Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Wir haben die Wahlprogramme aller sechs aktuell im Landtag vertretenen Parteien analysiert – auch das Programm des BSW, da die Partei laut Umfragen eine realistische Chance auf den Einzug in den Landtag hat. Was sagen die Parteien 2026 zu kinderrechtlichen Themen?
Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt geht es auch um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen. Denn die Rechte von Kindern und Jugendlichen sind kein schmückendes Beiwerk von Parlaments- und Regierungsentscheidungen, sondern sollten endlich ins Zentrum der politischen Agenda gehören.
Kinderrechte müssen demnach bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden. Junge Menschen haben ein Recht auf Beteiligung, Schutz, Förderung und gute, chancengerechte Bedingungen für ihr Aufwachsen. Wer heute Politik gestaltet, entscheidet darüber, wie kinderfreundlich, gerecht und demokratisch unsere Gesellschaft auch in Zukunft sein wird.
Welche Parteien sich aktiv für die Belange junger Menschen engagieren, haben wir für Sie in den Wahlprogrammen geprüft.
Diese Themenauswahl basiert auf unseren kinderrechtlichen Forderungen , die wir an die Parteien gestellt haben und greift darüber hinaus aktuelle kinderrechtliche Diskussionen auf. Sie deckt nicht alle Kinderrechte ab.
| CDU | SPD | Grüne | FDP | Die LINKE | AfD* | BSW | |
| 1. Kinderrechte in der Landesverfassung stärken | keine Aussage | keine Aussage | unterstützt | keine Aussage | unterstützt | abgelehnt | unterstützt |
| 2. Maßnahmen für eine kinderfreundliche Stadt- und Dorfentwicklung | teilweise | unterstützt | unterstützt | teilweise | unterstützt | keine Aussage | keine Aussage |
| 3. Förderung einer inklusiven Gesellschaft, insbesondere im Bereich Bildung | teilweise | unterstützt | unterstützt | teilweise | unterstützt | abgelehnt | unterstützt |
| 4. Stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen | teilweise | unterstützt | unterstützt | unterstützt | unterstützt | abgelehnt | unterstützt |
| 5. Ausbau von Demokratie an Schulen durch Bildung und Beteiligung | keine Aussage | unterstützt | unterstützt | keine Aussage | unterstützt | abgelehnt | teilweise |
* Anmerkung: Der AfD Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Menschenfeindliche Positionen prägen das Wahlprogramm der AfD und stehen im Widerspruch zu den kinderrechtlichen Grundlagen unseres Vereins. Wir lehnen diese entschieden ab.
Kinderrechte sind Menschenrechte. Sie berücksichtigen die besonderen Bedürfnisse von Kindern. Auch die Bundesländer sind verpflichtet, die UN-Kinderrechtskonvention umzusetzen sowie Kinderrechte zu achten, zu schützen und zu fördern. Deshalb fordert das Deutsche Kinderhilfswerk, Kinderrechte in den Landesverfassungen zu stärken. Dazu gehören der Vorrang des Kindeswohls, das Recht auf Beteiligung und das Recht auf Förderung. So werden Kinderrechte zur Grundlage staatlichen Handelns und die Lebenssituation von Kindern nachhaltig verbessert.
Eine kinderfreundliche Stadt- und Dorfentwicklung muss stärker in den Mittelpunkt politischen Handelns rücken. Dazu gehören beispielsweise eine an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtete Stadt- und Verkehrsplanung sowie mehr Möglichkeiten zum selbstbestimmten Spielen.
Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert deshalb: In Sachsen-Anhalt sollen Förderprogramme für eine kinderfreundliche Stadtentwicklung aufgelegt werden. Modellvorhaben müssen initiiert und langfristig verankert werden. Ihre Erkenntnisse sollten landesweit bekannt gemacht werden. So kann der Wissenstransfer in weitere Kommunen gelingen.
In Sachsen-Anhalt sollte eine inklusive Gesellschaft im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention angestrebt werden. Dafür sind insbesondere im Bildungsbereich zusätzliche Anstrengungen notwendig. Denn alle Kinder haben das gleiche Recht auf Teilhabe, Bildung, Schutz und Selbstbestimmung. Eine inklusive Gesellschaft baut Barrieren ab und schafft Chancengleichheit. Kinder erleben von Anfang an, dass Vielfalt selbstverständlich ist und niemand ausgeschlossen wird. Ein chancengerechter Bildungsstart legt den Grundstein für eine gerechte Gesellschaft.
Eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sollte klar befürwortet werden. Denn Beteiligung ist ein Kinderrecht. Sie stellt sicher, dass die Perspektiven junger Menschen bei Entscheidungen berücksichtigt werden, die ihr Leben und ihre Zukunft betreffen. Gleichzeitig stärkt Beteiligung demokratisches Lernen, Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen. Sie hilft außerdem, gerechtere und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.
Ein Ausbau von Demokratiebildung und Beteiligung an Schulen sollte befürwortet werden. Aus kinderrechtlicher Sicht ist dies besonders wichtig. Denn in der Schule lernen Kinder und Jugendliche, ihre Meinung zu äußern, andere Perspektiven zu respektieren und Verantwortung für gemeinsames Handeln zu übernehmen. Durch Bildung und echte Beteiligung erleben sie Demokratie im Alltag. Das stärkt den Zusammenhalt, das Vertrauen und eine aktive demokratische Gesellschaft.