Franziska Appelhagen

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Deutscher Kinder- und Jugendpreis

Die Nominierten 2022

Die Nominierten für den Deutschen Kinder- und Jugendpreis 2022 in den Kategorien Politisches Engagement, Solidarisches Miteinander und Kinder- und Jugendkultur stehen fest! Es war wie immer eine schwere Entscheidung, aber alle Projekte, die sich beworben haben, sind Gewinner – für sich, für uns, für unsere Gesellschaft. Wir können nicht alle zur Preisverleihung einladen, aber wir sagen DANKE. Macht weiter so!

Wer hat über die Nominierungen entschieden?

Nachdem eine Fachjury aus Erwachsenen unter allen Bewerbungen eine erste Vorauswahl getroffen hatte, beschäftigte sich der Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes an einem Wochenende mit den ausgewählten Projekten. Intensiv wurde über die Projekte diskutiert, die Vor- und Nachteile abgewogen und das Besondere herausgearbeitet. Am Ende war es – wie in jedem Jahr - keine leichte Entscheidung, wer es in die Endrunde schafft. Schließlich einigten sich die Jurymitglieder aber doch auf sechs Projekte und nominierten sie für den Deutschen Kinder- und Jugendpreis.

Deutscher Kinder- und Jugendpreis: Kategorie Politisches Engagement
Faces for names

Faces for the Names aus Hamburg, Hamburg

Über 80 Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahre aus verschiedenen Stadtteilen von Hamburg riefen gemeinsam zur Mahnung und zum Gedenken auf und setzten sich mit ihren Gedenkaktionen gegen Antisemitismus und jede Form von Rassismus ein. Gemeinsam kooperierten unter anderem Jugendliche aus den „Demokratie leben! Partnerschaften“ sowie das Helmut-Schmidt-Gymnasium und das Gymnasium Klosterschule. Die Jugendlichen kamen zusammen, um eine interaktive Form des Gedenkens in Hamburg-Mitte umzusetzen. Sie recherchierten zu Biografien und setzten sich mit den Begebenheiten der Stadtteile auseinander, um Routen zu planen und die Aktionen auszugestalten.

Die Auswahl der zu projizierenden Bilder und Schriftzüge wurde auf Projektionsscheiben übertragen. Durch Textbeiträge in Form von Poems, Reden oder musikalischen Beiträgen wurde die Aufführung vervollständigt. Die Projektionen wurden an Häuserfassaden, an Wände von bestimmten Institutionen, auf Straßen und Marktplätze, auf Menschen sowie auf Parkanlagen projiziert. Im Anschluss wurde den Zuschauenden und Beteiligten die Möglichkeit geboten, bei einem Austausch-Workshop zu den Eindrücken und Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Das Projekt gibt den Jugendlichen und jungen Heranwachsenden eine Stimme und macht sie wahrnehmbar für die Gesellschaft und vor allem ihre Bedarfe an Themenschwerpunkten und Auseinandersetzungen. 

Stop Microplastic

Stop! Mikroplastik aus Friedberg, Bayern

Mit „Stop! Mikroplastik" wollen Leonie, 18 Jahre, und Zoë, 15 Jahre, einen Beitrag zum Erhalt von sauberem Wasser leisten. Mit dem inzwischen vierjährigen Engagement gegen den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt leisten sie einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung. Mit den innovativen Filtern für Waschbecken, Waschmaschine und Wäschetrockner kann der Mikroplastikeintrag in die Umwelt reduziert werden. Die drei entwickelten Filterprototypen werden auch bei den Schwestern im Haushalt eingesetzt.

Um ihr Ziel zu erreichen, haben sie sich mit verschiedenen Organisationen und Fachleuten vernetzt. Mit ihrer umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit unterstützen sie die Bewusstseinsbildung der Zukunftsgeneration z. B. in Pfadfinder- und Schulgruppen. Firmen, Organisationen und andere Bündnisse werden als Entscheidungsträger ebenfalls adressiert. Dazu haben sie bereits zahlreiche Aktionen organisiert, sowie Workshops und Vorträge gehalten. Zoë hat aus den Ergebnissen ihrer bisher 348 auf Mikroplastik untersuchten Proben aus 10 Augsburger Fließgewässern Handlungsempfehlungen erschlossen und diese an die Augsburger Bürgermeisterin übergeben und an Bürger*innen bei diversen Aktionen verteilt. Insbesondere nach dem Urteil gegen das Klimaschutzgesetz finden sie es wichtig, dass künftig alle Kinder ein Recht auf sauberes Wasser und nachhaltige Entwicklung haben.

Deutscher Kinder- und Jugendpreis: Kategorie Solidarisches Miteinander
Naturschutz2go

Naturschutz2go aus Bremen, Bremen

Jonte ist 14 Jahre alt und hatte die Idee, alte Kaugummiautomaten zu Saatgutautomaten umzubauen. Jonte ist seit seinem 7. Lebensjahr Imker. Das Aussterben der Wildbienen und anderer Arten beschäftigt ihn sehr. Ihm ist aufgefallen, dass es immer mehr Schottergärten gibt und er wollte eine Möglichkeit finden, den Erhalt der Biodiversität und der Artenvielfalt zu sichern und Lebensräume für Insekten und andere Tiere im Garten oder auf dem Balkon zu schaffen. Der erste Automat stand pünktlich zur Pflanzzeit im Frühjahr 2020 vor seiner Tür. 2021 hat er das Projekt um einen recycelten Kondomautomaten erweitert. Mittlerweile wurden insgesamt neun Automaten gebaut, teilweise in Workshops mit Kindern und Jugendlichen.

Mit seinem mobilen Saatgutautomaten ist er auf Demos oder andere Veranstaltungen unterwegs. Gefüllt sind die Automaten mit insektenfreundlichem Saatgut, angepasst an die jeweiligen Regionen, mehrjährig, einjährig, mit Saatgutkonfetti, mit Frühblühern im Herbst oder neuerdings auch plastikfrei und unverpackt mit Bienenpralinen. Außerdem kontaktiert er Firmen, um Sachspenden wie Saatgut oder Zwiebeln zu erhalten oder auch Rabatte auszuhandeln. Den Erlös aus den Automaten spendet er entweder an verschiedene Natur- und Klimaorganisationen oder das Geld fließt direkt in neue Automatenprojekte ein.

Youth for kids

Youth for Kiez aus Berlin, Berlin

Youth for Kiez ist ein Beteiligungsprojekt von jungen Menschen für junge Menschen. Darüber hinaus ist Youth for Kiez ein Projekt zur Unterstützung und zur Stärkung des solidarischen Engagements. Bei dem Projekt verfügen junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren über ein Beteiligungsbudget, um ihre Projektideen umzusetzen, mit dem Ziel, das Leben im Kiez mitzugestalten und solidarischer sowie kinder- und jugendfreundlicher zu machen.

Im Rahmen ihrer Miniprojekte übernehmen die jungen Engagierten die Verantwortung für die Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation. Sie werden bei Bedarf von Fachkräften unterstützt, unter anderem durch eine Projektsprechstunde im Jugendclub. Wenn es auf Grund der Einhaltung der Aufsichtspflicht oder für Sicherheitsfragen notwendig ist, begleiten Fachkräfte die jungen Engagierten bei ihren Aktivitäten. Sie lassen denen aber Raum für die eigene Umsetzung ihres Miniprojektes. Die Gruppe der jungen Engagierten besteht aus Menschen aller Geschlechter insbesondere aus bildungsfernen Umgebungen mit und ohne Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. In Berlin-Weißensee warten wöchentlich circa 100 Kinder und Jugendliche auf die jungen Engagierten, um Freizeitaktivitäten zu genießen und ihre Unterkünften oder ihre Wohnblock zu verlassen. 30 junge Menschen haben 2021 insgesamt 18 Miniprojekte selbst konzipiert und umgesetzt. Durch Youth for Kiez wurde bei allen Beteiligten das Gefühl gestärkt, in einer partizipativen, multikulturellen und solidarischen Gemeinschaft zu leben.

Deutscher Kinder- und Jugendpreis: Kategorie Kinder- und Jugendkultur
Jugend kuratiert

JUGEND KURATIERT aus Lübeck, Schleswig-Holstein

Ein Team von 13 Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren konzipierte und realisierte eine Gruppenausstellung junger zeitgenössischer Kunst. Zusammen mit Koordinator*innen sowie Workshopleiter*innen lernten die Jugendlichen an drei Workshop-Wochenenden die Phasen einer Ausstellungsvorbereitung kennen. In demokratischer Zusammenarbeit entschieden sie selbst über die Auswahl der Künstler*innen, Themenschwerpunkte und einzelnen Werke sowie über die Präsentation in den Ausstellungsräumen.

Neben einer kunsthistorischen und begrifflichen Einführung und der Darstellung der thematischen, medialen sowie ästhetischen Vielseitigkeit zeitgenössischer Kunst lernten die Jugendlichen auch die praktischen Bereiche des Arthandlings, des technischen Aufbaus und der Produktion von eigenen Kunstvermittlungsformaten kennen. Die von den jungen Kurator*innen eigenständig, kreativ und mit viel Augenmaß umgesetzte Ausstellung ist auf große Resonanz gestoßen und konnte rund 1.400 Besucher*innen verzeichnen.

Ländercafé

Ländercafe aus Mengerskirchen, Hessen

Die Kinder zwischen 6 und 12 Jahren entscheiden sich im Ländercafe, welches Land sie gerne vorstellen möchten, beispielsweise ihr Herkunfts- oder Urlaubsland. Inspiriert von Reiseführern und Recherchen im Internet, aber auch durch eigene Erfahrungen mit den unterschiedlichen Gerichten, Bräuchen, Sehenswürdigkeiten und Sprachen setzen sie sich in kleinen Gruppen mit einem Land auseinander. Dazu bereiten sie ein Plakat und einen kurzen Beitrag für ihre Mitschüler*innen vor. Dabei werden sie von ihren Eltern unterstützt, indem diese zum Beispiel landesspezifische Speisen und Getränke vorbereiten. Danach laden die Kinder ihre Mitschüler*innen und Lehrer*innen in ihr Ländercafe ein.

Die Franz-Leuninger-Schule nimmt seit 2015 geflüchtete Kinder auf. Im Schülerparlament stellten sich die Kinder die Frage, wie sich die neuen Kinder an der Schule schneller einleben und wie die Schule ein Wohlfühlraum für sie werden kann. Mit Hilfe eines Fragebogens wurden die Ideen und Vorstellungen der Kinder an der Schule gesammelt und in einer Zukunftswerkstatt konkretisiert. So schlugen die Kinder beispielsweise vor, eine große Weltkarte im Foyer einzurichten, auf der zu erkennen ist, woher die Schüler*innen der Franz-Leuninger-Schule stammen. Ein bedeutender Vorschlag der Schüler*innen war das Ländercafé.