Themen und Ideen am Theater einbringen
Stell dir vor, deine Meinung und Perspektive als junger Mensch werden berücksichtigt und anerkannt. Du kannst an einem öffentlichen Ort partizipieren, und es entstehen kreative Projekte, an denen du mit deinen Ideen wirklich mitwirken kannst. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Nicht so am theater für niedersachsen. Hier können Kinder und Jugendliche ihre eigenen Themen und Vorstellungen an das Theater herantragen und zeigen, was sie denken. Jeden Dienstagnachmittag trifft sich hier die Jugendbeteiligungsgruppe des Theaters für die Diskursreihe Young Visions. Das Deutsches Kinderhilfswerk fördert dieses Projekt durch den Themenfonds Kinderkultur.
Die Projektgruppe spricht hier über Themen, die sie im Alltag und am Theater besonders interessieren. "Wir suchen uns die Themen komplett selbst aus. In den letzten Monaten haben wir uns zum Beispiel mit Adultismus und Pranks beschäftigt und uns die Strukturen des Theaters angeschaut", berichten Niklas und Heja, beide 17 Jahre alt. Sie erklären, dass am Theater oftmals Kinderrollen von Erwachsenen gespielt werden. Einerseits ist das oft wenig authentisch, finden sie, andererseits fragen sich die Jugendlichen: Warum dürfen Kinder hier nicht mit auf die Bühne, wenn sie wollen?
Arbeit und Austausch zu den Kinderrechten
Wenn ein Thema gefunden ist, brainstormen die Jugendlichen gemeinsam und überlegen, was sie daran besonders beschäftigt und wie sie dies in ein Format für die Diskursreihe umsetzen können. “In unserer ersten Young Visions-Reihe haben wir zum Beispiel zu den Kinderrechten gearbeitet, eine Stationsarbeit geplant und Interessierte dazu eingeladen. Das waren hier Kinder und Erwachsene”, berichtet der 14-jährige Johann. Man konnte dann anhand von vier Stationen spielerisch etwas über die Kinderrechte lernen, die den Kindern und Jugendlichen besonders wichtig sind, wie zum Beispiel das Recht auf Freizeit oder das Recht auf eine eigene Meinung.
“Es war sehr interessant, dass die Kinder zum Teil ganz andere Meinungen oder Perspektiven zu diesen Themen hatten. Jeder konnte dann seinen Standpunkt erklären. Dadurch kam es zu spannenden Gesprächen und viel Austausch”, erzählt Heja weiter.
Adultismus und Pranks sind wichtige Themen
Als Projekt im nächsten Quartal wird gerade ein Format zum Thema Humor und Pranks geplant – angelehnt an ein Stück über Till Eulenspiegel, das gerade am Theater inszeniert wird. Beide diese Themen beschäftigen die Jugendlichen nicht nur am Theater, sondern auch in ihrem Alltag, erklärt Clara-Maria Scheim, Projektleitende von Young Visions. Sie unterstützt die Jugendlichen dabei, die Themen zu bearbeiten und hierzu einen eigenen Programmpunkt zu gestalten. Damit möchten die Jugendlichen Teil eines Events sein, bei dem es am Theater in Hildesheim ein ganzes Wochenende um Till Eulenspiegel gehen wird. “Zu diesem Thema denken wir uns wieder Workshop-Stationen aus. Dieses Mal möchten wir Beispiele zeigen, die im Stück zu Til Eulenspiegel für uns besonders lustig sind – aber auch die, die zwar lustig dargestellt werden, es nicht sind, weil sie zum Beispiel auf Schadenfreude basieren”, erklärt Niklas.
Auch für weitere Diskurstage haben die Jugendlichen schon viele Ideen. So soll es zeitnah einen Workshop zu Adultismus mit den Erwachsenen vom Theater geben. Hier wollen sie die Lehrenden-Lernenden-Perspektive einmal umdrehen und als Expert*innen Erwachsene darüber aufklären, was es mit diesem Thema auf sich hat. Auch planen sie perspektivisch die Zusammenarbeit mit anderen Akteur*innen aus Kunst, Kultur, Politik und Bildung.
Weiterhin Interessierte gesucht!
Young Visions aus Hildesheim sucht auch weiterhin Interessierte, die Lust haben, sich bei der Diskursreihe zu beteiligen und mitzumachen. Für einen ersten Kontakt kann man sich dafür gern bei der Projektleitenden Clara-Maria Scheim melden.
Aus der Jurybewertung
"Theater als zentrale Kultur- und Begegnungsorte, die für Austausch und Meinungsvielfalt stehen, werden fast ausschließlich von Erwachsenen bestimmt und organisiert – selbst die Kinder- und Jugendprogramme. Dass das auch anders geht, zeigt das Projekt „Young Visions“, in dem Kinder und Jugendliche selbst aktiv werden und Lesungen, Workshops sowie Diskursformate auf den Weg bringen und das Theaterprogramm mit den Themen, die sie beschäftigen, maßgeblich mitgestalten. Dabei handeln sie nicht nur aus, wie ein zukunftsfähiges Theater aussehen kann, sondern auch, was demokratische Teilhabe für ALLE bedeutet und wie Kinder und Jugendliche hier selbstverständlich einbezogen werden können. Das Recht von Kindern auf kulturelle Teilhabe (Art. 31) sowie auf Beteiligung (Art. 12) werden hier vorbildlich miteinander verbunden."






