Franziska Appelhagen

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Deutscher Kinder- und Jugendpreis 2021

Diese Kinder- und Jugendprojekte haben gewonnen

Deutschlands höchstdotierter Beteiligungspreis für Kinder und Jugendliche - der Deutsche Kinder- und Jugendpreis 2021 - ist am 27. September im Europa-Park Rust verliehen worden! Der Deutsche Kinder- und Jugendpreis zeichnet Projekte aus, bei denen Kinder und Jugendliche bei­spiel­haft an der Gestaltung ihrer Lebenswelt mitwirken.

Wie immer war es eine richtig schöne und würdigende Preisverleihung, die den Kindern und Jugendlichen die Aufmerksamkeit und Anerkennung schenkte, die sie für ihre tollen Projekte verdient haben. Hier gibt es Impressionen von der Veranstaltung:

Projekte aus Berlin, Essen und Ratzeburg haben gewonnen

Folgende drei Projekte sind mit dem Deutschen Kinder- und Jugendpreis in den Kategorien "Kinder- und Jugendkultur", "Politisches Engagement" und "Solidarisches Miteinander" ausgezeichnet worden. Die Gewinnerinnen und Gewinner können sich über ein Preisgeld in Höhe von je 6.000 Euro freuen. Wir gratulieren ganz herzlich!

Gewinnerprojekt in der Kategorie „Kinder- und Jugendkultur“

„Barlach GoYoung“ aus Ratzeburg, Schleswig-Holstein

Barlach GoYoung richtet sich an bildungsbenachteiligte Jugendliche, insbesondere jene ohne Ausbildungsplatz, mit oder ohne Schulabschluss, die zu Museumsbotschafterinnen und -botschaftern ausgebildet werden. Die Jugendliche produzieren eigene Videokunst, die das Ernst Barlach Museum Ratzeburg und die Stadt Ratzeburg zu einem Erlebnis- und Diskursraum für andere Jugendliche verwandelt: In Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern lernen die Jugendlichen kreative und kommunikative Techniken kennen, entwickeln in Workshops gemeinsam ihr eigenes Kunstprojekt und arbeiten Werte, Ideen und Strategien für eine lebenswerte Welt aus. Die Ergebnisse werden neben Präsentationsveranstaltungen auch über verschiedene Social-Media-Kanäle und jugendrelevante Netzwerke kommuniziert. Ein reger Austausch mit anderen Jugendlichen ist dabei ausdrücklich gewollt.

Gewinnerprojekt in der Kategorie „Politisches Engagement“

„The Green Club“ aus Essen, Nordrhein-Westfalen

Die Schülerfirma „The Green Club“ des Gymnasiums an der Wolfskuhle wurde von Schülerinnen und Schülern geschaffen, um den Alltag der Schulgemeinschaft und der Nachbarschaft nachhaltiger zu gestalten. Aktuell arbeiten sie ein neues Konzept für die Vermarktung fairer Kleidung aus, integrieren einen Webshop in die Firmenhomepage, um nachhaltige Schreibwaren in der Schule zu etablieren und kooperieren mit lokalen Unternehmen, um auch Personen außerhalb der Schule zu erreichen. Ihre Umsätze investieren sie in ihr Solarprojekt oder spenden Bäume. Der Projektkurs zur Weiterentwicklung der Projekte findet einmal wöchentlich statt. Nach Projektende berichten die Mitglieder in Form von Projektarbeiten von der Durchführung, den Schwierigkeiten, den Herausforderungen und den Erfolgen, was den folgenden "The Green Club"-Generationen als Inspiration bereit gestellt wird.

Gewinnerprojekt in der Kategorie „Solidarisches Miteinander“ und Publikumspreis Europa-Park JUNIOR CLUB Award

„CoronaPort“ aus Berlin

Noah (17 Jahre) hat die Internetseite CoronaPort erstellt, um Menschen in der aktuellen Pandemie zu unterstützen. Auf CoronaPort können Menschen freiwillige Hilfe, wie Einkaufen gehen oder Kinderbetreuung anbieten und umgekehrt Personen in ihrer Region nach der von ihnen gebrauchten Unterstützung suchen. Durch diese deutschlandweite Nachbarschaftshilfe möchte Noah die unübersichtlichen Hilfsangebote und Hilfsgesuche zusammenführen und die Kommunikation für beide Seiten erleichtern. Aus jedem Bundesland haben sich mittlerweile Freiwillige auf CoronaPort angemeldet - insgesamt 250.000 Nutzerinnen und Nutzer! Seinen Arbeitsprozess hat Noah live mit anderen Jugendlichen geteilt und Einblicke in die Arbeit an seiner Webseite gegeben. So konnte er auf Hilfe beim Programmieren zurückgreifen und Verbesserungsvorschläge berücksichtigen. Und nicht zuletzt hat das Projekt viele Jugendliche motiviert, eigene Projekte umzusetzen.

"Lobende Erwähnung" für Projekte aus München, Marbach und Chemnitz

Außerdem gab es in jeder Kategorie eine „Lobende Erwähnung“, die mit 3.000 Euro dotiert ist und an folgende drei Projekte ging:

Lobende Erwähnung in der Kategorie „Kinder- und Jugendkultur“

„Biene & Ameise - honiggut und ameisenstark“ aus München

Der sechsjährige David mit Asperger-Syndrom hat ein Buch für Kinder geschrieben. Hauptdarstellerinnen des Buches sind eine Biene und eine Ameise. Thema des Buches ist der ökologische Nutzen der beiden Tiere und zugleich ein Aufruf, dass jeder Mensch sich beteiligen möge, etwas für die Umwelt zu tun. Das Buch stellt David auf seiner Webseite kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung, auch die Audiodateien - von David eingelesen - sind dort kostenlos erhältlich. So sollen alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft Zugang zu Informationen und Spaß am Lesen vermittelt bekommen. David steht für Kinder, die durch ihre Einzigartigkeit in keine Schublade passen. Sein Wunsch: ein Vorbild für andere Kinder sein und zeigen, was möglich ist, wenn die passenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Lobende Erwähnung in der Kategorie "Politisches Engagement"

„Kinder an die Macht“ aus Marbach, Baden-Württemberg

Im Kindergarten St. Franziskus im Kirchtal werden Kinderrechte und kindgerechte Partizipation gelebt: Die Kinder hatten den Wunsch geäußert, einen Tag lang den Kindergarten ohne pädagogische Fachkräfte zu erleben. In der Kinderkonferenz wurde daraufhin besprochen, welche Aufgaben auf sie zukommen, welche Rollen übernommen und welche Verantwortungen getragen werden müssen. Die Kinder haben selbstständig die Rollen verteilt, ihre Aufgaben wahrgenommen, sich abgesprochen und miteinander Lösungen gefunden. Alle Kinder waren eingebunden - kein Kind wurde benachteiligt. Die Kinder konnten ihre Kräfte so gut einschätzen, dass sie ihr Projekt rechtzeitig beendeten und um Unterstützung baten. In der zweiten Kinderkonferenz haben die Kinder das Projekt ausgewertet und festgestellt, dass sie sich mehrheitlich ein längeres Durchhalten gewünscht hätten. Nichtsdestotrotz waren die Kinder mit sich zufrieden und ein großer Teil der Kindergruppe würde das Experiment gerne wiederholen.

Lobende Erwähnung in der Kategorie „Solidarisches Miteinander“

„Spendensparschwein Rosalie“ aus Chemnitz, Sachsen

Die 17-jährige Janice unterstützt seit ihrem 13. Lebensjahr obdachlose Menschen in Chemnitz. Dafür hat sie das Spendensparschwein Rosalie® ins Leben gerufen. Jeden Monat spendet sie die Hälfte ihres Taschengeldes an Menschen, die auf der Straße leben. Darüber hinaus versucht sie, über die Öffentlichkeit an weitere Spenden und Unterstützerinnen und Unterstützer zu kommen. Von dem Geld kauft Janice zum Beispiel Hygieneartikel oder Lebensmittel, um die Obdachloseneinrichtungen in Chemnitz zu unterstützen. Ihr Ziel ist es, dass das Spendensparschweinchen Rosalie irgendwann in jeder Großstadt etabliert ist und von jungen Menschen vertreten wird, um die obdachlosen Menschen dort zu unterstützen. Denn: „Es gibt viele Gründe, warum jemand auf der Straße landet. Aber es gibt keinen einzigen Grund, ihn nicht wie einen Menschen zu behandeln!“

Die Idee hinter dem Deutschen Kinder- und Jugendpreis

„Die Ehrung soll das Können von Kindern und Jugendlichen aufzeigen, sie für ihre Leistung auszeichnen und ihnen die Öffentlichkeit geben, die sie für ihr Engagement verdienen.“
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes

Ausgehend von dem Kinderrecht auf Beteiligung (Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention) fördert und stärkt das Deutsche Kinderhilfswerk die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist der Schlüssel zu einer demokratischen Gesellschaft. Mit dem Deutschen Kinder- und Jugendpreis ehrt das Deutsche Kinderhilfswerk Projekte, die in beispielhafter Art und Weise Beteiligung von Kindern und Jugendlichen praktisch umsetzen. Gleichzeitig wird so eine große Öffentlichkeit für die Fähigkeiten und die Kreativität von Kindern für unsere Gesellschaft geschaffen.

Sowohl die feierliche Atmosphäre bei der Preisverleihung als auch das Ambiente des Europa-Parks geben der Auszeichnung einen altersgerechten und zugleich würdigenden Rahmen. So erfahren die Kinder und Jugendlichen eine besondere Motivation, sich weiterhin zu engagieren.


Auswahlverfahren der nominierten Projekte

An der Fachjurysitzung zur Vorauswahl nahmen die Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes Miriam Mack und der Botschafter Ingo Dubinski teil, Regina Terzic und Christian Kipper von der Deutschen Fernsehlotterie sowie Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes Holger Hofmann und die Mitarbeitenden Anna Mettner (Kulturelle Bildung für Kinder), Claudia Neumann (Spiel und Bewegung) und Torsten Krause (Medien). Der Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes (Foto) traf schließlich die finale Auswahl der nominierten Projekte.