Repräsentative Umfrage zum Weltkindertag 2015 - UNICEF und Deutsches Kinderhilfswerk: Politik hat großen Nachholbedarf in Sachen Kinderfreundlichkeit!

58 Prozent der Bundesbürger halten Deutschland zwar insgesamt für kinderfreundlich, sehen jedoch erhebliche Defizite in zentralen Politikbereichen, die für Kinder von Bedeutung sind. 39 Prozent der Erwachsenen über 18 Jahre sagen sogar, dass Deutschland kein kinderfreundliches Land ist. In der Gesamtschau sehen vor allem ältere Deutsche, Frauen und Ostdeutsche mehr Defizite in Bezug auf eine kinderfreundliche Politik, während insbesondere die 18- bis 29-Jährigen Deutschland für ein eher kinderfreundliches Land halten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von infratest dimap im Auftrag von UNICEF Deutschland und Deutschem Kinderhilfswerk anlässlich des Weltkindertags am 20. September.

Als besonders wichtig für die Kinderfreundlichkeit betrachten die Bundesbürger den Schutz von Kindern vor Gewalt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und den Kampf gegen Kinderarmut. 90 Prozent sagen, dass es zur Kinderfreundlichkeit gehört, dass sich um Flüchtlingskinder gut gekümmert wird.

Danach befragt, ob sie diese Bereiche gut umgesetzt sehen, konstatieren die Befragten allerdings erhebliche Probleme. Lediglich 26 Prozent sind der Ansicht, dass sich Politiker „sehr gut“ oder „gut“ um die Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland kümmern, und nur 27 Prozent stimmen der Aussage zu, dass sich Deutschland gut um die Belange von Flüchtlingskindern kümmert. Die Unterstützung für Familien und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die 98 Prozent als sehr wichtig betrachten, sehen lediglich 41 Prozent der Befragten als „sehr gut“ oder „gut“ erfüllt an.

Aus der Sicht von UNICEF und dem Deutschen Kinderhilfswerk zeigen diese Ergebnisse klaren Handlungsbedarf für die Politik.

„Die Kinderfreundlichkeit unseres Landes zeigt sich daran, ob wir es schaffen, den Kindern Chancen und Perspektiven zu geben, die es besonders schwer haben“, sagt Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Jedes Kind hat ein Recht auf Förderung, Schutz und Beteiligung – das gilt auch für Flüchtlingskinder.“

„Die Zahlen sind ein klarer Handlungsauftrag an die Politik, entschiedener als bisher die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. Gleichzeitig brauchen derzeit die Kinder, die als Flüchtlinge in Deutschland Schutz vor Krieg, Armut und Verfolgung suchen, unsere besondere Aufmerksamkeit“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Umfrageergebnisse im Einzelnen

Trotz differenzierter Sicht der Anhänger der verschiedenen Parteien kommen jeweils große Mehrheiten in allen politischen Lagern zur Aussage, dass sich die Politik nicht ausreichend um die Bekämpfung der Kinderarmut kümmert. Diese Einschätzung teilen 77 Prozent der Linken-Anhänger, 76 Prozent der Grünen-Anhänger, 72 Prozent der SPD-Anhänger und 69 Prozent der Unions-Anhänger.

Bei der Frage, ob sich Staat und Gesellschaft ausreichend um Kinder aus Flüchtlingsfamilien kümmern, gehen die Auffassungen der Parteianhänger deutlicher auseinander. Als „weniger gut“ oder „gar nicht gut“ erfüllt sehen diesen Punkt 59 Prozent der Unions-Anhänger, 69 Prozent der SPD-Anhänger, 74 Prozent der Linken-Anhänger und 83 Prozent der Grünen-Anhänger an.

Auch bei der Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen sieht eine große Mehrheit der Befragten (62 Prozent) erhebliche Defizite: 72 Prozent der Anhänger der Linken, 63 Prozent der SPD-Anhänger, 58 Prozent der Grünen-Anhänger und 57 Prozent der CDU-Anhänger sind der Auffassung, dass dieses wichtige Kriterium einer kinderfreundlichen Gesellschaft in Deutschland „weniger gut“ oder „gar nicht gut“ erfüllt ist.

Für die repräsentative Umfrage zur Kinderfreundlichkeit in Deutschland wurden von infratest dimap im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes und UNICEF Deutschland deutschlandweit 1.006 Wahlberechtigte ab 18 Jahren mittels computergestützter Telefoninterviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 (bei einem Anteilswert von 5%) und 3,1 Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 50%).

„Kinder willkommen!“ – so lautet bundesweit das Motto für den Weltkindertag 2015. UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk rufen dazu auf, die Rechte und Bedürfnisse aller Kinder in das Zentrum von Politik und Gesellschaft zu stellen – ausdrücklich auch die von Kindern und Jugendlichen, die als Flüchtlinge in Deutschland Schutz suchen. Der Tag wird überall in Deutschland mit bunten Kinder- und Familienfesten gefeiert. Die beiden größten Veranstaltungen finden am 20. September in Berlin (<link http: www.weltkindertag.de _blank external-link-new-window external link in new>www.weltkindertag.de) und in Köln statt (<link http: www.weltkindertagsfest-koeln.de _blank external-link-new-window external link in new>www.weltkindertagsfest-koeln.de).

Die komplette Studie <link file:3151 _blank download file>steht hier zum Download bereit.

Weitere Informationen und Rückfragen:

UNICEF Deutschland, Rudi Tarneden (Sprecher)
Tel. 0221/93650-235 oder 315
Mail: <link mail window for sending>presse@unicef.de
Internet: <link http: www.unicef.de _blank external-link-new-window external link in new>www.unicef.de

Deutsches Kinderhilfswerk, Uwe Kamp (Pressesprecher)
Tel. 030/308693-11 oder 0160-6373155
Mail: <link mail window for sending>presse@dkhw.de
Internet: <link http: www.dkhw.de _blank external-link-new-window external link in new>www.dkhw.de

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