.

Weitere Informationen und Rückfragen:

Bündnis Temporäre Spielstraßen
'c/o DaKS e.V., Crellestr. 19/20, 10827 Berlin, info@spielstrassen.de
Ansprechpartnerin: Cornelia Dittrich, Tel 0172 - 7483990

 

Gabi Jung, Fachreferentin für Mobilitätsbildung beim BUND Berlin, Sprecherin Bündnis Temporäre Spielstraßen, Tel.: 0178-631 00 32, E-Mail: jung@bund-berlin.de Gabi Jung und Cornelia Dittrich werden bei rechtzeitiger Anmeldung bis 1. August, 12 Uhr, am 2. August für die Medien vor Ort in der Böckhstraße zur Verfügung stehen.

www.spielstraßen.de

 

Uwe Kamp, Pressesprecher

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